Faust I

Osterspaziergang

Andrer Bürger:

Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

Dritter Bürger:

Herr Nachbar, ja! so laß ich’s auch geschehn:
Sie mögen sich die Köpfe spalten,
Mag alles durcheinander gehn;
Doch nur zu Hause bleib’s beim alten.

Am Ostersonntag zündet ein 28 jähriger Mann, Lehrer aus Süd-Punjab, zwanzig Kilogramm Sprengstoff in einem Park der Millionenstadt Lahore in der Nähe eines Kinderspielplatzes. 70 Todesopfer sind zu beklagen, 340 Menschen werden verletzt.

Kein Gebäude, kein Denkmal, keine Sehenswürdigkeit wurde in weiß und grün angestrahlt – den Farben der pakistanischen Flagge.

 

Churchill(Als Winston Churchill gebeten wurde die Förderung der Kunst zugunsten der Finanzierung der Kriegeskosten zu beschneiden antwortete er lediglich „wofür kämpfen wir dann?)

 

Roland Methling weiß wofür er kämpft. Er tut das hartnäckig und seit vielen Jahren. Er kämpft gegen das Rostocker Theater in seiner jetzigen Vierspartengestalt mit eigenem Ensemble. Ein Bespieltheater soll es nach seinem Willen werden, damit kommt er nicht durch. Er kündigt den frisch verpflichteten Intendanten Sewan Latchinian, damit kommt er auch nicht durch. Jetzt sollen die Sparten Schauspiel und Tanz geschlossen werden. Damit könnte er durchkommen…

Rostock ist berühmt für seine Hanse Sail. Rostock ist auch berühmt für das viertägige braune Progrom gegen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber in seinem Stadtteil Lichtenhagen 1992 mit eigenem Wikipedia-Eintrag.

Die Hanse Sail findet einmal im Jahr statt. Als 20 Jahre nach den Ausschreitungen in Lichtenhagen ein Gedenkmarsch stattfand musste der, aus diesem Anlass gepflanzte „Mahnbaum“ (übrigens eine deutsche Eiche), unter Polizeischutz gestellt werden… immer noch. Gesellschaftsstrukturen einer Stadt, deren Oberbürgermeister kulturelle Gegengewichte schrumpft …obwohl das Volkstheater ein Geschäftsführungsmodel vorgelegt hat, das den Vierspartenbetrieb ohne Zusatzmittel bis 2020 sichern würde.

Städte können schlecht auf lokale Kultur verzichten. Studien belegen, dass Kultur ein wirtschaftlicher Wertschöpfungsfaktor ist. Ihr immaterieller Wert für die Gesellschaft jedoch ist weitaus höher als jener, den man beziffern kann.

Keine Stadt, Rostock aber erst recht nicht, kann es sich leisten auf diese Werte zu verzichten.

Dafür gibt es eine Petition. >>>>>>>>>>>HIER!

 

 

 

In allen Wahl- und Parteiprogrammen der Afd, die ich recherchiert habe, wird bedeutsamer Wert auf Bildung und die deutsche Sprache gelegt. Einer Partei mit so eindeutigen Schwerpunkten sollte der Zusammenhang beider Themen mit Kultur nicht entgehen. Es wäre zu erwarten, dass dezidierte Vorstellungen dazu beschrieben werden.

Ganz so einfach ist es nicht. So besorgt sich beispielsweise die Hamburger Afd auf 28 Seiten u.a. über Ferienwohnungen, Überschwemmungsgebiete und sauberes StadtGrün – über Kultur findet man nichts.

Immerhin ist sie damit weiter als die AfD Thüringen. Wenn man dort auf das Wahlprogramm klickt… erhält man das Logo des Wahlprogramms – und ja, nur das Logo. Kultur ebenso abwesend, wie …naja, alles andere eben auch.

Ich beschließe grundsätzlicher vorzugehen und steuere die landesweite Website der AfD an. Acht Themenkomplexe sind dort aufrufbar, nein, Kultur gehört nicht dazu. Ich klicke hoffnungsvoll auf die Rubrik Bildung, denn dorthin könnte man sie sinnvoll verräumt haben. Hat man aber nicht, sie ist schlicht abwesend.

Zurück in die Regionen – in Bremen findet sich im Resümee des 49 Seiten umfassenden Wahlprogramms zwar der Satz: „Nur selbstbewusste Kulturnationen können Integrationskraft gewinnen…“ – Kulturpolitik, die ja dazu passen würde, sucht man indes vergebens.

Ich bin hartnäckig und schwenke um nach Baden-Württemberg… 64 Seiten, 12 Programmpunkte, keiner davon beschäftigt sich mit Kulturpolitik – aber ich finde etwas. Unter dem Programmpunkt „Leitbild der Familie schützen und fördern“ ein erster Hinweis darauf, wie die AfD sich gegenüber Kulturschaffenden zu positionieren gedenkt:

„Die AfD will auf die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten einwirken und auch im Bildungsbereich Anstrengungen unternehmen, damit Ehe und Familie positiv dargestellt werden.“

Interessant. Die AfD will auf Rundfunkanstalten einwirken. Ein erstaunlicher Plan jener Partei, die gerne von „Lügenpresse“ spricht und unabhängige Berichterstattung so sehr vermisst.

Abseits von schwerwiegenden juristischen und journalistischen Bedenken – das wird die Drehbuchautoren diverser Fernsehproduktionen vor ganz neue Herausforderungen stellen… die sie in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht haben dürfen.

Das Wahlprogramm aus Sachsen ist eine informative Offenbarung. Es gibt Aussagen zur Kulturpolitik:
„Wir wenden uns gegen einen normierten und nach reinem Verkaufswert zusammengezimmerten Kulturbegriff ebenso wie gegen einen Verordnungsstaat, der durch Fördermittel und Auszeichnungen in die Kulturproduktion eingreift.“

Also keine Fördermittel für Kultur? Keine Auszeichnungen? „Jugend musiziert“ dürfte damit genauso am Ende sein, wie der „Heidelberger Stückemarkt“, Theatertreffen adé und… und… und. Man möchte Denkmäler pflegen, die sorbische Kultur, Vereine für Kultur und Sport und das Kulturraumgesetz modifizieren – alles bedarfsgerecht. Das ist ein dehnbarer Begriff, denn was ich nicht fördere verschwindet und bedarf dann auch weniger.

Beunruhigend. Sicher. Aber den Spitzenplatz ausformulierter Kulturpolitik sichert sich das AfD Wahlprogramm 2016 in Sachsen-Anhalt. Dort ist zu lesen:

„2.8.1 Pflege der deutschen Leitkultur

Die Internationalisierung aller Lebensbereiche, die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft auf deutschem Boden und der fehlende Mut zu unserer deutschen Leitkultur schwächen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und gefährden auf lange Sicht die Demokratie selbst. Dem wollen wir mit einer Kulturpolitik gegensteuern, die in der Pflege einer deutschen Leitkultur eine sehr wichtige Aufgabe begreift und so dafür Sorge trägt, dass auch und gerade die integrationswilligen Einwanderer sich verstärkt mit unserem Land identifizieren.“

Warum eine Internationalisierung die Demokratie gefährdet erschließt sich mir nicht und wird auch nicht weiter erklärt. Was hingegen von der Kultur erwartet wird ist genau beschrieben:

„2.8.2 Identitätsstiftende Kulturpflege statt nichtssagender Unterhaltung!

Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern. Die Bühnen des Landes Sachsen-Anhalt sollen neben den großen klassischen internationalen Werken stets auch klassische deutsche Stücke spielen und sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen.“

Wie man die freiheitlichen Aspekte von Kunst in wenigen Sätzen so mit Füßen treten kann, dass es in Stepptanz ausartet, zeugt nicht nur von einem bemerkenswerten Missverständnis der Kunst, sondern der Freiheit an sich.
Und jeder Staat, der auf Rundfunkanstalten einwirkt und seinen Bühnen vorschreibt was dort wie zu inszenieren ist, kann vieles sein… aber eines nicht – eine Demokratie. Was ist dann eine Partei nicht, die das will?

Was bedeutet „Lügenpresse“? Das Wort bedeutet: wenn Du nicht meiner Meinung bist, dann lügst du.

Und: weil du sowieso lügst muss ich mich mit dir nicht mehr auseinandersetzen.

Deshalb: brauche ich mich mit niemandem auseinandersetzen, der anderer Meinung ist oder meine Meinung hinterfragt. Denn entweder ist die oder der Teil der Lügenpresse – oder ein verblendetes armes Opfer der Lügenpresse.

Fazit: Meine Meinung steht fest – bitte verwirren Sie mich nicht mit Fakten oder Fragen.

Dunja Hayali hat genau das getan. Immer wieder, beharrlich und vor Ort. Sie hat zugehört, nachgefragt, ungeschützt, ruhig. „Menschen interessieren mich.“ sagt sie.

Für ihre Berichterstattung ist sie in den Sozialen Medien attackiert worden… ein besseres Wort dafür gibt es nicht. Ich habe überlegt an dieser Stelle Beispiele an zuführen. Sie sind leicht zu finden. Unter YouTube-Videos, auf Facebook, auf Twitter, in den Kommentaren zu ihren Sendungen. Es braucht keine Mühe sie zu finden, es braucht nur Mühe sie zu lesen.

Ich habe mich dagegen entschieden. Sie sind hasserfüllt, sexistisch, rassistisch. Sie unterschreiten, was noch Niveau genannt zu werden verdient, sie überschreiten, was noch den Namen Meinungsfreiheit tragen könnte. Sie verdienen Verachtung nicht Beachtung.

Dunja Hayali hat auch sie beachtet. Trotzdem. Rund 100 Anfragen zu einem persönlichen Treffen hat sie an jene verschickt, die ihr „Lügenpresse“ vorwarfen. Wenige wollten sich stellen, zwei hat sie getroffen.

Sie glaubt an den Dialog. Wie führt man ihn? Mit allen Menschen, auch mit denen die hassen statt zu denken?

Vielleicht trotzdem. Weil es der einzige Weg ist. Wer dem Hass ausweicht schenkt ihm Raum. Wer schweigt stimmt zu. Wer andere ignoriert kann sie nicht überzeugen.

Gestern bekam sie die „Goldene Kamera“ in der Kategorie „Beste Information“.

YES!

 

 

 

 

Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt und darin einen Gott… dann plant er ein Hörspiel… und ich mag es nicht.

Nur wenige Tage nach David Bowie ist eine weitere wunderbare, großartige Stimme für immer verstummt. Eine magnetische Stimme, eine Stimme, die das Telefonbuch von London hätte vorlesen können und man hätte danach das von Birmingham angereicht um ihr weiter zuzuhören.

Alan Rickman hätte diese Stimme nicht gebraucht um zu fesseln. Wenige konnten mit so wenig, wortlos, so viel erzählen. Vor der Kamera und auf der Bühne.

Wandelbar… unverwechselbar…

Über seine Rollen sagte er einmal: „I am the character you are not supposed to like.“

Was für ein Irrtum!

Heute ist die Bühne und das Kino um Alan Rickman ärmer geworden.

Chris Hadfield singt …naja… okay. Und er spielt ganz leidlich Gitarre. 2013 nahm er eine Version von “Space Oddity” auf.

Sie wurde auf YouTube bisher weit über 23 Millionen mal angesehen und David Bowie nannte sie die vielleicht ergreifendste Version, die jemals von seinem Song gemacht wurde.

Chris Hadfield muss auch nicht singen können oder brillant Gitarre spielen, er ist kanadischer Astronaut… und als der Song aufgenommen wurde war er Kommandant der Internationalen Raumstation ISS.

Einer Raumstation, auf der die Arbeitsstunde eines Astronauten 30.000 Euro kostet… aber für das besondere ist das manchmal eben egal… und soll es auch sein.

Hadfield schrieb zu dem ersten Musikvideo aus dem Weltraum: „Mit Verbeugung vor dem Genie von David Bowie, hier ist Space Oddity, aufgenommen auf der Station. Ein letzter kurzer Blick auf die Welt.“.

David Bowie starb gestern, am 10. Januar 2016, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung des Albums „Blackstar“.

In seinem Song „Within you“ gibt es die Textzeile „I move the stars for no one…“

Well… who knows… maybe now you do… but I will miss your voice.

Friedrich Hofreiter fabrizierte Millionen von Glühbirnen, eine Ehe und Dutzende Affären.

Ersteres machte ihn wohlhabend, zweiteres schenkte ihm einen Sohn… das dritte füllt ihn immer weniger aus. Dem erfolgsverwöhnten Jäger gehen die Herausforderungen aus während die Midlifecrisis vehement an seine Tür klopft. Seine, strikt auf das eigene Wohlbefinden ausgerichtete, Weltordnung verliert zusätzlich signifikant an Komfort, als er erfährt, dass seine Frau eine Affäre mit einem berühmten Pianisten ausgeschlagen hat, woraufhin dieser seinem Leben ein Ende setzte.

Ihren Vorsprung an Treue aus Liebe zu ihm interpretiert er zu einem Fluchtgrund um – denn dass ihre Treue einen Mann in den Tod getrieben hat ist ihm unheimlich und, seiner Meinung nach, doch mit einer gewissen unschuldigen Schuld behaftet. Er windet sich, weicht ihr aus, nutzt schließlich die erste Gelegenheit in die österreichischen Berge zu flüchten und in die Arme einer Zwanzigjährigen mit der er, wörtlich und übertragen, neue Gipfelbesteigungen unternimmt.

Seine Frau lässt sich währenddessen schließlich doch auf eine Affäre ein. Die Balance sollte nun für Friedrich wieder hergestellt sein – aber „die Seele ist ein weites Land“ in der die Logik widersprüchlichen Gefühlen unterlegen ist.

Schnitzlers „Das weite Land“ ist ein Stück über Menschen und ihre beziehungslosen Beziehungen, über die Verwechslung von Rausch und Liebe, über Projektion und Verleugnung, über Leere im Wohlstand und persönliche tragikkomische Strategien sie mit Bedeutung zu füllen.

Es wurde 1911 am Wiener Burgtheater uraufgeführt und ist 105 Jahre später aktueller denn je.

Denn für die Wege im weiten Land gibt es immer noch keine Wanderkarte.

 

Premiere am 8.01.2016 | 19.30h | Grosses Haus

 

Das Weite Land; Januar 2016, Theater St.Gallen; Regie Tim Kramer

(Foto: Tine Edel für das Theater St.Gallen)

Zu Silvester bekommen raumfahrtaffine Menschen wie ich oft die Frage gestellt… kann man Feuerwerk aus dem Weltraum sehen?

Die Antwort wird manchen überraschen… yes, you can.

Die ISS umkreist unseren Planeten mit einer Flughöhe von rund 400km und wenn die Wolkendecke und klare Sicht es erlauben, dann sieht man Feuerwerk als kleine aufblinkende Lichter.

Heute Nacht wird unser Planet das neue Jahr feiern und blinken was das Zeug hält. Sechs Besatzungsmitglieder der Internationalen Raumstation haben Logenplätze. Das ist ein faires Privileg, denn sie kennen auch andere Anblicke. Man kann auch Krieg aus dem Weltraum sehen. Besser als Feuerwerk und das ganz Jahr über.

Es gibt schlechtere Beispiele der Beschreibung beider Pole menschlicher Begabung als die Tatsache, dass wir eine Raumstation haben, die es uns ermöglicht aus dem Weltall zu verfolgen wie unsere Waffen Länder in Schutt und Asche legen.

Menschen sind eine zweischneidige und seltsame Spezies, der man zurufen möchte:

You are the result of 3,8 billion years of evolutionary success – act like it!

Und deshalb wünsche ich allen für 2016 Gesundheit, Neugier, Mut, Kraft, Ideen und Lachen.

Ready to launch 2016… have a splendid year!!!

Unsere Öffentlichkeitsabteilung bat uns um Audio- und Videobeiträge für den Online-Adventskalender auf der Theaterhomepage. Vorgaben gab es keine. Und wenn man mich einfach machen lässt – dann kommt überproportional häufig etwas mit Raumfahrt dabei heraus. So auch dieses Mal… und völlig zu recht.

Wenigen dürfte es entgangen sein… das Weihnachtsfest wurde von einem ausnehmend hell strahlenden Mond begleitet. Heute ist Vollmond… seit 1977 hat es das zu Weihnachten nicht mehr gegeben und erst 2034 wird es wieder so weit sein. Grund genug an ein ganz besonderes Weihnachtserlebnis der Besatzung von Apollo 8 aus dem Jahr 1968 zu erinnern:

( >>>Einfach auf das Bild klicken…)

EarthriseEin wundervolles Weihnachtsfest… Merry Christmas… God Jul!

Ich habe mich enorm bemüht die großen Spoiler außen vor zu lassen. Dennoch gibt es Erwähnungen, die als kleine verstanden werden könnten. Stringente Star Wars Fans müssen hier gewarnt werden erst ins Kino zu gehen… und dann wieder auf diesen Blog…

Es gibt zwei kineastische Geschmäcker meiner Kindheit auf die ich bis heute nicht verzichten will. Das eine sind Disneyfilme, das andere ist Star Wars… naja, jetzt isses ja irgendwie seltsam eins.

Jetzt erwachte die Macht ein weiteres Mal …und soviel sei vermeldet… sie ist verdammt aufgeweckt.

Dienstag, kurz vor Mitternacht bin ich am Kino, 0.07h beginnen zwei Sondervorstellungen. Es sind mit die ersten Star Wars Vorstellungen landesweit. Ich trage mein Yoda-T-Shirt… was sein muss, muss sein.

Aber selbst mit diesem Minimaloutfit scheine ich zunächst overdressed. Nur wenige sind anlassbezogen ausgestattet. Come on, people… wir haben 10 Jahre auf die Fortsetzung gewartet, Zeit genug zu shoppen.

Bin ich froh als die ersten Gruppen mit Laserschwertern auftauchen.

Force

Ich habe die englische Fassung gewählt – und ich empfehle sie jedem, der mit der Sprache zurechtkommt. Das ist einerseits Harrison Fords extrem wohlklingender dunkel rauniger Stimme geschuldet… andererseits glitzert dieser Film mit extrem guten Dialogen, humorvoll, anspielungsreich, gut gesetzt, simpel auf dem Punkt. Kein Vergleich zu den Kalauern, die sich Episode 1-3 mitunter geleistet haben… Lichtjahre besser.

„I know how to run without you holding my hand!“ made my day!

Als die obligatorische Schrift einer Galaxy far, far away aufleuchtet, gefolgt von dem ebenso obligatorischen nach hinten entschwindenden orangegelben Eröffnungstext brandet Applaus auf… und es wird kurz ein bißchen heller im Kino… weil alle Laserschwerter aufleuchten und geschwenkt werden.

So soll‘s sein!

Dann das nächste obligatorische… der Schwenk auf ein Raumschiff. J. J. Abrams Variante ist clever und Schönheit pur… und lässt bereits erahnen, dass da jemand einen eigenen und doch respektvoll im Star Wars Universum verhafteten Weg eingeschlagen hat.

Ein Eindruck, der sich durch und durch bestätigt. Abrams bezieht sich vehement auf die Episoden 4-6, das Produktionsdesign ist absolut stimmig.

Es wimmelt im Film vor liebevollsten Details… das Laserschwert, das mit Jedikräften aus dem Schnee befördert wird, das Vater-Sohn Duell auf der Planke, es gibt wieder eine Bar und eine Band und darin eine süße Anspielung auf die an Jabba the Hutt gekettete Leia, Reys erste Vision der Macht erinnert an Luke Skywalkers Vision von Darth Vader auf Dagobah… um nur ganz wenige zu nennen.

Von Star Wars Filmen erwarte ich das technische Maximum ihrer Zeit. Die überarbeiteten Episoden 4-6, Episode 1-3 (insbesondere Episode 2) haben allerdings gelehrt, dass man damit auch umzugehen verstehen muss. Der computeranimierte C3PO gruselt mich immer noch. Vom animierten Yoda ganz zu schweigen.

Episode 7 ist ein Technikmaximum. Und wenn man mal von einer Entgleisungsattacke absieht, die doch stark an die Pflanze aus dem „Little Shop of Horrors“ erinnert – dann kann man sagen, dass Abrams dieses Maximum unfasslich gelungen ausschöpft. Ich bin kein Fan von 3D, ich liebe meine Star Wars Filme klassisch und flach. Aber in diesem Fall ist 3D eine absolute Empfehlung, der Film verdient diese Technologie.

Die Darsteller…

Ich bin etwas unschlüssig die dunkle Seite der Macht betreffend. Kylo Ren besticht als Maskenträger. Wenn er sie abnimmt erinnert er zwar an einen jugendlichen Verwanten (ich will nix verraten), verliert aber an Kontur.

Der oberste Anführer Snoke wird von DEM Motion Capture Schauspieler schlechthin verkörpert, Andy Serkis. Spätestens seit „Planet der Affen – Prevolution“ wünsche ich ihm einen Oscar… allerdings erweist sich auch hier die Notwendigkeit den vernichteten Imperator zu überbieten als schwierige Obligation… man wird ohne Zweifel mehr von ihm zu sehen kriegen und dann besser entscheiden können.

Die übrigen Darsteller sind großartig gecastet, durch die Bank recht unbekannte frische Gesichter und ergänzen die alten, vertrauten Charaktere auf stimmige und persönlich gezeichnete Weise.

Episode 7 ist anzumerken, dass der Film sich den „alten“ Episoden mehr verpflichtet fühlt… nicht nur, weil er ihnen inhaltlich folgt. Die Rückbesinnung auf deren Qualitäten ist vielfältig spürbar und konsequent umgesetzt.

Nur ein kleines Beispiel, aber eins, dass mich Episode 1-3 wirklich geärgert hat: die Laserschwertkämpfe. Die drei Episoden strotzen nur so von herumgewirbelten Laserschwertern, eine Kampftechnik irgendwo zwischen Samurai und musketierartigem Gehabe. Episode 7 macht damit Schluss und führt die eleganten Jediwaffen wieder wie ein Ritterschwert… thanks so much dafür.

Zum Schluss des Filmes gilt was schon immer gegolten hat: wenn Du einen (dieses Mal beachtlich dimensionierten) Todesstern vernichten willst – dann flieg‘ mit einem xwing ‚rein und get the job done. Und ganz sicher sind meine Lieblingsraumschiffe der Rebellion niemals ansehnlicher dieser Aufgabe nachgekommen… wirklich, allein sämtliche Raumschiffe des Films schreien förmlich nach 3D.

Das zuletzt obligatorische Tableau der versammelten Heldenschar verlegt Abrams vor… denn das wirkliche Ende des Films ist einer Begegnung vorbehalten.

„The force awakens“ ist ein Abschied… und mögen wird den wirklich niemand. Es ist aber auch ein Neubeginn und ein vielversprechender Auftakt.

May the force be with you… because the force is finaly awake again…