Vor zwei Wochen bin ich ins Schloss gezogen. Ich hatte schon immer ein wirkliches Faible für Schlösser – und Burgen erst. Also schien mir das eine gute Idee zu sein.

Die Stellenbeschreibung war einfach: „Alles regeln, was im Schloss zu regeln ist!“. Ich fand, das ginge sehr in Ordnung so und machte mich frisch an’s Werk.

Die Prinzessin ist ganz reizend. Clever und smart und… nun ja, gerade ein Teenager… aber, Himmel, das waren wir ja alle mal.

Ihr Papa, der König, ist… ein wenig schräg. Eigentlich herzensgut, aber schräg. Es macht ihm noch sehr zu schaffen, dass die Königin sich aus dem Staub gemacht und nichts als einen Brief hinterlassen hat, auf dem sie ankündigt sich ein neues Leben suchen zu wollen. Seitdem balanciert der König zwischen den Staatsgeschäften und exessivem Jojo-Spiel… ich bin sehr unschlüssig ob das als duchgängig gesund zu betrachten ist. Angelegentlich erscheint er mir verwirrt.

Sowohl die Abreise der Königin, als auch der anteilig hinterfragenswürdige Zustand des Königs machen das Leben der Prinzessin natürlich nicht einfacher… und eben auch noch… ich erwähnte es ja bereits… Teenager.

Kein Wunder, dass sie oft und gerne Zeit allein im Wald verbringt. Ballspielend.

Nun ja, nicht direkt “Ball” – es ist mehr eine goldene Kugel, wie es sich für eine Prinzessin besser geziemt.

Sie ist ein wenig tolpatschig mit ihrem Lieblingsspielzeug… ich frage mich, ob uns das noch in Abenteuerlichkeiten stürzen wird.

Vor kurzem ist ein gut aussehender Mann im Schloß aufgetaucht. Er trägt Eisenbänder um die Brust gewickelt und sucht seinen Prinzen.

Aber im Schloß ist kein Prinz.

Allerdings hat es vor kurzem ein Frosch bis auf den Esstisch der Prinzessin geschafft – ich überlege noch, ob ich einen Kammerjäger holen sollte oder die Lage anders zu lösen besser wäre. Man wird sehen.

Zwischenzeitlich habe ich den suchenden Diener mit dem großen Herzen hinter den Eisenbändern in meiner Waschküche untergebracht. Jemand musste sich ja seiner annehmen.

Allerdings bringt er mir dort nun meinen Wäschewaschplan durcheinander… und DAS … also DAS… geht so gar nicht.

Jetzt hat auch noch jemand Banner im Schloss aufgehängt. Sie verkünden spannendes. Doch, ich habe so das Gefühl, als ob uns Abenteuer ins Haus stünden… pardon, ins Schloss.

Wir leben in einer Zeit, in der ein nordkoreanischer Diktator und ein amerikanisches Diplomatiegenie einander mit Nuklearschlägen bedrohen um einen Krieg zu vermeiden. Clever.

Diese brisante Kindergartenlogik beweist: die Apokalypse gehört in die Hände von Fachleuten… vorzugsweise Schauspielern.

Dort ist sie nicht nur unbedenklich für die menschliche Spezies. Sie ist dann vor allem auch unerwartet unterhaltsam.

„Nekropolis – Bite Club“ hatte die ersten beiden Vorstellungen.

Die zweite Folge der städteübergreifenden viralen LiveHörSpiel-Reihe der Theater Konstanz, St.Gallen und Aachen steuert vollkommen unverhohlen den Menschheitsuntergang an und kommt dabei ganz ohne frustrationsschürende Gesellschaftsendzeitabrechnung aus.

Das ist nicht zuletzt der Lebendigkeit des skalpellfein beobachteten Textes von Anita Augustin geschuldet, der seine Figuren ernst nimmt, sorgsam im Grenzbereich von Sehnsucht, Wirklichkeit und Wahnsinn balanciert und dabei mühelose Sprachbrücken baut zwischen Nachdenklichkeit, Witz und Aberwitz.

Regisseur Eike Hannemann zettelt damit ein vergnügliches „end of the humans as you know them“ an (nach Belieben zu singen auf eine bekannte Melodie von R.E.M). Ein infektiöses Spiel aus Szene, Klang und ungezählten Requisiten. Ansteckungsgefahr beabsichtigt.

Denn die Menschen in „Nekropolis“ sind keine Fremden, keine Formen, keine Formalien. Wir kennen sie. Wir erkennen sie irgendwie wieder. Wir leben mit ihnen. Wir sind sie.

Das macht sie so unterhaltsam… und seltsam unausweichlich. So wie wir selbst – ergänzt um die Frage „Was wäre wenn…sich plötzlich etwas ganz grundlegend mit uns ändert?“. Denn was ist schon Untergang und was Befreiung?

„Let’s call it Grauzone.“

„Nekropolis – Bite Club“ – ein letztes Mal am 11.05.2017 / 20h / in der LOKremise / St.Gallen

Das Bild entstand nach der zweiten Vorstellung in der Garderobe und liefert drei unübersehbare Beweise:

  • Man kann auf der Bühne unfasslich viel Spaß am Menschheitsuntergang haben.
  • Man kann auch bei einem „Hörspiel“ ziemlich dreckig werden – denn vor der Vorstellung war das Kostüm sauber… und die Darstellerin auch.
  • Ein blaues Auge kann auch gut aussehen.

Ich zerbreche ungekochte Spaghetti, ich verteile esslöffelweise Bodylotion zwischen meinen Händen, ich spreche in Tassen, ich wühle in Pampelmusen, ich schiebe Litschis kreuz und quer durch meinen Mund, ich zerbrösele Fäuste voller Conflakes, ich verdresche Wirsingkohl und schlage mit Lauch zu, ich zerquetsche Ananasringe und schiebe Kehrbleche über den Boden, ich spiele mit Obsttüten Schlagzeug und setze mit Schreibstiften Injektionen, ich schlage meine Zähne in Möhren, Maiskolben und Paprika… ich belle, zwitschere, murmle, spaziere, klimpere, piekse, knartsche, nuschle, haue, knicke, brülle, wiehere, summe, zünde, matsche, giggle, klackere, stupse, jingle… und, ja, ich arbeite.

„Nekropolis – die Stadt gehört uns!“ ist mein erstes LiveHörSpiel.

Ich besitze 176 Folgen der „Drei ???“ – mich muss man wirklich nicht davon überzeugen, dass Hörspiele ein Vergnügen sind.

Normalerweise entstehen sie über einen gewissen Zeitraum hinweg in Tonstudios aus enorm vielen Einzelaufnahmen, werden dann mehrlagig mit Geräuschen versorgt, mit Musik versetzt und erreichen schließlich die bildhafte Fantasie ihrer Zuhörerschaft.

Letzteres wird bei uns unbedingt auch der Fall sein – aber es gibt zusätzlich eine Menge zu sehen… denn wir produzieren nichts vor.

Jede Musik, jeder Klangteppich, jede Atmosphäre, jeder Soundeffekt ist genauso live wie der Text und entsteht vor den Augen und Ohren der Zuschauer – alles wird in dem Augenblick erzeugt, in dem es gebraucht wird.

Nichts ist Konserve, alles ist Moment.

Es begann, rückblickend betrachtet, recht gesittet. Wir schoben unsere Tische zusammen, erbastelten uns die ersten Seiten des Stückes, experimentierten mit der zur Verfügung stehenden Technik und bedienten uns am bereitgestellten Requisitentisch mit Klangutensilien.

Mein Tisch war noch ziemlich übersichtlich leer und ich fing an meine Soundobjekte ordnungsliebend zu beschriften.

Mit fortschreitender Probenzeit begannen wir nach Klängen in allen denkbaren und undenkbaren Objektkombination zu fahnden. Die Requisite brachte einen zweite Fuhre Spielzeug, die erfreut angenommen und beherzt auf ihre Tonfärbung hin getestet wurde.

Inzwischen sind wir auch darüber hinaus und veranstalteten einen Ensembleausflug in den nächstgelegenen Supermarkt, wo wir uns mit dem kritischen Blick von Produkttestern durch die einzelnen Abteilungen gearbeitet haben …um dann bepackt zur Bühne zurückzukehren und vollkommen loszulegen.

Das mit dem beschriften habe ich drangegeben. Mein Textbuch ist auf bestimmten Seiten eine apart abstrakte Gemäldekreation aus Ananassaft, Kondensmilch und Cornflakeskrümeln und ich habe seit langem nicht mehr so viel Rohkost zu mir genommen. Aus gutem Grund – Wirsing ist ein klangtechnisch vollkommen unterschätztes Gemüse.

Ja, eindeutig… Hörspiele sind toll und ein Vergnügen wie ein leckerer Schokoladenpudding. Aber LiveHörSpiele sind wie ein Schokoladenpudding mit Sahne obendrauf.
Hm… Schokoladenpudding mit Sahne… wie klingt der eigentlich und was kann man wohl damit machen???

„Nekropolis – die Stadt gehört uns!“ – „Bite Club“

Premiere am 27.04.2017 um 20h in der LOKremise.

Mein Name ist Dr.Wittek… Wilma Wittek. Ich arbeite für das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in St.Gallen.

Sie kennen mich wahrscheinlich nicht.

Aber Sie werden mich kennen lernen – weil Sie mich brauchen werden. Alle werden mich brauchen. Ich bin die einzige Front, die letzte Front gegen etwas ungeheuerliches.

Ich bin da auf etwas gestoßen… etwas… unmenschliches… nein, ich spreche nicht von fehlender Humanität… nein… etwas nicht menschliches… aber in einem Menschen unmenschlich… verstehen Sie, was ich meine?

Ich glaube, es hat in St.Gallen begonnen. Vor etwa einem Jahr. In einer Bäckerei. Dann hat es lange geruht.

Seit dem 1.April gibt es Berichte über „Vorkommnisse“ aus Konstanz. Und nein, das ist kein Scherz.

Das Theater dort ist der Infektionsherd.

Aber jetzt ist es wieder in St.Gallen. Es ist zurückgekehrt.

Und ich habe es entdeckt. Ja, ich.

Es begann, als die Hunde begannen. Zu beißen.

Das machen die sonst nicht. In St.Gallen beißt niemand jemanden. Nie.

Aber jetzt beißen sie.

Und wissen Sie, was ich entdeckt habe? Die Beißer wurden gebissen.

Und wissen Sie noch etwas? Nichts daran entspricht unseren Vorschriften, nichts daran ist normal.

Ich kann Ihnen nicht allzu viel sagen, meine Untersuchungen dauern noch an.

Keine Panik! Bleiben Sie ruhig. Ende April werden Ihnen Ergebnisse präsentiert werden. Sie werden alles erfahren, was Sie wissen müssen. Und noch viel mehr.

Bleiben Sie wachsam. Denn ich glaube nicht, dass es in St.Gallen endet.

Ich muss jetzt zurück ins Labor… da warten Proben auf mich… viele Proben…

In den Kommentarfunktionen der sozialen Medien tummelt sich ein Wort – „Eliten“…oftmals kombiniert mit der Verortung „da oben“.

Damit beschrieben werden jeweils unterschiedliche Gruppen oder Individuen, welche es gewagt haben Standpunkte zu vertreten, die dem Kommentierenden missfallen.

„Eliten“ wird dabei nicht inhaltlich verwendet, sondern diskreditierend.

„Eliten“ können so ziemlich alles sein… Liberale, Politiker, Humanisten, jeder, der mehr verdient als man selber und diverse mehr.

„Die Eliten“ ist ein unfasslich universelles Werkzeug, das eine Meinung aufgrund ihrer Abstammung angreift – und sich deswegen nicht die Mühe machen muss sie inhaltlich zu widerlegen.

Praktisch. Aber klären wir, was „Elite“ eigentlich bedeutet.

Wikipedia definiert die Elite als „eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen“ und unterschiedet u.a. zwischen „Machteliten“ und „Bildungseliten“.

Schnittmenge möglich.

Das bedeutet, wenn ein Mensch gebildet oder einflussreich oder im Bestfall beides ist, dann gehört er zur Elite.

Aber wir haben da ja noch den Stolperstein „mutmaßlich“ und mutmaßen kann man alles. Deswegen kann so gut wie jeder irgendwie Elite sein – besonders, wenn er im öffentlichen Fokus steht und anderen deswegen seine Gedanken und Meinungen mitteilen kann.

Hier kommt mein Beruf ins Spiel.

Als Theaterschauspielerin und Blogschreiberin mit eher handverlesener Leserschaft betrifft mich das geringfügig – allerdings gibt es massenhaft Kolleginnen und Kollegen, die deutlich mehr Öffentlichkeit abbekommen… und diese nutzen um ihren Ansichten und Überzeugungen Gehör zu verschaffen.

Die „Hollywood-Eliten“.

Aber wenn sie das tun, dann stolpert man im Internet über eine beachtliche Kommentardichte, die ihnen dieses Recht abspricht – WEIL sie Schauspieler sind.

Ich habe mir exemplarisch zwei Ansprachen herausgesucht… von Meryl Streep und Scarlett Johansson… jeweils einen Facebookeintrag dazu aufgerufen und mich durch die ersten 200 Kommentare gepflügt.

Die Auswahl steht stellvertretend für unzählige gleicher Sorte, die man von Twitter bis Youtube & Co. findet.

(Die Kommentare sind von mir anonymisiert worden. Im Original nachzulesen HIER und HIER. Zur vergrößerten Ansicht ggf. auf das Bild klicken.)

Erstaunlich häufig wird kritisiert, wenn Schauspieler nicht auswendig sprechen. Wir alle kennen die Frage „Wie merken Sie sich nur diesen vielen Text?“. Die seltsame Bewunderung für diese handwerklich eher sekundäre Leistung scheint von vielen als Grundvoraussetzung für die Meinungsäußerung von Schauspielern angesehen zu werden.

Nicht wenige fühlen sich außerdem urplötzlich zu Theaterkritikern und Juroren in einem imaginären Beautycontest berufen – diese Kommentare betreffen mehrheitlich vor allem Meinungsäußerungen von Schauspielerinnen.

Ein wesentlicher Gedankenbaustein der nichtinhaltlichen Kritik ist der Umstand, dass Schauspieler die Fähigkeit besitzen fremde Texte authentisch zu verarbeiten.

Offensichtlich Grund genug anzunehmen, dass sie privat keine eigenen haben. Wenn sie also eine Meinung äußern kann es keinesfalls die eigene sein.

Immer wieder gern genommen auch der Umstand, dass manche Schauspieler recht gut verdienen und sich deswegen nicht über irgendeinen Weltzustand beklagen sollten. Das missachtet nicht nur, dass die meisten Schauspieler nicht als berühmtes Baby zur Welt kommen, sondern auch dass Geld nicht zwangsläufig Empathie und Geist versiegen lässt.

Kann – aber muss eben nicht.

Die überwiegende Anzahl der Kommentare aber spricht Schauspielern schlicht Recht und Fähigkeit ab die Öffentlichkeit zur Veräußerung eigener ernsthafter Betrachtungen zu verwenden.

Das missachtet noch einiges mehr. Nämlich schlichtweg den Umstand, dass Schauspieler Menschen mit eigenen privaten Ansichten sind. Dabei scheint ein gesellschaftlicher Konsens darüber zu bestehen, dass sie private Einsichten sehr wohl zu gewähren haben.

Denn sie sind Personen des öffentlichen Lebens. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren wen sie nun schon wieder geküsst haben, welche Marken sie tragen oder nicht, wann sie einen über den Durst trinken, wieso sie auf die Idee kamen sich die Haare zu schneiden und ob diese Nase tatsächlich noch keinen Chirurgen gesehen hat… ganz zu schweigen von der Überwachung ihres Gewichts, ihrer Muskelmasse und der Anzahl der Gesichtsfalten, die aufgetaucht oder verschwunden sind.

Das alles ist vollkommen legitim, das hat man praktisch als Gesamtpaket gebucht, wenn man mutig genug ist sich vor eine Filmkamera zu stellen und dadurch Berühmtheit zu erlangen.

Aber gesellschaftskritische Gedanken äußern? Überzeugungen in, womöglich noch, eigene Worte fassen? Eine politische Ansicht vertreten? Um Himmelswillen, dafür sind Schauspieler nicht da.

Was fällt denen ein?

Ja, jeder Metzger und Müllmann hat das Recht auf eine Meinung, das ist in den Kommentaren zutreffend angemerkt worden. Schlicht, weil jeder Mensch das Recht hat seine Meinung zu vertreten, solange sie kein Verbrechen bedeutet.

Aber Schauspieler nicht? Warum? Warum ausgerechnet sie nicht?

Warum disqualifiziert dieser Beruf in den Augen nicht weniger für Meinungsäußerungen?

Ist es vielleicht, weil ein Schauspieler viele Menschen sein kann? Und man deswegen niemals genau weiß, wen er gerade gibt?

Weil schauspielen schnell mal übersetzt wird mit der herausragenden Fähigkeit überzeugend zu lügen?

Ist es so schwer zu glauben, dass Menschen, die plausibel Rollen spielen eigene Überzeugungen pflegen?

Und die privat genau deswegen besonders gut unterscheiden können wann sie eine Rolle spielen und wann nicht?

Sind Schauspieler, die nichts anderes tun als das Wesen anderer zu erkunden um sich in sie hineinzuversetzen, nicht gerade geeignet sich zu einer Gesellschaft zu äußern, die aus diesen einzelnen Wesen besteht?

Sind Schauspieler nicht ohnehin ständig mit politischen oder gesellschaftskritischen Fragen konfrontiert, weil die wenigsten Theaterstücke und ein Großteil aller Filme nun mal keinen unproblematischen oder zuckersüßen Alltag zum Inhalt haben?

„Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?“

Doch, tun wir.

„Nicht Verstellung ist die Aufgabe des Schauspielers, sondern Enthüllung.“ (Max Reinhardt)

Und wenn jemand viel Zeit mit enthüllen verbringt, dann kann es ihm passieren dabei Meinungen zu gewinnen. Es kann ihm auch passieren, weil er einfach Mensch ist. Und denkt. Oder fühlt. Und diese Meinungen können ihm wichtig genug sein sie auch privat öffentlich zu äußern. Und er darf das.

Sogar, wenn sein Beruf Schauspieler ist.

Thanks to my mother I was raised being told the wisdoms and tales of the Native American people. Quite uncommon childhood tales for somebody growing up in the 1970’s in Germany.

But I benefit from being gifted with a quite unusual, fairly wonderful and open minded mother.

Processing the news and consequences arising from the actions taken by president Trump (I still feel a bit of a shiver writing down these two words following each other) – the tales of my childhood kicked in.

Feeling furious about the news and having absolutely no march or demonstration close by to release this anger, I created a little work to express my perspective.

The pictures used are released under Creative Common License.

The Trump picture was taken by Michael Scott Vadon. The picture of an unnamed Gros Ventre Native American was taken by Edward Curtis and first published 1909. Please provide these informations if you like to share my work – and you are dearly invited to.

Donald Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Ich denke, lese, höre diesen Satz immer noch mit Befremden. So, als müsse er eigentlich für ein Paralleluniversum gelten.

Trump Beraterin Kellyanne Conway führte letzte Woche das Konzept der „alternativen Fakten“ ein.

Ich wünschte „Präsident Trump“ würde dazu gehören.

Aber es ist tatsächlich wahr. Seit 9 Tagen.

Die Liste alarmierender Äußerungen und Aktivitäten seitdem ist lang.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Das ist übelkeitserregend, rückwärtsgewandt, inhuman, intolerant, unterdrückend, aber keineswegs überraschend. Und nicht einmal unlogisch.

Das ist genau das, was passiert, wenn eine Demokratie einen kapitalistischen Autokraten wählt, der mit dem Nationalismus Freundschaft geschlossen hat.

Alles folgerichtig, alles angekündigt.

Und alles davon ist eine Aufforderung zum Widerstand.

Aber wechseln wir kurz das Thema… der Bogen wird sich herstellen.

Europa befindet sich in einem Superwahljahr. Und Europa hat seine eigenen Surrogate des Nationalismus und des Populismus. Auch Deutschland wird wählen.

Eine voraussichtlich zweistellige Anzahl von Wählenden wird dabei ihr Heil in den hohlen aber einfachen Worthülsen der AfD suchen und geflissentlichen übersehen, dass diesem „Heil“ in Deutschlands Vergangenheit auch schon mal ein Name gefolgt ist.

Wechseln wir noch mal kurz das Thema… keine Sorge, bitte folgen Sie mir, der Gedankenbogen ist gleich kenntlich.

In Deutschland ist 2016 ein Haushaltsüberschuss von 6,2 Milliarden Euro angefallen – und die Koalition streitet gerade darüber, wie man ihn verwenden sollte.

Ein letzter Themawechsel…

Stellen wir uns die Frage, was Populisten, Nationalisten und Autokraten nicht gebrauchen können. Was lenken, was torpedieren, was unterdrücken sie als erstes? Welche Quelle des Widerstandes?

Und die Antwort ist: Kultur.

Ich verstehe Kultur als den Zusammenschluss von:

Bildung

Wissenschaft

und Kunst

Alle drei Gebiete zusammen geben Menschen das geistige, gesellschaftliche und emotionale Rüstzeug Angstmacherei und hohlen Phrasen zu widerstehen. Zu fragen, zu hinterfragen, zu kritisieren.

Wer Populismus bekämpfen will muss Menschen diese Nahrung zugänglich machen.

Sie ist gut geeignet Menschen davon abzuhalten unverdauliches widerstandslos zu schlucken.

Wer von Menschen ein aufgeklärtes Wertesystem erwartet muss ihnen Aufklärung ermöglichen und wertvolles geben.

Eine Imunisierung gegen das Weltbild von Trump & Co. kostet Geld, das man nicht an der Börse notieren kann.

Es ist trotzdem eine gute Investition. Es ist die beste Investition gegen Populismus.

Alber Schweitzer hat gesagt:

„Kultur fällt uns nicht wie eine reife Frucht in den Schoß. Der Baum muß gewissenhaft gepflegt werden, wenn er Frucht tragen soll.“

Wer 6,2 Milliarden Euro sinnvoll ausgeben will, sollte sie auf möglichst viele Gärtner*innen verteilen. Die Ernte könnte wertvoller sein als Geld.

 

Ich wünsche allen Freunden, Kollegen und Lesern wunderschöne Weihnachtstage… warm, gemeinsam und lächelnd…

„Star Wars“ begleitet mich seit 38 Jahren, ich kenne die Saga wie meine Westentasche und im Grunde liebe ich alle ihrer derzeit sieben Teile – wenngleich die ersten drei Teile nicht ganz so heiß und innig wie den Rest.

Ablegerunternehmungen davon haben mich nie interessiert.

Dann kam „Rogue One“.

Eine „Star Wars Story“, ein „Star Wars Standalone Movie“, „Star Wars 3,5“ gewissermaßen… mit einem irritierend verheißungsvollen Trailer. Ich beschloss mein ideologisch strikt der Saga verschriebenes Herz weit zu öffnen und zu tun, was ich bei neuen Star Wars Filmen nun mal zu tun pflege… in der Mitternachtspremiere Platz zu nehmen.

ACHTUNG! AB HIER HERRSCHT SPOILER-ALARM!!!

Das Produktionsdesign ist untadelig. Man kann diskutieren ob Orson Krennic wirklich eine düster schwarzglänzende Sturmtruppeneinheit benötigt und warum andere Machtinhaber des Imperiums danach ohne diese Garde auskamen… aber sie sind ansehnlich. Größere design flaws waren für mich beim ersten ansehen nicht aufzuspüren – Kostüm, Szenerie und Technik sind im neuen stimmig, oft vertraut und absolut korrekt vor den vierten Teil verortet.

Mit der hemmungslosen Überanimierung der ersten drei Teile scheint endgültig und glücklicherweise Schluss zu sein. Wie bereits bei Teil sieben stört die Animation nirgendwo, präsentiert sich aber state of the art dort, wo sie hingehört. Der Todesstern wurde ganz sicher noch niemals so detailreich eingefangen, die Raumschiffe sind ein optischer Genuss. Wer, wie ich, erklärter Xwing-Fan ist oder Vergnügen hat an Sternzerstörern der Imperium-Klasse, die sich ineinander bohren, wird vollumfänglich auf seine Kosten kommen und die Weltraumschlacht in vollen Zügen genießen.

In „Rogue One“ aber leistet die Technik weit mehr als Spezialeffekte … sie muss Menschen wiedererschaffen. Im vierten Teil untersteht der Todesstern dem Kommando von Gouverneur Tarkin, in karg messerscharfer Weise verkörpert vom wunderbaren Peter Cushing, der 1994 leider verstarb. Trotzdem habe ich ihn heute in einer Filmpremiere gesehen. Zugegeben, Cushings notorisch spartanische Mimik hilft, aber was CGI in diesem Fall ermöglicht hat ist schlichtweg unglaublich, es ist brillant.

Allerdings… am Ende des Films verjüngt es eine vertraut bekannte Darstellerin… und, es muss gesagt werden, DAS ist vollends misslungen.

Die „Star Wars“ Filme sind Sternenmärchen. Sie sind nicht berühmt wegen ihrer unvorhersehbaren Drehbücher voller verblüffender Wendungen. Das ist bei „Rogue One“ nicht anders, zumal es dieses Mal darum geht die Pläne des Todessterns zu beschaffen… von denen wir bereits aus dem vierten Teil wissen, dass sie die Rebellion erreicht haben und dazu führen, dass Luke Skywalker die imperiale Superwaffe in die Luft jagt.

So überrascht an der Geschichte weniger die Handlung, als vielmehr der enorme Verschleiß an Hauptfiguren. Das ist man aus der Star Wars Galaxie nicht gewöhnt. Als Standalone Movie ohne Fortsetzung macht „Rogue One“ schonungslos und fast schon in Game of Thrones-Manier Tabula rasa.

Dabei hat man die ersten zwanzig Minuten des Films damit verbracht eine Menge neuer Spielorte und – figuren kennen zu lernen und würde sich zumindest die Gedankenmöglichkeit wünschen, dass sie nach dem Abenteuer ein langes und erfülltes Leben in der galaxy far, far away vor sich haben. Dem ist nicht so. Wie überhaupt die Betonung des Films deutlich auf „Wars“ liegt. Manche Szenen erinnern an Aleppo, manche an die Landung in der Normandie. Die FSK Freigabe ab 12 mag wegen der Abwesenheit von Blutlachen berechtigt sein, die enorm hohe Verlustrate unter den Protagonisten legt trotzdem eine elterliche Einzelfallentscheidung nahe.

Die kurzlebigen neuen Figuren sind weitestgehend stimmig und gut besetzt. Der von mir geschätzte Mads Mikkelsen hingegen irritiert mich mit Sentimentalität, Forest Whitaker wirkt ungewohnt flach, manche Dialoge hätte ich rigoros entschwafelpsychologisiert, und K2‘s umprogrammierte Flapsigkeit tänzelt oft auf der Grenze. Aber er darf das „miese Gefühl“ veräußern, eine Ehre und Tradition, die auch der Ableger sich nicht nehmen lässt.

Überhaupt gibt es vertrautes und vertraute Gesichter, mehr als ich erwartet hatte und immer wieder gut sortiert eingestreut. Hardcore-Fans werden außerdem mit kleinen Schmunzlern versorgt. Wenn etwa Jyn ausgerechnet jene zwei Schurken anrempelt, die im vierten Teil Luke Skywalker in der Mos Eisley Cantina anpöbeln. Oder wenn in einer Bar ein Hologramm der Tänzerin zu sehen ist, die Jabba der Hutte im sechsten Teil dem Rancor vorwirft. Was aber das Schneemonster von Hoth in einer Straßenschlacht zu suchen hat kann ich nicht erklären.

Der Umgang mit der Macht ist höchst gewöhnungsbedürftig.

Zwar ist es absolut richtig, dass die Jedi nach Ausführung der Order 66 nahezu ausgerottet sind und das Wissen um die Macht deswegen ins Hintertreffen geraten sein dürfte. Figuren die unablässig vor sich hinmurmeln „Die Macht ist mit mir, und ich bin mit der Macht“ wecken in mir allerdings das Bedürfnis zum Laserschwert zu greifen und dem ein Ende zu bereiten.

Das Ende. Es schließt sich absolut nahtlos und vollkommen stimmig gelungen an den vierten Teil an.

Der letzte Satz des Filmes besteht folgerichtig auch aus dem Wort: „Hoffnung!“.

Also ich bin jetzt mal päpstlicher als der Papst und stelle fest – „Eine neue Hoffnung!“ hätte es schon heißen dürfen. Da ich die synchronisierte Fassung gesehen habe weiß ich aber nicht, ob das Original sich den Verweis gegönnt hat.

SPOILERALARM ENDE!!!

Absolut sehenswert und eine hochgelungene Verkürzung der Wartezeit auf den achten Teil für jeden Star Wars-Fan. 134 Minuten in einer vertrauten Galaxie, die am Ende doch nicht so weit, weit entfernt ist

Die presidential primaries eingeschlossen sind amerikanische Politiker/innen seit rund 1,5 Jahren damit beschäftigt Unzufriedenheit und Hass im Land auszusähen – für ihren Einzug in das Weiße Haus.

Geschätzte 2,7 Milliarden Euro haben sie umgerechnet dafür ausgegeben.

Sie waren erfolgreich. Die United States of America verdienen das erste Worte in ihrem Namen nicht mehr so recht und werden auch nach dem heutigen Wahltag Mühe haben es wiederzufinden.

Viel gewinnen kann das Land so nicht mehr. Aber es kann immer noch viel verlieren.

Ein Hamburger mit Wohnsitz in San Diego es auf den Punkt gebracht…

dear-americansI approve this.

UPDATE – 9.11.2016, morgens…

Ich möchte, dass dieser Blog persönlich ist, aber nicht privat.

Aber ich war die ganze Nacht wach, ich hatte zu viel Kaffee und ich bin trotzdem müde – jetzt werde ich unsachlich und persönlich privat.

Winston Churchill hat gesagt „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“. Er hat recht, immer noch. Wir haben nichts besseres. Aber Demokratie wurde erfunden um den Wölfen die Macht über die Schafe zu nehmen. Nicht, damit die Schafe die Wölfe wählen.

Den amerikanischen Präsidenten Trump gibt es, weil Millionen und Abermillionen Menschen, die Trump öffentlich missachtet, verachtet und beleidigt hat, ihn gewählt haben … oder eine chancenlose Drittpartei oder gar nicht erst wählen gegangen sind. Es brauchte nicht viel Intelligenz oder Vernunft um zu wissen, dass das eine bemerkenswert unnützliche Entscheidung für das eigene Leben bedeuten würde. Aber sie haben es getan.

Amerika hat verloren. Jene Hälfte des Landes, die das jetzt schon weiß, tut mir leid.

„Make america great again“? – Erst heute ist Amerika zu einem Land geworden, das diesen Satz einmal nötig haben wird. Dann, wenn Trump Geschichte ist und die Scherben aufgesammelt werden müssen. Denn Demokratie ist auch das Recht das eigene Land mit einer knappen Mehrheit ins Desaster zu wählen.

Es ist kein sinnvolles Recht, es ist nichts gutes… aber es ist das Recht der „schlechtesten aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen“.

Ja, heute hat Amerika eine historische Nacht… von der es sich vielleicht eines Tages wünscht, dass es sie nie gegeben hätte.

Ich tue es heute schon.