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BEFORE:
Seit Tagen schleiche ich vorsichtig behutsam durch’s Internet und bin auf der Hut. In Amerika und England hatte der achte Teil der Star Wars-Saga „Die letzten Jedi“ bereits Premiere… Spoiler könnten überall lauern und mich anfallen. Und ich will nichts wissen, wenn ich acht Minuten nach Mitternacht, die vertraute blaue Schrift lese „A long time ago in a galaxy far, far away….“, gefolgt vom Star Wars-Schriftzug, gefolgt vom Fließtext, gefolgt von einem Planeten, gefolgt von einem Raumschiff… so viel ist sicher, denn das ist Tradition.

Die Star Wars-Saga ist ein überaus geliebtes Relikt meiner Kindheit, aber auch eine fortlaufende Geschichte, die seit fast 40 Jahren erzählt wird. Ihre Heldinnen und Helden sind mit mir gealtert und nun in der Gesellschaft neuer Figuren und Kreaturen, die den Staffelstab, pardon… das Laserschwert aufnehmen und weitertragen.

Wie sich das mit der Schauspielerin verträgt, die über Kleist in Verzückung gerät und Beckett anbetet? Gar nicht… und großartig.

AFTER: (ab hier selbstverständlich SPOILER-Alert!)
Halten wir fest – ich könnte glücklicher sein. Gleich nach dem verpflichtenden Beginn serviert der Film eine exquisite Raumschlacht, für die allein es sich lohnt die 3D-Brille auf der Nase zu haben. Es beginnt verheißungsvoll und geht vielversprechend weiter… denn dass Luke Skywalker sich nicht darum reißen würde Rey auszubilden war abzusehen und bildet einen ebenso erwarteten wie amüsanten Erzählstrang. Reys Affinität zur und Furchtlosigkeit gegenüber der dunklen Seite der Macht erhält mächtig Schub und man fragt sich immer drängender nach ihrer Abstammung. Geklärt wird sie nicht, allerdings offeriert der Film eine Rätselsequenz, die meiner persönlichen These Nahrung liefert, dass Rey, wie Anakin, durch die Midi-Chlorianer selbst gezeugt wurde.

Die Rebellen sind währenddessen in Bedrängnis, ein hanebüchener Plan wird entwickelt und angegangen. Der nun folgende Erzählstrang ist einer meiner Hauptkritikpunkte. Rose Tico und Finn arbeiten sich durch eine entsetzlich platte und ästhetisch fragwürdig umgesetzte Parabel aus dem Star Wars Äquivalent geschundener Rennpferde, superreicher dekadenter Waffenhändler und Oliver Twist like unterdrückten armen Kindern – nur um schließlich beim erkennbar zwielichtigen Benicio del Toro zu landen …der eigentlich schon an eine andere Galaxie vergeben ist.

Speaking of it… seitdem die Guardians dieser Galaxie köstlich, flott und amüsant Furore machen haben genreverwandte Filme die Tendenz ihren Stil abzukupfern. Das ist mir schon beim neuen „Thor“ und „Valerian“ unangenehm aufgefallen und ist anteilig auch dem achten Teil der Star Wars Saga anzumerken. Problem dabei – was bei den Guardians organisch verabreicht wird tändelt in anderen Werken an der Grenze zu nerviger Flapsigkeit.

Rey und Kylo kommunizieren inzwischen und versuchen sich gegenseitig auf ihre Seite der Macht zu ziehen bis Rey beschließt sich in einer Rettungskapsel auf Snokes gigantischem Kommandoschiff abliefern zu lassen um Kylo dort von dem Konflikt zu befreien, den sie in ihm spürt.

Sowas ist im sechsten Teil schon mal gut gegangen, der Film gewinnt wieder an Fahrt… zumal auch Finn und Rose sich mittlerweile in Gefangenschaft auf demselben Schiff befinden.

Snoke gewinnt im achten Teil deutlich an Konturen. Ich bin erklärter Andy Serkis Fan und sowohl Spiel als auch Stimme sind ein deutlich ausgefeilterer Genuss als seine projizierte Anwesenheit im siebten Teil. Leider ist es ein kurzer… denn in bester Sithtradition überlebt er seinen Schüler nicht.

Kylo Ren hat sich zu einem weiteren Hauptkritikpunkt von mir gemausert. Bereits zuvor nicht mit Selbstkontrolle gesegnet mutiert er zu einem tobenden Klischeeteenager, der brüllend und zähnefletschend derartig an Bösewichtstatus einbüßt, dass man ihm über seine wilden Locken streicheln und Baldrian empfehlen möchte.
Und man erinnert sich wehmütig an seinen Großvater, der in jedem schweren Atemzug mehr Bedrohung verkörperter als das trotzige Kind, das nun die First Order an sich gerissen hat.

Der bildgewaltige Showdown vor einem verlassenen Stützpunkt der Rebellion ist der Saga würdig und überführt einen weiteren Held in ein Jenseits… aus dem er zurückkommen kann, wie wir wissen. Und wie Yoda-Fans sich erfreut erinnern dürfen. Mit Yoda bin ich unfassbar eigen und ich erkenne, schätze das Bestreben und den Versuch ihn sehr nah an die Perfektion seiner ursprünglichen Figur heranzubringen… im Gegensatz zu den ersten drei Teilen. Es gelingt nicht wirklich. Frank Ozs Genie kann niemend ersetzen.

Zuletzt ist es an der Rebellion sich neu zu formieren und dem Funken zu vertrauen, den sie für das Feuer der Zukunft sein werden.
Das obligatorische Gruppenbild fehlt, die versprengten und dezimierten Rebellen geben es ab… an eine übersentimentale Sequenz, die Steven Spielberg in Kitschlaune geschrieben haben könnte.

Fazit – der achte Teil geht neue Wege, das ist fraglos. Manche sind spannend und sehr vielversprechend. Was mich trotzdem stört ist, dass der achte Teil mir ständig irgendwas erklären will. Der Konflikt wird nicht nur gespielt, er wird zudem beschrieben – wortreich, psychoanalytisch. Ich bräuchte das nicht. Seien wir ehrlich… Star Wars Figuren sind deutlich gezeichnet, sie sind Archetypen eines großartigen Märchens zwischen Sternen und Planeten. Nichts gegen die Idee sie mehrlagiger anlegen zu wollen, aber dann bitte mit dem Risiko von Rätseln und nicht mit begleitenden Wortkaskaden, die zudem nicht frei von gewissen Wiederholungen sind.

Der neunte Teil wird wieder in den Händen von J. J. Abrams liegen… und ich bin sehr angetan von dieser Wahl. Sein Gespür hat er bewiesen als die Macht erneut erwachte.
Und einiges aufzulösen er hat. Fraglos das ist.

Dieser Text wäre unvollständig ohne diesen Abschluß.
Als Luke auf Leia trifft sagt er „No one is ever really gone.“ und meint Han Solo.
Er sagt es aber auch zu Carrie Frances Fisher, von der er nicht wusste, dass sie am 27. Dezember 2016 die Galaxy far, far away für immer verlassen würde… um vielleicht eine noch entferntere zu finden. Der Satz ist trotzdem wahr.
Im Abspann wird sie verabschiedet als „our Princess“. Sie als Mensch war viel mehr als das… aber auch das ist wahr.

Take the Outtake

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Dieser Blog wird neue Portraitbilder bekommen. Sie entstehen diese Woche, nach und nach. Die Fotosession letztes Jahr summierte sich auf 16GB Datenmaterial und geschätzte 2000 Bilder – an einem Tag wohlgemerkt.

Dieses Mal sind 5 Tage veranschlagt… heute war der erste und irgendwie habe ich das Gefühl, es könnten dieses Mal noch ein paar Bilder mehr werden.
Letztendlich brauchen werde ich rund ein Dutzend… aber dieses Dutzend zu kreieren bedarf eben etwas Aufwand. Im Spülsaum dieser exzessiven Fotoherstellerei entstehen haufenweise Bilder, die eigentlich nie jemand zu sehen kriegt – naja, bis heute.
Denn ich habe mal einige ausgesucht, die eben zu einer Fotosession gehören, auch wenn sie es nie auf die Setcard schaffen werden…

 

…weil …eigentlich Rauchpause…

 

… weil nur knapp am Denker von Rodin vorbeigeschrammt und viel zu viel Hand vor dem Gesicht…

 

…weil etwas zu schräg überamüsiert von dem Geschehen…

 

…weil der Blick niemals so viel Irrsinn in sich tragen sollte, dass es aussieht, als ob man hinter Gitter gehört anstatt davor…

 

…weil …oh, da fährt ein Zug… ach, ja… Kamera…

 

… weil es nicht gut ist, wenn man so aussieht, als hätte man endlich einen Weg gefunden Donald Trump die Präsidentschaft zu entreißen…

 

DAS gefällt mir schon ganz gut… jetzt brauche ich nur noch 11 andere…

 

Sie haben die Wahl!

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Man kann Populisten viel vorwerfen. Hauptsächlich, dass sie Angst schüren und versprechen, sie und nur sie allein könnten die Probleme dazu lösen.
Im Zuge dieser Schwarzweißmalerei lügen sie. Nicht zu knapp.

Aber wenn es um ihre tatsächlichen Ziele geht lügen sie fast nie.

Schauen wir zurück in die kürzere Vergangenheit - das ist einfacher, als ohne Kristallkugel in die Zukunft zu schauen.

Donald Trump ist Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika - nicht, weil er die meisten Stimmen hatte... aber er hatte genug.

Er hatte sie weil Latinos ihn gewählt haben, People of Colour, die LGBT-Community, ältere Menschen, Muslime und Frauen.
Sie alle müssen, das ist Mathematik, zusammen mit den Nichtwählern, Sorge getragen haben ihn ins Amt zu hieven.

Dann trat der "muslim ban" in Kraft und die Muslime waren entsetzt.

Dann machte er sich daran den medizinischen Versorgungscentern von Planned Parenthood die staatliche Förderung zu entziehen - in Amerika für unversicherte Frauen oftmals der einzige Zugang zu Vorsorge, Verhütung, Aufklärung und, wenn sie das wollen, medizinisch überwachter Abtreibung. Und die Frauen waren entsetzt.

Dann waren sie gleich doppelt entsetzt, denn Trump möchte Obamacare aufheben, was nicht nur bedeutet, dass bis zu 32 Millionen Menschen ihre Gesundheitsversorgung verlieren, sondern auch viele ältere Menschen ihre Altenpflege... und selbst gesunde Frauen sollten sich jetzt gut überlegen, ob sie sich eine Schwangerschaft leisten können.
Also waren die Frauen doppelt entsetzt und viele ältere Wähler schlicht und einfach entsetzt.

Dann begann eine Ausweisungswelle, von der bis zu 11 Millionen illegale Einwanderer betroffen sein könnten, hauptsächlich Latinos. Rund 800.000 ihrer Kinder, die sich unter DACA dem Schutz der Regierung anvertraut hatten, sehen einer ungewissen Zukunft entgegen, denn das Programm soll aufgehoben werden. Also waren die Latinos entsetzt.

Dann hob Trump Transgenderschutzgesetze auf und will Transgender zudem aus dem Militär entfernt wissen. Also war die LGBT-Community entsetzt.

Dann nannte Trump Nazis und Ku-Klux-Klan-Mitglieder "some very fine people” und, nicht nur, die People of Colour waren entsetzt.

Eine Menge Entsetzen - und jedes kleinste Bißchen davon ist gerechtfertigt. Aber nichts davon ist eine Überraschung.

Nichts davon war unabsehbar.

Donald Trump hat nicht verborgen was er ist oder was er will. Im Gegenteil. Er war absolut durchsichtig, offen und ehrlich. In der Frage kann man ihm nichts vorwerfen.

Warum also haben so viele Schafe ihren Schlachter gewählt?

Mag sein, ein Teil war einfach schlecht informiert. Wer ahnt denn auch schon, dass man Obamacare schützen sollte, wenn man mit dem Affordable Care Act versichert ist... und einfach nicht verstanden hat, dass das eins ist.

Der weitaus größere Teil aber dürfte einfach darauf vertraut haben, dass Donald Trump alles ernst meint - außer dem, was einem selbst gefährlich werden könnte.

Ein Vertrauen, das jetzt durch Entsetzen ersetzt wird.

Ein hoher persönlicher Preis für den frustrierten Wunsch dem Regierungssumpf als Protestwähler an der Urne mal zu zeigen, was eine Harke ist.
Wenn man wählt, sollte man davon ausgehen, dass eine Partei tut was sie sagt. Denn wenn man sie als Instrument persönlichen Protests mißbraucht und genug andere Menschen auf die gleiche leichtfertige Idee kommen, dann wird sie in der Lage sein zu tun, was sie will.

Die deutsche Protestpartei der Bundestagswahl 2017 ist die AfD.

Also macht es Sinn zu schauen, was sie wollen und wer sie wählen sollte, ohne sich irgendwann in Entsetzen ergehen zu müssen.

Europäisch denkende Menschen: NEIN.
Denn die Partei sieht die “Volkssouveränität” der Bundesrepublik innerhalb der EU gefährdet (WP 1.1).

Mittelschichtler und Geringverdienende: OH NEIN.
Ziel ist ein „schlanker Staat“ ohne gesellschaftliche Verantwortung (GP 1.2), die Abschaffung der Mitbestimmung von Betriebsräten als “unnötige Bürokratie” (GP 5.1), gleiche Steuern, egal ob jemand 20.001 oder 1000.000 Euro pro Jahr verdient (GP 11.1)... was insbesondere Spitzenverdiener begünstigt... und die “Abschaffung der Erbschaftsteuer” sowie keine “Reaktivierung der Vermögensteuer” (WP 10.1)... was insbesondere Vermögenden zugute kommt.

Arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohte Wähler: HELL NO!
Die AfD will die bestehende Sozial- und Arbeitslosenhilfe in eine „aktivierende Grundsicherung“ umwandeln (GP 5.4.2). Zwar soll dabei das Arbeitslosengeld I verlängert werden (WP 11.8). Aber nicht erwerbstätigen Menschen stünde dabei nur noch ein Mindestbetrag zu, der sehr viel geringer als die aktuelle Unterstützung ausfallen würde.

Ältere Menschen und Pflegebedürftige: ABSOLUT NEIN!
Die AfD möchte die sozialen Sicherungssysteme “reformieren“ (GP 5.4). Sie beabsichtigt, staatliche Unterstützung aufzulösen und die damit verbundene Verantwortung auf Familien zu übertragen. So müsse individuelle häusliche Pflege “zu einem Hauptbestandteil der sozialen Sicherungssysteme werden” (GP 5.4.4).
Doch eine solche “Reform” birgt zahlreiche Risiken und versteckte Kosten: Denn weder sind alle Menschen in ein familiäres Umfeld eingebunden. Noch verfügen alle Familien über die Mittel, sich diese Unterstützung zu leisten.

Berufstätige Frauen: IN KEINEM FALL!
Die AfD lehnt die „Geschlechterquote“ ab (WP 1.15). Weil sie zudem der Meinung ist, dass „Alleinerziehende“ selbst Schuld sind, wenn die Partnerschaft beendet wird, soll deren angeblich „bedingungslose Förderung“ beendet werden (WP 7.3). Stattdessen soll die „Familie aus Vater, Mutter und Kindern“ mit allen Mitteln geschützt (WP 7.7) und Frauen als Hausfrauen wieder mehr geschätzt werden (GP 6.3)

Pazifisten: GANZ UND GAR NICHT!
Die AfD fordert „die Rückkehr der Streitkräfte zur Einsatzbereitschaft” (WP 3.3) und möchte die Wehrpflicht wieder einführen (GP 4.4.2).

Umweltschützer: NATÜRLICH NICHT!
Die AfD behauptet, der Klimawandel existiere nicht und CO2 sei gut für die Umwelt (WP 13.1). Energiegewinnung aus nachhaltigen Quellen lehnt sie daher als unnötig ab.

Homosexuelle: ARE YOU KIDDING ME?!
Vater, Mutter, Kinder... (WP 7.7) Die Partei propagiert ausschließlich die „traditionelle Familie als Leitbild“.

Wenn Sie also ein biodeutscher, heterosexueller, männlicher Waffennarr sind, mit einer lebenslangen Jobgarantie und einer absehbar unantastbaren gesundheitlichen Konstitution bis ins hohe Alter, dem die Umwelt unwichtig ist und den Europa nervt... bitte, dann sollten Sie AfD wählen - Ihnen kann nichts passieren.

Alle anderen sollten sich gut überlegen, was ihnen ein Protestwahlzettel zugunsten der AfD einbringt. Denn wenn sich das genug Menschen nicht fragen, kommen viele Stimmen zusammen, die bewirken, was viele Menschen zwar gewählt haben aber nicht wollten. Und dann sind sie entsetzt darüber, was sie nicht überraschen sollte.

Noch ein Wort an die Nichtwähler:

Ich verstehe Politikverdrossenheit. Auch dieses Mal werden um die 40% aller Wahlberechtigten vom Privileg ihrer Stimme keinen Gebrauch machen. Und sie werden dafür vielfältige Gründe ins Feld führen. Aber keiner davon hat Bestand.

Wer seine Stimme nicht nutzt, wenn sie zählt, verliert für vier Jahre das Recht sich über Politik aufzuregen - und wer will schon auf den Spaß verzichten???

Wer argumentiert, dass er niemanden mehr aus voller Überzeugung wählen kann... dem geht es wie mir. Aber ich weiß, wen ich aus voller Überzeugung NICHT wählen will und meine Stimme ist ein Gegengewicht zu dem Anteil der Politiklandschaft, die ich auf keinen Fall in Amt und Unwürden sehen will.

Und zu guterletzt greift eine Wahrheit mit der mir meine Mutter als Kind erklärt hat, warum sie an einem sonnigen Sonntag mit uns ins Wahlbüro geht anstatt direkt den Spielplatz anzusteuern - wählen zu dürfen ist ein Privileg um das Menschen in anderen Ländern kämpfen müssen. Und alle Menschen, die irgendwo auf der Welt für ihr Wahlrecht kämpfen müssen, machen mein eigenes zu einer Pflicht.

Das war so in den 70igern und an dieser Wahrheit hat sich nichts geändert.

Am 24. September hat jeder eine Stimme und meine hat genauso viel Gewicht wie die eines Atomlobbyisten oder eines verkappten Nazis.

Nicht wählen ist wie Zähne putzen... wenn man’s nicht tut wird’s brauner. Und man kann das Ergebnis dann eklig finden. Man darf sich nur nicht wundern.

 

(Credits: Die Auflistung der AfD Ziele entstand unter Verwendung der großartigen und fundierten Recherchearbeit der Aktionsgruppe K5 (Kleiner Fünf). In Vollständigkeit nachzulesen unter: https://www.kleinerfuenf.de/de/was-will-die-afd    Danke für Euer Engagement!)

Gimp your pictures – and give them a RawTherapee

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Schauspieler brauchen Portraitfotos… da führt kein Weg dran vorbei. Da sie zu unserer Profession gehören sollten sie auch professionell aussehen. Im Zeitalter der Digitalfotografie gehört dazu Bildbearbeitung.

Die beiden Flagschiffe in diesem Bereich heißen “Photoshop” und “Lightroom” und werden vom Softwaregiganten Adobe bereitgestellt.

Beide Programme zusammen kosten als Creative Cloud Fotografie-Paket 141,94 Euro im Jahres-Abo. Gute Software darf ihren Preis haben – aber an Adobe ärgert mich einiges.

Beide Programme stellen gehobene Hardwareanforderungen, setzen teilweise eine Internetverbindung voraus und erfordern eine Registrierung… ich mag das nicht.

Für mich kommen sie auch gar nicht in Frage, da Adobe sich auf breiter Linie beharrlich weigert zur Kenntnis zu nehmen, dass es Linux gibt.
Zwar ermöglicht Linux die Installation unter WINE indem es eine Windowsumgebung vortäuscht – aber ernsthaft… kein Mensch, der einfach nur optimale Fotos möchte, braucht noch Adobe.

Ich möchte Euch zwei Alternativen vorstellen. Beide Programme sind schlank, ressourcenschonend und laufen selbst auf älterer Hardware zügig und arbeitshungrig. Beide bieten einen beeindruckenden Funktionsumfang, der sich hinter Adobe nicht zu verstecken braucht, werden kontinuierlich weiterentwickelt, erfordern keine Registrierung und kein Abo… denn ihr gemeinsamer Kostenpunkt beläuft sich auf 00,00 Euro.

Alle beiden Programme sind plattformübergreifend für Windows, Mac und Linux verfügbar… sie lassen sich als Portable-Versionen sogar auf einem USB-Stick installieren – Bildbearbeitung grenzenlos… dear adobe, that’s how to do it.

Vorab… beide Programme sind wirklich mächtig und können viel. Ihren gesamten Funktionsumfang hier aufzulisten ist unmöglich. Es gibt für beide digitale Handbücher. Vorallem aber gibt es eine gigantische Menge YouTube-Tutorials. Ich empfehle Euch zu überlegen, was Ihr mit Eurem Foto machen wollt. Und wasimmer es ist… irgendjemand hat garantiert schon ein Tutorial dazu gemacht. So bringe ich mir Programme bei und Ihr werdet sehen, sobald man sich ersteinmal ein bißchen in einer Software zurechtgeräkelt hat, fängt man an eigenständig mit ihr herumzuprobieren und merkt gar nicht, dass man währenddessen weiterlernt. Es kann sehr viel Spaß machen und ist dann eher wie ein Videospiel mit dem eigenen Bild als Hauptdarsteller.

GIMP – ist vorallem ein wirkungsvoller Bildmanipulator und bietet eine breite Palette von Werkzeugen, jongliert mit Ebenen, ergänzt, baut um, verschiebt, mischt ab, malt, schneidet aus, stellt frei, kreiiert Cartoons und Animationen… es ist Euer Spielzeug für Pixel. Von der Basisbearbeitung bis hin zur ausgefeilten kreativen Tüftellei sind die Möglichkeiten nahezu endlos. Wer als Beginner beispielsweise nur ein paar Hautunreinheiten beseitigen will kann zum Werkzeug “Heilen” greifen und hat das mit wenigen Klicks erledigt. Davon gelangweilte Cracks können zur Frequenztrennung schreiten und haben auch ihren Spaß.

Als Eindruck habe ich ein Video ausgesucht, das tatsächlich mit Pickel entfernen beginnt – aber ganz woanders aufhört und die Unmöglichkeit den Funktionsumfang von Gimp in einem Blogbeitrag zusammenzufassen charmant verdeutlicht.

Obwohl Gimp bereits breit gefächerte Möglichkeiten und sogar vorgefertigte integrierbare scripts anbietet um Fotos “zu entwickeln” – an RAWTHERAPEE kommt es so wenig heran wie Photoshop an Lightroom.

Wie der Name bereits sagt, das Programm ist ein Spezialist für die Bearbeitung von Raw-Dateien.
Raw-Dateien verhalten sich zu den gängigen Jpg-Dateien wie ein Salatbuffet zum Salatteller. Sie enthalten alle Bildinformationen aus Licht, Kontrast und Farbe, während das Jpg-Format eine annehmbare Durchschnittsauswahl vorbearbeitet serviert und die restlichen Daten wegschmeißt.

Raw-Fotos offerieren also bedeutend mehr Möglichkeiten der eigenständigen Feinabstimmung und sind die zu bevorzugende Wahl – allerdings… RawTherapee kommt mit beidem klar und kann selbst Jpg-Fotos bedeutend verbessern.

Zu Demonstrationszwecken habe ich Jpg verwendet, weil dieses Format von jeder Kamera beherrscht wird. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken.)

RawTherapee bietet einen Splitscreen an, der jede Veränderung des Fotos gut verdeutlicht und den direkten Vorher/Nachher-Vergleich erlaubt. Wie Gimp legt es zusätzlich eine Historie an (links, rot unterlegt), die jeden Arbeitsschritt dokumentiert und jederzeit ermöglicht auf jeden beliebigen vorherigen Schritt zurückzugehen.

Im Screenshot zeigt die Historie, dass ich nur einen einzigen Klick gemacht habe – nämlich den auf die automatische Belichtungskorrektur (rechts oben im Menü). Das ist kein Hexenwerk – aber, wie man sehen kann, bereits eine deutliche Verbesserung.

Wer selber entwickeln möchte kann nach Herzenslust mit Farben, Licht, Schatten, Schwarzpegel, Filtern und fein abgestuftem Kontrast herumspielen. Ich wollte das Bild etwas wärmer und es sah schließlich so aus.

Fazit: auch Digitalbilder brauchen die feine Abstimmung, die früher in den Händen eines guten Fotolabors lag und man muss kein Grafiker sein um aus seinem Portraitbild den Pickel zu entfernen, den man vor einer Fotosession nie gebrauchen kann, aber immer bekommt.

Noch ein Sicherheitstipp zum Schluß. Wenn ich ein Bild bearbeite, dann niemals das Original – immer eine Kopie davon. So stellt man unbedingt sicher, dass man wirklich jeden denkbaren Blödsinn damit unternehmen kann, aber die Originaldatei verfügbar bleibt.

Gerade wenn man ein Programm neu lernt sollte man das zur goldenen Regel erheben. Glaubt mir einfach, ich weiß es aus eigener Erfahrung. Ich habe mir schon ein paar Originale ungewollt überschrieben und bis heute ist mir rätselhaft, wie ich das genau geschafft habe. Safety and copy first.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim herumkommandieren der Pixel und boosten Eurer Bilder. Und wenn Ihr mal kein Portrait bearbeiten wollt, sondern eins zeichnen… kein Problem – Ihr habt ja Gimp.

„Prometheus“ und die schwarze Sonne

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In meinem Leben gibt es zwei große Begeisterungen – das Theater und den Weltraum.

Am Theater bin ich mit meiner exessiven Astronomie- und Raumfahrtversessenheit ein Exot. Unter Astronomen und Ingenieuren bin ich es als Schauspielerin aber auch.

Die beiden Welten begegnen sich nicht allzu oft.

Aber was wäre wenn?

Heute erlebt Amerika eine totale Sonnenfinsternis. Der Mondschatten wird mit rund 2500 km/h von der West- bis zur Ostküste rasen. Millionen Menschen haben sich auf den Weg in die Totalitätszone gemacht um die schwarze Sonne zu erleben. Die Minuten bläulich stiller Nacht mitten am Tag, in denen der Mond unseren Stern vollständig verdeckt und die Korona unserer Sonne wie ein gleißender Ring aus Licht am Himmel sichtbar wird.

Ein magischer Moment.

Ein magischer Moment – den man auf die Sekunde genau vorausberechnen kann.

Casper ist eine kleine Stadt in Wyoming und liegt in der Totalitätszone. Dort gibt es das “Stage III Community Theatre” in dem Laiendarsteller jedes Jahr bis zu sechs verschiedene Stücke auf die Bühne bringen. Und dort entstand eine Idee… für die das Ensemble den ganzen Sommer über geprobt hat.

Heute findet dort die Premiere von “Prometheus” statt, die Geschichte des Titanen, der den Göttern das Feuer aus dem Himmel stahl um es den Menschen zu geben.

Und nicht weniger wird auf der Bühne geschehen… mit unserer Sonne als einzigartiger Hauptdarstellerin. Das Stück wird mit dem Himmelsspektakel so synchronisiert ablaufen, dass sein Inhalt sich mit unserem Stern verbindet und macht damit dessen Verdunkelung zum größten denkbaren Spezialeffekt, den man auf eine Bühne holen kann.

Ich war hingerissen, als ich das vorgestern las. Da war sie! Die perfekte Synthese meiner Begeisterungen, verschmolzen zu einer atemberaubenden Einheit. Grandios! Genial!

Die Schauspielerin in mir platzte fast vor Neid auf all jene, die heute dort auf der Bühne stehen dürfen. Dann schaltete sich die Astronomin in mir ein – und die innere Diskussion darüber begann, wie ideal es für mich tatsächlich wäre.

Denn ich würde mich vorbereiten müssen… Maske, Kostüm, einsprechen, warm machen, die Vorstellung beginnen – alles ohne den “First Contact”, den “Bite” beobachten zu können, wenn der Mond seinen Weg vor die Sonne beginnt. Ich würde ihn überhaupt nicht verfolgen können, denn auf der Bühne kann man schlecht einfach mal seine Sonnenfinsternis-Schutzbrille aufsetzen und in dem Anblick der schwärzer werdenden Sonne schwelgen.

Das Publikum hat es da einfacher. Im 10-Dollar-Eintrittspreis ist eine Schutzbrille enthalten. Die können schauen, wann sie wollen. Bestimmt ein witziger Anblick von der Bühne aus – alle Zuschauer mit so einer Brille auf der Nase. Da findet man heraus wie sich eine Kinoleinwand bei einer 3D-Vorstellung fühlt.

Der Moment der Finsternis wird von dissonanten chorischen Gesängen begleitet werden. Das kann dramaturgisch durchaus Sinn ergeben… astronomisch betrachtet ist es geradezu eine Sünde. Denn wer jemals im Kernschatten des Mondes in der Natur gestanden hat, der weiß – es wird still, unfassbar still. Sogar die Vögel verstummen. Es ist ebenso wirklich wie surreal.

Und dann singen? Die Astronomin in mir würde der Schauspielerin an den Kragen wollen dafür.

Nein, ganz so einfach lassen sich zwei so große Begeisterungen dann wohl doch nicht miteinander verbinden. Aber die Idee bleibt toll und ist, wenn man Bill Conte, Autor und Regisseur des Stückes, glaubt ein “first time” in der Geschichte des Theaters.

Für alle, über die der Schatten unseres Mondes heute nicht hinwegstreift:

HIER geht’s zum Countdown auf der Eclipse-Seite der NASA.

Und HIER geht’s zum Livestream.

Den Darstellerinnen und Darstellern von “Prometheus” und allen, die heute die schwarze Sonne bewundern dürfen – ich wünsche Euch “clear skies”!!!

Two and a half english storys from Heidelberg

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First:

1613 heiratet der junge Kurfürst Friedrich V. die englische Prinzessin Elizabeth Stuart, Tochter des Königs Jakob I. Um ihr einen standesgemäßen Wohnsitz in Heidelberg zu bieten lässt er den “Englischen Bau” auf dem Nordwall zwischen der bestehenden Schlossanlage und dem “Dicken Turm” errichten.

Von dort hat man einen fantastischen Blick über Heidelberg und das Neckartal bis zur Rheinebene.

Erhalten sind nur noch die Fensterfronten, die zweigeschossig emporragen und ohne Dach zusammen mit dem “Dicken Turm” den Raum bilden, in dem “Der Froschkönig” bei den Schlossfestspielen residiert.

Wir spielen dort …und befinden uns damit in einer erstaunlichen und überaus weit zurückreichenden Tradition.

Denn der Kurfürst erbaute seiner Gemahlin nicht nur einen englischen Wohnpalast. 1619 ließ er den oberen Teil des “Dicken Turms” zu einem Theater ausbauen, das dem Globe-Theatre Shakespeares nachempfunden war und schuf so – neben dem Kassler “Ottoneum” – den ersten selbstständigen Theaterbau auf deutschem Boden.

Doch damit nicht genug. Das Ensemble des “Globe-Theatre” in London, durch einen vernichtenden Brand heimaltlos geworden, gastierte drei Monate in Heidelberg im “Dicken Turm”.

Ob Shakespeare ebenfalls nach Heidelberg reiste ist, wie vieles rund um seine mysteriöse Person, nicht geklärt. Aber allein die Vorstellung, dass ich meinen Arbeitsweg mit Menschen teile, die Uraufführungen jener Shakespearestücke gespielt haben die ich heute “Klassiker” nenne – allein diese wunderbare Vorstellung gefällt mir außerordentlich gut.

Second:

Selbstverständlich betrachte ich den “Froschkönig” als höchste royale Instanz in Heidelberg.

Allerdings… das muss selbst ich zugeben… war das heute vielleicht ein wenig anders. Prinz William und Kate waren zu Besuch in Heidelberg.

Bereits morgens vor der Vorstellung konnte man vom Schloss aus britische Flaggen in der abgesperrten Innenstadt erspähen.

Und auch die Einsatzbesprechung der Polizei sah aus dieser Perspektive irgendwie amüsant gesprächskreisig aus.

Nach dem Besuch eines medizinischen Forschungszentrums und dem Empfang auf dem Marktplatz ging es für die beiden Botschafter wider der Brexitentfremdung an den Neckar zu einem Ruderwettstreit zwischen freundschaftlich gemischten Teams aus Heidelberg und seiner Partnerstadt Cambridge – mit den Royals am Steuer.

Da ich Menschenmengen nur geheuer finde, wenn sie vor mir sitzen, entschied ich mich für’s Flussufer.

“You go left and I go right…” könnte Prinz William da gerade vorschlagen, denn so geschah es… and I was left.

Suchbild – finde die Duchesse of Cambridge…

Okay… here she is…

Wenn man gerade gut im Training ist, weil man fast jeden Tag mit dem Fahrrad den Schlossberg hochfährt, dann könnte man auf die gewagte, aber interessante Idee kommen auf dem Rad mit dem Ruderrennen Schritt zu halten – und es zu fotografieren…

…und man ist dann pünktlich im Ziel zum anlegen der Ruderboote auf der gegenüberliegenden Neckarseite…

Und als Belohnung kann man von dort aus auf abgesperrten, wunderbar leeren Straßen zurück in die Altstadt fahren. Hätten immer noch jubelnde Zuschauer hinter der Absperrung gestanden wäre es ein fast “Tour de France”- artiges Gefühl gewesen.

Bonus:

Wenn die Zuschauer eingelassen werden stehen wir bereits auf der Bühne. Wir müssen nicht bewegungslos sein, aber wir tun es in der Regel recht ruhig.

Heute hatte uns ein Junge schon beim hereinkommen gemustert, sich auf seinen Platz gesetzt, uns weiter gemustert… und dann fiel ihm etwas auf, dem er mit viel Erstaunen in der Stimme laut Ausdruck verleihen musste:

“Die Leute sind ja echt!”.

Ja. Keine Leinwand, kein Bildschirm dazwischen… die Schauspieler sind wirklich da. Im “Englischen Bau” schon seit rund 400 Jahren. Und immer noch.

Demonstrations – kultur

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In Hamburg findet der G20 Gipfel statt. 19 Nationen plus EU repräsentieren zwei Drittel der Welt und beraten über den Lauf der ganzen.

Das kann man grauenvoll finden oder hoffnungsvoll – und alles dazwischen. Und wie immer man dazu eingestellt ist… man darf es äußern. Man darf demonstrieren, kritisieren, protestieren – das ist in unserem Land so. Und ich bin ein entschiedener Fan von diesem Recht.

Aber es gibt Fans vom Grundgesetz… und es gibt Hooligans – deren Rechtverständnis weder Verfassung noch Logik beinhaltet.

Sie setzen Autos in Brand um gegen den Kapitalismus zu protestieren. Jedes brennende Auto wird ersetzt werden. Die Autokonzerne freuts.

Die öligen Gummibrandwolken der Autobrände betonen die Umweltschutzambitionen der Protestler… oder auch nicht.

Privateigentum und kleine Geschäfte sind demoliert worden – weil die Welt mehr soziale Gerechtigkeit braucht.

Steine, Flaschen und Brandsätze werden auf Polizisten geworfen – damit der Weltfrieden beginnen möge.

Und die Scheiben des Konsulats der Mongolei wurden zertrümmert – bestimmt weil dieses Land unseren Planeten zugrunde richtet? Ähm, nein.

Weil es am Gipfel teilnimmt? Ähm, auch nein.

Absolut sinnfreie Aktionen und so ethisch vertretbar, dass nicht wenige beschließen, das lieber nicht mit ihrem Gesicht zu unterschreiben.

Dabei demonstrieren rund 150.000 Menschen in Hamburg inhaltlich.

Sie marschieren für Bildung, für die Bekämpfung von Fluchtursachen, für Finanzmarktregulierung und Klimaschutz. Sie tun das friedlich und mit höchst begrenzter medialer Aufmerksamkeit, weil geschätze 8000 andere Demonstrationskultur mit einem “Räuber und Gendarme” – Egotrip verwechseln und berechtigten poltischen Protest diskreditieren.

Dabei wurden und werden Zeichen gesetzt. Von der friedlichen Mehrheit. In gewaltfreien Protesten und nicht zuletzt mit den Mitteln von Kunst und Kultur.

Bereits am 15. Juni veranstaltete Greenpeace ein Konzert für unseren Planeten. Michael Abramovich wagte sich zusammen mit einem Konzertflügel auf ein Floß und spielte Chopins „Nocturne op. 9, Nr. 2 in Es-Dur“ auf der Elbe – während „Planet Earth First“ quer über die Elbphilharmonie projeziert wurde.

Die Kulturfabrik Kampnagel richtete einen alternativen Gipfel aus und brachte internationale Aktivisten zusammen.

Ein Kunstprojekt schickte “1000 Gestalten” lehmverkrustet auf einen quälend langsamen Marsch durch Hamburg bis sie sich schließlich aus ihrem entseelten Zustand in buntbekleidete Menschen rückverwandelten.

Das “Global Citizen“-Festival vereinte Leckerbissen der Popmusik wie Coldplay, Herbert Grönemeyer, Shakira, Ellie Goulding, Andreas Bourani und Pharrell Williams in einem Konzert, das ein Zeichen setzen will für nachhaltige Politik.

In Alma Hoppes Lustspielhaus versammelten sich 8 Künstler zum „Kabarettgipfel“ und spendeten den Erlös an Amnesty International. Im Hamburger Schauspielhaus gehörte die Bühne globalisierungskritischen Diskussionen.

Und nur Thalia weiß, wieviele weitere Kultur-Aktionen ich hier gerade unter den Tisch fallen lasse, denn von Lesungen bis Nachttanzdemos gab es eine Vielfalt von Möglichkeiten an kritischer Kreativität teilzunehmen.

Apropos Thalia… Theater. Intendant Joachim Lux gehörte zum Kreis jener Hamburger, die auserwählt waren mit den G20 Teilnehmern Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie in der Elbphilharmonie zu lauschen.

Er kommentierte: “Da sitzen zahlreiche Staatschefs, die politisch offensiv das Gegenteil der auf der Bühne erklingenden „Europa-Hymne“ vertreten.“ – und blieb dem Ereignis fern.

Zu demonstrieren, zu protestieren ist ein Recht, das sich durch Inhalte rechtfertigen sollte. Kultur ist ein gutes Werkzeug dabei. Aber um Feuer und Steine Kulturwerkzeug zu nennen muss man 130.000 Jahre in die Vergangenheit denken. Keine gute Denkrichtung um Zukunft zu gestalten.

Yes, love can!

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Ich bin in einem Land geboren worden dem ein fantastisches Grundgesetz als Verfassung gegeben worden ist. Es ist eine junge Staatsordnung, geschaffen um Demokratie und Menschenrechte in Deutschland unwiderruflich zu schützen und zu bewahren. Denn sie ist das Produkt eines Staates, der beides abgeschafft hatte. Eines Staates, der “unwerte” Menschen in Konzentrationslagern vernichtete. Unwert war vieles – Abstammung, Religion, eine Behinderung, eine abweichende Meinung, eine abweichende Liebe.

Sechs Farben markierten das unwerte Menschsein. Homosexuelle trugen den rosa Winkel.

Als Deutschland sein neues Grundgesetzt bekam und die Aufgabe hatte, die Verbrechen in den Konzentrationslagern aufzuarbeiten, wurden die rosa Winkel irgendwie übersehen und der §175 von 1935 nahtlos in das überarbeite Strafgesetzbuch der jungen BRD übernommen. Er deklarierte Liebe weiter als Straftat. Was für eine widerliche Entscheidung, generell und gerade in Deutschland. Dabei gab es längst andere Vorbilder. In Island ist jede einvernehmliche Liebe zwischen mündigen Menschen seit 1940 legal.

Deutschland brauchte weitere 54 Jahre für diese Entscheidung und die Abschaffung des §175.

Dabei steht in seinem großartigen Grundgesetz:

“Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”

und:

“Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.”

Das sind einfache Maßgaben.

Hat Liebe nur manchmal Würde? Verdient sie Schutz nur zwischen Mann und Frau? Und wenn alle vor dem Gesetz gleich sind, wieso haben sie dann verschiedene Rechte?

Heute hat der Bundetag beschlossen, dass es nur eine Ehe gibt – und sie gilt für alle. Die Entscheidung ist richtig. Und grauenvoll verspätet.

Trotzdem gab es immer noch ausreichend Protest. Gesellschaftlicher Verfall wurde angemahnt. Ja, ich war in Norwegen, Schweden, Dänemark, Island, alles Länder, die seit Jahrzehnten nur ein Ehemodel für alle kennen. Wirklich… wahnsinnig verrottete Gesellschaften… die sich im übrigen ständig die Medaillenränge des Human Development Index streitig machen.

Die Kirche schaltete sich mit Widerspruch ein… oh bitte, sogar Irland hat diese Entscheidung vor Deutschland getroffen und das Christentum ist dort relativ verbreitet.

Die CDU betonte Kinder als schützenswertes Merkmal der Institution Ehe – und übersah dabei nicht nur die kinderlos geschützte Ehe ihrer Vorsitzenden, sondern alle Kinder, die alleinerziehend oder in Beziehungen ohne Ehevertrag aufwachsen.

Schließlich wurde argumentiert, die Software der Computer in den Rathäusern sei auf gleichgeschlechtliche Ehen gar nicht vorbereitet. Oh weiha.

Eine unwürdige Diskussion hat, ein Menschenleben verspätet, ein würdiges Ende gefunden.

Deswegen gehört dieser Tag allen Menschen, die in Deutschland getötet wurden, weil sie geliebt haben, die ihre Liebe verbergen mussten, weil sie ein Verbrechen war, all jenen, die später, gegen alle Anfeindungen, demonstriert und sich sichtbar gemacht haben – und damit auch nicht aufhörten als die Zwei-Klassen-Ehe sie zufriedenstellen sollte. Dieser Tag gehört aber auch kommenden Generationen, die wissen werden, dass Liebe eine Wahl und Freiheit hat. Die wissen, dass Liebe ebenso katastrophal wie wunderschön sein kann, vollkommen egal welcher Mensch welchen Menschen liebt.

Ich glaube nicht an die Ehe an sich, gleich wer wen heiratet. Über Versprechen bis an das Ende meines Lebens fange ich an nachzudenken, wenn ich 80 geworden bin, denn dann traue ich sie mir zu. Vielleicht. Aber es ist völlig unerheblich was ich mir zutraue und ob ich mich Trauung traue – ich will, dass jede, das jeder die Freiheit hat sich zu trauen. Niemand muss, aber alle sollen können. Gerechtigkeit wird nicht kleiner wenn mehr Menschen sie teilen. Denn auch sich gegen ein Recht entscheiden zu können ist ein Privileg, das heute allen Menschen in Deutschland gegeben wurde …ohne auch nur einem einzigen etwas wegzunehmen.

Ja, wir haben ein großartiges Grundgesetz. Ich neige verbissen dazu es zu verteidigen. Denn für mich ist es das wörtliche Abbild einer unbedingt erstrebenswerten Gesellschaft. Und ich weiß, dass die real gelebte Gesellschaft ihrem Grundgesetz hinterhinkt. Aber heute hat sie ein bißchen aufgeholt.

Die entSCHLOSSene Premiere – der Froschkönig

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Vor zwei Tagen hatte er Premiere – der Froschkönig. Das Stück, das im Schloss spielt und nun auch stilecht bei den Heidelberger Schlossfestspielen zu sehen ist.

Eins sei vorneweg gesagt: es hat riesigen Spaß gemacht. Aber es ist Sport – und nicht zu wenig davon. Kindertheater ist physisch meist fordernd… weil schnell und actionreich. Wir bilden da keine Ausnahme. Es geht zur Sache. Und genau so muss das auch sein.

Das Schloss im Schloss besteht aus Stegen, Plattformen, einem fahrbaren Prinzessinnenbett, einer ebenso mobilen Waschküche und natürlich dem obligatorischen Brunnen, in dem die goldene Kugel der Prinzessin verschütt geht – weswegen sie einen ungewöhnlichen Liebhabenpakt mit einem glitschigen Frosch eingehen muss.

Das Konzept sieht vor, dass alle Figuren sich nur in diesem Arragement bewegen… gefangen in der königlichen Maschinerie, gefangen auch in den Anforderungen, Träumen, Pflichten, Wünschen und Sehnsüchten, die sie mit sich tragen.

Erst zum Schluss, wenn das Chaos seine Happy Ends gefunden und alle Verwirrungen beseitigt sind, gewinnen die Figuren ihre Freiheit – und die Fähigkeit ihre angestammten Wege und Stege zu verlassen und neue zu suchen.

Das Konzept bedeutet aber auch, dass wir alle da sind… von Anfang bis zum Schluss. Wer nicht gerade in den Spielszenen ist hat trotzdem im Hintergrund zu tun… und in den Übergängen mechanisieren wir uns komplett durch wie kleine aufgezogene Figuren einer komplexen Spieluhr.

Annette Wolf hat Bühnenbild und Kostüme liebevoll in den Englischen Bau des Heidelberger Schlosses eingepasst. Klassisch, kindgerecht, modern und detailreich erschließen sich die Räume und Figuren auf den ersten Blick …und haben stets etwas persönliches oder noch einen zusätzlichen besonderen Kniff zu bieten. Der weinende Brunnen, der goldene Esslöffel am Zepter, die Warzenkolonie auf der Froschhaut, meine Multifunktions-Schürze, Heinrichs eiserne Bändern… es wimmelt vor schmunzeliger Details, die man beobachten und an denen man sich freuen kann.

Natascha Kalmbachs Konzept und Regie geht auf… wir spielen in der Frosch-Maschinerie “like a fine-tuned machine”. Ja, ich weiß, das hat Donald Trump auch von seinem Weissen Haus behauptet… allerdings – bei uns stimmt’s wirklich.

Die Textfassung von Thomas Freyer ist eine Uraufführung und ein Glücksgriff. Sie passt in alle Kinderohren ohne kindisch zu klingen und beschreibt die so bekannten Figuren mit einem frischen zeitgemäßen Blick.

Der Englische Bau ist eine rechteckige Ruine, nach oben offen, an drei Seiten durch Fensterfronten ohne Fenster darin begrenzt und schließt an der vierten Seite mit dem Dicken Turm ab. Morgens liegt die über 20 Meter breite Zuschauerraumseite im Schatten… nicht aber die Bühne.

Wir sind, schon in der Probenzeit, umfangreich mit Sonne verwöhnt worden. Seit letztem Wochenende aber meint sie es etwas zu gut mit uns. Wir haben eine Hitzwelle, bereits bei Vorstellungsbeginn so gut wie restlos keinen Schatten mehr auf der Bühne, mehrlagige Kostüme, Bisonhaarperrücken und der Frosch gart in einem gut gepolsterten Watton. Und, nur zur Erinnerung, für rund 95 Minuten Einlass und Vorstellung verlässt niemand von uns die Bühne. Und, nur zur Erinnerung, es ist Sport… springen, rennen, toben, Kollegin tragen, hüpfen, über Tische und Stühle klettern… alles mit Tempo natürlich… es kommt so einiges an Körperarbeit zusammen.

Inzwischen haben wir darstellerisch konforme Maßnahmen ergriffen um gegen die Hitze zu bestehen.

Sobald ich morgens in unser Masken-, Umkleide-, Technik- Requisitenzelt komme platziere ich sinnvolle Mengen Wasser im dortigen Kühlschrank. Es hilft nach der Vorstellung die Kerntemperatur zu senken. Ein nasser Waschlappen im Plastikbeutel landet gleich daneben und nach dem Abschminken erstmal eine Weile auf Stirn und Nacken.

Meiner Utensilienschürze habe ich ein Stofftaschentuch extra angehängt. Gegen Schweiß, der von meiner Nase tropft, habe ich nichts… aber er läuft auch in die Augen und verträgt sich exorbitant schlecht mit meinen Kontaktlinsen. Da die fleissige Gunhilde ohnehin ständig arbeitet und werkelt finde ich es aber charakterkonform, wenn sie sich ab und an mal das Gesicht abtupft. Abseits der Spielszenen verwende ich dafür eine mechanische Gestenfolge, damit es mit dem Konzept harmoniert.

Inzwischen nutze ich das Taschentuch auch dazu den Metallgriff des Aluminiumkochtopfdeckels zu greifen, den ich wie einen Ritterschild verwende, wenn ich Putzbürstenschwingend zum Schutz des Königs eile. Der Deckel hat dann nämlich schon eine Weile in der Sonne Hitze aufgesammelt – und war zur Premiere so überraschend heiss geworden, dass ich mich ein wenig konzentrieren musste ihn tatsächlich festzuhalten.

Inzwischen haben wir Wasserflaschen an vier strategischen Stellen des Bühnenbildes platziert und jeder kann sie in seine Hintergrundbeschäftigung einbauen, wenn er dort in die Nähe kommt. Auch dafür habe ich eine Mechanik entwickelt… Schluck, Schluck, Schluck, Flasche absetzen, Schluck, Schluck, Schluck… zu wiederholen so oft es geht.

An bisher zwei Stellen habe ich die Zusatzbetankung untergebracht… ich liebäugle mit einer dritten.

Vielleicht komme ich so auf ungefähr den Liter, den ich vermutlich auch in meinem Kostüm lasse.

Man darf es also ohne Übertreibung sagen: der Froschkönig in Heidelberg ist eine heisse Sache. Vorallem aber ist er ein Spaß. Auf beiden Seiten, Bühne und Zuschauerraum.

Und die Kinder machen genau so viel Spaß wie wir wohl ihnen. Nicht nur während der Vorstellung.

Wir stehen ja auf der Bühne wenn sie hereinkommen und zu ihren Plätzen geleitet werden. Und schon dabei kommentieren sie frei drauf los. Ein Junge marschierte auf dem Weg zu seinem Sitzplatz die Bühne entlang als wäre er Flugkapitän und müsse vor dem Start die Checkliste abhaken. Er deutete auf den König und rief laut laut “König!”. Er sah auf den Brunnen und vermeldete “Brunnen!”. Er erspähte die goldene Kugel auf dem Bühnenrand und stellte richtig fest “Kugel!”. Sein Blick wanderte zur Prinzessin und auch sie wurde laut ausgerufen – “Prinzessin!”.

Dann sah er mich… und ich konnte ihn denken sehen… denn ich komme im Originalmärchen nicht vor und jetzt war er erkennbar in Schwierigkeiten.

Er fing sich aber recht schnell, deutete auf mich und verkündete im Brustton der Überzeugung: “Putzfrau!”.

Zum Glück darf ich die Kinder anlächeln… denn ein maskenhaft ernstes Freeze wäre in dem Augenblick sehr schwierig gewesen.

Heute bezauberte mich ein kleines Mädchen. Sie nahm in der dritten Reihe Platz und musterte uns auf der Bühne alle sehr eingehend und aufmerksam. Schließlich beugte sie sich zu der Klassenkameradin neben ihr und erklärte deutlich hörbar, sehr bestimmt, sehr ernsthaft, aber auch wie zur Beruhigung: “Das sind alles Menschen …in Kostümen!”.

Erwischt! Wohl wahr. Man nennt sie Schauspieler.

Mehr Bilder, mehr über das Stück und seine Menschen, sowie alle Vorstellungsdaten – HIER.

(Figurinen – © Annette Wolf / Fotos der Aufführung – © Annemone Taake für das Theater und Orchester Heidelberg)

Ein Schloss in HD

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Vor zwei Wochen bin ich ins Schloss gezogen. Ich hatte schon immer ein wirkliches Faible für Schlösser – und Burgen erst. Also schien mir das eine gute Idee zu sein.

Die Stellenbeschreibung war einfach: „Alles regeln, was im Schloss zu regeln ist!“. Ich fand, das ginge sehr in Ordnung so und machte mich frisch an’s Werk.

Die Prinzessin ist ganz reizend. Clever und smart und… nun ja, gerade ein Teenager… aber, Himmel, das waren wir ja alle mal.

Ihr Papa, der König, ist… ein wenig schräg. Eigentlich herzensgut, aber schräg. Es macht ihm noch sehr zu schaffen, dass die Königin sich aus dem Staub gemacht und nichts als einen Brief hinterlassen hat, auf dem sie ankündigt sich ein neues Leben suchen zu wollen. Seitdem balanciert der König zwischen den Staatsgeschäften und exessivem Jojo-Spiel… ich bin sehr unschlüssig ob das als duchgängig gesund zu betrachten ist. Angelegentlich erscheint er mir verwirrt.

Sowohl die Abreise der Königin, als auch der anteilig hinterfragenswürdige Zustand des Königs machen das Leben der Prinzessin natürlich nicht einfacher… und eben auch noch… ich erwähnte es ja bereits… Teenager.

Kein Wunder, dass sie oft und gerne Zeit allein im Wald verbringt. Ballspielend.

Nun ja, nicht direkt “Ball” – es ist mehr eine goldene Kugel, wie es sich für eine Prinzessin besser geziemt.

Sie ist ein wenig tolpatschig mit ihrem Lieblingsspielzeug… ich frage mich, ob uns das noch in Abenteuerlichkeiten stürzen wird.

Vor kurzem ist ein gut aussehender Mann im Schloß aufgetaucht. Er trägt Eisenbänder um die Brust gewickelt und sucht seinen Prinzen.

Aber im Schloß ist kein Prinz.

Allerdings hat es vor kurzem ein Frosch bis auf den Esstisch der Prinzessin geschafft – ich überlege noch, ob ich einen Kammerjäger holen sollte oder die Lage anders zu lösen besser wäre. Man wird sehen.

Zwischenzeitlich habe ich den suchenden Diener mit dem großen Herzen hinter den Eisenbändern in meiner Waschküche untergebracht. Jemand musste sich ja seiner annehmen.

Allerdings bringt er mir dort nun meinen Wäschewaschplan durcheinander… und DAS … also DAS… geht so gar nicht.

Jetzt hat auch noch jemand Banner im Schloss aufgehängt. Sie verkünden spannendes. Doch, ich habe so das Gefühl, als ob uns Abenteuer ins Haus stünden… pardon, ins Schloss.