First:

1613 heiratet der junge Kurfürst Friedrich V. die englische Prinzessin Elizabeth Stuart, Tochter des Königs Jakob I. Um ihr einen standesgemäßen Wohnsitz in Heidelberg zu bieten lässt er den “Englischen Bau” auf dem Nordwall zwischen der bestehenden Schlossanlage und dem “Dicken Turm” errichten.

Von dort hat man einen fantastischen Blick über Heidelberg und das Neckartal bis zur Rheinebene.

Erhalten sind nur noch die Fensterfronten, die zweigeschossig emporragen und ohne Dach zusammen mit dem “Dicken Turm” den Raum bilden, in dem “Der Froschkönig” bei den Schlossfestspielen residiert.

Wir spielen dort …und befinden uns damit in einer erstaunlichen und überaus weit zurückreichenden Tradition.

Denn der Kurfürst erbaute seiner Gemahlin nicht nur einen englischen Wohnpalast. 1619 ließ er den oberen Teil des “Dicken Turms” zu einem Theater ausbauen, das dem Globe-Theatre Shakespeares nachempfunden war und schuf so – neben dem Kassler “Ottoneum” – den ersten selbstständigen Theaterbau auf deutschem Boden.

Doch damit nicht genug. Das Ensemble des “Globe-Theatre” in London, durch einen vernichtenden Brand heimaltlos geworden, gastierte drei Monate in Heidelberg im “Dicken Turm”.

Ob Shakespeare ebenfalls nach Heidelberg reiste ist, wie vieles rund um seine mysteriöse Person, nicht geklärt. Aber allein die Vorstellung, dass ich meinen Arbeitsweg mit Menschen teile, die Uraufführungen jener Shakespearestücke gespielt haben die ich heute “Klassiker” nenne – allein diese wunderbare Vorstellung gefällt mir außerordentlich gut.

Second:

Selbstverständlich betrachte ich den “Froschkönig” als höchste royale Instanz in Heidelberg.

Allerdings… das muss selbst ich zugeben… war das heute vielleicht ein wenig anders. Prinz William und Kate waren zu Besuch in Heidelberg.

Bereits morgens vor der Vorstellung konnte man vom Schloss aus britische Flaggen in der abgesperrten Innenstadt erspähen.

Und auch die Einsatzbesprechung der Polizei sah aus dieser Perspektive irgendwie amüsant gesprächskreisig aus.

Nach dem Besuch eines medizinischen Forschungszentrums und dem Empfang auf dem Marktplatz ging es für die beiden Botschafter wider der Brexitentfremdung an den Neckar zu einem Ruderwettstreit zwischen freundschaftlich gemischten Teams aus Heidelberg und seiner Partnerstadt Cambridge – mit den Royals am Steuer.

Da ich Menschenmengen nur geheuer finde, wenn sie vor mir sitzen, entschied ich mich für’s Flussufer.

“You go left and I go right…” könnte Prinz William da gerade vorschlagen, denn so geschah es… and I was left.

Suchbild – finde die Duchesse of Cambridge…

Okay… here she is…

Wenn man gerade gut im Training ist, weil man fast jeden Tag mit dem Fahrrad den Schlossberg hochfährt, dann könnte man auf die gewagte, aber interessante Idee kommen auf dem Rad mit dem Ruderrennen Schritt zu halten – und es zu fotografieren…

…und man ist dann pünktlich im Ziel zum anlegen der Ruderboote auf der gegenüberliegenden Neckarseite…

Und als Belohnung kann man von dort aus auf abgesperrten, wunderbar leeren Straßen zurück in die Altstadt fahren. Hätten immer noch jubelnde Zuschauer hinter der Absperrung gestanden wäre es ein fast “Tour de France”- artiges Gefühl gewesen.

Bonus:

Wenn die Zuschauer eingelassen werden stehen wir bereits auf der Bühne. Wir müssen nicht bewegungslos sein, aber wir tun es in der Regel recht ruhig.

Heute hatte uns ein Junge schon beim hereinkommen gemustert, sich auf seinen Platz gesetzt, uns weiter gemustert… und dann fiel ihm etwas auf, dem er mit viel Erstaunen in der Stimme laut Ausdruck verleihen musste:

“Die Leute sind ja echt!”.

Ja. Keine Leinwand, kein Bildschirm dazwischen… die Schauspieler sind wirklich da. Im “Englischen Bau” schon seit rund 400 Jahren. Und immer noch.

In Hamburg findet der G20 Gipfel statt. 19 Nationen plus EU repräsentieren zwei Drittel der Welt und beraten über den Lauf der ganzen.

Das kann man grauenvoll finden oder hoffnungsvoll – und alles dazwischen. Und wie immer man dazu eingestellt ist… man darf es äußern. Man darf demonstrieren, kritisieren, protestieren – das ist in unserem Land so. Und ich bin ein entschiedener Fan von diesem Recht.

Aber es gibt Fans vom Grundgesetz… und es gibt Hooligans – deren Rechtverständnis weder Verfassung noch Logik beinhaltet.

Sie setzen Autos in Brand um gegen den Kapitalismus zu protestieren. Jedes brennende Auto wird ersetzt werden. Die Autokonzerne freuts.

Die öligen Gummibrandwolken der Autobrände betonen die Umweltschutzambitionen der Protestler… oder auch nicht.

Privateigentum und kleine Geschäfte sind demoliert worden – weil die Welt mehr soziale Gerechtigkeit braucht.

Steine, Flaschen und Brandsätze werden auf Polizisten geworfen – damit der Weltfrieden beginnen möge.

Und die Scheiben des Konsulats der Mongolei wurden zertrümmert – bestimmt weil dieses Land unseren Planeten zugrunde richtet? Ähm, nein.

Weil es am Gipfel teilnimmt? Ähm, auch nein.

Absolut sinnfreie Aktionen und so ethisch vertretbar, dass nicht wenige beschließen, das lieber nicht mit ihrem Gesicht zu unterschreiben.

Dabei demonstrieren rund 150.000 Menschen in Hamburg inhaltlich.

Sie marschieren für Bildung, für die Bekämpfung von Fluchtursachen, für Finanzmarktregulierung und Klimaschutz. Sie tun das friedlich und mit höchst begrenzter medialer Aufmerksamkeit, weil geschätze 8000 andere Demonstrationskultur mit einem “Räuber und Gendarme” – Egotrip verwechseln und berechtigten poltischen Protest diskreditieren.

Dabei wurden und werden Zeichen gesetzt. Von der friedlichen Mehrheit. In gewaltfreien Protesten und nicht zuletzt mit den Mitteln von Kunst und Kultur.

Bereits am 15. Juni veranstaltete Greenpeace ein Konzert für unseren Planeten. Michael Abramovich wagte sich zusammen mit einem Konzertflügel auf ein Floß und spielte Chopins „Nocturne op. 9, Nr. 2 in Es-Dur“ auf der Elbe – während „Planet Earth First“ quer über die Elbphilharmonie projeziert wurde.

Die Kulturfabrik Kampnagel richtete einen alternativen Gipfel aus und brachte internationale Aktivisten zusammen.

Ein Kunstprojekt schickte “1000 Gestalten” lehmverkrustet auf einen quälend langsamen Marsch durch Hamburg bis sie sich schließlich aus ihrem entseelten Zustand in buntbekleidete Menschen rückverwandelten.

Das “Global Citizen“-Festival vereinte Leckerbissen der Popmusik wie Coldplay, Herbert Grönemeyer, Shakira, Ellie Goulding, Andreas Bourani und Pharrell Williams in einem Konzert, das ein Zeichen setzen will für nachhaltige Politik.

In Alma Hoppes Lustspielhaus versammelten sich 8 Künstler zum „Kabarettgipfel“ und spendeten den Erlös an Amnesty International. Im Hamburger Schauspielhaus gehörte die Bühne globalisierungskritischen Diskussionen.

Und nur Thalia weiß, wieviele weitere Kultur-Aktionen ich hier gerade unter den Tisch fallen lasse, denn von Lesungen bis Nachttanzdemos gab es eine Vielfalt von Möglichkeiten an kritischer Kreativität teilzunehmen.

Apropos Thalia… Theater. Intendant Joachim Lux gehörte zum Kreis jener Hamburger, die auserwählt waren mit den G20 Teilnehmern Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie in der Elbphilharmonie zu lauschen.

Er kommentierte: “Da sitzen zahlreiche Staatschefs, die politisch offensiv das Gegenteil der auf der Bühne erklingenden „Europa-Hymne“ vertreten.“ – und blieb dem Ereignis fern.

Zu demonstrieren, zu protestieren ist ein Recht, das sich durch Inhalte rechtfertigen sollte. Kultur ist ein gutes Werkzeug dabei. Aber um Feuer und Steine Kulturwerkzeug zu nennen muss man 130.000 Jahre in die Vergangenheit denken. Keine gute Denkrichtung um Zukunft zu gestalten.

Ich bin in einem Land geboren worden dem ein fantastisches Grundgesetz als Verfassung gegeben worden ist. Es ist eine junge Staatsordnung, geschaffen um Demokratie und Menschenrechte in Deutschland unwiderruflich zu schützen und zu bewahren. Denn sie ist das Produkt eines Staates, der beides abgeschafft hatte. Eines Staates, der “unwerte” Menschen in Konzentrationslagern vernichtete. Unwert war vieles – Abstammung, Religion, eine Behinderung, eine abweichende Meinung, eine abweichende Liebe.

Sechs Farben markierten das unwerte Menschsein. Homosexuelle trugen den rosa Winkel.

Als Deutschland sein neues Grundgesetzt bekam und die Aufgabe hatte, die Verbrechen in den Konzentrationslagern aufzuarbeiten, wurden die rosa Winkel irgendwie übersehen und der §175 von 1935 nahtlos in das überarbeite Strafgesetzbuch der jungen BRD übernommen. Er deklarierte Liebe weiter als Straftat. Was für eine widerliche Entscheidung, generell und gerade in Deutschland. Dabei gab es längst andere Vorbilder. In Island ist jede einvernehmliche Liebe zwischen mündigen Menschen seit 1940 legal.

Deutschland brauchte weitere 54 Jahre für diese Entscheidung und die Abschaffung des §175.

Dabei steht in seinem großartigen Grundgesetz:

“Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”

und:

“Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.”

Das sind einfache Maßgaben.

Hat Liebe nur manchmal Würde? Verdient sie Schutz nur zwischen Mann und Frau? Und wenn alle vor dem Gesetz gleich sind, wieso haben sie dann verschiedene Rechte?

Heute hat der Bundetag beschlossen, dass es nur eine Ehe gibt – und sie gilt für alle. Die Entscheidung ist richtig. Und grauenvoll verspätet.

Trotzdem gab es immer noch ausreichend Protest. Gesellschaftlicher Verfall wurde angemahnt. Ja, ich war in Norwegen, Schweden, Dänemark, Island, alles Länder, die seit Jahrzehnten nur ein Ehemodel für alle kennen. Wirklich… wahnsinnig verrottete Gesellschaften… die sich im übrigen ständig die Medaillenränge des Human Development Index streitig machen.

Die Kirche schaltete sich mit Widerspruch ein… oh bitte, sogar Irland hat diese Entscheidung vor Deutschland getroffen und das Christentum ist dort relativ verbreitet.

Die CDU betonte Kinder als schützenswertes Merkmal der Institution Ehe – und übersah dabei nicht nur die kinderlos geschützte Ehe ihrer Vorsitzenden, sondern alle Kinder, die alleinerziehend oder in Beziehungen ohne Ehevertrag aufwachsen.

Schließlich wurde argumentiert, die Software der Computer in den Rathäusern sei auf gleichgeschlechtliche Ehen gar nicht vorbereitet. Oh weiha.

Eine unwürdige Diskussion hat, ein Menschenleben verspätet, ein würdiges Ende gefunden.

Deswegen gehört dieser Tag allen Menschen, die in Deutschland getötet wurden, weil sie geliebt haben, die ihre Liebe verbergen mussten, weil sie ein Verbrechen war, all jenen, die später, gegen alle Anfeindungen, demonstriert und sich sichtbar gemacht haben – und damit auch nicht aufhörten als die Zwei-Klassen-Ehe sie zufriedenstellen sollte. Dieser Tag gehört aber auch kommenden Generationen, die wissen werden, dass Liebe eine Wahl und Freiheit hat. Die wissen, dass Liebe ebenso katastrophal wie wunderschön sein kann, vollkommen egal welcher Mensch welchen Menschen liebt.

Ich glaube nicht an die Ehe an sich, gleich wer wen heiratet. Über Versprechen bis an das Ende meines Lebens fange ich an nachzudenken, wenn ich 80 geworden bin, denn dann traue ich sie mir zu. Vielleicht. Aber es ist völlig unerheblich was ich mir zutraue und ob ich mich Trauung traue – ich will, dass jede, das jeder die Freiheit hat sich zu trauen. Niemand muss, aber alle sollen können. Gerechtigkeit wird nicht kleiner wenn mehr Menschen sie teilen. Denn auch sich gegen ein Recht entscheiden zu können ist ein Privileg, das heute allen Menschen in Deutschland gegeben wurde …ohne auch nur einem einzigen etwas wegzunehmen.

Ja, wir haben ein großartiges Grundgesetz. Ich neige verbissen dazu es zu verteidigen. Denn für mich ist es das wörtliche Abbild einer unbedingt erstrebenswerten Gesellschaft. Und ich weiß, dass die real gelebte Gesellschaft ihrem Grundgesetz hinterhinkt. Aber heute hat sie ein bißchen aufgeholt.

Vor zwei Tagen hatte er Premiere – der Froschkönig. Das Stück, das im Schloss spielt und nun auch stilecht bei den Heidelberger Schlossfestspielen zu sehen ist.

Eins sei vorneweg gesagt: es hat riesigen Spaß gemacht. Aber es ist Sport – und nicht zu wenig davon. Kindertheater ist physisch meist fordernd… weil schnell und actionreich. Wir bilden da keine Ausnahme. Es geht zur Sache. Und genau so muss das auch sein.

Das Schloss im Schloss besteht aus Stegen, Plattformen, einem fahrbaren Prinzessinnenbett, einer ebenso mobilen Waschküche und natürlich dem obligatorischen Brunnen, in dem die goldene Kugel der Prinzessin verschütt geht – weswegen sie einen ungewöhnlichen Liebhabenpakt mit einem glitschigen Frosch eingehen muss.

Das Konzept sieht vor, dass alle Figuren sich nur in diesem Arragement bewegen… gefangen in der königlichen Maschinerie, gefangen auch in den Anforderungen, Träumen, Pflichten, Wünschen und Sehnsüchten, die sie mit sich tragen.

Erst zum Schluss, wenn das Chaos seine Happy Ends gefunden und alle Verwirrungen beseitigt sind, gewinnen die Figuren ihre Freiheit – und die Fähigkeit ihre angestammten Wege und Stege zu verlassen und neue zu suchen.

Das Konzept bedeutet aber auch, dass wir alle da sind… von Anfang bis zum Schluss. Wer nicht gerade in den Spielszenen ist hat trotzdem im Hintergrund zu tun… und in den Übergängen mechanisieren wir uns komplett durch wie kleine aufgezogene Figuren einer komplexen Spieluhr.

Annette Wolf hat Bühnenbild und Kostüme liebevoll in den Englischen Bau des Heidelberger Schlosses eingepasst. Klassisch, kindgerecht, modern und detailreich erschließen sich die Räume und Figuren auf den ersten Blick …und haben stets etwas persönliches oder noch einen zusätzlichen besonderen Kniff zu bieten. Der weinende Brunnen, der goldene Esslöffel am Zepter, die Warzenkolonie auf der Froschhaut, meine Multifunktions-Schürze, Heinrichs eiserne Bändern… es wimmelt vor schmunzeliger Details, die man beobachten und an denen man sich freuen kann.

Natascha Kalmbachs Konzept und Regie geht auf… wir spielen in der Frosch-Maschinerie “like a fine-tuned machine”. Ja, ich weiß, das hat Donald Trump auch von seinem Weissen Haus behauptet… allerdings – bei uns stimmt’s wirklich.

Die Textfassung von Thomas Freyer ist eine Uraufführung und ein Glücksgriff. Sie passt in alle Kinderohren ohne kindisch zu klingen und beschreibt die so bekannten Figuren mit einem frischen zeitgemäßen Blick.

Der Englische Bau ist eine rechteckige Ruine, nach oben offen, an drei Seiten durch Fensterfronten ohne Fenster darin begrenzt und schließt an der vierten Seite mit dem Dicken Turm ab. Morgens liegt die über 20 Meter breite Zuschauerraumseite im Schatten… nicht aber die Bühne.

Wir sind, schon in der Probenzeit, umfangreich mit Sonne verwöhnt worden. Seit letztem Wochenende aber meint sie es etwas zu gut mit uns. Wir haben eine Hitzwelle, bereits bei Vorstellungsbeginn so gut wie restlos keinen Schatten mehr auf der Bühne, mehrlagige Kostüme, Bisonhaarperrücken und der Frosch gart in einem gut gepolsterten Watton. Und, nur zur Erinnerung, für rund 95 Minuten Einlass und Vorstellung verlässt niemand von uns die Bühne. Und, nur zur Erinnerung, es ist Sport… springen, rennen, toben, Kollegin tragen, hüpfen, über Tische und Stühle klettern… alles mit Tempo natürlich… es kommt so einiges an Körperarbeit zusammen.

Inzwischen haben wir darstellerisch konforme Maßnahmen ergriffen um gegen die Hitze zu bestehen.

Sobald ich morgens in unser Masken-, Umkleide-, Technik- Requisitenzelt komme platziere ich sinnvolle Mengen Wasser im dortigen Kühlschrank. Es hilft nach der Vorstellung die Kerntemperatur zu senken. Ein nasser Waschlappen im Plastikbeutel landet gleich daneben und nach dem Abschminken erstmal eine Weile auf Stirn und Nacken.

Meiner Utensilienschürze habe ich ein Stofftaschentuch extra angehängt. Gegen Schweiß, der von meiner Nase tropft, habe ich nichts… aber er läuft auch in die Augen und verträgt sich exorbitant schlecht mit meinen Kontaktlinsen. Da die fleissige Gunhilde ohnehin ständig arbeitet und werkelt finde ich es aber charakterkonform, wenn sie sich ab und an mal das Gesicht abtupft. Abseits der Spielszenen verwende ich dafür eine mechanische Gestenfolge, damit es mit dem Konzept harmoniert.

Inzwischen nutze ich das Taschentuch auch dazu den Metallgriff des Aluminiumkochtopfdeckels zu greifen, den ich wie einen Ritterschild verwende, wenn ich Putzbürstenschwingend zum Schutz des Königs eile. Der Deckel hat dann nämlich schon eine Weile in der Sonne Hitze aufgesammelt – und war zur Premiere so überraschend heiss geworden, dass ich mich ein wenig konzentrieren musste ihn tatsächlich festzuhalten.

Inzwischen haben wir Wasserflaschen an vier strategischen Stellen des Bühnenbildes platziert und jeder kann sie in seine Hintergrundbeschäftigung einbauen, wenn er dort in die Nähe kommt. Auch dafür habe ich eine Mechanik entwickelt… Schluck, Schluck, Schluck, Flasche absetzen, Schluck, Schluck, Schluck… zu wiederholen so oft es geht.

An bisher zwei Stellen habe ich die Zusatzbetankung untergebracht… ich liebäugle mit einer dritten.

Vielleicht komme ich so auf ungefähr den Liter, den ich vermutlich auch in meinem Kostüm lasse.

Man darf es also ohne Übertreibung sagen: der Froschkönig in Heidelberg ist eine heisse Sache. Vorallem aber ist er ein Spaß. Auf beiden Seiten, Bühne und Zuschauerraum.

Und die Kinder machen genau so viel Spaß wie wir wohl ihnen. Nicht nur während der Vorstellung.

Wir stehen ja auf der Bühne wenn sie hereinkommen und zu ihren Plätzen geleitet werden. Und schon dabei kommentieren sie frei drauf los. Ein Junge marschierte auf dem Weg zu seinem Sitzplatz die Bühne entlang als wäre er Flugkapitän und müsse vor dem Start die Checkliste abhaken. Er deutete auf den König und rief laut laut “König!”. Er sah auf den Brunnen und vermeldete “Brunnen!”. Er erspähte die goldene Kugel auf dem Bühnenrand und stellte richtig fest “Kugel!”. Sein Blick wanderte zur Prinzessin und auch sie wurde laut ausgerufen – “Prinzessin!”.

Dann sah er mich… und ich konnte ihn denken sehen… denn ich komme im Originalmärchen nicht vor und jetzt war er erkennbar in Schwierigkeiten.

Er fing sich aber recht schnell, deutete auf mich und verkündete im Brustton der Überzeugung: “Putzfrau!”.

Zum Glück darf ich die Kinder anlächeln… denn ein maskenhaft ernstes Freeze wäre in dem Augenblick sehr schwierig gewesen.

Heute bezauberte mich ein kleines Mädchen. Sie nahm in der dritten Reihe Platz und musterte uns auf der Bühne alle sehr eingehend und aufmerksam. Schließlich beugte sie sich zu der Klassenkameradin neben ihr und erklärte deutlich hörbar, sehr bestimmt, sehr ernsthaft, aber auch wie zur Beruhigung: “Das sind alles Menschen …in Kostümen!”.

Erwischt! Wohl wahr. Man nennt sie Schauspieler.

Mehr Bilder, mehr über das Stück und seine Menschen, sowie alle Vorstellungsdaten – HIER.

(Figurinen – © Annette Wolf / Fotos der Aufführung – © Annemone Taake für das Theater und Orchester Heidelberg)

Vor zwei Wochen bin ich ins Schloss gezogen. Ich hatte schon immer ein wirkliches Faible für Schlösser – und Burgen erst. Also schien mir das eine gute Idee zu sein.

Die Stellenbeschreibung war einfach: „Alles regeln, was im Schloss zu regeln ist!“. Ich fand, das ginge sehr in Ordnung so und machte mich frisch an’s Werk.

Die Prinzessin ist ganz reizend. Clever und smart und… nun ja, gerade ein Teenager… aber, Himmel, das waren wir ja alle mal.

Ihr Papa, der König, ist… ein wenig schräg. Eigentlich herzensgut, aber schräg. Es macht ihm noch sehr zu schaffen, dass die Königin sich aus dem Staub gemacht und nichts als einen Brief hinterlassen hat, auf dem sie ankündigt sich ein neues Leben suchen zu wollen. Seitdem balanciert der König zwischen den Staatsgeschäften und exessivem Jojo-Spiel… ich bin sehr unschlüssig ob das als duchgängig gesund zu betrachten ist. Angelegentlich erscheint er mir verwirrt.

Sowohl die Abreise der Königin, als auch der anteilig hinterfragenswürdige Zustand des Königs machen das Leben der Prinzessin natürlich nicht einfacher… und eben auch noch… ich erwähnte es ja bereits… Teenager.

Kein Wunder, dass sie oft und gerne Zeit allein im Wald verbringt. Ballspielend.

Nun ja, nicht direkt “Ball” – es ist mehr eine goldene Kugel, wie es sich für eine Prinzessin besser geziemt.

Sie ist ein wenig tolpatschig mit ihrem Lieblingsspielzeug… ich frage mich, ob uns das noch in Abenteuerlichkeiten stürzen wird.

Vor kurzem ist ein gut aussehender Mann im Schloß aufgetaucht. Er trägt Eisenbänder um die Brust gewickelt und sucht seinen Prinzen.

Aber im Schloß ist kein Prinz.

Allerdings hat es vor kurzem ein Frosch bis auf den Esstisch der Prinzessin geschafft – ich überlege noch, ob ich einen Kammerjäger holen sollte oder die Lage anders zu lösen besser wäre. Man wird sehen.

Zwischenzeitlich habe ich den suchenden Diener mit dem großen Herzen hinter den Eisenbändern in meiner Waschküche untergebracht. Jemand musste sich ja seiner annehmen.

Allerdings bringt er mir dort nun meinen Wäschewaschplan durcheinander… und DAS … also DAS… geht so gar nicht.

Jetzt hat auch noch jemand Banner im Schloss aufgehängt. Sie verkünden spannendes. Doch, ich habe so das Gefühl, als ob uns Abenteuer ins Haus stünden… pardon, ins Schloss.

Wir leben in einer Zeit, in der ein nordkoreanischer Diktator und ein amerikanisches Diplomatiegenie einander mit Nuklearschlägen bedrohen um einen Krieg zu vermeiden. Clever.

Diese brisante Kindergartenlogik beweist: die Apokalypse gehört in die Hände von Fachleuten… vorzugsweise Schauspielern.

Dort ist sie nicht nur unbedenklich für die menschliche Spezies. Sie ist dann vor allem auch unerwartet unterhaltsam.

„Nekropolis – Bite Club“ hatte die ersten beiden Vorstellungen.

Die zweite Folge der städteübergreifenden viralen LiveHörSpiel-Reihe der Theater Konstanz, St.Gallen und Aachen steuert vollkommen unverhohlen den Menschheitsuntergang an und kommt dabei ganz ohne frustrationsschürende Gesellschaftsendzeitabrechnung aus.

Das ist nicht zuletzt der Lebendigkeit des skalpellfein beobachteten Textes von Anita Augustin geschuldet, der seine Figuren ernst nimmt, sorgsam im Grenzbereich von Sehnsucht, Wirklichkeit und Wahnsinn balanciert und dabei mühelose Sprachbrücken baut zwischen Nachdenklichkeit, Witz und Aberwitz.

Regisseur Eike Hannemann zettelt damit ein vergnügliches „end of the humans as you know them“ an (nach Belieben zu singen auf eine bekannte Melodie von R.E.M). Ein infektiöses Spiel aus Szene, Klang und ungezählten Requisiten. Ansteckungsgefahr beabsichtigt.

Denn die Menschen in „Nekropolis“ sind keine Fremden, keine Formen, keine Formalien. Wir kennen sie. Wir erkennen sie irgendwie wieder. Wir leben mit ihnen. Wir sind sie.

Das macht sie so unterhaltsam… und seltsam unausweichlich. So wie wir selbst – ergänzt um die Frage „Was wäre wenn…sich plötzlich etwas ganz grundlegend mit uns ändert?“. Denn was ist schon Untergang und was Befreiung?

„Let’s call it Grauzone.“

„Nekropolis – Bite Club“ – ein letztes Mal am 11.05.2017 / 20h / in der LOKremise / St.Gallen

Das Bild entstand nach der zweiten Vorstellung in der Garderobe und liefert drei unübersehbare Beweise:

  • Man kann auf der Bühne unfasslich viel Spaß am Menschheitsuntergang haben.
  • Man kann auch bei einem „Hörspiel“ ziemlich dreckig werden – denn vor der Vorstellung war das Kostüm sauber… und die Darstellerin auch.
  • Ein blaues Auge kann auch gut aussehen.

Ich zerbreche ungekochte Spaghetti, ich verteile esslöffelweise Bodylotion zwischen meinen Händen, ich spreche in Tassen, ich wühle in Pampelmusen, ich schiebe Litschis kreuz und quer durch meinen Mund, ich zerbrösele Fäuste voller Conflakes, ich verdresche Wirsingkohl und schlage mit Lauch zu, ich zerquetsche Ananasringe und schiebe Kehrbleche über den Boden, ich spiele mit Obsttüten Schlagzeug und setze mit Schreibstiften Injektionen, ich schlage meine Zähne in Möhren, Maiskolben und Paprika… ich belle, zwitschere, murmle, spaziere, klimpere, piekse, knartsche, nuschle, haue, knicke, brülle, wiehere, summe, zünde, matsche, giggle, klackere, stupse, jingle… und, ja, ich arbeite.

„Nekropolis – die Stadt gehört uns!“ ist mein erstes LiveHörSpiel.

Ich besitze 176 Folgen der „Drei ???“ – mich muss man wirklich nicht davon überzeugen, dass Hörspiele ein Vergnügen sind.

Normalerweise entstehen sie über einen gewissen Zeitraum hinweg in Tonstudios aus enorm vielen Einzelaufnahmen, werden dann mehrlagig mit Geräuschen versorgt, mit Musik versetzt und erreichen schließlich die bildhafte Fantasie ihrer Zuhörerschaft.

Letzteres wird bei uns unbedingt auch der Fall sein – aber es gibt zusätzlich eine Menge zu sehen… denn wir produzieren nichts vor.

Jede Musik, jeder Klangteppich, jede Atmosphäre, jeder Soundeffekt ist genauso live wie der Text und entsteht vor den Augen und Ohren der Zuschauer – alles wird in dem Augenblick erzeugt, in dem es gebraucht wird.

Nichts ist Konserve, alles ist Moment.

Es begann, rückblickend betrachtet, recht gesittet. Wir schoben unsere Tische zusammen, erbastelten uns die ersten Seiten des Stückes, experimentierten mit der zur Verfügung stehenden Technik und bedienten uns am bereitgestellten Requisitentisch mit Klangutensilien.

Mein Tisch war noch ziemlich übersichtlich leer und ich fing an meine Soundobjekte ordnungsliebend zu beschriften.

Mit fortschreitender Probenzeit begannen wir nach Klängen in allen denkbaren und undenkbaren Objektkombination zu fahnden. Die Requisite brachte einen zweite Fuhre Spielzeug, die erfreut angenommen und beherzt auf ihre Tonfärbung hin getestet wurde.

Inzwischen sind wir auch darüber hinaus und veranstalteten einen Ensembleausflug in den nächstgelegenen Supermarkt, wo wir uns mit dem kritischen Blick von Produkttestern durch die einzelnen Abteilungen gearbeitet haben …um dann bepackt zur Bühne zurückzukehren und vollkommen loszulegen.

Das mit dem beschriften habe ich drangegeben. Mein Textbuch ist auf bestimmten Seiten eine apart abstrakte Gemäldekreation aus Ananassaft, Kondensmilch und Cornflakeskrümeln und ich habe seit langem nicht mehr so viel Rohkost zu mir genommen. Aus gutem Grund – Wirsing ist ein klangtechnisch vollkommen unterschätztes Gemüse.

Ja, eindeutig… Hörspiele sind toll und ein Vergnügen wie ein leckerer Schokoladenpudding. Aber LiveHörSpiele sind wie ein Schokoladenpudding mit Sahne obendrauf.
Hm… Schokoladenpudding mit Sahne… wie klingt der eigentlich und was kann man wohl damit machen???

„Nekropolis – die Stadt gehört uns!“ – „Bite Club“

Premiere am 27.04.2017 um 20h in der LOKremise.

Mein Name ist Dr.Wittek… Wilma Wittek. Ich arbeite für das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in St.Gallen.

Sie kennen mich wahrscheinlich nicht.

Aber Sie werden mich kennen lernen – weil Sie mich brauchen werden. Alle werden mich brauchen. Ich bin die einzige Front, die letzte Front gegen etwas ungeheuerliches.

Ich bin da auf etwas gestoßen… etwas… unmenschliches… nein, ich spreche nicht von fehlender Humanität… nein… etwas nicht menschliches… aber in einem Menschen unmenschlich… verstehen Sie, was ich meine?

Ich glaube, es hat in St.Gallen begonnen. Vor etwa einem Jahr. In einer Bäckerei. Dann hat es lange geruht.

Seit dem 1.April gibt es Berichte über „Vorkommnisse“ aus Konstanz. Und nein, das ist kein Scherz.

Das Theater dort ist der Infektionsherd.

Aber jetzt ist es wieder in St.Gallen. Es ist zurückgekehrt.

Und ich habe es entdeckt. Ja, ich.

Es begann, als die Hunde begannen. Zu beißen.

Das machen die sonst nicht. In St.Gallen beißt niemand jemanden. Nie.

Aber jetzt beißen sie.

Und wissen Sie, was ich entdeckt habe? Die Beißer wurden gebissen.

Und wissen Sie noch etwas? Nichts daran entspricht unseren Vorschriften, nichts daran ist normal.

Ich kann Ihnen nicht allzu viel sagen, meine Untersuchungen dauern noch an.

Keine Panik! Bleiben Sie ruhig. Ende April werden Ihnen Ergebnisse präsentiert werden. Sie werden alles erfahren, was Sie wissen müssen. Und noch viel mehr.

Bleiben Sie wachsam. Denn ich glaube nicht, dass es in St.Gallen endet.

Ich muss jetzt zurück ins Labor… da warten Proben auf mich… viele Proben…

In den Kommentarfunktionen der sozialen Medien tummelt sich ein Wort – „Eliten“…oftmals kombiniert mit der Verortung „da oben“.

Damit beschrieben werden jeweils unterschiedliche Gruppen oder Individuen, welche es gewagt haben Standpunkte zu vertreten, die dem Kommentierenden missfallen.

„Eliten“ wird dabei nicht inhaltlich verwendet, sondern diskreditierend.

„Eliten“ können so ziemlich alles sein… Liberale, Politiker, Humanisten, jeder, der mehr verdient als man selber und diverse mehr.

„Die Eliten“ ist ein unfasslich universelles Werkzeug, das eine Meinung aufgrund ihrer Abstammung angreift – und sich deswegen nicht die Mühe machen muss sie inhaltlich zu widerlegen.

Praktisch. Aber klären wir, was „Elite“ eigentlich bedeutet.

Wikipedia definiert die Elite als „eine Gruppierung (tatsächlich oder mutmaßlich) überdurchschnittlich qualifizierter Personen“ und unterschiedet u.a. zwischen „Machteliten“ und „Bildungseliten“.

Schnittmenge möglich.

Das bedeutet, wenn ein Mensch gebildet oder einflussreich oder im Bestfall beides ist, dann gehört er zur Elite.

Aber wir haben da ja noch den Stolperstein „mutmaßlich“ und mutmaßen kann man alles. Deswegen kann so gut wie jeder irgendwie Elite sein – besonders, wenn er im öffentlichen Fokus steht und anderen deswegen seine Gedanken und Meinungen mitteilen kann.

Hier kommt mein Beruf ins Spiel.

Als Theaterschauspielerin und Blogschreiberin mit eher handverlesener Leserschaft betrifft mich das geringfügig – allerdings gibt es massenhaft Kolleginnen und Kollegen, die deutlich mehr Öffentlichkeit abbekommen… und diese nutzen um ihren Ansichten und Überzeugungen Gehör zu verschaffen.

Die „Hollywood-Eliten“.

Aber wenn sie das tun, dann stolpert man im Internet über eine beachtliche Kommentardichte, die ihnen dieses Recht abspricht – WEIL sie Schauspieler sind.

Ich habe mir exemplarisch zwei Ansprachen herausgesucht… von Meryl Streep und Scarlett Johansson… jeweils einen Facebookeintrag dazu aufgerufen und mich durch die ersten 200 Kommentare gepflügt.

Die Auswahl steht stellvertretend für unzählige gleicher Sorte, die man von Twitter bis Youtube & Co. findet.

(Die Kommentare sind von mir anonymisiert worden. Im Original nachzulesen HIER und HIER. Zur vergrößerten Ansicht ggf. auf das Bild klicken.)

Erstaunlich häufig wird kritisiert, wenn Schauspieler nicht auswendig sprechen. Wir alle kennen die Frage „Wie merken Sie sich nur diesen vielen Text?“. Die seltsame Bewunderung für diese handwerklich eher sekundäre Leistung scheint von vielen als Grundvoraussetzung für die Meinungsäußerung von Schauspielern angesehen zu werden.

Nicht wenige fühlen sich außerdem urplötzlich zu Theaterkritikern und Juroren in einem imaginären Beautycontest berufen – diese Kommentare betreffen mehrheitlich vor allem Meinungsäußerungen von Schauspielerinnen.

Ein wesentlicher Gedankenbaustein der nichtinhaltlichen Kritik ist der Umstand, dass Schauspieler die Fähigkeit besitzen fremde Texte authentisch zu verarbeiten.

Offensichtlich Grund genug anzunehmen, dass sie privat keine eigenen haben. Wenn sie also eine Meinung äußern kann es keinesfalls die eigene sein.

Immer wieder gern genommen auch der Umstand, dass manche Schauspieler recht gut verdienen und sich deswegen nicht über irgendeinen Weltzustand beklagen sollten. Das missachtet nicht nur, dass die meisten Schauspieler nicht als berühmtes Baby zur Welt kommen, sondern auch dass Geld nicht zwangsläufig Empathie und Geist versiegen lässt.

Kann – aber muss eben nicht.

Die überwiegende Anzahl der Kommentare aber spricht Schauspielern schlicht Recht und Fähigkeit ab die Öffentlichkeit zur Veräußerung eigener ernsthafter Betrachtungen zu verwenden.

Das missachtet noch einiges mehr. Nämlich schlichtweg den Umstand, dass Schauspieler Menschen mit eigenen privaten Ansichten sind. Dabei scheint ein gesellschaftlicher Konsens darüber zu bestehen, dass sie private Einsichten sehr wohl zu gewähren haben.

Denn sie sind Personen des öffentlichen Lebens. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren wen sie nun schon wieder geküsst haben, welche Marken sie tragen oder nicht, wann sie einen über den Durst trinken, wieso sie auf die Idee kamen sich die Haare zu schneiden und ob diese Nase tatsächlich noch keinen Chirurgen gesehen hat… ganz zu schweigen von der Überwachung ihres Gewichts, ihrer Muskelmasse und der Anzahl der Gesichtsfalten, die aufgetaucht oder verschwunden sind.

Das alles ist vollkommen legitim, das hat man praktisch als Gesamtpaket gebucht, wenn man mutig genug ist sich vor eine Filmkamera zu stellen und dadurch Berühmtheit zu erlangen.

Aber gesellschaftskritische Gedanken äußern? Überzeugungen in, womöglich noch, eigene Worte fassen? Eine politische Ansicht vertreten? Um Himmelswillen, dafür sind Schauspieler nicht da.

Was fällt denen ein?

Ja, jeder Metzger und Müllmann hat das Recht auf eine Meinung, das ist in den Kommentaren zutreffend angemerkt worden. Schlicht, weil jeder Mensch das Recht hat seine Meinung zu vertreten, solange sie kein Verbrechen bedeutet.

Aber Schauspieler nicht? Warum? Warum ausgerechnet sie nicht?

Warum disqualifiziert dieser Beruf in den Augen nicht weniger für Meinungsäußerungen?

Ist es vielleicht, weil ein Schauspieler viele Menschen sein kann? Und man deswegen niemals genau weiß, wen er gerade gibt?

Weil schauspielen schnell mal übersetzt wird mit der herausragenden Fähigkeit überzeugend zu lügen?

Ist es so schwer zu glauben, dass Menschen, die plausibel Rollen spielen eigene Überzeugungen pflegen?

Und die privat genau deswegen besonders gut unterscheiden können wann sie eine Rolle spielen und wann nicht?

Sind Schauspieler, die nichts anderes tun als das Wesen anderer zu erkunden um sich in sie hineinzuversetzen, nicht gerade geeignet sich zu einer Gesellschaft zu äußern, die aus diesen einzelnen Wesen besteht?

Sind Schauspieler nicht ohnehin ständig mit politischen oder gesellschaftskritischen Fragen konfrontiert, weil die wenigsten Theaterstücke und ein Großteil aller Filme nun mal keinen unproblematischen oder zuckersüßen Alltag zum Inhalt haben?

„Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?“

Doch, tun wir.

„Nicht Verstellung ist die Aufgabe des Schauspielers, sondern Enthüllung.“ (Max Reinhardt)

Und wenn jemand viel Zeit mit enthüllen verbringt, dann kann es ihm passieren dabei Meinungen zu gewinnen. Es kann ihm auch passieren, weil er einfach Mensch ist. Und denkt. Oder fühlt. Und diese Meinungen können ihm wichtig genug sein sie auch privat öffentlich zu äußern. Und er darf das.

Sogar, wenn sein Beruf Schauspieler ist.

Thanks to my mother I was raised being told the wisdoms and tales of the Native American people. Quite uncommon childhood tales for somebody growing up in the 1970’s in Germany.

But I benefit from being gifted with a quite unusual, fairly wonderful and open minded mother.

Processing the news and consequences arising from the actions taken by president Trump (I still feel a bit of a shiver writing down these two words following each other) – the tales of my childhood kicked in.

Feeling furious about the news and having absolutely no march or demonstration close by to release this anger, I created a little work to express my perspective.

The pictures used are released under Creative Common License.

The Trump picture was taken by Michael Scott Vadon. The picture of an unnamed Gros Ventre Native American was taken by Edward Curtis and first published 1909. Please provide these informations if you like to share my work – and you are dearly invited to.