Teichoskopie… das klingt nach einer HNO-Untersuchung. Tatsächlich aber bin ich Fan dieser Erfindung. Erlaubt sie es doch alles denkbare und undenkbare mitten auf die Bühne zu holen und das ganz ohne Animation, Special Effects und gigantischer Überstrapazierung des Bühnen- und Kostümetats.
Wird diese Mauerschau dann auch noch von einer Kollegin/ einem Kollegen dargeboten, die/der des plastischen Sprechens mächtig ist… dann schmelze ich in größter Wonne dahin und meine eigene Vorstellung fängt an Schlachten, Ungeheuer, wahnwitziges Getümmel und was dergleichen möglich ist mitten in die Bühnenhandlung zu zaubern.
Was aber wenn diese Mauerschau vom Osterhasen abgehalten würde?
Was, wenn sie den Anlaß des heutigen Feiertages beschreiben würde?
Aus seiner Sicht?
Ich habe mich entschlossen, dieser Frage mal nachzugehen… eine gewisse Subjektivität und Bibeluntreue mag in der Perspektive des Mauerschauenden begründet sein:

„Kaum seh‘ ich die Sonne sich erheben über den Platz, das Grab in Lichte tauchend, da seh‘ ich auch schon Menschenweibchen ihres Weges kommen… zu schauen nach dem viel zu früh Geschiedenen.
Und wahrlich spürt die Erde sich erzittern, dass die Tunnel aller Hasen wohl dem Untergang geweiht, ein mächtig Beben, das die weichsten Pfoten noch erschüttert. Und, die blitzend weiße Lichtgestalt, die dort vom Himmel niedersinkt, fast mag man glauben, dass sie übergroße Ohren hätt‘, doch nein, sind Flügel und es scheint ein Engel wohl zu sein, der einem Federstreiche gleich den Stein als wär‘ es ein Möhre von des Grabes Eingang schnell zur Seite rollt.
Die Wächter dieses Grabes fallen nieder, totengleich vor Angst… Angsthasen angesichts des mächtig Bild.
Der Engel aber spricht die Menschenweibchen an und sagt sie sollen bleiben und nicht der Hasenfüße gleich die Flucht ergreifen. Er wisse, wen sie zu schauen kamen, doch jener sei nicht länger in dem Grab, denn er sei auferstanden. Hingehen sollen sie, die Botschaft rasch verkünden, sie wispern in die Löffel aller Wesen, dass dieser Tag von nun an werde ein Tag zu feiern …mit Schokoladeneiern rund und süß, mit bunter Zuckerware und farbenfrohen Eiernestern.
Und dies wird der Osterhasen Gabe sein, nachdem sie Fuchs, Kuckuck, Hahn und Storch als Überbringer wohl verdrängen. Und siehe da… unsterblich wird auch er, der Osterhase.“

 

Die Schließung des großen Hauses, der Hauptspielstätte des Volkstheaters Rostock, von einem Tag auf den anderen und die daraus resultierende Situation war hier im Blog bereits mehrfach Thema. Nun hat sich das Saarbrücker Theater in einem offenen Brief treffend zu Wort gemeldet:

 

 

Offener Brief

Saarbrücken, den 14.04.2011

Sehr geehrter Herr Methling,
sehr geehrter Herr Leonard,
sehr geehrte Frau Dr. Melzer,
liebe Kollegen des Volkstheater Rostock,

mit Schrecken haben wir vernommen, dass das Große Haus des Volkstheater Rostock am 22.02.2011 mit sofortiger Wirkung und auf unbestimmte Zeit, geschlossen wurde. Die Begründung, dass nicht ausreichende Brandschutzvorkehrungen das Publikum und die Mitarbeiter des Volkstheater gefährden, erklärt diese Vorgehensweise. Dennoch fragen wir uns, wie das Haus weiterhin die Umsetzung des Spielplans gewährleisten kann, damit die Bürger/Innen der Stadt Rostock in den gewohnten Genuss von Kunst und Kultur kommen können.

Das Schließen von Spielstätten auf Grund von Sanierungsarbeiten, ist kein unüblicher Vorgang. Derzeit wird beispielsweise das Stuttgarter Schauspielhaus einer Sanierung unterzogen. Der Spielbetrieb wird gewährleistet, indem übergangsweise eine alte Industriehalle genutzt werden kann. Ein anderes aktuelles Beispiel ist das Theater Heidelberg, das für einen Zeitraum von drei Jahren u.a. in einer alten Feuerwache seine Arbeit fortsetzt. Diese Häuser hatten ausreichend Zeit, sich auf diese Ausnahmesituation vorzubereiten.

Jeder von uns kann sich jedoch ausmalen, dass die Entscheidung, das Große Haus in Rostock von einen auf den anderen Tag zu schließen, einen vernünftigen "Alternativ"-Spielbetrieb nur ausschließen kann. Wir entnehmen dem aktuellen Spielplan des Volkstheater, dass ein Großteil der Produktionen ausgelagert werden konnte. Dennoch müssen viele Vorstellungen ausfallen und wir befürchten, dass auf Grund der Vielzahl von Ausweichspielstätten die Besucherzahlen sinken; zur Zeit spielt das Volkstheater an neun unterschiedlichen Orten.

Als Schauspielensemble können wir es nicht nachvollziehen, dass in einer großen Stadt wie Rostock das Theater so offenkundig einem Verlust von Ansehen und Aufmerksamkeit preisgegeben wird. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass Rostock sich auf diese Weise, über kurz oder lang, um eine Attraktion ärmer macht.

Wir wundern uns, dass diese Entscheidung auf der Ebene von Stadtpolitik und Theaterleitung durchgesetzt werden konnte, obwohl vorhersehbar ist, was ein Ausfall der größten Spielstätte für das Theater bedeutet.

Wir stellen uns die Frage, ob denn gar keine Alternative zu diesem Vorgehen diskutiert wurde?

Wie wir den Medien entnehmen können, liegt das Gutachten, welches die Mängel beschreibt, schon eine ganze Weile vor. Hätte man dieses Zeitfenster nicht nutzen können, um das Theater auf diese schwierige Situation vorzubereiten?

Darüber hinaus wundert uns, dass die Leitung des Volkstheater die Situation scheinbar anders bewertet. Denn nur so lässt sich erklären, warum auf die Probleme des Hauses öffentlich, vor allem überregional, bisher in einem nur unzureichenden Maße hingewiesen und kaum Stellung bezogen wurde.

Am Beispiel der Wuppertaler Bühnen und des Schauspielhauses in Hamburg wird deutlich, dass das Beschränken von Theaterarbeit eine große Solidarität unter Theaterschaffenden und -schauenden auslöst.

Warum, lieber Peter Leonard, meinen Sie als Intendant eines Theaters in dem nur noch sehr beschränkt Theaterarbeit möglich ist, dass ein Hilferuf nicht notwendig ist? Das verstehen wir nicht!

Da Kultur auf den Kürzungslisten der Finanzpolitik an erster Stelle steht, ist es um so wichtiger, die Öffentlichkeit auf die Situation in Rostock, aufmerksam zu machen.

Wir, das Schauspielensemble des Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, möchten mit diesem offenen Brief unsere Solidarität mit den Mitarbeitern des Volkstheater Rostock bekunden. Wir machen damit kenntlich, dass auch uns die Schließung des Großen Hauses in Rostock angeht. Es betrifft nicht nur Kunst- und Kulturschaffende, deren Arbeitsplätze durch Theaterschließungen in Gefahr sind, es betrifft vor allem die Menschen der jeweiligen Stadt und der Region. Sie sind die Leidtragenden dieser Beschneidungen kultureller Arbeit.

Wir hoffen, dass auch andere Theater in Deutschland auf die Situation in Rostock aufmerksam werden und rufen dazu auf, sich unserer Solidaritätsbekundung anzuschließen und sich zu den Vorgängen in Rostock zu verhalten.

Das Schauspielensemble des Saarländischen Staatstheater Saarbrücken

Wer das großartige einfach macht und das einfache großartig – ist unverwechselbar…

Er wäre heute 122 Jahre geworden…

Am 12.April 1961 startete Juri Alexejewitsch Gagarin mit Wostok 1 und einem gutlaunigen „Pojechali!“ (Auf geht’s) zum ersten bemannten Raumflug der Geschichte. Er umrundete unseren Planeten in 108 Minuten und landete dynamisch im Wolga-Gebiet. Dabei läutete er nicht nur das Zeitalter der bemannten Raumfahrt ein… fast wäre er auch ihr erstes Opfer geworden. Eine fehlerhafte Abtrennung der Landekapsel vom Rest des Raumschiffs versetzte beide, nunmehr unplanmäßig durch Kabel verbundene, Komponenten in eine unkontrollierte Rotationsbewegung. Erst die Reibungshitze des Wiedereintritts durchtrennte die Kabel und ermöglichte den glücklichen Ausgang der Mission. Gagarin wurde in den Rang eines Majors befördert, Nationalheld …und durfte nie wieder in den Weltraum fliegen. Zu gefährlich.

Das ist heute 50 Jahre her und die Nachrichten sind voll davon.

Am 12.April 1981, auf den Tag genau 20 Jahre nach dem ersten bemannten Flug in den Weltraum, stand das Space Transportation System mit dem Space Shuttle Columbia auf seiner Startplattform bereit für seinen Erstflug. An Bord John Young und Robert Crippen, Testpiloten der besonderen Art… denn obwohl in einzelnen Komponenten getestet konnte niemand vorhersagen ob das System als Ganzes funktionieren würde.
Die Columbia enttäuschte die in sie gesetzten Erwartungen nicht. Sie landete zwei Tage später erfolgreich und begründete das Zeitalter der wiederverwendbaren Raumschiffe.

Das ist heute 30 Jahre her und die Nachrichten erwähnen es nicht.

Und deswegen ist der 12.April 2011 ein gutes Datum für ein Outing. Ich bin Schauspielerin und Raumfahrtfan.
Ich bin Mitglied im Raumconforum, ich besitze original Trainingszeug der ESA, ich bin stolzer Sponsor von Copenhagen Suborbitals, ich kann ohne Bildunterschrift unterscheiden, ob ein Bild vom Mars Rover „Spirit“ gemacht wurde oder seinem Zwillingsbruder „Opportunity“… was wohl bedeutet, dass ich deutlich zuviel Zeit auf dem Mars verbringe und ich erscheine stilecht in diversen Shuttleshirts zum Regensburger Raumconstammtisch, wo ich mit anderen Weltraumverrückten hemmungslos das ATV mit dem HTV vergleichen kann, die problematische BX-Schaum-Haftung nach der Reparatur der Stringer im Bereich der Intertanksektion am ET diskutiere und gemeinsam mit ihnen die Augen verdrehe sobald jemand GUCP sagt.
Am Theater bin ich damit ein Exot und ziemlich allein. Falls es hier eine Kollegin oder einen Kollegen gibt, die/der das mit der GUCP verstanden hat… oh bitte bitte melden, sofort melden!!!
Unter Weltraumfans bin ich aber auch Exot… Schauspieler oder andere „Künstler“ sind in diesem technisch orientierten Genre rar.
Vorallem aber darf ich mich immer gleich für zwei subventionsgestützte Leidenschaften rechtfertigen, die das gleiche Imageproblem ihr eigen nennen: sie gelten als teuer und nicht wenige finden sie überflüssig.

Lassen Sie mich dazu beispielhaft zwei Dialoge kreieren und beginnen wir mit dem Raumfahrtklassiker:
„Sollten wir nicht erstmal die Probleme auf unserem eigenen Planeten lösen, bevor wir ins All fliegen?“
Dieser Satz wird meist in einem sanft mahnenden Tonfall geäußert mit Anklängen von Mitleid, dass man das Offensichtliche überhaupt anführen muss.
Ich halte dagegen, dass wir Magnetfeld, Wetter und Polkappen der Erde nur aus dem Weltraum wirklich im Blick haben und dass die NASA jedes Jahr zwischen 40 und 50 sogenannte Spinoffs veröffentlicht, also technologische Errungenschaften, die dank NASA verbessernd auf unserem Planeten eingesetzt werden.
Übliche Erwiderung: „Also MIR hat die Raumfahrt noch nie geholfen!“
Ich frage, ob man das Internet, das Handy, die Computernmaus, die Pamperswindel, die Wettervorhersage, Programmvielfalt im Fernsehen, Liveübertragungen, Navigationssysteme, Funktionskleidung, Rauchmelder, Taschenrechner, Akkubohrer, verspiegelte Sonnenbrillen, Klettverschlüsse, den Strichcode auf allen Produkten des Supermarktes, Brennstoffzellen oder einen Babyanzug gegen den plötzlichen Kindstod für sinnvolle Erfindungen hält?
„Äh, ja… schon…“
Made by NASA, ermöglicht durch Raumfahrt, Teil unseres Alltags.
Große erstaunte Augen.
„Ich wusste nur das mit der Teflonpfanne!“
Ok… Leute, ein für allemal… die Teflonpfanne ist KEINE Erfindung der Raumfahrt!!! Auch wenn alle das denken!!! Wahrscheinlich ist es ein Hörfehler… denn Kevler ist tatsächlich ein NASA Spinoff.

Führen wir nun den imaginären Theaterdialog. Er beginnt gemäßigter.
„Theater ist ja schon wichtig, aber für das Geld könnte man so viele Kindergartenplätze finanzieren.“
Ja könnte man, bestimmt. Und wer kommt dann zu den Knirpsen in die Kindergärten und spielt für sie vor Ort in Klassenzimmern, Turnhallen und Ruheräumen? Wo sehen sie ihr Weihnachtsmärchen? Wollen Sie „Peter und der Wolf“ als CD vorspielen oder sollen die Zwerge vom Klang eines Orchesters umgehauen werden, dessen Instrumente sie später genauer begutachten dürfen? Wissen Sie, wievielen verschähmten Lehrkörpern das Theater mit dem Klassiker „Was heisst hier Liebe?“ schon das Leben erleichtert hat? Apropos Klassiker! Wenn die Kinder dann älter werden – soll ihnen die germanistische Lehrkraft „Faust“ mit verteilten Rollen vorlesen oder sollen sie im Zuschauerraum herausfinden wie lebendig so ’ne komisch alte Sprache sein kann?
Man muss Kindern nicht nur eine Betreuung geben, sondern auch Begeisterung!
Dagegen ist dann meist schwer was zu sagen, man schwenkt von den Kindern weg und wird allgemeiner:
„Also ich geh‘ ja eher ins Kino oder sehe zuhause fern.“
Ja, das mache ich auch… aber ich möchte die Wahl haben. Übrigens, was meinen Sie denn woher der Pool von deutschen Darstellern kommt aus dem der „Tatort“ bis in die kleinste Nebenrolle fundiert besetzt werden kann? Lebt die Schauspiellandschaft durch das Fernsehen, das rare deutsche Kino? Oder ist das Fundament dafür doch eher die Bühne? Und sind es nicht auch Bühnenmenschen, die Ihnen ihre Arbeit schon vor der Premiere als Matinee und nach manchen Vorstellungen zur Diskussion vorstellen? Und sind Live-Geschichten nicht doch
ganz anders? Besonders? Ein Kinocenter wird schon mal auf der grünen Wiese gebaut. Wo das Theater ist, ist immer auch das Zentrum einer Stadt. Kultur, lokal, hautnah, das ist Theater. Was ist das wert?

Und plötzlich wird das mit dem zahlen und den Zahlen schwieriger.

Ganz ehrlich, die Hochkulturen vergangener Zeiten hätten uns belächelt. Die Maya, die Inka, die Ägypter, die Griechen besaßen detailierte astronomische Kenntnisse, hohe handwerkliche Fähigkeiten und schätzten ihre Kunst. Sie nannten das insgesamt Kultur. Sie wären vielleicht irritiert gewesen mit Zahlen zu berechnen was doch offensichtlich für eine hochentwickelte Gesellschaft nötig ist.

Am Theater interessieren mich Menschen. In all ihren Geschichten, Gefühlen, Entwicklungen, Verwebungen, ihren inneren und äußeren Mahlwerken und Zahnrädern.
Im Kino bin ich Mainstream… da darf es krachen, da dürfen Mäuse Meisterköche sein, da dürfen Laserschwerter geschwungen werden, da dürfen Aliens sabbernd Mrs. Weaver auf die Pelle rücken – alles, was zu Popcorn paßt.
Zwischen den beiden Seiten der darstellerischen Medaille gibt es eine Schnittmenge. Sie ist klein, sie ist erlesen, sie haut mich um. Es sind großartige, zeitlose, dichte, wundervolle Filme voller Sogwirkung und Strudel. Es sind Filme, die wie Theater funktionieren… nur dass man den Darstellern mit dem Objektiv ganz nah sein darf.
Ein Mann, der für diese Filme eine wundervolle Handschrift sein eigen nennen konnte, starb heute 86jährig in New York.
Sidney Lumet ließ seine Filmschauspieler proben wie für ein Bühnenstück. Er bestellte sie zwei Wochen vor Drehbeginn und ließ sie das Drehbuch chronologisch proben. Besessen von seinen Charakteren, verliebt in New York schuf er Filme, die ihre Menschen in den Mittelpunkt ihrer Geschichten stellen.
Viele seiner Darsteller wurden mit dem Oscar ausgezeichnet aufgrund der Leistungen, die sie unter seiner Regie entfalten durften. Er selbst musste bis 2005 auf seinen warten und bekam ihn für sein Lebenswerk. 2007 sagte er, angesprochen auf die lange Wartezeit für den Mann in Gold: "Ich wollte einen, verdammt noch mal, und ich fand, dass ich auch einen verdiene.".
Das ist fraglos.
Ein weiterer großer Filmemacher ist gegangen. Seine Werke faszinieren weiter.
Danke für viele begeisternde Stunden.