Zu Zeiten weit von heute und nah des Mittelalters gab es wohlgepflegt den Brauch , dass die edlen sich gemessen im Zusammenkommen, welches ward Turnier genannt. Getränkt in Schweiß, durchtränkt von eisern Willen schuf dies Treffen Helden, gefeiert im bunten Gepränge einer ihnen huldigenden Menge.

Heute haben wir sowas nicht mehr – heute haben wir Sport.

Bei manchen dieser Veranstaltungen schwingt man sich auf die edlen Rösser der Neuzeit, tritt sie bis ihr Tacho eine Geschwindigkeit anzeigt, die größer ist, als die Geschwindigkeitsbegrenzungen der Dörfer, durch die man rauscht, berauscht sich am Schnurren der Gangschaltung im Leerlauf, sammelt eine aparte Mischung aus salziger Kruste und Straßendreck auf seiner Haut an und findet das vergnüglich.

Kommt es darauf an, wer wann ins Ziel kommt, dann nennt man das Radrennen, kommt es darauf an in einer bestimmten Zeit überhaupt ins Ziel zu kommen, dann ist’s ein Radmarathon. Ich fahre die Marathons lieber. Man fährt gegen die Länge der Strecke, aber nicht gegeneinander…obwohl es erstaunlich ist, wieviele Männer es überhaupt nicht verknusen können, wenn eine Frau sie auf dem Rennrad überholt und dann kleine Wettfahrten anzetteln, selbst wenn sie auf einem betagten Tourenrad sitzen und es nicht mal eine herausragende Leistung von mir darstellt, dass ich sie abhängen kann.

Trotzdem herrscht bei Marathons eine ganz andere Stimmung. Der Arber-Radmarathon ist einer aus der anspruchsvollen Kategorie… jedenfalls, wenn man eine der Touren in die Berge fährt. Das mache ich aber nicht. Ich bin doch nicht verrückt.

Zunächst einmal hasse ich Bergfahren. Immer schon. Ich fluche dabei wie ein Rohrspatz, wenn es denn mal sein muss. Ich bin auch eine sehr unsichere Abfahrerin – klar, logisch, wie soll ich’s wohl lernen, wenn ich Berge meide, wie der Teufel das Weihwasser. Vader, mein Rennrad, ist dafür auch nicht bestückt. Vader wurde gebaut um hohe Geschwindigkeiten zu fahren. Und weil mein Bruder glaubt, ich wäre ein Bolzer wie Jan Ulrich und könnte vergleichbare Wattzahlen auf die Straße treten habe ich vorne Kettenblätter in Frühstückstellergröße, während die hinteren vom Bierdeckel bis zum Fünfmarkstück gehen – Berguntauglichkeit …es sei denn man ist Jan Ulrich. Bin ich nicht, deswegen fahre ich die flache Tour. Die ist toll. Meistenteils entlang der Donau. Flüsse sind auch toll. Flüsse fließen da, wo’s flach ist. Deswegen fahren Kind und Kegel diese Tour, ganz bunter Haufen. Manche mit Kinderanhänger, Knirpse, die nur knapp dem Puky-Rad entwachsen sind, ganze Familien, Freizeitfahrer, Cracks, die Mischung ist wild und verwegen. Neun Uhr ist Massenstart… lockere Aufstellung auf der Startgeraden, gemeinsamer Countdown, auf „Los!“ setzt sich die Räder-Legion langsam in Bewegung, an der Hauptbühne vorbei, aus den Lautsprechern dröhnt „Conquest of Paradise“, wir passieren Sponsorenfahnen und Starttor – ich liebe es. Das hat Wucht, das hat Masse, das hat was von Aufbruch, von „Come on, let’s do it!“, von in die Schlacht ziehen, von Herausforderung, von „alles noch vor sich“… Gänsehaut und strahlende Gesichter. Ich grinse jedesmal als ginge die Fahrt ins Zuckerwatteland.

Dann heißt es vorausschauend fahren. Am Anfang sind alle dicht zusammen und in diesem Pulk passieren unerwartete und bremsentestende Dinge. Man schlenkert aus, Kinder veranstalten übermütige Kurzsprints und quetschen sich durch Lücken, andere sind Pulkfahren gar nicht gewöhnt und weichen schon aus, wenn jemand in einem Meter Abstand vorbei will, wieder andere strecken zum abbiegen spontan zackig die Arme ‘raus… auf einer abgesperrten Strecke, auf der etwa 150 Menschen im Feld vor uns erkennbar abgebogen sind und zumindest die Vermutung nahelegen, dass wir dies wahrscheinlich auch alle machen.

Ich fahre sehr gedämpft und behutsam durch die erste halbe Stunde, fahre nach vorne wo es sicher geht, habe aber auch kein Problem mit weniger Tempo, das Feld wird sich von selbst in Geschwindigkeitszonen ziehen und dann kann man brettern wie man will. So ist es dann auch. Die Versorgungsstation lasse ich aus und fahre durch. Zunächst kommen mir nach dem Wendepunkt noch viele entgegen, dann wird’s einsamer. Und plötzlich bin ich irgendwie ziemlich allein auf der Strecke. Ich beginne mich zu fragen, ob ich irgendwo falsch abgebogen bin, ein Pfeilschild übersehen und die Strecke verlassen habe. Einige Kilometer vor Regensburg dann doch wieder Schilder. Ich war nicht falsch abgebogen, ich war einfach schnell. Breites Grinsen ob dieser Erkenntnis. Ja, ich weiß, ist ja kein Rennen… aber sowas ist trotzdem schön zu merken und streichelt das Ego.

Bei der Zieleinfahrt mache ich Spökes mit dem Fotografen. Entweder dieses Foto wird grenzdebil aussehen – oder verdammt cool.

Und dann isses schon vorbei. Der Platz ist ziemlich leer. Eine bayerische Blaskapelle unterhält die wenigen, die auf ihre strampelnden Freunde und Familienangehörigen warten, die Stände der Sponsoren stehen verwaist und warten auch auf die Rückkehrer der Touren. Vielleicht 50 von meiner Tour, ein paar vermatschte Moutainbiker, mehr sind’s noch nicht. Ich hole mir mein Trikot ab, meine Urkunde,eine Portion Nudeln mit Käse und schiebe Vader nach Hause.

Den ganzen Tag, noch bis weit in den Abend hinein, werden die Fahrer/innen/kinder von den Strecken eintrudeln… jeder einzelne ist Erster und hat’s geschafft. Um 12h stehe ich bereits wieder in der historischen Innenstadt, in einem der besten Cafés vor Ort und kaufe Johannisbeerbaisertorte. Mag sein, Kuchen um High Noon wird in Ernährungsratgebern nicht vorgesehen – aber es ist ja auch gigantisch, was man so an Kalorien auf der Strecke lässt… wie soll man die denn sonst wieder ‘reinkriegen???

Die Tour de France nähert sich ihrer Entscheidung. Morgen letzte Etappe. Viel mitbekommen habe ich nicht von ihr. Schon seit Jahren schaue ich mir die Übertragung kaum noch an. Dabei mochte ich das mal sehr. Ich fand es beinah meditativ dem Surren der Gangschaltungen zuzuhören, manchmal gemischt mit dem Rotorengeräusch des Hubschraubers und den Motoren der Begleitfahrzeuge, sich die Landschaft anzusehen, die Fahrtechnik zu studieren, die Mannschaftsstrategien, die Einzelfluchten und Ausreißversuche, das langgestreckte Spektakel, die Leiden in den Bergen, das Wahnsinntempo der Abfahrten.

Das war damals, als man noch irgendwie glauben konnte, dass es nur einige schwarze Schafe gibt, die ihrer Leistung mit konsequentem planvollen Doping auf die Sprünge helfen. Heute erlaubt sich die Frage: sind eigentlich irgendwelche Schafe im Pulk weiß?

Der Profiradsport als Wettkampf medizinischer Strategien, ein Katz und Maus Spiel um Dosis, Mittel, Einnahmezeitplan… es macht keinen Spaß mehr.

Manchmal gucke ich noch „Material“. Nein, ich spreche nicht von den muskulösen Kehrseiten der Helden im Sattel… ich schaue wirklich nach den Rädern. Was ist grad‘ so Mode? Was gibt’s denn neues? Wohin geht der Trend? Aber das ist immer nur kurz.

Dabei sind Fahrräder eine ganz alte Liebe von mir. Zusammengebaut wurden sie in der Waschküche. Die hieß so, weil sie wohl wirklich mal eine gewesen war. Kessel standen noch herum, uralte Leitungen liefen am bröckelnden Putz der modrigen Wände entlang. Keiner brauchte sie mehr. Keiner sagte etwas, als wir Kinder aus dem Haus anfingen dort Fahrräder zu reparieren und unterzustellen. Im Gegenteil, man schenkte uns manchmal altes Werkzeug.

Wenn Sperrmüll war schwärmten wir aus und suchten nach Fahrradteilen. Nach und nach bildeten sich Stapel. Felgen türmten sich, Rahmen, Lenker, Blecheimer voller schmieriger Ketten, Pedale… Bremsen waren immer knapp.

Wenn es regnete, dann hockten wir in der Waschküche und bauten uns neue Räder zusammen. Gewagte Entwürfe – bestimmt durch das verfügbare Material. Wenn es nicht mehr regnete fuhren wir sie Probe. Wenn sie enttäuschten, dann wurden sie halt wieder demontiert und anderweitig verbaut. Manchmal investierten wir und kauften Spraydosen. Dann bekamen die Rahmen neue Farben. Wenn man das im Winter machte, dann kam man völlig beduselt aus dem kleinen schlechtbelüfteten Raum und die Waschküche roch noch tagelang nach einer hinreißenden Mischung aus Öl, Gummischläuchen und Lackfarbe. Den Geruch werde’ ich nie vergessen!

Kurz vor meinem 15. Geburtstag erhielt ich Waschküchenverbot von meinem Bruder. Er tat schrecklich geheimnisvoll. Am Geburtstag überreichte er mir mein erstes Rennrad. Er hatte einiges gekauft, einiges aus dem Ersatzteillager verwendet, ein paar alte Fahrradteile aus dem eigenen Besitz beigesteuert und mir mein erstes Rennrad gebaut – und er hatte es rosa gesprüht! Mein erstes Rennrad war ROSA!

Es bekam einen Namen und ich bin wahnsinnig gerne damit gefahren.

So fing das alles an. Die Räder wurden immer besser, ich wurde immer schneller. Als ich mit 25 Jahren mein erstes Engagement in Dessau antrat verkaufte ich mein Rennrad… von dem Erlös erwarb ich eine Waschmaschine. Das war praktisch, aber ich hatte mir auch das Pflaster in Dessau beguckt… nicht rennradtauglich, gar nicht.

Erst mit 38 entdeckte ich meine Fahrradbegeisterung wieder. Rund um Regensburg finden sich einige der hinreißensten Radwege von Deutschland. Großartig beschildert, angenehm zu fahren, landschaftlich begeisternd. Ich erstand ein Tourenrad. „Sunny“ (das mit den Namen habe ich beibehalten!) ist ein Maulesel. Man kann tonnenweise Gepäck aufladen und wie ein ein Cowboy auf einen Trek gehen oder einfach tageweise cruisen. Nachdem ich also wieder Geschmack gefunden hatte, und nebenbei auch noch Triathlonabsichten entwickelte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich wieder etwas schnelleres treten wollte. Und wer war besser geeignet mir dafür den passenden Drahtesel zu bauen als mein Bruder?

Er zeigte sich sofortigst angetan von meinem Wunsch und die geschwisterliche Abstimmung begann. Er stöberte nach Rahmen und beschickte mich täglich mit Ebayangeboten. Bunte Rahmen, Breitrohrrahmen, Rahmen in allen Facetten – aber ich war nicht gethrilled.

„Watt willste denn?“

Ich wollte etwas klassisches, ohne Schnickschnack, elegant aber kraftvoll, wie aus einem Designguss, etwas dunkles, „…etwas, das Darth Vader fahren würde!“. DAMIT konnte er was anfangen und er fing an zu jagen und zusammenzubauen. Herausgekommen ist ein Traum in schwarz, 9,2 Kilogramm Glanzlack und Metall, erlesen ausgestattet, vollkommen an meine Größe und Wünsche angepaßt … und von mir ein ganz klein wenig endgetuned. Das Oberrohr ziert ein edler Schriftzug: conceptbike designed by (sein Name) – velocity in style.

Natürlich hat es einen Namen, natürlich heißt es „Vader“ und natürlich habe ich das Konterfei des dunklen Lords auf dem Vorbau angebracht.

Am 31.07. findet in Regensburg der alljährliche Arber Radmarathon statt, ich werde ihn zum dritten Mal fahren. Mein Bruder schlug dafür einmal vor, ich solle schwarz tragen und mit Darth Vader Helm fahren… Helm ist ja immer gut auf einem Fahrrad. Ich fand die Idee spannend. Aber nur einen Moment lang. Ich glaube, man kann nicht gut atmen in den Dingern und selbst meine Star Wars Hinwendung kennt Grenzen. Und eine TÜV-Zulassung für die Straße hat der sicher auch nicht!


(„You underestimate the power of the dark side.“)

Mark Stroman vereint viele texanische Klischees auf sich. Er ist ein bulliger Typ, dessen Nacken so breit ist wie sein Kopf, in dem sich Vaterlandsliebe zu einer furchteinflößenden Mischung mit Rechtsextremismus verbindet. Am 9. September 2001 verlor er seine Schwester in einem der Türme des World Trade Centers, sah sein Land unvorstellbaren Terroranschlägen ausgesetzt.

Er tötete zwei Menschen, ein weiteres Opfer, Rais Bhuiyan, überlebte, obwohl er ihm in den Kopf schoß. 35 Schrotkugel stecken noch heute in Bhuiyan's rechter Gesichtshälfte, sein rechtes Auge ist blind. Mark Stroman verstand das als seine persönliche Rache, er schoß auf Menschen, die in seinen Augen arabisch genug aussahen um seine Kugeln und den Tod zu verdienen. Er wird zum Tode verurteilt, seine Exekution durch die Giftspritze ist für diese Nacht angesetzt.

So weit das Verbrechen, so weit die Tragödie, so weit ein weiteres Beispiel für Hass zwischen Menschen, zwischen Völkern, zwischen Religionen, die sich nicht kennen, die sich nicht kennen lernen wollen, die einander nicht verstehen und sich deshalb umbringen… mit Flugzeugen, mit der Waffe in der Hand, mit der Vorstellung des Rechts auf ihrer Seite.

Aber diese Geschichte ist anders. Rais Bhuiyan ist anders, anders, als man das von dem Opfer eines solchen Verbrechens erwarten würde. Bhuiyan ist Muslim, seine Eltern sind beide Islamlehrer. Sie haben ihn gelehrt, dass alles in Gottes Namen geschieht und nichts davon grundlos. Noch im Krankenhaus vergiebt er Stroman. Sein Leben gerät aus den Fugen, er verliert seinen Job, seine Beziehung zerbricht, aber er findet einen neuen Sinn für sich. Er kämpft dafür Stroman’s Todesurteil in eine lebenslange Haftstrafe zu wandeln. Er sieht in seiner Hinrichtung keine Besserung für niemanden, aber er glaubt daran Menschen aus ihren Vorurteilen retten zu können, wenn es ihm gelingt Stroman’s Leben zu retten.

Dafür kämpft er. Er beginnt die Kampagne „World without hate“, er spricht mit den Hinterbliebenen der anderen beiden Opfer, er überzeugt sie von seiner Idee, er knüpft Kontakte zu Menschenrechtsaktivisten und der Menschenrechtsorganisation „Reprieve“. Die Organisation hat einen Brief bekommen. Eine Frau aus dem Saarland, eine Brieffreundin Stroman’s, schreibt von einem Vater aus Niedersachsen, den Stroman nie kennen gelernt hat.

Rais Bhuiyan reist. Er fährt nach Dänemark und führt Gespräche mit der Firma, die das Gift für die Hinrichtung liefert, nach Straßburg um den Fall vor dem Europäischen Parlament vorzutragen, in Berlin will er den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung treffen… Markus Löning sagt das Treffen in letzter Minute ab, Zeitmangel. Er werde jedoch an den texanischen Gouverneur schreiben – auch wenn es keine Beweise für eine deutsche Abstammung Stroman’s gäbe.

Ob das die Hinrichtung verhindern könnte ist fraglich. Begnadigungen und Wandlung der Strafe sind in Texas selten. Bhuiyan hat angekündigt, dass er nicht aufgeben werde. Nicht in Stroman’s Fall, in keinem Fall. Er hat eine Aufgabe gefunden, herausgefunden, was Gott von ihm erwartet hat, als er ihn zum Opfer machte.

Der Mann, der in Interviews immer noch etwas nervös wirkt, der langsam spricht und seine Worte mit Bedacht wählt, er versteht sich als Botschafter gegen den Hass. Er will etwas verändern. Mark Stroman hat er verändert.

Stroman spricht von ihm als bemerkenswerten Mann, als Überlebender seines Hasses, dessen tiefer islamischer Glaube ihm die Stärke gegeben habe das Unverzeihliche zu verzeihen, er sei eine Inspiration für ihn, ein Beispiel für alle, der Hass müsse aufhören.

Und noch einen weiteren Erfolg kann Bhuiyan verzeichnen… der dänische Pharmakonzern wird keine weiteren Todesspritzen in die USA liefern.

Es gibt viele Befürworter der Todesstrafe, es gibt viele Gegner. Ich persönlich lehne die Todesstrafe ab. Ich habe dafür einen ganz einfachen Grund: Menschen machen Fehler. Das Rechtssystem besteht aus Menschen. Es darf keine unumkehrbaren Urteile verhängen, es darf kein Leben nehmen dürfen. Nachweislich wurden in den USA von 1900-1985 über 350 Menschen zum Tode verurteilt, deren Unschuld später bewiesen werden konnte. Das sind nur jene Falschurteile, die aufgedeckt wurden… die Dunkelziffer mag höher liegen. Es gibt kein nachdrücklicheres Argument gegen die Todesstrafe… zumindest dachte ich das bis heute. Denn Rais Bhuiyan hat ein ganz einfaches gefunden, das ebenso gut ist. Er sagt, dass keine Hinrichtung Hass oder Gewalt aus dieser Welt löschen kann, man verliere nur ein weiteres Leben.

Mark Stroman gehört nicht zu den Unschuldigen. Die Überwachungskamera einer Tankstelle, lieferte unwiderlegbare Beweise seiner Schuld. Aber vielleicht ist das gar nicht wichtig. Vielleicht ist wichtiger welche Antwort Bhuiyan und die Angehörigen der anderen beiden Opfer gefunden haben auf die Frage: What lesson do you want to teach your children?

Vielleicht haben sie eine friedengebendere Antwort gefunden als Vergeltung. Vielleicht sollte ein Staat ihr Urteil höher bewerten, als das seine. Unabhängig davon ob Mark Stroman es verdient, unabhängig ob man seiner Wandlung glaubt… einfach nur weil man an die Gedanken seiner Fürsprecher glaubt und weil sie es verdienen, dass ihrem Urteil Respekt entgegengebracht wird.

Zugegeben… wenn man „Projekt Gutenberg“ hört, dann denkt man an die Doktorarbeit eines ehemaligen Ministers. Aber bevor er durch die Abwesenheit ausreichender Zitatekennzeichnung die Schlagzeilen und unsere Assoziation prägte, gab es ja noch den Johannes Gensfleisch von Sorgenloch, genannt Gutenberg. Europa verdankt ihm bedrucktes Papier und damit die Verbreitung von Büchern, deren Wissen und Gedanken, deren Unterhaltung und der Reisen, die man damit unternehmen kann… in fremde Welten, andere Zeiten, jeden Ort, den die Phantasie bereitstellt.

Ihm zu Ehren hat der „Spiegel“ seine Erfindung gemäß unseren modern times ad absurdum geführt, eine Online-Sammlung von lesenswertem Zeugs zusammengestellt und sie „Projekt Gutenberg“ genannt.

Die Sammlung enthält über 5500 Romane, Erzählungen, Gedichte, Novellen und ja, auch eine ganze Menge Dramen.

Das ist nicht nur interessante für alle, denen am Wochenende der Lesestoff ausgeht… das kann auch für Schauspieler eine gelungene Quelle darstellen, wenn sie einen Gedichteabend zusammenstellen oder nach irgendeiner Szene fahnden und das dazugehörige Stück findet sich partout nicht im Stapel jener gelben kleinen Hefte, von denen wir alle Unmengen zuhause haben.

Man kann nach Genre suchen, nach Autor und Titel – oder sich einfach mal durch die Lesetips verführen lassen…

 

Projekt Gutenberg

 

Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit ist heute eine Ära zu Ende gegangen.
Heute war der letzte Start eines Space Shuttles. Der 135igste in 30 Jahren.
Alle Prozeduren waren heute wie immer, liefen ab, präzise wie ein Uhrwerk.. und nichts war heute wie immer. Alles war heute zum letzten Mal. Die vierköpfige Crew, die von allen NASA Mitarbeitern in den Astrovan geklascht und gebrüllt wurde. Sie hatten ein Banner aufgespannt für die Crew… „We are behind you, Atlantis“. Alle hatten unterschrieben, das weiße Banner war schwarz vor Unterschriften.
Auf dem externen Shuttletank flog heute ein Emblem mit. Darauf ein Diamantumriss mit dem Space Transportation System darin. Als die Columbia 1981 zum ersten Mal startete nannte man sie „Gem of the Galaxy“. Umgeben von einem symbolischen Orbit um die Erde. Eingebettet 14 kleine Sterne. Sie symbolisieren die Crewverluste der beiden Shuttle-Unglücke. Drei goldene Sterne stehen für die noch existierenden Orbiter, zwei weiße für die zerstörten Challenger und Columbia.
Das Enblem wird zusammen mit dem Tank in der Atmosphäre verglühen.
In den wiederverwendbaren Feststoffboostern wurde ein Element verbaut, das bereits vor 30 Jahren bei STS-1 geflogen ist. Nun findet es sich bei STS-135 am Ende der Geschichte wieder.
Als die White Room Crew heute den Astronauten auf ihre Plätze geholfen und die Luke zum Shuttle verschlossen hatte, verließen sie, wie viele vor ihnen und in den kommenden Wochen, ihren Arbeitsplatz. Jeder von ihnen hielt einen Zettel in die Kamera, sie lesen sich fortlaufend: „On behalf of all who have designed & built & serviced & loaded… launched & controlled & operated & flown these magnificent space vehicles… thank you for 30 years with our nation’s space shuttles! Godspeed Atlantis! God bless america!“
Das ist patriotisch, sicher. Und sehr amerikanisch. Es ist aber auch wütend. Und stolz. Und liebevoll. Und es ist wahr. Das Space Shuttle Programm der NASA wurde von wenigen zu Fall gebracht – aber von vielen getragen.
Eine Million Menschen hatten den Weg an die „Space Coast“ gefunden um sich von „ihrem“ Shuttle zu verabschieden. Ja, das Shuttle ist Regierungseigentum. Aber seine Fans neigen dazu es sich anzueignen. Und eigentlich gehört es ihnen genauso, denn 30 Jahre sind eine lange Zeit. Dreiviertel meines Lebens sind Menschen Raumschiffe geflogen. Jüngere erinnern gar keine Raketen. Die Shuttle waren die ersten to launch like a rocket, to orbit the earth like a spaceship and to return like a plane. Sie sind einzigartig geblieben. Es gibt keinen Nachfolger. Die NASA bleibt am Boden, liegt am Boden, sie hat ihre Mitarbeiter freigegeben, Tausende. Ihr Wissen wird nicht mehr gebraucht, es geht verloren.
Die meisten sind heute gekommen. Sie wollen ihr Shuttle starten sehen. Sie wollen noch einmal stolz sein auf ihre Arbeit, jedes Ventil, das sie eingebaut haben, jede Hitzeschutzkachel, die sie handgeschöpft haben. Viele sprechen von einem „Familienmitglied“ das geht. Sie wollen sich verabschieden.
In den Foren, ganz gleich ob den amerikanischen oder deutschen, sprechen die Mitglieder von dem Gefühl einen „Freund“ zu verlieren. Man hat viele Abenteuer geteilt, viel Zeit zusammen verbracht. Man tauscht sich aus. Wißt ihr noch, als damals drei ‚raus sind und den Satelliten „per Hand“ eingefangen haben? Oder als das Hubble-Teleskop eine Brille brauchte und das Shuttle die Mission gewagt hat? Nüchterne Techniker schreiben vom Kampf gegen Tränen. Jeder hat seine eigene Geschichte mit dem Raumschiff, persönliche Erinnerungen.
Jörg aus dem Raumfahrerforum hat einmal gesagt „Der Shuttle hat Seele“. Das ist irrational, sicher. Aber ich habe die Faszination dieses Orbiters nie besser auf den Punkt gebracht gehört.
Ohne alle anderen Leistungen der Raumfahrt abwerten zu wollen – das Shuttle ist etwas besonderes. Es ist wie die Verwirklichung einer Idee, die wir als Kind hatten. Kinder zeichnen keine Raketen… sie zeichnen Raumschiffe.
Heute ist der erste Tag einer letzten Mission nach der wir dieses Raumschiff verlieren.
Der letzte Start.
Dann werden die Stationen abgerufen. Jede muss ansagen, ob aus ihrer Sicht etwas gegen den Start spricht. Normalerweise klingt das so: „OTC?“ – „OTC is go!“ … TBC?“ – „TBC is go!“ usw.
Auch das war heute anders. Die Stationen namen sich Zeit für persönliche Worte. Sie bedankten sich für die gute Zusammenarbeit, für die 30 Jahre, sie wünschten Mission Control alles Gute, sie sprachen von Zukunft, von weiteren Herausforderungen, die es geben werde. Der Launch Status Check hat noch nie so lange gedauert. Der Launch Director, der die Kamera aushalten musste, während die Ansagen zu hören waren, kämpfte um seine Mimik. Es fiel ihm nicht leicht.
Es fiel vielen heute nicht leicht. Bei der NASA, vor Ort, überall auf der Welt.
Die Atlantis ist heute in die Sonne gestartet. Bilderbuchstart. Gleißender blauer Planet auf ihren Außenkameras, perfekt ausgeleuchtetes Schiff, wunderschönes Rollmannöver im Weltraum. Sie ist geflogen, als ob sie sagen wollte: „Und deswegen werdet ihr die Shuttles vermissen.“

Und ja, das werde ich. Das ist ganz leicht…

Nein? Woher wissen Sie das?
Und wieso sind Sie sich da so sicher???
Ach so, ja, die Ursuppen-Geschichte, richtig. Jedes Kind weiß, das Leben hat sich im Wasser entwickelt, teilweise krabbelte es dann an Land und nach drastischen Veränderungen an der Spitze der Nahrungskette durch Meteroitenbeschuss richtete sich irgendwann ein affenähnliches Wesen auf, wurde Mensch und bewies seine Geistesüberlegenheit durch einige Schönheiten und Blödsinn.
Ganz so einfach war es vielleicht nicht.
Leben, wie wir es kennen und wie wir es sind, besteht aus Aminosäuren…jaja, die Dinger mit denen man DNS herstellen kann und die geeignet sind einen im Genetikunterricht in Buchstabenwahnsinn verfallen zu lassen. Im Jahre 1953 simulierte Stanley Miller eine stinkige Uratmosphäre aus Methan und Amoniak (Sauerstoff gab’s noch nicht, den haben erst Lebewesen produziert, also kann er am lebensbildenden Prozess nicht beteiligt gewesen sein), ließ sie mit Wasser wechselwirken, während er sie mit elektrischen Ladungen traktierte und produzierte auf diese Weise Aminosäuren. QED? Nöh!
Meinetwegen stellte die Atmosphäre irgendwann alle nasenrümpfenden Gase und Blitze bereit, aber wo kam das Wasser her? Äh…???
Verbrieft ist, dass unser Planet seine Kinderzeit als glühend heißer Ball zubrachte… erfahrungstechnisch ist ein solcher Zustand ungeeignet Wasser bereitzustellen.
Wie das Wasser auf unsere Oberfläche kam ist nicht abschließend geklärt. Wir wissen nur, dass es 70% unserer Erde bedeckt, also ist irgendwann eine Menge davon zusammengekommen. Nur woher? Ausgasen des Magmas ist eine Erklärung… dann würde es aus dem Erdinneren stammen. Den Anhängern der nassen Akkretion reicht das, sie sagen, logisch, klar, da ist genug zusammengekommen. Die trockene Akkretion legt nahe, dass wir auf diese Weise unsere Ozeane niemals nicht zusammenbekommen hätten. Sie setzt auf ein Zusammenspiel zwischen Ausgasen und Eisbelieferung aus dem All. Das klingt erstmal gewagt, aber chemische Analysen von Wassereinschlüssen in Steinmeteoriten ähneln den Mengenverhältnissen in unseren Ozeanen.
Diese Theorie würde ein weiteres Problem beheben, dass wir mit den Arminosäuren haben.
Um aus ihnen DNS zu bauen braucht man eine Bauanleitung. Diese Bauanleitung steht in der DNS. Wie also baut sich eine Gebrauchsanweisung zusammen, wenn sie dafür eine Gebrauchsanweisung braucht, die sie eigentlich erst zusammenbauen müsste? Knifflig.
1969 ging in der Nähe von Murchinson, Australien ein Meteorit ‚runter, der überraschenderweise jede Menge Aminosäuren enthielt… Bausteine des Lebens. Nun wissen wir zwar immer noch nicht, wie aus dem Zeug DNS wurde… und LUCA – „last common universal ancestor“ – unser aller universeller Vorfahr.

Aber wir wissen, dass Aminosäuren im All reisen können, so wie Wasser es auch kann… wir haben Eis auf Asteroiden nachgewiesen, auch Kometen können Wasser enthalten.
Wenn Wasser und Aminosäuren, Bestandteile des Lebens, aber im All reisen können, interplanetar… dann muss das Leben nicht zwangsläufig und ursprünglich auf der Erde entstanden sein.
Vielleicht haben wir LUCA, ähnlich wie Wasser, komplett zusammengebaut geliefert bekommen und die Produktion und Fertigung fand ganz woanders statt.
So ein Materialtransfer lässt sich relativ leicht bewerkstelligen… riesiger Gesteinsbrocken trifft Planet, schleudert Material von der Oberfläche in den Weltraum und bastelt auf diese Weise neue Gesteinsbrocken, die ihrerseits die Reise durch’s All beginnen – vielleicht mit Eis, vielleicht mit LUCA.
Auf dem Mars finden wir ein 2100 Kilometer breites und 9000 Meter tiefes „Loch“ – Hellas Planitia, ein Einschlagsbecken… keineswegs das einzige auf dem Mars. Der Auswurf dürfte beachtlich gewesen sein. Und LUCA könnte Teil eines solchen rotzhaltigen Planetenniesers gewesen sein, reiste durch’s Weltall, schlug auf der Erde ein, fand es dort angenehm, blieb und entwickelte sich gemäß den Grundlagen, die vorgefunden wurden. Somit wäre die Entwicklung LUCA’s erdspezifisch, sein Ursprung allerdings kann durchaus extraterrestrisch gewesen sein.
Nun sagen sicher nicht wenige: Mooooment, es gibt soetwas wie Hitzeentwicklung durch Reibung an der Atmosphäre. Wenn man auf die Erdoberfläche will, dann muss man einiges abkönnen und den Einschlag überstehen. Selbst voraussetzend, dass unsere Atmosphäre damals noch eine andere war… das ist richtig. Allerdings… selbst bei unserer heutigen Atmosphäre ist das zu schaffen, wir wissen es aus traurigem Anlass.
2003 trat das Space Shuttle Columbia mit 28.000 km/h zur Landung wieder in die Atmosphäre unseres Planeten ein. Zu diesem Zeitpunkt unbekannt war, dass ein herabfallendes Schaustoffteil des externen Tanks beim Start ein Bowlingkugelgroßes Loch in die Außenkannte des linken Flügels geschlagen hatte. 1600 Grad heißes Plasma begann sich durch den defekten Hitzeschutzschild zu fressen, das Shuttle zerbrach und ging als verglühender Komet über Texas und Florida nieder. Alle sieben Crewmitglieder kamen ums Leben. An Bord waren Experimente aus der Mikrobiologie. Und diese einfachsten aller Lebewesen überlebten Hitze, ungeführten Wiedereintritt und Aufschlag. Unbeschadet. Die Trümmerteile des Shuttles fanden sich staatenübergreifend, aber diese Winzlinge hatten überlebt.
Niemand hätte diesen Beweis so haben wollen, aber seitdem wissen wir, dass ein Transport von Leben aus dem All bis auf unsere Oberfläche denkbar ist.
Die Entstehung des Lebens lässt uns mit Fragen zurück, auf die wir weniger Antworten haben, als Schulweisheit uns suggeriert. Und weil wir nicht wissen wie LUCA zustande kam, nicht einmal wo LUCA zustande kam… deswegen können wir auch nichts genaues über unseren Ursprung sagen.
„Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.“ (Albert Einstein)
Aber Phantasie kann uns zu Wissen führen… solange wir nicht glauben längst zu wissen. Und unsere Herkunft betreffend ist Phantasie gefragt, denn wirklich wissen tun wir da längst nicht alles.
Und? Sind Sie nun ein Alien???

Wir snid veiles, wroüebr wir uns kenie Gednaken mcahen. Wir snid ein Krfatwerk mit Sinnnen, wir snid ein Laobr, das selsbt Drogen buat, wir snid ein Werk, das sich rpeareiren kann, wir snid uns klar üebr uns… gluaben wir.
Lasesn Sie mich huete deise Illusoin ein bißhcen kpautt machen. Wessin Sie, was Ihr Gehinrn so alles tut? Es fitlert… nur dehsalb knönen Sie deisen Txet lesen.
Vor langer Ziet haben Sie lesen gelenrt. Das war nciht leihct, es war schwehre Arbiet für das Gehinrn. Aebr als das Gehinrn das dannn mal kohnnte – fnig es an mit Wörtren umuzgehen, wiee es ihm gefällt. Und nihct wie Sie dekenn. Sie lesen nihct, sie nemhen den ertsen und leztten Buhcstaben whar. Dazwishcen speilt Ihr Gehinrn Puzlze. Es wifrt Buhcstaben herum und nmimt das Wrot dazu, dass ihm am betsen paßtt. Wenn Sie also huete Ahbend vor dem zu Bett geehn zum Buch griefen… fargen Sie sich mal, ob Sie lesen, was sie lesen – oder ob ihr Gehinrn greade mal weider mit veil Fanthasie untrewegs ist.

…das war knapp. Und es hätte auch anders ausgehen können. Nach dem Leverkusener Schützenfest, bei dem die deutsche Nationalmannschaft die Gegnerinnen aus Nigeria mit 8:0 in Grund und Boden kickte, hätte man annehmen können, dass Nigeria ein leicht abzuspielender Gegner werden würde. Aber die Nigerianische Nationalmannschaft ist alles andere als eine zweitklassige Ansammlung. Sie sind achtfache Sieger der Afrikameisterschaft. Ihr Spitznahme ist "Super Falcons". Und zustoßen können sie, schnell… wie heute zu betrachten war können sie allerdings auch zutreten und noch einiges andere dem Kampfsport ähnliches. Auch an und von dieser Stelle Genesungswünsche an Melanie Behringer, die nach einer solchen Aktion mit Verdacht auf Außenbandriß ins Krankenhaus gebracht werden musste. Das war unschön zu betrachten… aber es zerstörte wirkungsvoll das technisch ausgefeilte strategische Raumeroberungsspiel der deutschen Mannschaft und ließ realistische Befürchtungen aufkommen, dass der Ausgang des Spiels der berückenden Bilanz der deutschen Frauen ein herbes Ende bereiten könnte.
Simone Laudehr, heute mit ungeheurer Laufleistung unterwegs, kloppte das Leder schließlich ins gegnerische Tor …das war dann auch Endstand. Allein ruhmreich war heute wenig und rund lief eigentlich nur der Ball.
Ja, das hätte anders ausgehen können. Vielleicht schon, wenn Nigeria nicht einige der guten Spielerinnen zuhause gelassen hätte. Sie wären abkömmlich gewesen, austrainiert, motiviert und sie waren nicht verletzt… sie sind lesbisch. Homosexualität steht in Nigeria unter Strafe. Landesweit kann eine Gefängnisstrafe bis zu 14 Jahren verhängt werden, in zwölf Bundesstaaten droht außerdem die Todesstrafe, der Scharia gemäß durch Steinigung. Das ist kein hypothetisches Verfahren, es wird zum Tode verurteilt. Derzeit wird eine Verschärfung der Gesetzgebung gegen Schwule angestrebt. Die Christian Association of Nigeria, das National Muslim Centre und die anglikanische Church of Nigeria unterstützen diese Bestrebung in seltener Einigkeit.
Nigerias Trainerin Eucharia Uche sagte zur Auswahl ihres Kaders: ""Ja, die Lesben in unserer Mannschaft waren wirklich ein großes Problem. Aber seitdem ich Trainerin der Falcons bin, hat sich das erledigt. Es gibt keine lesbische Spielerin mehr in meinem Team. Ich kann diese dreckige Lebensweise nicht tolerieren." (RP Online)
Nun ist es ja so, dass die FIFA vor ihren Spielen flaggengroße Banner präsentiert auf denen zu lesen ist "say no to racism". Das liest sich weltoffen, humanistisch und schön… allein, die FIFA hat's nicht so mit Fragen der Homosexualität und tut sich schwer dort einen öffentlichen Standpunkt zu beziehen und zu vertreten. Nachher fühlen sich noch irgendwelche Fußballer ermutigt sich zu outen. Die Frauenbeauftragte der FIFA gerät auf kritische Nachfrage ins schlingern, verweist auf FIFA-Statuten, positioniert sich aber auch nicht. Immerhin sieht man sie zusammen mit Eucharia Uche, die daraufhin bei der nächsten Pressekonferenz behauptet, sie hätte soetwas nie gesagt. Das stimmt nicht mit vorherigen Interviews überein – aber Problem gelöst.
Und deswegen habe ich mir heute die Freiheit genommen zu brüllen, als Laudehr die Pille ins Tor gesemmelt hat. Nicht weil bei mir die Deutschen immer und unbedingt gewinnen müssen. Ich kann Leistung anerkennen, "Möge der bessere gewinnen!" gilt bei mir sogar dann noch, wenn andere im Wettkampf an mir vorbei ziehen… ich sehe es nicht gerne, aber wenn sie es können, dann haben sie es verdient, dass ich ihren Rücken betrachte. Heute war das anders.
Ausgrenzung darf sich nicht lohnen, sie muss sich auf ganz pragmatischer Ebene rächen.
Talente verteilen sich gleichmäßig, sie kümmern sich nicht um Rasse, Geschlecht, Religion oder sexuelle Orientierung, sie sind überall. Wenn ein Land glaubt sich Rassentrennung leisten zu können, dann trennt es sich von Talent. Wenn eine Religion vorschreibt Frauen zu unterdrücken, dann schreibt sie Talent ab. Die Geschichte beweist, dass es Ländern gut bekommt, wenn die gesellschaftliche Entwicklung ihnen erlaubt immer mehr Zugriff auf alle vorhandenen Talente zu nehmen, ganz gleich wo und in wem sie beheimatet sind.
Und wenn eine Fußballtrainerin die Überzeugung vertritt ohne talentierte Spielerinnen auskommen zu können, weil diese das Verbrechen begehen nicht staatskonform zu lieben, dann erhöht sie ihr Risiko ein durchaus knappes Spiel gegen die Weltmeisterinnen nicht zu ihren Gunsten herumreißen zu können. Uche verzichtet auf Lesben im Team, die Fußballweltmeisterschaft verzichtet nunmehr auf Nigeria.
Sicher, das löst das Grundproblem nicht, es ändert nichts an der Ächtung der Homosexuellen in Nigeria – aber es belohnt sie wenigstens auch nicht.