7000 on the move

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Zu Zeiten weit von heute und nah des Mittelalters gab es wohlgepflegt den Brauch , dass die edlen sich gemessen im Zusammenkommen, welches ward Turnier genannt. Getränkt in Schweiß, durchtränkt von eisern Willen schuf dies Treffen Helden, gefeiert im bunten Gepränge einer ihnen huldigenden Menge. Heute haben wir sowas nicht mehr – heute haben wir Sport. Bei manchen dieser Veranstaltungen schwingt man sich auf die edlen Rösser der Neuzeit, tritt sie bis ihr Tacho eine Geschwindigkeit anzeigt, die größer ist, als die Geschwindigkeitsbegrenzungen der Dörfer, durch die man rauscht, berauscht sich am Schnurren der Gangschaltung im Leerlauf, sammelt eine aparte Mischung aus salziger Kruste und Straßendreck auf seiner Haut an und findet das vergnüglich. Kommt es darauf an, wer wann ins Ziel kommt, dann nennt man das Radrennen, kommt es darauf an in einer bestimmten Zeit überhaupt ins Ziel zu kommen, dann ist’s ein Radmarathon. Ich fahre die Marathons lieber. […]

Waschküchenliebesgeschichte

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Die Tour de France nähert sich ihrer Entscheidung. Morgen letzte Etappe. Viel mitbekommen habe ich nicht von ihr. Schon seit Jahren schaue ich mir die Übertragung kaum noch an. Dabei mochte ich das mal sehr. Ich fand es beinah meditativ dem Surren der Gangschaltungen zuzuhören, manchmal gemischt mit dem Rotorengeräusch des Hubschraubers und den Motoren der Begleitfahrzeuge, sich die Landschaft anzusehen, die Fahrtechnik zu studieren, die Mannschaftsstrategien, die Einzelfluchten und Ausreißversuche, das langgestreckte Spektakel, die Leiden in den Bergen, das Wahnsinntempo der Abfahrten. Das war damals, als man noch irgendwie glauben konnte, dass es nur einige schwarze Schafe gibt, die ihrer Leistung mit konsequentem planvollen Doping auf die Sprünge helfen. Heute erlaubt sich die Frage: sind eigentlich irgendwelche Schafe im Pulk weiß? Der Profiradsport als Wettkampf medizinischer Strategien, ein Katz und Maus Spiel um Dosis, Mittel, Einnahmezeitplan… es macht keinen Spaß mehr. Manchmal gucke ich noch „Material“. Nein, ich spreche […]

Schuld und Sühne… und Vergebung

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Mark Stroman vereint viele texanische Klischees auf sich. Er ist ein bulliger Typ, dessen Nacken so breit ist wie sein Kopf, in dem sich Vaterlandsliebe zu einer furchteinflößenden Mischung mit Rechtsextremismus verbindet. Am 9. September 2001 verlor er seine Schwester in einem der Türme des World Trade Centers, sah sein Land unvorstellbaren Terroranschlägen ausgesetzt. Er tötete zwei Menschen, ein weiteres Opfer, Rais Bhuiyan, überlebte, obwohl er ihm in den Kopf schoß. 35 Schrotkugel stecken noch heute in Bhuiyan's rechter Gesichtshälfte, sein rechtes Auge ist blind. Mark Stroman verstand das als seine persönliche Rache, er schoß auf Menschen, die in seinen Augen arabisch genug aussahen um seine Kugeln und den Tod zu verdienen. Er wird zum Tode verurteilt, seine Exekution durch die Giftspritze ist für diese Nacht angesetzt. So weit das Verbrechen, so weit die Tragödie, so weit ein weiteres Beispiel für Hass zwischen Menschen, zwischen Völkern, zwischen Religionen, die sich […]

Buchstaben on demand for free

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Zugegeben… wenn man „Projekt Gutenberg“ hört, dann denkt man an die Doktorarbeit eines ehemaligen Ministers. Aber bevor er durch die Abwesenheit ausreichender Zitatekennzeichnung die Schlagzeilen und unsere Assoziation prägte, gab es ja noch den Johannes Gensfleisch von Sorgenloch, genannt Gutenberg. Europa verdankt ihm bedrucktes Papier und damit die Verbreitung von Büchern, deren Wissen und Gedanken, deren Unterhaltung und der Reisen, die man damit unternehmen kann… in fremde Welten, andere Zeiten, jeden Ort, den die Phantasie bereitstellt. Ihm zu Ehren hat der „Spiegel“ seine Erfindung gemäß unseren modern times ad absurdum geführt, eine Online-Sammlung von lesenswertem Zeugs zusammengestellt und sie „Projekt Gutenberg“ genannt. Die Sammlung enthält über 5500 Romane, Erzählungen, Gedichte, Novellen und ja, auch eine ganze Menge Dramen. Das ist nicht nur interessante für alle, denen am Wochenende der Lesestoff ausgeht… das kann auch für Schauspieler eine gelungene Quelle darstellen, wenn sie einen Gedichteabend zusammenstellen oder nach irgendeiner Szene fahnden […]

Ein Abschied

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Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit ist heute eine Ära zu Ende gegangen. Heute war der letzte Start eines Space Shuttles. Der 135igste in 30 Jahren. Alle Prozeduren waren heute wie immer, liefen ab, präzise wie ein Uhrwerk.. und nichts war heute wie immer. Alles war heute zum letzten Mal. Die vierköpfige Crew, die von allen NASA Mitarbeitern in den Astrovan geklascht und gebrüllt wurde. Sie hatten ein Banner aufgespannt für die Crew… „We are behind you, Atlantis“. Alle hatten unterschrieben, das weiße Banner war schwarz vor Unterschriften. Auf dem externen Shuttletank flog heute ein Emblem mit. Darauf ein Diamantumriss mit dem Space Transportation System darin. Als die Columbia 1981 zum ersten Mal startete nannte man sie „Gem of the Galaxy“. Umgeben von einem symbolischen Orbit um die Erde. Eingebettet 14 kleine Sterne. Sie symbolisieren die Crewverluste der beiden Shuttle-Unglücke. Drei goldene Sterne stehen für die noch existierenden Orbiter, zwei weiße […]

„Sind Sie ein Alien?“

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Nein? Woher wissen Sie das? Und wieso sind Sie sich da so sicher??? Ach so, ja, die Ursuppen-Geschichte, richtig. Jedes Kind weiß, das Leben hat sich im Wasser entwickelt, teilweise krabbelte es dann an Land und nach drastischen Veränderungen an der Spitze der Nahrungskette durch Meteroitenbeschuss richtete sich irgendwann ein affenähnliches Wesen auf, wurde Mensch und bewies seine Geistesüberlegenheit durch einige Schönheiten und Blödsinn. Ganz so einfach war es vielleicht nicht. Leben, wie wir es kennen und wie wir es sind, besteht aus Aminosäuren…jaja, die Dinger mit denen man DNS herstellen kann und die geeignet sind einen im Genetikunterricht in Buchstabenwahnsinn verfallen zu lassen. Im Jahre 1953 simulierte Stanley Miller eine stinkige Uratmosphäre aus Methan und Amoniak (Sauerstoff gab’s noch nicht, den haben erst Lebewesen produziert, also kann er am lebensbildenden Prozess nicht beteiligt gewesen sein), ließ sie mit Wasser wechselwirken, während er sie mit elektrischen Ladungen traktierte und produzierte […]

Wiessen Sie, was Ihr Gehinrn triebt?

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Wir snid veiles, wroüebr wir uns kenie Gednaken mcahen. Wir snid ein Krfatwerk mit Sinnnen, wir snid ein Laobr, das selsbt Drogen buat, wir snid ein Werk, das sich rpeareiren kann, wir snid uns klar üebr uns… gluaben wir.Lasesn Sie mich huete deise Illusoin ein bißhcen kpautt machen. Wessin Sie, was Ihr Gehinrn so alles tut? Es fitlert… nur dehsalb knönen Sie deisen Txet lesen. Vor langer Ziet haben Sie lesen gelenrt. Das war nciht leihct, es war schwehre Arbiet für das Gehinrn. Aebr als das Gehinrn das dannn mal kohnnte – fnig es an mit Wörtren umuzgehen, wiee es ihm gefällt. Und nihct wie Sie dekenn. Sie lesen nihct, sie nemhen den ertsen und leztten Buhcstaben whar. Dazwishcen speilt Ihr Gehinrn Puzlze. Es wifrt Buhcstaben herum und nmimt das Wrot dazu, dass ihm am betsen paßtt. Wenn Sie also huete Ahbend vor dem zu Bett geehn zum Buch griefen… […]

Nigeria – Deutschland 0:1 …

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…das war knapp. Und es hätte auch anders ausgehen können. Nach dem Leverkusener Schützenfest, bei dem die deutsche Nationalmannschaft die Gegnerinnen aus Nigeria mit 8:0 in Grund und Boden kickte, hätte man annehmen können, dass Nigeria ein leicht abzuspielender Gegner werden würde. Aber die Nigerianische Nationalmannschaft ist alles andere als eine zweitklassige Ansammlung. Sie sind achtfache Sieger der Afrikameisterschaft. Ihr Spitznahme ist "Super Falcons". Und zustoßen können sie, schnell… wie heute zu betrachten war können sie allerdings auch zutreten und noch einiges andere dem Kampfsport ähnliches. Auch an und von dieser Stelle Genesungswünsche an Melanie Behringer, die nach einer solchen Aktion mit Verdacht auf Außenbandriß ins Krankenhaus gebracht werden musste. Das war unschön zu betrachten… aber es zerstörte wirkungsvoll das technisch ausgefeilte strategische Raumeroberungsspiel der deutschen Mannschaft und ließ realistische Befürchtungen aufkommen, dass der Ausgang des Spiels der berückenden Bilanz der deutschen Frauen ein herbes Ende bereiten könnte.Simone Laudehr, heute […]