Es fällt mir nicht schwer Worte zu machen – und derer nicht selten viele.

 

Allein, man muss auch mal wissen, wann etwas selbsterklärend ist. Und wenn etwas gut ist, sinnvoll und darüber hinaus in der Umsetzung charmant – dann ist es selbsterklärend:

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Gestern bin ich zwecks Personenabholung mal wieder in den Gefilden des Theater Regensburg vorbeigeschneit. Großes "Hallo!", grinsen, Umarmungen, Küsschen rechts und links – Theater eben.

Zu den Umarmten gehörte auch Armin, der in meinem letzten Ensemblejahr Kulturzivi war und nunmehr als Regieassistent des "Theater Regenbogen", der Kinder- und Jugendsparte, zurückgekommen ist. Mit in seinen Aufgabenbereich fällt der Theater-Jugendclub und da steht die diesjährige Stückwahl an. Das bisherige Gedankenspiel lautet "Lysistrata".

Ich verdrehe spontan die Augen und frage, wieso ausgerechnet Jugendclubs sich immer die Hyperklassiker vorknöpfen müssen. Es ist schwer genug für ausgebildete gestandene Schauspieler sich dieser Sprache in emotionaler Selbstverständlichkeit anzunähern… und seien wir ehrlich – manche scheitern auch einfach mal daran. Wieso dann also "Lysistrata"?

Naja… es sind eben viele weibliche Mitglieder im Jugendclub.

Na, das ist ja 'ne Überraschung!

Es scheint ein landesweites Dilemma, von der Theater-AG, über den Jugendclub bis zur Schauspielschulprüfung… Frauen wohin man schaut, die Männer sind rarer. Erst danach pegelt sich das Mann/Frau Verhältniss auf die Besetzungsstruktur handelsüblicher Stücke ein – die Schauspielschule nimmt mehr Männer auf, die Theater engagieren mehr Schauspieler.

Mein spontaner Abhilfevorschlag lautete "Top Girls" von Caryl Churchill. Aber gebraucht wird ein Stück mit noch mehr weiblichen Rollen, mit absoluter Weiblichkeitslastigkeit.

Und jetzt ist… bitte… Eure Hilfe gefragt:

Aufruf!!!

Wenn Ihr, die Ihr die Weisheit der vielen darstellt, liebe Kolleginnen und Kollegen, die ultimative Stückidee habt für einen ambitionierten Jugendclub, dann bitte meldet Euch und schreibt einen Kommentar mit Eurer Idee. Wenn Ihr Stücke kennt, die dem Affen Zucker geben und dem weiblich Nachwuchs viel Futter und schöne Rollen, dann bitte, lasst es mich wissen. Vielleicht kennt Ihr ja auch ein Stück, dessen Rollen ambivalent genug gehalten sind, dass man sie sowohl männlich als auch weiblich besetzen könnte? Rettet einen Jugendclub vor einem weiteren Klassiker aus Notwendigkeit. 😉

Habt vielen Dank und lasst von Euch hören!

Manchmal kann man aus dem Weltall sehen, dass die Welt sich verändern wird…

                (Foto: NASA)

 

Am 11. September 2001 war es einfach die Opfer und Täter auseinander zu halten. Es gab 19 Attentäter und fast 3000 Opfer.

Dann wurde der Tag des Angriffs selbst zum Angriffsinstrument. Heute gibt es mehr Zahlen, andere Zahlen.

8000 tote westliche Soldaten, 60.000 getötete „Gegner“, geschätzte 150.000 zivile Opfer haben die Täter vervielfacht, weltweit.

Vor 10 Jahren erklärte Präsident Bush “Freedom has been attacked, but freedom will not be defeated.”. Doch, die Freiheit ist besiegt worden. In Abu Ghraib, Guantanamo, die USA selbst haben sie abgeschafft als sie das U.S. Department of Homeland Security und die Anti-Terror-Gesetze aus dem Boden stampften.

Nichts davon hat die Wunden geheilt, die vier Flugzeuge in das Selbstverständnis der mächtigsten Nation der Erde geschlagen haben. Keiner der 9/11 Wars, nicht die Hinrichtung Osamas durch Spezialkräfte. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz beziffert die kriegsbedingten Gesamtausgaben zur Wiederherstellung eines nationalen Gerechtigkeitsgefühls auf 3 Billionen Dollar. Amerika blutet sich selbst aus während es Heilung sucht.

George Bernard Shaw hat gesagt „Hass ist die Rache des Feiglings dafür, daß er eingeschüchtert ist.“.

Die heutige Gedenkveranstaltung findet vor der Kulisse der unfertigen Neubauten an Ground Zero statt. Zwei Wasserbecken mit herabstürzenden Wasserfällen markieren die Umrisse der eingestürzten Türme. Die Gedenkstätte ist noch nicht fertig, sie wird heute nur für einen Tag geöffnet und soll erst im nächsten Jahr entgültig ihre Pforten öffnen. Nach 10 Jahren ist ein einziger der sechs geplanten Wolkenkratzer fertiggestellt. Das zentrale, noch im Bau befindliche Gebäude, wurde vor kurzem von „Freedom Tower“ in „1 World Trade Center“ umbenannt – es sei so besser vermietbar. Andere Türme befinden sich in Bauverzögerung oder im Baustop… schwierige Finanzplanung. Das „Performance Art Center“ ist noch vollständig in der Finanzierungsphase, New York ist knapp bei Kasse.

Ein Sprichwort aus Simbabwe sagt: „Rache ist teuer:“. Die mächtigste Nation der Erde erfährt die Wahrheit dieses Sprichwortes seit 10 Jahren. Sie ist heute schwächer, als sie im Augenblick ihrer Verwundung je war.

George W.Bush ist nach eigenen Angaben mit sich im reinen. Am 2.12.2008 zog er seine Bilanz mit den Worten: „Ich gehe erhobenen Hauptes.“.

 

 

Rostock hat ein Theater.

Rostock hat auch einen Oberbürgermeister. Der heißt Roland Methling und der kann mit dem Theater nicht viel anfangen. Klingt komisch, ist aber so.

Und weil Rostock kein Geld hat ist das große Haus seit einem halben Jahr zu. Sowas passiert mit alten Gebäuden, wenn man sich nicht drum kümmert. Die verfallen und irgendwann dürfen keine Menschen mehr rein – extrem doof bei einem Theater. Der Methling hat auch gesagt, dass ihm das leid tut… wirklich und in echt!

Nun hatte das Theater gerade einen neuen Intendanten bekommen, den Peter Leonard. Das nennt man dann Fehlstart. Die Leute vom Theater, die wollten nun ganz viel unternehmen, die wollten ja spielen. Das Theater heile machen, vielleicht gleich ein neues bauen. Und dafür bei den Rostockern werben mit ganz vielen Aktionen. Aber der Methling hat gesagt, vielleicht braucht man die Leute vom Theater ja gar nicht… weil Theater geht auch ohne Ensemble, das reicht dann auch für Rostock. Und der Peter, der hat sowas gesagt wie: „Nee, das macht man nich’ …vielleicht finden das die Politiker nicht gut und nachher sind die sauer, also seid mal lieber leise und wartet ab.“.

Haben die Leute vom Theater auch fast gemacht. Nicht ganz, aber die waren gar nicht revolutionär und haben abgewartet was ihre Politiker und ihr Intendant so machen.

Also, die Politiker haben jetzt beschlossen, dass nicht nur keine Menschen mehr ins Theater dürfen – auch die, die da noch geprobt und gearbeitet haben… die dürfen das jetzt auch nicht mehr. Viel zu gefährlich! Wo die jetzt arbeiten sollen haben die Politiker aber nicht gesagt.

Nur der Dr.Ulrich Seidel von der FDP hat gesagt, egal, wo die nun arbeiten, die sollen das gefälligst besser machen, sich neu erfinden und bessere Konzepte machen.

Dabei haben manche schon ganz lange ganz tolle Konzepte am Start. Und die funktionieren sogar prima.

Rostock hat nämlich eine Spielstätte, die heißt Halle 207. Die heißt so, weil da mal Schiffe gebaut wurden.

Und weil da mal Schiffe gebaut worden sind gehört sie nun dem Verein „Tradition Ostseeschifffahrt“. Und der Vorsitzende von dem Verein ist Oberbürgermeister Roland Methling. Der kann zwar Theater nicht gut leiden, aber der mag die 80 000 Euro Miete, die das Theater dem Verein zahlt, damit es dort zwei Jahre spielen darf. Und während dieser zwei Jahre übernimmt das Theater sogar die Sanierung des Schallschutzes. Das ist doll. Nach zwei Jahren braucht der Verein den Mietvertrag nicht verlängern – aber die Halle ist dann ganz leise. Praktisch sowas.

Geht aber noch viel praktischer. Der Peter Leonard, der Intendant vom Theater, hat nämlich den Auftrag für die Sanierung an die Firma von einem vom Vorstand des Vereins „Tradition Ostseeschifffahrt“ gegeben. Das haben die ganz freundschaftlich gemacht, ohne so ne Ausschreibung oder so. 600 000 Euro ist der Auftrag wert. Freundschaft ist etwas kostbares.

Jetzt ist der Aufsichtsrat ganz schön sauer. Und der Peter und der Roland und noch ein paar andere müssen jetzt ganz viel erklären. Weil der Aufsichtsrat schon im Mai gesagt, dass die Halle 207 gar keine Spielstätte für lange sein soll und es deshalb gar nicht toll findet, wenn der Peter so viel Geld ausgeben will um sie zu sanieren… während die Spielzeit eine Million im Minus ist… und die eigenen Leute nicht mehr drinnen im Haus arbeiten dürfen, weil das eben nicht saniert ist.

Vielleicht…hm, vielleicht hilft es eben doch, wenn was dem Oberbürgermeisterverein gehört. Und vielleicht…hm, vielleicht hilft es eben doch Intendant von einem Theater zu werden, wenn man was saniert, was gar nicht lange Theater sein soll.

Jetzt treffen sich ganz viele Aufsichtsräte zu Sitzungen… weil eben so viele Menschen Zeugs gemacht haben wozu ihnen die Aufsicht nicht geraten hat.

Und das Theater?

Das hat am 25. September „Tag des offenen Theaterzeltes“. Weil „Tag der offenen Tür“ geht ja nicht. Die Tür ist ja zu.