Wollten Sie ein Theater schon mal mit einem Tinnitus verlassen? Besuchen Sie „Die Nibelungen“ am Theater Bremen, dort haben sie eine überaus reelle Chance darauf. Was Herbert Fritsch mit dem deutschesten aller Stücke treibt definiert einiges an Schmerzgrenzen für die Bühne neu.

Die Inszenierung polarisiert. Sie wird geliebt oder verachtet, bejubelt oder gehasst… ein meinungstechnisches Mittelfeld dürfte Mangelware sein. Grund genug sie anzusehen also.

Der Vorhang öffnet sich. Ein rundlich stattlicher dunkelhäutiger Mann in Miróbunten Klamotten jammert singend in seiner Muttersprache – Togolesisch. Rüdeger, linkisch, in Lack und Rasterlocken eilt um ihn herum und dolmetscht für das Publikum. Es ist Etzel der da leidet und währenddessen färbt sich die Videowand hinter ihm in herablaufenden Projektionstropfen aus Blut rot. Dazu Musik, die einem Gladiatoren Ehre bezeugt hätte. Der König läuft die Bühne in dramatischen Posen ab, Rüdeger fängt an, wie in blindengerechten Fernsehspielen, auch das zu dolmetschen – da wußte ich, dass ich diese Inszenierung mögen würde.

Verstehen Sie mich nicht falsch… ich hasse Brülltheater. Und es wird eine Menge gebrüllt. Es wird ohne Ende gebrüllt. Massenweise und in jeder nur erdenklichen Tonlage und Färbung. Es wird gebrüllt, geposed, Fratzen geschnitten, bis die Darsteller ihre grellen Kostüme in den Schatten stellen – es ist vollkommen ‚drüber. Es geht über Comic hinaus, über Cartoon, über Anime, es ist Monty Python auf Koks vor einer Videoleinwand deren Lavalampenähnliche Farbwechsel so bekifft machen wie die Soundmuster des Windows Mediaplayers.

Ja, ich hasse Brülltheater… aber ich liebe Konsequenz. Und wenn man Brülltheater in eine völlige Konsequenz packt und es über alle Denkbarkeiten hinaus zur Grenzensprengenden Kunstform erhebt… dann entsteht Komik. Eine schmerzhafte Komik. Eine absurde Komik. Teilweise eine geniale Komik.

Giselher und Gerenot sind immer kleine mistige Pestbeulen… in dieser Inszenierung möchte man ihnen regelrecht den Hals umdrehen, so widerliche kleine Früchtchen sind sie. Sie haben eindeutig die Binären des Star Trek Next Generation Universums zum Vorbild und sind einärmelig über ihr Kostüm verbunden. Als sie nach Brunhilds Erbeutung die Heimkehr der ganzen Bagage ankündigen, geraten sie darüber in eine Extase, welche schließlich in dem Wort „JA!“ gipfelt und dessen mehrminütiger Wiederholung in allen nur erdenklichen Varianten und Geisteszuständen… bis hin zur völligen Erschöpfung… (erster Szeneapplaus)… aufrappeln und weiterJApsen… (zweiter Szenenapplaus)… und wenn man ihnen eigentlich schon den Gnadenschuß geben möchte um sie von dieser Zwangsstörung zu befreien – dann geht’s nochmal ‚ne Minute so weiter, bis zum letzten „Ja“ und dem dritten Szenenapplaus.

Ich habe Tränen gelacht.

Nach Hagens Demaskierung als Siegfrieds Mörder im Dom wird Fritsch erzählmüde… flugs landen die Nibelungen in einem überdimensionierten rollenden Pappkochtopf und schieben von der Bühne ab, Rüdeger übernimmt erzähltechnisch den gerafften Schluss der Geschichte, in Lack gestopfte Rasterlakeien tanzen zu afrikanischen Technorythmen auf die Bühne, das animalische greift um sich und man tanzt einen dynamisch furiosen Ringelpietz in die durchchoreografierte Applausordnung… bei der man sich irgendwann zwischen Applaus und Ohren zuhalten entscheiden muss… denn die Tonanlage folgt dem Motto der Inszenierung „Immer noch eins druff“ und erreicht in etwa das Niveau als wäre man bei der Loveparade an eine Lautsprecherbox gefesselt worden.

Ich entschied mich irgendwann für Ohren zuhalten… den Applaus hätten die Darsteller eh nicht mehr gehört – und die waren auch damit beschäftigt die Zuschauer auf die Bühne zu winken und in ihren eskalierenden Tanz einzubinden. Caligula hätte wohlwollend genickt. Ich war nicht auf der Bühne tanzen… ich hatte ja die Finger in den Ohren.

Wie lange auf diese Weise die Post abging? Laut Einlassdame haben sie es schon mal auf 23 Minuten gebracht.

Um es ganz deutlich zu formulieren: was Herbert Fritsch, von dem ich annehme, dass er eine Stan Lee Comic Sammlung sein eigen nennt, seine Darsteller tun lässt ist hemmungslos und nicht gesund. Er fährt das Stück derartig ins Maximum, dass wohl zu sehen ist, wer dieses Maximum noch stemmen kann und wer morgen keinen Ton mehr ‚rauskriegen wird.

Die energetische Leistung des Ensembles ist durch die Bank bemerkenswert. Allein, jeder hat ein eigenes Maximum und manche operieren sprachlich und stimmlich erkennbar jenseits ihrer Grenzen. Ich hätte mir mehr Wechsel zwischen leicht und volle Kanne gewünscht. Mehr Parabelflüge statt linearer Power. Einige Szenen geben eine Ahnung, wie gut auch das funktioniert hätte. Einigen Darstellern hätte weniger überschießende Akustik das Leben erleichtern können.

Wenn „No Limit“ die Form ist, dann muss man unablässig brilliant sein um diese Form halten, spielen zu können – was eine Unmöglichkeit ist… und doch einigen fast gelingt.

Prädikat: grenzenlos ‚drüber – und deswegen höchst sehenswert.

Die Nibelungen in Action!

Man unterschätzt das. Gewiss, die wenigsten Schauspieler, die Deutschland bereisen, müssen Vorbereitungen treffen, als ob man mit dem Fahrrad durch Patagonien touren will… es ist völlig wurscht, ob man sein Lieblingsduschgel eingepackt oder Kontaktlinsenpflegemittel vergessen hat. Blöder wird’s dann schon bei den Kontaktlinsen selbst. Und wo ist mein USB-Stick, mein 16 GB-Gehirn, da is alles drauf… wenn ich den in der Dockingstation stecken lasse, dann geht’s übel aus. Mein Mp3-Player, gute Güte, ich jogge da doch sonst keinen Meter. Wo zum Geier hab’ ich den WLAN-Empfänger hingetan? Dass die Technologie aber auch mittlerweile so klein bauen können! Wenigstens meine Webcam ist noch Technik von gestern und kein Zwerg… wow, wie kommt da denn so viel Staub drauf? Hm, länger nicht bewegt worden, was?

In meinem Halbjahreszuhause gibt’s zwei Hunde… Leckerlies zum einschleimen hab’ ich, aber ich brauch’ meinen Futterbeutel für den Gürtel, sonst wird’s nix mit dem spannenden Gassigehen. Apropos tierisch… das Aquarium muss noch mal durchgeputzt und der Futterautomat angebracht werden. Meine Mollys (ja, die heißen wirklich so!) machen ihrem Namen nämlich alle Ehre oder nehmen sich ein Beispiel an mir – wie auch immer, die wollen Futter und zwar hübsch regelmäßig. Oder pack’ ich sie alle einzeln in kleine Plastikbeutel, leg’ ihnen zwanzig Euro hin, eine Wegbeschreibung zum Zoogeschäft und warte ab, ob sie können was Nemo konnte??? Nee, lieber nicht! Nachher finden die noch ‚raus, dass Regensburg an der Donau liegt und dann seh’ ich die nie wieder.

Nochmal Wäsche waschen – was weg ist, ist weg.

Die CD für den Schatz ist fertig… jaaaaaa, ich weiß, das ist kitschig, aber wenn ich gehe, dann soll etwas von mir bleiben, da bleiben, etwas, das ich ausgesucht habe. Sie beginnt mit „Astronaut“ von UNHEILIG. Der Bandname klingt nicht sehr romantisch, aber wer mich kennt, der weiß, wie gut dieses Lied zum Anlaß paßt und darf jetzt lächeln.

Vakuumbeutel liegen bereit. Mir ist relativ egal wo ich schlafe, aber mit Kopfkissen bin ich eigen, die müssen einen präzisen Knautschfaktor haben. Und weil sie den haben sind sie voluminös und werden via Luftentzug platzsparend verpackt.

Was für Klamotten brauch’ ich? Egal, in der Tasche könnte ich meinen Patenhund unterbringen… und der ist nicht klein… also ‚rein mit dem Zeug… Sportklamotten, warme Pullover für den Norden, Regenjacke für’s Fahrrad…hmja, mal besser auch… oh, Mann, bloß gut, dass die Tasche Rollen hat.

Ist Euch mal aufgefallen, wieviele Ladegeräte man braucht??? Wollte die EU da nicht längst mal was machen? Zwei Handys, Laptop, Mp3-Player, Akuladegerät für die Kamera – ich weiß, wenn ich nicht so’n Smartphoneverächter wäre, dann wären es weniger, jaja.

Bücher? Oh, nee, nicht auch noch… die müssen das nächste Mal mit… in echt jetzt… außerdem habe ich keine Zeit zu lesen, ich hab’ genug zu tun… naja, vielleicht die „Streifzüge durch das All“, da bin ich erst halb durch und wenn ich keinen Fernseher zum einschlafen habe, dann schlafe ich halt irgendwo hinter der Oortschen Wolke ein.

Meine Pflanzen muss ich noch präparieren. Da gibt’s einen Supertrick, höchstwahrscheinlich von einer Mutter, ganz sicher aber von einer Frau erdacht. Man nehme eine handelsübliche Pampers, Slipeinlage geht auch, schneide sie auf und prockle dann gezielt jenes Material heraus, dass dafür gedacht ist Unmengen von Flüssigkeit zu speichern. Das kann man entweder unter die Erde mischen oder man macht Bleistiftbohrungen, die man dann mit dem Zeug befüllt. Dann stelle man die Planzen in einen Eimer oder Waschbecken mit einigen Zentimetern Wasser. So können sie sich selbst ihr Wasser aufsaugen und dank des Granulats aus der Hygieneabteilung auch viel länger speichern. Das ist mein Entgegenkommen an meine Wohnungsflora – darüber hinaus gilt „survival of the fittest“.

War gerade eben nochmal bei Edeka und habe Ferreroprodukte erworben. Irgendwie erschien es mir ungehörig, dass die Hunde Leckerlies bekommen und die Menschen so gar nichts. Und da die Vergabe an die Hunde keine Verhandlungsoption ist musste ein Ausgleich geschaffen werden.

Was essen sollte ich noch, irgendwie macht diese Aufbruchsorganisation hungrig. Und meinen Anrufbeantworterspruch ändern. Ja, ja, der Teufel steckt ja immer im Detail. Wie gesagt, man unterschätzt das.

Und wieso sitze ich eigentlich hier und schreibe Blogeinträge, um Himmels Willen???

Manchmal, da weiß der Kopf etwas, ohne, dass das Herz es versteht.

Am 21.Juli 2011 landete das letzte Space Shuttle – und beendete ein 30 Jahre langes Abenteuer mit den ersten Raumschiffen der Menschheitsgeschichte. Ich weiß das – und trotzdem kommt es mir immer noch vor wie eine Pause… als würde sich der nächste Start einfach verzögern und etwas in mir wartet darauf das Space Transportation System wieder auf seiner mobilen Startplattform zum Launchpad rollen zu sehen, wartet auf vertraute 43 Stunden Countdown und die unvergleichlichen achteinhalb Minuten Aufstieg in den Orbit.

Ich versuche mich abzulenken… ich schaue Raketenstarts, jeglicher Couleur, versuche deren technische Daten und Abläufe nachzuarbeiten – ich mache es halbherzig, das muss ich zugeben.

Ich konzentriere mich vermehrt auf das Marsgeschehen, den fast startbereiten Rover „Curiosity“, seinen nicht klein zu kriegenden Kollegen „Opportunity“, liebevollst „Oppy“ genannt, und das täglich eintrudelnde Bildmaterial von der Oberfläche.

Virgin Galactic habe ich eigentlich immer im Blick, denn auch wenn sie noch nicht den low earth orbit anpeilen… das nächste wiederverwendbare Raumfahrzeug wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihnen in den Weltraum befördert. Aktuell hat Richard Branson den ersten kommerziellen Raumflughafen der Welt eingeweiht …solche Nachrichten vergnügen mich.

Ansonsten behalte ich das Raumfahrtgeschehen… für meine Verhältnisse… recht locker im Auge. Ich weiß wann was wo gemacht wird… aber irgendwie ist es nicht das gleiche wie vor dem Lifestream verbrachte Nächte weil das Space Shuttle startet, weil es an die ISS andockt, weil ein Spacewalk ansteht, weil es sein könnte, dass das Space Shuttle landet… mit literweise Kaffee, mit Schokolade und anderer Nervennahrung, mit trotzdem herumbeißen auf dem Bleistift weil man weiß, dass der Lieblingsorbiter gerade durch 1600 Grad heißes Plasma fliegt und man erst beruhigt sein wird, wenn die ersten Realbilder zeigen, dass das Raumschiff in einem Stück zur Landung ansetzt. Nächte, in denen man herzhaften Beziehungsknatsch riskiert, weil man sich zu gottlosen Zeiten den Wecker gestellt hat, weil das Shuttle den Standort überfliegt und als golden schimmernder Punkt über den Nachthimmel rast.

Die Ära dieser Raumschiffe hat so viele Einzigartigkeiten verschenkt, dass es schwer ist darauf zu verzichten.

Heute bekam ich eine Mitteilung im Raumfahrerforum. Ein großer Shuttlefan schickte mir den Link zu einem Videofund … zusammen mit der Ermahnung „…aber nicht weinen ! 😉 “ – Hat ganz knapp funktioniert…zwei Minuten länger hätt’s nicht sein dürfen.

 

Ein wunderschönes Video, ein sehr gelungener Bogenschlag über 30 Jahre in ungewöhnlich persönlichen und seltenen Bildern. Für alle Shuttlefans und alle, die es noch werden wollen…

 

(Bildmaterial mit Dank an die NASA!)

Eine eben gefundene Ergänzung zu meinem letzten Beitrag. Sie braucht keinen Kommentar von mir, sie spricht für sich selbst:

VIDEO

 

Es ist still geworden um Fukushima.

Es sind weitere Arbeiter gestorben. Plötzlich und schnell. TEPCO mag sich zu den Ursachen nicht äußern. Für die Schlagzeilen sind es nicht genug.

Experten vermuten die geschmolzenen Kerne der Reaktoren 1-3 12 Meter unterhalb ihrer Containments im Untergrund. TEPCO kann das weder bestätigen, noch verneinen. TEPCO gibt zu nicht zu wissen, wo die Kerne sind. Binnen eines Jahres könnten sie über 30 Meter tief geschmolzen sein. Vielleicht ist das dann eine Schlagzeile wert. Vielleicht auch nicht.

Lange Zeit gab es Meldungen über beeindruckende Plutoniumkontamination weit über die Evakuierungszone hinaus. Diese Meldungen gibt es nun nicht mehr. Die japanische Regierung hat ihre Messungen eingestellt. Je nach Art der Plutoniumnuklide beträgt die Halbwertzeit zwischen 87 Jahren und 80 Millionen Jahren. Die japanische Regierung hat das Problem schneller gelöst. Als Alphastrahler ist Plutomium von handelsüblichen Geigerzählern kaum zu messen… für die Bevölkerung ist es somit nicht mehr auszumachen.

Die Geigerzähler in privater Hand sind der Regierung ohnehin ein Dorn im Auge. Sie nennt deren Benutzung „Panikmache“ und schreibt Messungen von 10,6 Mikrosiverts pro Stunde in Tokioter Zügen schlechter Kalibrierung zu.

Das muss man, wird man doch bald damit beginnen schätzungsweise 500.000 Tonnen radioaktiven Schutt in die Hauptstadt zu transportieren um ihn dort zu verbrennen. Man rechnet 2014 damit fertig zu sein und verspricht regelmäßige Kontrollmessungen zum Schutz der Einwohner.

Aus TEPCO-Kreisen ist durchgesickert, dass die Reaktoren 10 Trillionen Bequerel pro Stunde abstrahlen. Sie tun es ungehindert. Es gibt keine Barriere zum Grundwasser, keinerlei Abdeckung. Eine verlässliche Kartografierung dieser völlig unbekannten Dimension von Kontamination gibt es nicht. Während internationale Experten die Krebstoten der nächsten Jahre anhand der bekannten Verstrahlungwerte berechnen hat die Regierung die Evakuierungsempfehlung für Gebiete im Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometern um das zerstörte AKW Fukushima aufgehoben. Das spart Kosten, das vermeidet Ausgleichszahlungen. Es macht auch nicht wirklich einen Unterschied, bedenkt man, dass hochverstrahlte Gebiete auch deutlich jenseits der Evakuierungszone gefunden werden.

In der Präfektur Chiba, im Großraum Tokio, etwa 200km von den Reaktoren entfernt, wurden 30.000 und 60.000 Becquerel pro Quadratmeter gemessen. Zum Vergleich: nach Tschernobyl wurden Gebiete mit Werten über 37.000 Becquerel pro Quadratmeter als kontaminierte Bereiche gekennzeichnet. In Okutama wurden bis 300.000 Becquerel pro Quadratmeter gemessen. Dort befindet sich das größte Trinkwasserreservoire der Welt, gebaut um Tokio zu versorgen.

Im Atomkraftwerk selbst wurden 10 Sievert/Stunde gemessen. Nicht Mikrosievert, nein Sievert.

Vielleicht sind es tatsächlich noch mehr – der verwendete Geiegerzähler hatte nur eine Skala bis 10 Sievert.

Menschen dürfen sich solchen Werten nur Minuten aussetzen.

Vor kurzem wurde ein TEPCO Arbeiter verhaftet. Sein Vergehen: mehrere Telefonstreiche. Er hatte diese Anrufe bei seinem Arbeitgeber getätigt, aus Verärgerung über verstrahlte Nahrungsmittel, die den Arbeitern der Anlage zu essen gegeben worden waren.

Vielleicht fand TEPCO, dass das jetzt auch keinen Unterschied mehr machen würde.

Wieviel Radioaktivität im Fluß der Nahrungsmittel aufgenommen und verbreitet wurde kann niemand wissen. Und niemand kontrollieren. Unwahrscheinlich anzunehmen, dass verseuchte Nahrung ein Problem der Atomkraftarbeiter bleiben wird.

Augenblicklich sterben unerklärlich viele Bäume ab. Um Fukushima herum, aber auch aus Yokohama und Tokio gibt es ähnliche Berichte. Man hat das schon einmal beobachtet, im „roten Wald“ bei Tschernobyl.

Frank E. Daulton, Professor an der Universität von Kyoto, fand in einem Interview einfache Worte um die Situation zu beschreiben: „Japan has lost it’s future.“.

 

In einer Zeit, in der wirtschaftlicher Druck und steigende Armut Menschen in Massen auf die Straße treibt, sollte man annehmen, dass ihre Verstrahlung mit Wissen und Billigung ihrer Regierung ähnliches bewirkt. In Japan ist das nicht der Fall. Sicher, es gibt Demonstrationen, immer wieder, die Antiatomkraftbewegung hat Zulauf – ein Massenprotest ist das nicht. In Japans Gesellschaft ist Massenprotest nicht vorgesehen. Das überaus erfolgreiche soziale Gefüge des Gemeinschaftssinns, das Funktionieren ist ungeübt im zivilen Ungehorsam. Man belastet niemanden mit eigenen Befürchtungen und Problemen, das ist ungehörig. Und deswegen veräußert man sie nicht, auch wenn man sie hat.

Japan ist ein großes Land. Es hat die Welt im Angesicht dieser Mehrfachkatastrophe beeindruckt. Es hat gezeigt, wozu seine Menschen in der Lage sind. Für mich aber stellt sich nunmehr die Frage, ob ausgerechnet das, was die japanische Gesellschaft so leistungsstark macht und wofür sie Respekt verdient, jene Eigenschaften sind, die ihre Menschen relativ widerstandslos einer generationenandauernden Katastrophe ausliefern.

Die renomierte Rechtsprofessorin W. Warren H. Binford stellte noch weitere Fragen, die Tatenlosigkeit der Staatengemeinschaft und Menschenrechte betreffend.

Ihr Artikel im Statesman Journal lohnt eine Lektüre.

 

(Quelle: ENENEWS)

Nicht wenige sogenannte Volksläufe haben einen karitativen Zweck. Der Regensburger Leukämielauf wird seit 1999 von der Leukämiehilfe Ostbayern und dem hiesigen regen Laufverein LCC Marathon veranstaltet. Er hat sich zum größten Benefizlauf der Region gemausert, viele Projekte angestoßen und finanziert und versammelt regelmäßig im Herbst tausende von Läufern und Walkern. Für mich ist er immer der Abschluß der Wettkampfsaison… welche dieses Jahr, aufgrund von massiv vorherrschender Trainingsunlust, recht eventmilde ausfiel. Allein, ich mag diesen Lauf sehr und wollte auf die Teilnahme keinesfalls verzichten. Man hat die Auswahl zwischen diversen Streckenlängen. Für die 5km bin ich zu arrogant. Das macht aber auch keinen Spaß… kaum ist man losgelaufen biegt man schon wieder auf die Zielgeraden. 7km walken… dagegen sprechen zwei Punkte: 7km und walken. Walken ist wirklich nur noch eine Option, wenn ich mich vor den Augen einer Lieblingskollegin partout nicht blamieren will und die Strecke wenigstens zweistellig ist – siehe Fürth.

Also 10,2km… laufen. Jaja, auf jedem Anmeldezettel steht: der Teilnehmer versichert in einem angemessenen Trainingszustand zu sein, blalalablabla… was man so alles versichert ist schon lustig.

Andererseits sind 10 Kilometer und ‚nen bißchen ja nun auch keine läuferische Weltreise… paßt scho, wie man hier in Bayern so sagt.

Rund um unsere Startzeit lacht die Oktobersonne auf uns herunter, strahlend und gutlaunig… dieses Wasserstoffmistdingens ohne Kalenderanbindung – Hallooooooo, es ist Herbst und das ist ein Laufwettbewerb. Da reicht fröhliches Licht, brütende Hitze hatte hier keiner bestellt. Wir bekamen sie dennoch.

Die Massen traben pünktlich auf die Strecke und produzieren auf den ersten hundert Metern der Sportplatzaschenbahn eine Stampedeähnliche Staubwolke, bevor es vom Platz Richtung Donauwehr geht. Nach 3 Kilometern keimt in mir die dunkle Ahnung auf, dass das heute wehtun wird.

Meine Definition eines guten Wettkampfes lautet: man darf am Ende nur so viel Schmerzen haben, wie man am Anfang erwartet hat. Ich ahne, dass das heute kein guter Wettkampf wird.

Die Strecke ist schattenlos, die Sonne knallt auf uns herunter, als wir über einen Schlenker schließlich an der Donau weiterlaufen weht ein brackiger Geruch vom Fluss. Ich kenne diesen Geruch, so riecht der Fluss bei Niedrigwasser und er führt Nierdrigwasser, weil es bolleheiß ist. Seit Tagen und heute und das laufen macht es nicht besser, so gar nicht. Mein Mp3-Player, auf Zufallsauswahl eingestellt, amüsiert mich mit dem „Superman“-Theme… aber dem Kryptonier verleiht unsere gelbe Sonne seine Kräfte, mir klaut sie meine allmählich durch brütenden Dauerbeschuss. Ich bin sicher, meine Gesichtsfarbe offeriert schon wieder ein reizvolles Spektrum an Rottönen, die Kerntemperatur fühlt sich köchelnd an, der Inhalt meiner Trinkflasche landet anteilig in Nacken und Gesicht und meine Kopfmoral hat zum Sinkflut angesetzt… was nicht dadurch begünstigt wird, dass ständig Läufer an mir vorbeiziehen und ich so gar keine Körner in der Hand habe das zu unterbinden.

Apropos Hand… lustige Sache… als ich versuche die Hände zu Fäusten zu schließen klappt das nicht mehr so ganz richtig. Na bloß man gut, dass ich ohne Pulsgurt laufe, es gibt Zahlen, die will ich auf meiner Uhr gar nicht lesen.

Die Versorgungsstation scheint mir wie die Oase in der Wüste. Ich tausche zwei Becher Wasser gegen ein ziemlich atemloses „Danke!“ und befördere deren Inhalt duschartig auf meinen Körper. Es bessert nicht viel. Ich fange an in Gedanken mit meinem Mp3-Player zu reden. Als er „I’ll meet you at midnight“ spielt versichere ich ihm, dass das hier so lange auf keinen Fall dauern wird, Kondition und Sonnenschein hin oder her. Bei „What hurts the most“ fällt mir ‚ne Menge ein, was gerade mehr weh tut als unausgesprochene Gefühle.

Mein Tempo ist grottig, der Blick auf die Uhr frustrierend.

Erst auf den letzten zwei Kilometern schalte ich von der normalen Uhrzeit auf die Stopuhr – und merke, dass ich mich verrechnet habe. Mein verdorrtes Gehirn hat mit 14h Startzeit gerechnet – Start war aber 14.15h… ich bin viel schneller als ich die ganze Zeit dachte – und als es sich anfühlt.

Als ich auf den Sportplatz einlaufe sammle ich nochmal alles zusammen um meinem Laufstil wenigstens einen Restanflug von athletisch zu verpassen – Schauspieler!

Ich laufe mit „Gloria“ über die Ziellinie… mein Mp3-Player hat einen gewissen Sinn für Humor, wirklich.

1 Stunde, 18 Minuten… eine Minute schneller als letztes Jahr… wie ist DAS denn jetzt passiert???

Später erfahre ich, dass der Sieger nach 33 Minuten im Ziel war. Ich finde das grundunanständig, echt. Wahrscheinlich hat er sich einen Becher Cola und seine Urkunde abgeholt und ist dann locker weiter nach Hause gejoggt. Sowas mache ich nicht. Ich gehe zu McDonalds und hole mir einen McFlurry Snickers mit Extrakaramellsauce… Kerntemperatursenkung …echt… …nur deswegen…

Gut lachen hat man immer… aber vorher meistens mehr…

Vor dem Start – immer wieder ein eigenes Kopfkino…

 

Nach ihren Kidsläufen sammelten eine Handvoll Kinder erst sich selbst zu einer Kreativgruppe zusammen – und dann alle Getränkebecher aus den Müllsäcken.

DAS war das Ergebnis. Und es bekam Applaus!

Und da soll mir nochmal einer sagen man würde Kunst in Museen finden und Kinder bräuchten eine Playstation. Für mich die künstlerische Installation des Tages!