Ich habe das Wochenende in Regensburg verbracht. Nach einem Monat in Bremen. Ich komme aus warmen Tagen, in denen ich geküßt, verwöhnt und verzärtelt wurde. Entsprechend milde und gutlaunig reagiere ich, als mein erster Zug der Rückfahrt aus allen Nähten platzt.

Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass „aus allen Nähten“ bei der Deutschen Bundesbahn bedeutet: alle Sitzplätze belegt und vor den Toiletten campieren ein paar Menschen auf dem Boden. – Naiv, ich weiß.

Immerhin, der Zug war pünktlich und ich nutze ihn nur bis Nürnberg… das kann mir meine Laune nicht vermiesen. 19.33h wartet der nächste und hoffentlich weniger frequentierte Zug auf mich. Acht Minuten habe ich für den Umstieg. Und dank pünktlicher Abfahrt… was soll sein? Der ICE erfährt sich binnen einer Stunde sechs Minuten Verspätung – DAS soll sein!

Ich wollte eine rauchen und in Ruhe in den nächsten Zug steigen, der mich geradewegs nach Bremen bringen soll… ja, naiv, ich weiß, hatten wir schon.

Ich spurte als wären die Verleiher der goldenen Himbeere hinter mir her auf’s passende Gleis und zum wartenden Zugpersonal. Diese ICE’s haben nämlich einen Kniff. Zwei Züge werden zusammengehängt und teilen sich in Hannover. Ein Ableger fährt nach Hamburg, der andere nach Bremen. Daher meine Frage an den Schaffner: „Moin, moin (ja, ich bin auch in Eile manchmal höflich), wo ist denn der Bremer Zugteil?“ „Steigen Se ein und in Hannover um!“

Aha! Ok.

Aber so einfach ist das gar nicht mit dem Einsteigen. Im Zug herrschen Zuständlichkeiten, die kurz davor sind das Engagement japanischer U-Bahn-Stopfer zu rechtfertigen. Überall lungern Menschen am Boden wie Tagelöhner während der Depression. Sie lagern in jeder Ecke wie Gepäckstücke. Sie stehen in den Gängen aufgereiht dicht an dicht wie ausgemusterte Schaufensterpuppen. Wie an einer aufgestellten Kompanie arbeitet sich die Schaffnerin an ihnen entlang, quetscht sich Fahrkarten fordernd vorbei und bemerkt mit fatalistischer Fröhlichkeit, dass „es sich ein bißchen staut“.

Sie wusste, was die frisch dazugequetschten noch nicht wussten: dem Zug fehlen sechs Wagen – und es ist völlig wurscht, wann sie kontrolliert, der Zustand des Stilllebens wird keiner signifikanten Veränderung mehr unterworfen werden… also macht sie stoisch ihren Job.

In der Schiebetür ist auf dem Boden noch ein Plätzchen frei. Ich beschließe, dass die Option „Quetschung durch Schiebetür“ mir lieber ist als „Quetschung durch Menschen“ und schlage dort mein Lager auf. Zunächst schiebe ich die Tür alle paar Minuten wieder mit meinem Stiefel zurück. Dann schaltet ein mitleidiger Schaffner den Türsensor aus. Von da an muss ich die Tür nur noch bei Linkskurven wieder in ihren Spalt zurückstiefeln. Eigentlich ganz spaßig. Meine japanische Campingnachbarin und ich bekichern die Tür ausgiebig. Trotzdem frage ich mich allmählich was ältere Menschen, Menschen mit Gebrechen, ja bloß Menschen mit sperrigem Gepäck gerade tun würden. Dann fällt mir ein: nix. Die wären gar nicht in dem Zug. Die hätten den schnellen Umstieg in Nürnberg höchstwahrscheinlich eher nicht geschafft.

Survival of the fittest und dafür darf man auf dem Niedrigteppichflor eines ICE’s kauern… ganz miese Evolution des Reisens.

Ich beschließe nicht erst in Hannover in den anderen Zugteil zu wechseln. Bremen ist kleiner als Hamburg, vielleicht wollen da weniger hin. Also wappne ich mich für den Halt in Fulda, spurte aus der Tür, will in den anderen angehängten ICE… da ist aber kein ICE. Ich laufe zum Schaffner, dem gleichen wie in Nürnberg, und wiederhole meine Frage ohne höfliches „Moin, moin“ – „Wo ist der Bremer Zugteil?“ „Steigen Se ein und in Hannover um.“ Das hatten wir schon! „Sie verstehen mich nicht. Ich wollte JETZT in den Bremer Zugteil umsteigen!“

Es stellt sich heraus… die fehlenden sechs Wagen sind mein Bremer Zugteil und glänzen somit durch Abwesenheit. Hätte man das durchsagen können? Plus der dafür angedachten Lösung? Die Fußballergebnisse haben sie sofort durchgesagt. Werder Bremen hat irgendwen 2:0 geschlagen. Juhu! Und in Hannover wird ein Zug nach Bremen bereitgestellt. Juhu! Kann ich eine rauchen. Juhu! Und „bereitgestellt“ heißt: leer. Juhu!

Womöglich Sitzplätze? Unfaßlich!

Die Leuchtreklame mir gegenüber und überall im Zug bildet alle sechs Bahncardvarianten ab und fragt: "Hier sehen Sie 425% Rabatt. Wieviel darf’s für Sie sein?“ – Ja, ok, nehm’ ich. Haben sich 'ne Menge hier verdient.

Nee, mal ernsthaft liebe Bundesbahn… könntet Ihr bitte Eure Werbung aussetzen für die Ihr mehrstellige Millionenbeträge bereitstellt? Das führt doch bloß dazu, dass noch mehr Menschen einen Fahrschein erwerben und annehmen, dass sie pünktlich und menschenwürdig an ihren Zielort gebracht werden. Vielleicht sind sie naiv wie ich und erwarten, was offensichtlich nicht Euers ist es zu gewähren.

In Hannover stiegen wir in einen gähnend leeren Zug um… und guess what… ich hatte noch nicht mal den Laptop offen, da kam die Ansage, dass wir später losfahren – technischer Defekt, der Logführer arbeitet an der Behebung. Und in ein paar Wochen wird die Bahn wieder vom Schnee überrascht… so mitten im Winter.

Wenn ich Weihnachten nach Hause reise, dann fliege ich. Kein Scherz. Und wissen Sie wieso? „Fasten your seatbelts“… und dafür braucht man einen Sitzplatz!!!

Einen Tomatensaft, bitte. Prost!

„In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre.“ (Goethe)

Burt Rutan hatte eine Idee. Die Idee eines wiederverwendbaren Raumschiffs, das nicht von der Erde aus startet. Ein Trägerflugzeug bringt es in eine Höhe von knapp über 15km. Dort wird es ausgeklinkt, zündet im freien Fall sein Hybrid-Raketentriebwerk und beschleunigt in einer steil ansteigenden Kurve innerhalb von 30 Sekunden auf die dreifache Schallgeschwindigkeit. Am höchsten Punkt dieser ballistischen Flugkurve überquert es mit 110km Höhe die definierte Grenze zum Weltraum. Das allein ist innovativ. Doch erst jetzt kommt die eigentliche Sensation der Idee: das Raumschiff „fällt“ antriebslos zur Erde zurück… nahezu ungesteuert. Das klingt ungesund und halsbrecherisch – ist aber der eigentliche Durchbruch. Das Raumschiff kann seine Tragflächen hochstellen… und ähnlich einem Ahornsamen oder Federball richtet es sich selbst optimal in der Atmosphäre am Luftwiderstand aus. Erst in 20km Höhe stellen sich die Tragflächen wieder parallel zum Rumpf und ein klassischer Gleitflug beginnt, an dessen Ende eine Landung steht, wie man das von jedem weniger abenteuerlustigen Flugzeug her gewohnt ist.

Der X-Prize, ein 1996 gestarteter und mit 10 Millionen Dollar dotierter Wettbewerb sollte den privaten Raumfahrtsektor beflügeln und jene prämieren, die innerhalb von 14 Tagen zweimal eine Höhe von 100km überqueren. Es dauerte 8 Jahre bis schließlich Burt Rutan und sein SpaceShipOne den Wettbewerb gewannen. Inzwischen war der britsche Unternehmer, Abenteurer und Multimilliadär Sir Richard Charles Nicholas Branson auf das Projekt aufmerksam geworden. 2004 wurde Virgin Galactic gegründet, 2008 rollt das neue Trägerflugzeug des Raumschiffs aus dem Hanger – „WhiteKnightTwo“, 2009 erfolgt der Spatenstich für den Spaceport America, der dieses Jahr eröffnet wurde. Ebenfalls 2009 rollt das neue vergrößerte Raumschiff vor die Augen der Öffentlichkeit – „SpaceShipTwo“.

Es bekommt den Namen „VSS Enterprise“ – und, nein, das ist kein Zufall, das ist eine Verbeugung.

Seitdem befindet sich das dynamische Duo in Testflügen. 2013 sollen die ersten Weltraumtouristen an Bord gehen.

Es ist eine ganze Weile her, dass ich SpaceShipOne in einer Dokumentation über den X-Prize das erste Mal in Aktion sah. Manchmal hat man das. Da sieht man etwas und ist sofort angetan von der Idee, weiß sofort, dass sich das durchsetzen wird, weil es einfach überzeugend ist. Zu meinem außerordentlichen Vergnügen hat sich die neue Generation beachtlich ansehnlich entwickelt. Zugegeben, Virgin Galactic weiß sie mit Emotions und Pathos in Szene zu setzen… warum auch nicht. Nötig hätten die beiden das nicht. Hier einige Bilder des Duos in Aktion… ein Flugzeug und ein Raumschiff, angetreten den Besuch im Weltraum zu etwas zu machen was 1950 eine Ausflug nach Japan auch gewesen wäre – eine wirklich ungewöhnliche Reise, die wenige unternehmen.

Heute fliegen diverse Fluggesellschaften täglich tausende Menschen dorthin. Und vielleicht, in naher Zukunft, wird es mit dem Weltraum ähnlich sein. WhiteKnightTwo, SpaceShipTwo und Virgin Galactic sind der Anfang.

Enjoy…

…your Ride!

(Foto: Virgin Galactic)

Mein Problem mit Kunst ist die Interpretation selbiger als solche.
Aber urteilen Sie selbst:

„Das ungleiche Liebespaar“ – Herstellungsdauer: 4 Minuten und 38 Sekunden, verwendetes Programm: GIMP

Ich habe eine Datei geöffnet, den Tintenmaler als Werkzeug gewählt, ich hatte keine Absichten und keine Ahnung was dabei ‚rauskommen soll, ich hab’ einfach ‚drauflosgepinselt… ist das jetzt Kunst?

Wird es Kunst, wenn ich jemand anderes wäre und New Yorker Geldbürger es schick fänden mit meinem Agenten darüber zu diskutieren, ob das meine cartoonhafte Kritik an der gesellschaftsbedingten Unfähigkeit der Menschen ist die Gefühle des anderen authentisch wahrzunehmen?

Wählen wir ein anderes Medium – das Gedicht.

Die Weite jener,

denkend nichts,

die Wahrheit deiner,

nicht genug.

Die Liebe aller,

tonungslos verstrichen,

geformt in allem,

groß geworden um zu bleiben,

dazwischen – ich.

Herstellungsdauer: Überlegungen einer Zigarettenlänge, Niederschrift in ca. einer Minute, verwendetes Programm: Sprachzentrum.

Ist das Kunst? Ist das die Anklage eines Zweifelnden an die Bedeutungslosigkeit der Welt? Das Protoll des unprotokollierbaren? Die Suche nach dem dazwischen?

Oh, ich kenne Leute, die das ausinterpretieren könnten bis hin zur Preiswürdigkeit. Macht es diese Minutenanstrengung eines Sprachclowns wie mir zu Kunst?

Kunst ist ein fieses kleines Ding, denn es beinhaltet Trends, es beinhaltet das Bedürfnis anderer sich selber auf die Schulter zu klopfen, weil sie die Kunst in der Kunst erkannt haben und verstanden. Kunst entsteht auch, weil einflußreiche Gesellschaftsschaltstellen oder -strömungen meinen sie als solche ausgemacht zu haben und sie zu solcher erheben können.

Ja, ich habe meine Probleme mit Kunst. Immer wieder. Ich weiß auch nicht, was das ist. Und ich bemerke in mir zwei Tendenzen… ich meide das, was andere Kunst nennen und ich gewinne ein ungeheures Interesse an uneitlem kreativem Handwerk, das erschafft weil es will, weil es muss… und das nicht Kunst zum Ziel hat sondern Berührung, in welcher Weise auch immer.

Mein Eindruck ist allerdings, dass ich mir damit neue Probleme erschaffe. Denn dieses Handwerk ist viel seltener als Kunst…

Man mag es nicht glauben… aber ich habe mal Jura studiert. An der Ruhruniversität in Bochum. So zumindest steht es auf einem Immatrikulationsbescheid. Die Realität sah anders aus. Ich fuhr sehr regelmäßig an die Uni… und zwar zur dortigen Theatergruppe. An Vorlesungen und Arbeitsgruppen juristischer Natur erinnere ich mich… na sagen wir lückenhaft. Ein Jahr später bin ich dann nach Bochum gezogen… ich hatte die Aufnahmeprüfung an der Westfälischen Schauspielschule bestanden – und die juristische Fakultät der Ruhruni musste ohne mich auskommen.

Das ist wahrscheinlich in mehrfacher Hinsicht eine gute Entscheidung gewesen… auch wenn es lohnt die internationale Gesetzgebung genauer zu kennen um keine erstaunlichen Überraschungen erleben zu müssen.

Würde ich in Frankreich auf die Idee kommen ein in meinem Besitz befindliches Schwein „Napoleon“ zu nennen (und hätte ich eines, dann könnte ich durchaus auf solche Ideen kommen) – dann kollidiere ich mit der aktuellen Rechtssprechung und kann bestraft werden. Was passiert, wenn man ein solches Haustier nach noch lebenden Politikern benennt wird von dem entsprechenden Paragraphen nicht geregelt.

Wenn ich in Florida ein noch größeres Tier, beispielsweise einen Elefanten am Straßenrand parke, dann muss ich genauso viele Münzen in den dafür bereitgestellten Parkautomaten werfen, wie für ein Auto.

In Atlanta komme ich als Großwildliebhaber in ernste Schwierigkeiten meine Exoten überhaupt zu parken, Münzen hin oder her. Es ist gesetzlich verboten Giraffen an Telefonmasten festzubinden. Auch Straßenlaternen sind tabu. Telefonzelle? Nope. Aber am Gartenzaun dürfte ich sie festmachen. Mensch, jetzt bin ich aber erleichtert. Ich mag Giraffen und halte mir immer gerne alle Optionen offen.

Kalifornien hingegen hat Gesetze, die ich sofort nachvollziehen kann. Es ist dort gesetzlich und bei Geldstrafe verboten Kinder am spielen und plantschen in Pfützen zu hindern. Das unterschreib’ ich. Sofort.

Den Bundesstaat Pennsylvania hingegen muss ich meiden. Dort steht lautes singen in der Badewanne unter Strafe. Ich verstehe das Prinzip – aber sollte man nicht doch Einzelfallentscheidungen je nach Talent des Singenden treffen?

Kühe sind nicht nur in Indien heilig… auch in Texas. Na gut, dass man dort keine fremden Kühe melken darf, das mag ja einzusehen sein, aber es ist auch verboten sie mit Graffiti zu verzieren. Also muss doch mal jemand die Idee gehabt haben…oder?

Auch Tennessee kennt so eine Art Tierschutz. Dort ist es ausdrücklich verboten Tiere aus dem fahrenden Auto heraus zu jagen – der Abschuss von Walen hingegen ist ausdrücklich erlaubt. Aber darüber rege ich mich erst auf, wenn der Bundestaat sich eine Küste zulegt.

Auch in Russland kennt man interessante Rechtssprechung… es ist dort per Gesetz geregelt, dass ein Zug halten muss, wenn jemand neben den Gleisen schläft. Dieser Jemand darf aber nicht geweckt werden. Der Zug muss warten, bis der Schafende selbstständig erwacht und den Weg freiräumt.

In Eureka, Nevada sind offensichtlich Frauen aktiv an der Gesetzgebung beteiligt. Es ist dort nicht verboten einen Bart zu tragen. Wenn man sich allerdings dafür entschließt – dann darf man keine Frau küssen. Man stelle sich dieses Gesetz in Bayern vor.

Ebenso haarig… in Alabama ist es bei Strafe untersagt mit falschen Bärten in den Gottesdienst zu gehen. Offensichtlich fanden so einige Gläubige das urkomisch und brachten die anderen Gottesdienstteilnehmer auf diese Weise zum lachen. Natürlich wurde dieses Aufblitzen von Humor in der Kirche sofort untersagt.

Der gleiche Bundesstaat verbietet übrigens auch das herumtragen von Eistüten im Rucksack. Warum für dieses Gesetz eine Notwendigkeit bestand ist mir völlig schleierhaft, mein Umgang mit Eistüten sieht eh anders aus und könnte mit kurz und lecker übertitelt werden.

Männer im US-Staat Kentucky sind gesetzlich verpflichtet ihre Frauen zum Hutkauf mitzunehmen… andernfalls dürfen sie dieses Kleidungsstück nicht erwerben. Besieht man sich die weißen Socken/Sandalen-Experimente mancher Männer, dann erhebt sich die Frage: wieso hat das jemand auf Hüte beschränkt???

Und siehe da, in Carmel ist es Männern tatsächlich verboten das Haus zu verlassen, wenn ihre Schuhe nicht zum Jacket passen. Bingo!

Dass man Eselsbesitzern in Arizona und Georgia verbietet ihre Lieblinge in der Badewanne übernachten zu lassen… nun gut, das mag noch habwegs mit der Realität verbunden sein. Aber im New Yorker Stadtteil Brooklyn ist das auch ausdrücklich verboten. In Manhatten allerdings nicht. Ich mochte Manhatten schon immer!

Fremdgehen ist in New Mexiko ein wenig schwerer als woanders. Dort dürfen von Rechts wegen jederzeit die Taschen eines Ehemanns von seiner Frau durchsucht werden. Eine gute Basis für eine vertrauensvolle Beziehung.

In Pennsylvania dürfen Männer keinen Alkohol ohne die schriftliche Genehmigung ihrer Frau einkaufen. Und in Detroit dürfen sie dafür an Sonntagen nicht böse angeschaut werden von ihren Männern, denn das ist an dem Tag per Gesetz verboten.

Und in New Jersey dürfen sich die armen Kerle während der Fischfangsaison nicht mal mit stricken von solcher Rechtssprechung ablenken – denn das ist dann verboten.

Aber auch die Frauen werden vom Recht nicht verschont. So ist es in London illegal eine Frau nach 21h zu schlagen… äh, und davor?

Ebenso ist es ihnen in Großbritanien verboten in öffentlichen Verkehrsmitteln Schokolade zu essen.

In Oxford, Ohio dürfen sich Frauen nicht vor dem Gemälde oder Foto eines Mannes entkleiden – über original Anwesende und Webcams ist nichts zu finden.

In St.Louis ist es Feuerwehrmännern nicht erlaubt eine Frau zu retten, die nur einen Morgenmantel trägt oder weniger… zur Rettung müssen Frauen vollständig bekleidet sein.

In Datona, Florida hingegen verbietet es das Gesetz öffentliche Mülleimer sexuell zu belästigen. Die haben aber auch wirklich etwas Schutz verdient.

Im gleichen Staat ist es verboten sexuell mit Stachelschweinen zu verkehren…

In Halethrope, Maryland werde ich mich niemals blicken lassen. Dort darf kein Kuss länger als eine Sekunde dauern. Halloooooooooo???

Den Gipfel juristischer Logik erklomm man in North Dakota, wo man einen versuchten Selbstmord als Mordversuch ansah und mit der Todesstrafe ahndete.

Manche dieser Gesetze sind uralt, manche erschreckend neu. Sie belegen, dass Rechtsprechung und Vernunft noch niemals die Verpflichtung hatten deckungsgleich zu sein.

Theater und Vernunft hatten diese Verpflichtung auch noch nie… aber das Theater würde auch nie ernsthaft den Anschein davon erwecken wollen. Mein Wahl kann demnach wohl als gelungen betrachtet werdet.

Man sagt den „Fischköppen“ eine gewisse Zugeknöpftheit nach. Ich konnte das noch nie nachvollziehen und auch nicht unterschreiben. Nach nunmehr eineinhalb Wochen Bremen kann ich es erst recht nicht. Das fängt bei dem Einlasschef im Theater an, der kurz vor der Vorstellung das Wort an die hinteren Reihen im Parkett richtet und im schönsten norddeutschen Dialekt einlädt „Also, wenn Sie woll’n, dann können Sie gerne nach vorne rutschen. Wir würden Ihnen das jetzt mal anbieten.“. Das geht im Fahrradladen weiter, wo das niederpreisige Vorderlicht für mein Gastrad nicht mehr auf Lager war und der Fachmann kurzerhand ein gebrauchtes aus der Werkstatt anschleppte um es mir mit den Worten zu montieren: „Besser was gutes gebrauchtes als neuer Schietkram.“ – hat mich 5,- Euro gekostet und ich versicherte ihm, er habe meinen Tag gerettet.

Heute nun saßen wir bei der Textarbeit im Foyer und versuchten Strindbergs „Traumspiel“ in eine szenische Gliederung zu verpacken, als ziemlich punktgenau parallel zur Bootslandung in Schamsund ebenfalls ein Boot auf unseren Stauerei-Hof schipperte. Nein, manchmal steht dem Theater zwar das Wasser bis zum Hals, aber wir waren schon noch auf dem trockenen – das Boot befand sich auf einem Anhänger und machte Zwischenstation auf dem Weg in sein Winterquartier. Ich saß an der Glastür, beguckte es mir und fand es von Anfang an wunderschön.

Es sah aus, als gäbe es kein zweites Boot seiner Art und als hätte es eine Menge Geschichten erlebt. In der Pause schlenderte ich also rauchend über den Hof um es mir näher zu besehen und kam mit seinem Besitzer Helge Barach-Burwitz ins Gespräch. Mein erster Eindruck war richtig, das Boot ist ein Unikat. Gebaut aus Aluminiumresten, durch einen Vorbesitzer in seine Hände gelangt, wurde es von ihm mit Holzaufbauten gegen schlechtes Wetter und vielen detailverliebten Modifikationen personalisiert. Alles andere als ein Boot von der Stange, aber eine Maßanfertigung für seine Devise „Zwei Stunden langsam auf der Weser schippern sind wie zwei Tage Urlaub!“.

Der Journalist besitzt drei Boote und teilt seine Vorliebe für maritime Langsamkeit und Gelassenheit gerne mit Neugierigen, Interessierten und Gleichgesinnten. Dieses Frühjahr startete er den Aufruf „Abenteurer sucht Mitfahrer“ und befuhr dann mit der gesammelten Truppe die Weser. Es ist viel übriggeblieben… zum entdecken und wiederbesuchen, deswegen will er die Fahrt nächstes Jahr nochmal anzetteln.

Wir haben Emailadressen ausgetauscht und wenn meine Zeit es erlaubt, dann dürfte ich mitfahren. Das ist ja mal genau so eine Reise, wo mir das Wo, das Was und das Wie gefällt.

Und nun erzähle mir noch mal einer Nordlichter seien ein zugeknöpfter Menschenschlag. Nee, nee!


Helge Barach-Burwitz und sein „Schlickrutscher“ auf dem Hof der Bremer Stauerei.