Naiv, ich weiß!

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Ich habe das Wochenende in Regensburg verbracht. Nach einem Monat in Bremen. Ich komme aus warmen Tagen, in denen ich geküßt, verwöhnt und verzärtelt wurde. Entsprechend milde und gutlaunig reagiere ich, als mein erster Zug der Rückfahrt aus allen Nähten platzt. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass „aus allen Nähten“ bei der Deutschen Bundesbahn bedeutet: alle Sitzplätze belegt und vor den Toiletten campieren ein paar Menschen auf dem Boden. – Naiv, ich weiß. Immerhin, der Zug war pünktlich und ich nutze ihn nur bis Nürnberg… das kann mir meine Laune nicht vermiesen. 19.33h wartet der nächste und hoffentlich weniger frequentierte Zug auf mich. Acht Minuten habe ich für den Umstieg. Und dank pünktlicher Abfahrt… was soll sein? Der ICE erfährt sich binnen einer Stunde sechs Minuten Verspätung – DAS soll sein! Ich wollte eine rauchen und in Ruhe in den nächsten Zug steigen, der mich geradewegs nach Bremen bringen […]

Ein weißer Ritter breitet seine Flügel aus

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„In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre.“ (Goethe) Burt Rutan hatte eine Idee. Die Idee eines wiederverwendbaren Raumschiffs, das nicht von der Erde aus startet. Ein Trägerflugzeug bringt es in eine Höhe von knapp über 15km. Dort wird es ausgeklinkt, zündet im freien Fall sein Hybrid-Raketentriebwerk und beschleunigt in einer steil ansteigenden Kurve innerhalb von 30 Sekunden auf die dreifache Schallgeschwindigkeit. Am höchsten Punkt dieser ballistischen Flugkurve überquert es mit 110km Höhe die definierte Grenze zum Weltraum. Das allein ist innovativ. Doch erst jetzt kommt die eigentliche Sensation der Idee: das Raumschiff „fällt“ antriebslos zur Erde zurück… nahezu ungesteuert. Das klingt ungesund und halsbrecherisch – ist aber der eigentliche Durchbruch. Das Raumschiff kann seine Tragflächen hochstellen… und ähnlich einem Ahornsamen oder Federball richtet es sich selbst optimal in der Atmosphäre am Luftwiderstand aus. Erst in 20km Höhe stellen sich die Tragflächen wieder parallel zum […]

So eine „art trouble“!

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Mein Problem mit Kunst ist die Interpretation selbiger als solche. Aber urteilen Sie selbst: „Das ungleiche Liebespaar“ – Herstellungsdauer: 4 Minuten und 38 Sekunden, verwendetes Programm: GIMP Ich habe eine Datei geöffnet, den Tintenmaler als Werkzeug gewählt, ich hatte keine Absichten und keine Ahnung was dabei ‚rauskommen soll, ich hab’ einfach ‚drauflosgepinselt… ist das jetzt Kunst? Wird es Kunst, wenn ich jemand anderes wäre und New Yorker Geldbürger es schick fänden mit meinem Agenten darüber zu diskutieren, ob das meine cartoonhafte Kritik an der gesellschaftsbedingten Unfähigkeit der Menschen ist die Gefühle des anderen authentisch wahrzunehmen? Wählen wir ein anderes Medium – das Gedicht. Die Weite jener, denkend nichts, die Wahrheit deiner, nicht genug. Die Liebe aller, tonungslos verstrichen, geformt in allem, groß geworden um zu bleiben, dazwischen – ich. Herstellungsdauer: Überlegungen einer Zigarettenlänge, Niederschrift in ca. einer Minute, verwendetes Programm: Sprachzentrum. Ist das Kunst? Ist das die Anklage eines Zweifelnden […]

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Man mag es nicht glauben… aber ich habe mal Jura studiert. An der Ruhruniversität in Bochum. So zumindest steht es auf einem Immatrikulationsbescheid. Die Realität sah anders aus. Ich fuhr sehr regelmäßig an die Uni… und zwar zur dortigen Theatergruppe. An Vorlesungen und Arbeitsgruppen juristischer Natur erinnere ich mich… na sagen wir lückenhaft. Ein Jahr später bin ich dann nach Bochum gezogen… ich hatte die Aufnahmeprüfung an der Westfälischen Schauspielschule bestanden – und die juristische Fakultät der Ruhruni musste ohne mich auskommen. Das ist wahrscheinlich in mehrfacher Hinsicht eine gute Entscheidung gewesen… auch wenn es lohnt die internationale Gesetzgebung genauer zu kennen um keine erstaunlichen Überraschungen erleben zu müssen. Würde ich in Frankreich auf die Idee kommen ein in meinem Besitz befindliches Schwein „Napoleon“ zu nennen (und hätte ich eines, dann könnte ich durchaus auf solche Ideen kommen) – dann kollidiere ich mit der aktuellen Rechtssprechung und kann bestraft werden. […]

Bremer Begegnungen

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Man sagt den „Fischköppen“ eine gewisse Zugeknöpftheit nach. Ich konnte das noch nie nachvollziehen und auch nicht unterschreiben. Nach nunmehr eineinhalb Wochen Bremen kann ich es erst recht nicht. Das fängt bei dem Einlasschef im Theater an, der kurz vor der Vorstellung das Wort an die hinteren Reihen im Parkett richtet und im schönsten norddeutschen Dialekt einlädt „Also, wenn Sie woll’n, dann können Sie gerne nach vorne rutschen. Wir würden Ihnen das jetzt mal anbieten.“. Das geht im Fahrradladen weiter, wo das niederpreisige Vorderlicht für mein Gastrad nicht mehr auf Lager war und der Fachmann kurzerhand ein gebrauchtes aus der Werkstatt anschleppte um es mir mit den Worten zu montieren: „Besser was gutes gebrauchtes als neuer Schietkram.“ – hat mich 5,- Euro gekostet und ich versicherte ihm, er habe meinen Tag gerettet. Heute nun saßen wir bei der Textarbeit im Foyer und versuchten Strindbergs „Traumspiel“ in eine szenische Gliederung zu […]