Meine Freundin Kaj pflegte schon in den Anfängen der Bloggerei zu sagen: „Das ist was für dich. Du bist Selbstdarstellerin und liebst Worte – mach’ das!“. Wir sind seit 14 Jahren befreundet, sie kennt mich, hat mich trotzdem lieb und ich hätte schon damals auf sie hören können. Aber das „Selbst“ ist dann doch nicht so ausgeprägt wie die „darstellerin“ und ich tat’s nicht.
Vor sieben Jahren lernte ich dann Esther Barth kennen, wortgewandte Kollegin und Pflegerin eines Theaterblogs. Und bald entwickelte ich ein großes Vergnügen an der Lektüre ihrer Welten – sowie die Idee, dass diese Art der Präsentation eine echte Alternative zur eigenen Website ist.
Vor zwei Jahren wagte ich mich dann an meinen eigenen Blog und landete bei theaterblogs.de. Dafür gab’s drei Gründe – Esther, das Theaterumfeld… und die vollkommen narrensichere Handhabung. Man wähle eine Vorlage, personalisiere sie mit ein paar Klicks, fertig ist der Blog – Juhu!
Nun hat Theaterblogs ja dieses Softwareupdate vollzogen. Mit meinem Dashboard komme ich inzwischen klar, die Widgets erkunde ich noch, begreife aber, dass sie kleine hilfreiche Zusatzfunktionen sind, wie Add-ons. Die Dateien sind wieder da (Danke Sören… Mission accomplished!) und ich kann sie nach und nach wieder einbinden. Ich habe mich hartnäckig durch eine Unmenge von themes gewühlt und hatte zum Schluß einen klaren Favoriten… den ich auch aktivieren würde, wenn ich denn den header ändern könnte. Bis jetzt prangt da nämlich das Foto einer Rockband. Nicht, dass ich was gegen Rockbands hätte – aber es ist ja nicht mal meine.
Ich suchte also im Editor nach Änderungsmöglichkeit und fand das:

Leichte Panikattacke!
Ich hatte sowas schon mal gesehen… im Informatikkurs der 11.Klasse. Und den hab’ ich damals nicht ohne Grund sofortigst abgewählt. So reden Computer. Und die verstehen das. Aber ich bin doch nicht 7of9!
Inzwischen hatte Esther ihrem Blog ein neues Aussehen verpaßt. Ich war schwer beeindruckt, paßte sie gestern bei Skype ab und stellte ihr die Frage aller Fragen „Wie hast du die Kopfzeile verändert?“

Sie: „Na über „Design“!“
Ich: „Bei Design habe ich vier Menüpunkte, welchen hast Du genutzt?“
Sie: „Kopfzeile!“
Ich: „Wieso hast du da Kopfzeile stehen???“

Sie schickte einen Screenshot. Und tatsächlich… da gab es zwei Menüpunkte mehr als bei mir. Ich aktivierte spaßeshalber ihr theme – und tatsächlich, nun hatte ich sie auch. Ich aktivierte meinen Theme-Favoriten… da waren sie wieder verschwunden. Mir begann zu dämmern dass meine Wahl ein paar Komplikationen an meinen Bloggerstrand spühlt.
Mittelschwere Panikattacke!
Internetrecherche. Inzwischen weiß ich, dass eine CSS-Datei meinem Blog sagt, wie er auszusehen hat. Sein headerpicture spürt man in einer Datei namens style.css auf, wofür man sinnvollerweise einen FTP-Client zu Hilfe nimmt. Und ich dachte „The Client“ wäre ein Roman von John Grisham. Naja.
Inzwischen habe ich meine ultimative Waffe zur Beseitigung von Software/Technik-Problemen am Start… hilft bei GIMP-Fragen genauso wie beim Festplattentausch von Laptops – YouTubeTutorials!!!
Ich kann die nur empfehlen. Unter Umständen erklären einem dann zwar 15jährige Lösungen für mir rätselhafte Probleme, aber man muss sein Ego mäßigen wenn man lernen will.
Ja, ich weiß… ich könnte auch ein anderes theme wählen. Aber wo bliebe denn da der Spaß?
Noch ein wenig Geduld… die Erneuerung kommt… ich bin dran…

 

An all jene, die so freundlich sind meinen Blog zu konsumieren…

…vielleicht ist es Euch schon aufgefallen… es ist ein bißchen was durcheinander. Die Kopfzeile ist ein wenig verrutscht, das Foto in der seitlichen Spalte ist verschwunden – ebenso wie sämtliche Fotos und eingebundenen Videos. Laßt mich das erklären. Theaterblogs unternimmt ein Softwareupdate und im Zuge dessen werden nunmehr sämtliche Blogs auf die aktuelle Version von WordPress umgestellt. Man wird den Blog wie gewohnt erreichen… aber für die Administratoren und Verfasser ändert sich gerade eine Menge. Sören Fenner, seines Zeichens Initiator der Theaterblogs, strukturiert und transferiert gerade was das Zeug hält (an dieser Stelle Dank und liebe Grüße und keep going strong) …aber das braucht seine Zeit, bis jedem Blog wieder seine Daten zur Verfügung stehen. Die Bilder sind dann wieder da. Videos werden zukünftig anders eingebunden …ich müsste sie sämtlichst neu einbinden und weiß noch nicht, ob ich mich zu dieser Irrsinnstat entschließen kann.

Das bisher von mir verwendete Format wird von WordPress nur anteilig unterstützt, daher die verrutschte Kopfzeile und die abgespeckte Seitenleiste. Ich werde diese Unstimmigkeit zum Anlass nehmen meinem Blog ein neues sogenanntes „theme“ zu verpassen und wühle mich zu diesem Zweck gerade durch ungefähr 680 mögliche Vorlagen. Das ist eine lustige Freizeitbeschäftigung… wenn man Freizeit hat. Ich werde deswegen ein bißchen länger brauchen das alles so hinzubasteln, wie ich es mir vorstelle… zumal ich gerade meinen eigenen Adminbereich nur in Grundzügen verstehe – wir müssen uns erst noch genauer kennenlernen.

Sören Fenner beschrieb die Veränderung als „mehr Verantwortung, aber auch mehr Freiheit“. Da hat er sicher recht. Ich ergänze: wenn schon basteln, dann aber auch richtig.

Ich erbitte deswegen Eure Geduld mit einer Schauspielerin, die ja schließlich nicht grundlos einen computerfernen Beruf ergriffen hat und zu deren Talenten das intuitive Verstehen von Software leider nicht gezählt werden darf.

Wenn man sein Textbuch abholt ist es jungfräulich, meist kopiert und gebunden, hinten mit Pappe verstärkt und vorne mit einer durchsichtigen Plastikfolie versehen. Dann stopft man es in seine Tasche – und von da an durchläuft es einen Individualisierungsprozess.
Die dazu angewendeten Techniken sind höchst persönlich und hängen von den Gewohnheiten des es besitzenden Schauspielers ab.
Die erste Handlung besteht meistens in der Markierung des eigenen Textes. Ich verwende dafür gelb. Ich habe bei Kollegen auch schon grün, rosa und blau gesehen – aber ich bleibe beim klassisch gelben Marker. Schon mein erstes Textbuch in der Theater-AG war gelb unterlegt und meine Augen wären furchtbar irritiert in meinen Textbüchern eine andere Farbe vorzufinden.
Als nächste Bearbeitung werden meistens Striche vorgenommen. Wir kennen das Prinzip dafür: Textende und neuer Textanfang werden mit einem eleganten gewagten Strich verbunden. Für mich reicht diese Art Text zu entfernen aber bei weitem nicht aus. Wie viele Schauspieler lerne ich Texte optisch. Das heißt, ich weiß nicht nur den Satz den ich sage, ich weiß auch wo er auf der jeweiligen Textseite steht… also dritte Erwiderung von oben, letzter Satz eines kleinen gelben Textblocks usw. Ein einziger Strich läßt ihn für mich daher nicht verschwinden – ich schwärze den ganzen gestrichenen Textteil vollständig. Nur auf diese Weise läßt er sich aus meiner optischen Wahrnehmung entfernen und verhindern, dass ich ihn mitlerne oder bei den Proben hartnäckig immer wieder sagen will. In der Konsequenz ist es ungeheuer lustig für mich, wenn Striche wieder aufgemacht werden… ich muss dann nämlich den ganzen Text neu einschreiben.
So weit die Pflicht… kommen wir zur Kür.
Manche Schauspieler notieren ihre Gänge, Haltungen und Regieanweisungen auf gesonderten Zetteln, die sie in ihr Textbuch einlegen. Mir wurde von Kollegen berichtet, die für jedes Stück kleine Probenbücher führen, in denen sie alles zur Rolle und Produktion gehörige festhalten. Mir hilft das nicht weiter. Ich brauche die betreffende Textstelle und die sie betreffenden Seiteninformationen auf einen Blick. In der Konsequenz landet alles, aber auch wirklich alles in meinem Textbuch. Was ich tue, wie ich es tue, was ich dabei denke und was die Regie dazu befindet.
Das kann ausufern…
Kreieren wir einen simplen hypothetischen aber symptomatischen Fall:
Szene: mein Ehemann und ich sitzen nebeneinander auf einem Sofa, halten Gläser in der Hand und schauen reglos in den Zuschauerraum. Folgender Dialog soll sich abspielen…

Ich: Willst du noch etwas zu trinken?
Er: Gerne.
Ich: Wodka?
Er: Wenn noch welcher da ist.
Ich: Ich sehe im Kühlschrank nach.

In den Proben schlüsseln wir auf, dass unsere Ehe ein Albtraum aus Gleichgültigkeit mit zarten Anflügen von Hass ist, solche Abende die Tage immer ausklingen lassen, er eine Affäre mit einer Kollegin hat und ich davon träume mit dem Postboten nach Neuseeland auszuwandern. Am Tag der Premiere, nach allen Proben, aller Kritik, allen Regieanweisungen werden sich rund um diese fünf Sätze etwa folgende Randnotizen in meinem Textbuch zusammengesammelt haben…

(Blick nach vorne halten, Stille noch widerlicher finden als seine Gegenwart)
Ich: Willst du noch etwas zu trinken?
(Höflichkeit kostet, Tonfall betont leicht, „Hoffentlich sagt er ja, dann kann ich hier aufstehen!“)
Er: Gerne. (Blick auf ihn, „Schon klar, ‚nen Drink hast du noch nie abgelehnt,was?“)
(„Also nehme ich doch mal schwer an:“) Ich: Wodka?
Er: Wenn noch welcher da ist.  (kleine Zäsur, „Willst du mir jetzt sagen dass ich saufe, oder wie?“ – Glas aus seinen Fingern nehmen ohne ihn zu berühren, Glas halten als wär’s verseucht, aufstehen, sein Anblick ist zum Ohrfeigen verteilen)
Ich: Ich sehe im Kühlschrank nach.
(…umständlich um’s Sofa ‚rum, vielleicht sagt er ja noch was, nee, klar, macht er nicht,  letzter Blick, dann ab in die Küche als gäb’s dort die Rettung für alles… )

Vorallem wegen meiner Angewohnheit meine Subtexte höchst plastisch und ausformuliert neben meine Originaltexte zu schreiben gebe ich Textbücher ab einem gewissen Probenstand nur noch mit bedenklicher Miene und höchst ungern aus der Hand. Antigone wäre vielleicht überrascht gewesen, dass sie in meinem Textbuch als „verzogene Mistgöre“ auftaucht. In unschuldigen Märchenbüchern findet sich als Gedankenstütze auch schon mal die Randnotiz: „terminatorähnlicher Abgang“. Und Strindbergs traumspielerische Frage „Na, wunderst du dich nicht, dass ich so schwarz bin im Gesicht?“ steht in meinem Textbuch übersetzt mit „Na, Schmalhirn, fällt dir sonst nix auf?“. Ein Kollege fragte sich mal welcher Gedankengang einem Gesichtsausdruck zugrundelag, den er köstlich fand. Er hätte bloß in mein Textbuch schauen müssen. Dort stand als Reaktion auf seinen Satz ein einziges Wort: „Mmpf!“.
ICH wußte, was gemeint war.

 

Auf der schlichten Bühne ein brauner Schreibtisch. Klobig, massiv. Auf dessen Tischplatte sich ein waghalsiges Sammelsurium von Globen, Barbiepuppen, Flummis und diverser sinnhaft ungeklärter Objekte befindet. Ein oranger Bürostuhl auf Rollen. Im Hintergrund ein Flachbildschirm, der sich zu einer weißen Fläche erleuchtet – darin bildet sich, zunächst schwer auszumachen, ein schwarzer Punkt. Ein größer werdender schwarzer Punkt, dessen Konturen sich allmählich in einen durch Schnee heranstapfenden Mann verwandeln. Einen rothaarigen Mann in Mantel und verschiedene Schals eingewickelt. Er blickt auf den trichterförmigen Eingang der Bühnenmitte … wo genau dieser Mann die Bühne betritt.

Es ist Dr.Waan, fälschlicher – aber treffenderweise oftmals mit „h“ geschrieben, statt mit „aa“.

So beginnt ein 90minütiges Bühnenprogramm von und mit Paul Kaiser, das sich den Strukturen des Universums annimmt… im großen und im kleinen, im langsamen und schnellen, in der Zeit oder allen Zeiten, im kosmisch komischen wie tragischen – ernsthaft, skuril, gnadenlos unterhaltsam.

Es vollständig inhaltlich wiederzugeben …ein Ding der Unmöglichkeit. Denn es breitet sich aus, wie das expandierende Universum, komprimiert sich auf den Punkt bis es unwiderstehliche Anziehungskraft entwickelt, es wird zum eigenen Ereignishorizont, überholt sich mit der Unvorstellbarkeit mehrfacher Lichtgeschwindigkeit und belegt die Relativität von Zeit allein dadurch, dass 90 Minuten zur Kurzweiligkeit einer halben Stunde dahinschmelzen.

Es produziert urknallhaftes Gelächter und weltraumhaft lautlose Schmunzler. Und es beläßt es nicht bei Quanten- oder Astrophysik. Die Wissenschaft wird mit Philosophie, Humor und Cartoonkomik zu einem bunten Strauß gewunden in dem schweizer Volkslieder ebenso einen Platz finden wie Telefongespräche mit der kurz vor der Entbindung stehenden Ehefrau, Erkenntnisse über das ALLeinsein und psychedelische Sprünge zum Ursprung von so manchem und einigem im besonderen.

Am Ende liegen sämtliche Requisiten auf der Bühne verstreut, der Schreibtisch hat sich demontiert und u.a. in ein schwarzes Loch verwandelt und Paul Kaiser hat einen Abend von der Dichte eines Neutronensterns gestemmt – und dabei ungefähr genauso viel hochenergetische kosmische Strahlung freigesetzt wie man sie aus dem Zentrum unserer Milchstraße kommend messen kann.

Eine Figur wie Dr.Wahn, pardon Waan, zu erfinden braucht Fantasie. Ein solches Bühnenstück für ihn zu schreiben braucht Recherche, Sprachgefühl und Humor. Ihn mit einer solchen Virtuosität vorzutragen braucht Talent und Kondition. Paul Kaiser beweist, dass er jede einzelne dieser Notwendigkeiten sein eigen nennen darf.

Ein grandioser Abend. Galaktisch gut.

In Kürze wird Dr.Wahn seine Theorien am Metropol-Theater in München ausbreiten. Die hierfür vorgesehenen Termine im Raum-Zeit-Kontinuum sind dann HIER verfügbar.