Abstürze mit Happy End

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Als ich gestern mein Fahrrad holen wollte um zur Probe zu fahren kauerte ein schwarzer Vogel im Innenhof. Er blieb sitzen, obwohl ich näher kam. Kein gutes Zeichen. Aber ich hatte keine Zeit ihn mir genauer zu besehen und ließ ihn schweren Herzens sitzen. Als ich Mittags wieder heimkam hatte er sich in eine Ecke geflüchtet und hüpfte dort ungelenk umher. Anwohner hatten ihm bereits einen tiefen Teller Wasser hingestellt und Nahrung angeboten. Er hatte beides nicht angenommen und saß mit weit aufgesperrtem Schnabel. Seit Dienstag ist es brüllend heiß und ich hatte mal in irgendeiner Dokumentation gesehen, dass Vögel, ähnlich wie Hunde, auf diese Weise versuchen Hitze abzubauen. Den tiefen Teller nutzte er schließlich wenigstens als kühlendes Vogelbad. Aber es war ziemlich offensichtlich, dass sein rechtes Bein verletzt war. Ungehende Internetrecherche – die „Voliere St.Gallen“ gefunden …ich schickte eine SMS und eine Mail. Am Nachmittag war der Vogel verschwunden. […]

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Was sind Grenzen? Wann überquert man sie? „Am ersten Tag deutete jeder auf sein Land. Am dritten oder vierten Tag zeigte jeder auf seinen Kontinent. Ab dem fünften Tag achteten wir auch nicht mehr auf die Kontinente. Wir sahen nur noch die Erde als den einen, ganzen Planeten.“. Sultan Ben Salman Al-Saud hat das gesagt. Er hat unseren Planeten verlassen und keine Grenzen gefunden als er ihn aus dem All betrachtet hat. In das Fahrradabteil, in dem meine kleine rostige Walhalla parkt und mein 30Kilo-Rollkoffer, wuchtet eine Frau ein weiteres Fahrrad und einen weiteren Rollkoffer – neben dem meiner wie ein Baby aussieht. Sie bedankt sich auf italienisch bei dem Mann, der ihr einladen geholfen hat. Wir kommen ins erzählen. Sie ist Requisiteurin und Schneiderin, in Rio geboren und wird in Bregenz die Festspiele betreuen. Sie spricht fünf Sprachen. Wir entscheiden uns für Deutsch. Mit uns reist eine Gruppe etwa […]

Arme Schauspieler im SPIEGEL

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„Armutsfalle Schauspielerei“ ist der Titel eines SPON-Artikels… der versucht ein berechtigtes Thema aufzugreifen (löblich) und damit grandios scheitert (bedauerlich). Ich gestehe mittlerweile allergisch zu reagieren, wenn ein um die Künstler bemühter Autor mal wieder den Anschein erweckt als seien Schauspieler eine Erfindung für Film und Fernsehen – und sich dann auch ausschließlich diesem Gebiet widmet. Der „Deutsche Bühnenverein“ nennt 140 öffentlich getragene Theater, 280 Privattheater, rund 150 Theater- und Spielstätten ohne festes Ensemble und um die 100 Tournee- und Gastspielbühnen ohne festes Haus. Dazu kommt eine unübersichtliche Anzahl freier Theatergruppen. Wo also werden wohl die meisten Schauspieler tun, was ihr Beruf ist? In der weitläufigen deutschen Fernsehlandschaft, die seit Jahren zunehmend durch Reality Soaps dezimiert wird in denen jeder vor die Kamera darf um hanebüchen konstruierte Alltagsproblematiken auf den Bildschirm zu verfrachten? Oder der ausgeprägt entwickelten Traumfabrik des deutschen Films? Wer sich den Untiefen der Berufswahl „Schauspieler/in“ nähern möchte und […]

„Und Captain… sie heißt Enterprise…“

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Kennen Sie das Raumschiff „Enterprise“? ©NASA/Bill Ingalls Vielleicht nicht, denn im Gegensatz zu seinem berühmten Schwesternschiff, das auf einen Star Trek gegangen ist, hat es eher öffentlichkeitsferne Basisforschung geleistet. Es war niemals im Weltraum. Es wurde gebaut, ohne Triebwerke und Hitzeschild, um sich huckepack auf dem Rücken einer modifizierten Boing 747 in die Höhe tragen zu lassen und in Anflug- und Landetests die Flugeigenschaften des Space Shuttles zu erproben und zu verbessern. Sie war das Versuchsobjekt für Schwingungstests… verbunden mit dem externen Tank und den beiden Feststoffraketen erprobte sie die auftretenden Belastungen und ermöglichte auch dort Nachbesserungen von denen die „Columbia“ profitierte, die als erstes Space Shuttle tatsächlich den niedrigen Erdorbit beflog. Und ursprünglich sollte sie gar nicht „Enterprise“ heißen. Ihr eigentlich angedachter Name war „Constitution“. Eigentlich. Denn dann wurden die Trekies aktiv. Sie beschickten Präsident Gerald Ford mit tausenden und abertausenden Briefen – des Inhalts, dass das erste Raumschiff […]

Textbücher II

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Wie ich ja bereits beschrieben habe sind meine Textbücher eine Ansammlung von detailiert plastischen Subtexten und Gedanken. Gegen Ende der Probenzeit findet sich darin allerdings noch eine andere Ansammlung – Comics. Ich weiß gar nicht mehr wie das angefangen hat, aber irgendwann begann ich während Wartezeiten und Nachprobenkritik meine Hände zu beschäftigen und kleine Szenen in meine Textbücher zu zeichnen. So ähnlich, wie manche bei Telefonaten ihre Schreibtischunterlagen mit abstrakten Zeichnungen versehen, Buchstaben ausmalen, grafische Muster kritzeln. Meiner Konzentration schadet das überhaupt nicht – im Gegenteil. Und psychologische Studien geben mir da absolut recht. Überdies amüsiert es meine Kollegen. Dabei sehen alle Beteiligten in den Comics natürlich so aus wie in dem jeweiligen Stück. Als „Nia“ in „Medeia – Mein und dein Herz“ trug ich beispielsweise eine schwarze Kurzhaarperrücke… „Die Kinder sind müde und blaß.“ ist Originaltext… und hier ist der Grund dafür, der nicht im Stück steht… Und im […]