2011 flog das letzte Space Shuttle in den Weltraum. Seitdem beschränkt die NASA ihre Shuttleaktivitäten auf die Verbringung der verbliebenen drei Raumschiffe in ausgewählte Museen. Nicht, weil die Raumschiffe zu alt wären. Ihre Lebensdauer hätte einen vollumfänglichen Betrieb für weitere 3-5 Jahre hergegeben. Nein… die NASA möchte Geld sparen und den bemannten Raumflug fürderhin in die Hände kommerzieller Unternehmen überantworten und billigere Raketenstarts. Deswegen büßt sie die Kapazitäten eines Weltraummultitools ein, den bemannten Zugang ins All, sie opfert den Weiterbetrieb des astronomischen Trauminstrumentes Hubble und trennt sich von unzähligen hochausgebildeten Fachkräften und ihrem durch Erfahrung geschulten Wissen.
Eine Rechenschieberentscheidung und ein fullminantes Beispiel dafür wie man sich aus Finanzkalkül selbst „grounded“.
Theater kann das auch. Das Nordharzer Städtebundtheater mag auf den ersten Blick nicht viel mit der NASA gemein haben – aber weit gefehlt. Wenn man Politikern im Sparwahn die Kontrolle über staatliche Institutionen anvertraut, dann kommen sie international auf die gleichen Effekte. Das Nordharzer Städtebundtheater ist ein Dreispartenhaus und ging 1992 aus der Fusion des Stadttheaters in Quedlinburg und des Volkstheaters in Halberstadt hervor. Schon damals eine Kostenersparnisentscheidung. Seine Träger, der Landkreis, Quedlinburg und Halberstadt, erproben an ihm wie minimalistisch man Kulturnahrung ernähren kann. Seit 2005 gibt es Hausverträge, eine 25%ige Streichung der Haushaltsmittel auf derzeit ca.8 Millionen Euro konnte überlebt werden. Ab 2013/2014 wird deswegen eine weitere Kürzung angepeilt – dieses Mal um 50%.
Überleben? Höchst ungewiss.
Macht das den Politikern Sorgen… in einer um Fachkräfte und Unternehmen ringenden Region? Nicht so wirklich, denn sie wittern Alternativen… kostengünstige Alternativen. Ihre Hoffnungen entzünden sich am Harzer Bergtheater. 1903 mit einer höchst fragwürdigen idiologischen Ausrichtung gegründet wird es heute als touristische Attraktion von der Hexentanzplatz GmbH betrieben und bietet einen bunten Cocktail aus Kindertheater, Oper, Operette, Musical, Schauspiel und diversen Sonderveranstaltungen, die von Profis und Laien auf die Bühne gebracht werden. So weit, so vollkommen in Ordnung, so bereichernd für die Region.
Wären nicht einige Verantwortliche nun auf die Idee gekommen, die Zuschauerzahlen der Profis gegen die der Laien abzuwägen. Obwohl auf Wunsch des Bergtheaters entstanden floppte die „Harz-Saga“ des Nordharzer Städtebundtheaters dabei gewaltig. Zum Publikumsrenner hingegen mauserte sich das Grusical „Dracula“, in Szene gesetzt vom Laientheater „Fairytale“ aus Thale. Eine großartige Steilvorlage dem Städtebundtheater Versäumnisse und indirekt Verzichtbarkeit vorzuwerfen. „Fairytale hat das Nordharzer Städtebundtheater an die Wand gespielt“, stellte Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) fest. Und wettert weiter: „Das Nordharzer Städtebundtheater muss sich durch seine Stücke unverzichtbar machen, und das ist in den letzten Jahren nicht passiert. Die Besucherzahlen sind kritikwürdig, damit muss sich der Zweckverband des Theaters auseinandersetzen.“. Zudem sei das Laientheater mittlerweile ein Erfolgsgarant mit dem man verstärkt zusammenarbeiten wolle, auch wenn die Stadt Thale weiter „der Verpflichtung“ nachkommen werde die Bühne auch dem Städtebundtheater zur Verfügung zu stellen. Hans-Peter Bergmann, Geschäftsführer der Hexentanzplatz GmbH schlägt in dieselbe Kerbe und bemerkt: „Die Leute stimmen mit den Füßen ab.“.
Ohne respektlos gegenüber dem Laientheater sein zu wollen oder deren Leistung zu mindern frage ich mich, wie man ernstlich die Arbeit eines Dreispartenhauses gegen den Erfolg eines Laientheaters abwägen will, der auf der eckzahngespitzten Blutsaugererfolgswelle surft? Wie kann man einen punktuellen Zuschauerzahlenerfolg mit der regionalen Kulturkontinuität eines Städtebundtheaters vergleichen? Wie kann einem Kostenersparnissuche derartig die Logik verstellen, dass Laientheater vollkommen ungeeignet ist die kulturellen Belange einer Region outzusourcen? Wie kann man Rückschlüsse ziehen von einem sommerlichen Freilichttheaterspielbetrieb auf Häuser, die eine komplette Spielzeit bestreiten, mit Menschen, die keinen anderen Job haben als genau dieses zu tun?
Erinnern Sie sich noch an die NASA… ?
Was passiert wohl mit einer Region in der sich Politiker wie Bürgermeister Thomas Balcerowski Theoriesätzen hingeben die da lauten: „Wenn Menschen Leidenschaft entwickeln, kommt auch der Erfolg“? Hat er jemals bedacht wieviel Leidenschaft die Mitarbeiter des Nordharzer Städtebundtheaters ganzjährig aufbringen müssen um mit der bestehenden finanziellen Diät und der Aussicht auf kommende Budgetverhungerung Kultur aus dem Boden zu stampfen?
Was passiert mit einer Region, die bereit ist ein Multitool aufzugeben?
Erinnern Sie sich noch an die NASA…?
Genau. Grounded.

Ich bin gefragt worden, wie’s denn nun war… mit dem Liebesdrama in 44 Liedern. Aber das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Immer gern am Start eigene Theaterbesuche und insbesondere Kollegen einer dezidierten Portion Lob zu unterziehen wäre Objektivität bei eigenen Produktionen ja fast schon eine künstlerische Out-of-Body-Experience.

Für Astralwanderungen unbegabt sei somit allen Schätzen ein bildlicher Eindruck als videotechnischer Appetithappen zur Eigenadaption zur Verfügung gestellt:

JA SCHATZ >>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>>

 

 

 

Mord und Auferstehung, Ehekrach und Drogenrausch, Liebe und Liebelei, Betrug und Vergebung, Leid und Jubel, Mozart und Brecht, Webber und Wartke, Naturbursche und Musikprofessor, Heiliger und Hure, a capella und Band…

… ein musikalischer Cocktail über die Liebe…

(Plakatbild: Tine Edel)

 

„JA SCHATZ“ – ein musikalisches Beziehungsdrama von Erke Duit… Premiere 21.09.2012, 19.30h, Großes Haus, Theater St.Gallen… let’s duit…

„Casablanca“ kam in Deutschland 1952 in die Kinos. Der Film war satte 25 Minuten kürzer als das Original. In seiner Synchronisation mutierte Victor László zu einem Atomphysiker, der mysteriöse Deltastrahlen entdeckt hatte, es gab keine Nazis mehr im ganzen Film und Captain Renault wurde zu Monsieur Laporte von Interpol. Erst 1975 strahlte die ARD jene originalgetreue Fassung aus, die wir heute als Klassiker und Kunstwerk kennen.
Heute diskutiert man in Deutschland wieder, ob ein Film gezeigt werden darf und dieses Mal ist Zensurschnitt und Umsynchronisation keine Option. Sein Autor, Regisseur und Produzent Nakoula Basseley Nakoula ist koptischer Christ, Drogenkoch, Finanzbetrüger, gescheiterter Tankstellenbetreiber und hasst den Islam auf jene blinde, abstruse und unbelehrbare Weise wie alle religiösen Fanatiker gleich welcher Religion irgendetwas hassen.
Um seinem Weltbild Ausdruck zu geben investierte er geschätzte 50.000-60.000 Dollar und realisierte sein noch in der Haftanstalt entstandenes Drehbuch zu einem antiislamischen Machwerk in dem er den Propheten Mohammed als Kinderschänder, Feigling, Homosexuellen und blutrünstigen Verbrecher beschreibt. Er nannte den Film „Die Unschuld Bin Ladens“ und zeigte ihn zur gemieteten Kinopremiere vor kaum einer Handvoll Menschen.
So weit ein absurder Vorgang ohne Sprengkraft und noch in belächelbarem Bereich – wäre Nakoula nicht anschließend auf die Idee gekommen den nunmehr „Die Unschuld der Muslime“ genannten Film in verschiedenen Längen und Sprachen bei YouTube hochzuladen. Das WorldWideWeb tat wozu es gemacht wurde – es verbreitete. Es trug den Funken der Beleidigung und Provokation in die brennbarsten Region dieser Welt und entzündete wieder einmal, was ohnehin beständig schwelt. Der aktuelle Flächenbrand aus Wut, Gewalt, Hass und Fanatismus tötet inzwischen Menschen.
Ist deswegen zu sagen, dass dieser Film Menschen tötet?
Ist dieser Film eine Meinung und fällt damit unter das Prinzip Voltaires, der gesagt hat: «Ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich würde dafür sterben, dass Sie sie äussern dürfen.»?
Was ist Meinung, was künstlerische Freiheit und wann erfüllt etwas den Tatbestand der Volksverhetzung? DAS ist der eigentlich interessante Kernpunkt der nun losgetretenen Diskussion, die in Deutschland Parteiübergreifend geführt wird seit die rechtsextreme Splitterpartei ProDeutschland den Film ungekürzt öffentlich aufführen will.
Denn um es klar zu sagen: Filme töten keine Menschen… Menschen töten Menschen. Menschen haben die Wahl… gegen etwas zu demonstrieren oder zu töten. Das eine macht sie zu Protestierenden, das andere zu Verbrechern. Das eine ist ihr ureigenstes Recht, das andere eine Schuld.
Aber ab wann wird aus einer künstlerischen Meinung ein Straftatbestand? Demokratien tun sich da schwer mit der Positionierung, denn es droht eine Paragraphenschlacht. Das Strafgesetzbuch kennt dazu geeignete Instrumentarien – § 130 und § 166 StGB. Besonders letzterer definiert in Absatz 1 klar: „Wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“.
Dem StGB gegenüber steht das Grundgesetz und die dort in Artikel 5 festgehaltene Meinungsfreiheit: (1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.
(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
Nun zu entscheiden ist ob § 130 oder § 166 StGB Artikel 5 des GG rechtmäßig einschränken können. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner Wunsiedelentscheidung 2009 erklärt, dass § 130 StGB es kann – allerdings nur bezogen auf „das öffentliche Billigen, Verherrlichen oder Rechtfertigen der nationalsozialistischen Gewalt- und Willkürherrschaft“.
Demgegenüber stärkte selbiges bereits 1972 den Artikel 5 GG indem es feststellte: „In einem pluralistisch strukturierten und auf der Konzeption einer freiheitlichen Demokratie beruhenden Staatsgefüge ist jede Meinung, auch die von etwa herrschenden Vorstellungen abweichende, schutzwürdig.“.
Also… ab wann wird eine Meinung zu einem Straftatbestand?
Und wie handhabt eine Demokratie Auswüchse religiöser Fanatiker, gleich ob sie abstruse Filme produzieren oder sich berechtigt sehen darauf zu reagieren? Kann sie das überhaupt ohne sich rechtmäßig auf die Füße zu treten?
Geholfen hätte vielleicht ein Zitat aus Goethes „Torquato Tasso“ – „So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.“. Nakoulas Absicht wurde stattdessen erfüllt. Er bekam alles, was er wollte… globale Aufmerksamkeit für seine Botschaft, die Konfrontation der Radikalen und die Demaskierung der Politik, die sie sich in ratloser Handhabung des Problems ergeht oder seinen Film instrumentalisiert.

Helfen würde vielleicht auch sich an eine Weisheit zu erinnern, die lautet: „Glaubst du, deinen Schöpfer zu lieben? Liebe zuerst deinen Mitmenschen.“. Das hat nicht Goethe gesagt… es war Abul Kasim Muhammad Ibn Abdallah, Begründer des Islam.

Ich bin bekennender Fan von zwei subventionierten Kulturgütern… Theater und Raumfahrt. Dabei findet die mediale Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Theater stets auf einer höchst subjektiven Ebene statt. Von wenigen unumstößlichen Fakten abgesehen ist die Auffassung einer Inszenierung individuell, die Meinung dazu persönlich, die journalistische Aufarbeitung Ansicht eines Theaterkritikers.
In der Raumfahrt ist das anders. Da gibt es ein Gerüst aus Fakten. Da die Berichterstattung über Raumfahrt nicht unbedingt zum Breitensport der Medien gehört geraten sie ins raten, wenn Meilensteine der Raumfahrtgeschichte einen Report unumgänglich machen – was sie nicht daran hindert trotzdem vehement zu berichten. Das führt dazu, das kontinuierliche Fans der Raumfahrt sich schon mal schockiert am Marmeladenbrötchen verschlucken, während sie die morgendlichen Nachrichtensendungen schauen oder die Frühstückszeitung öffnen… manchmal auch vor lachen.

Inzwischen durchaus abgehärtet zucke ich nur noch kurz zusammen wenn es anläßlich der Apollo 11 Mission heißt die Astronauten hätten den Planeten erforscht. Leute, das Ding heißt „Mond“ weil es einer ist. Auch schön, wenn ein Nachrichtenportal den exzentrischen Zwerg Pluto mit dem Gasriesen Jupiter verwechselt während es über Planeten (Bild 8) berichtet und ich mir denke „Wow, bist du aber gewachsen – und überhaupt, seit wann bist du wieder ein Planet???“.
Bei Bildmaterial ist man nicht zimperlich. Da will man den Wiedereintritt eines Sojusraumschiffes bebildern und verwendet auch schon mal hemmungslos die Animation der beim kontrollierten Absturz verglühenden russischen Raumstation MIR… naja, Hauptsache irgendwas verglüht in der Atmosphäre, man weiß ja, was gemeint ist. Ein Raumfahrerforumsmitglied berichtete im Radio gehört zu haben, das Space Shuttle werde auf seiner letzten Mission mit annähernd Lichtgeschwindigkeit in die Erdatmosphäre einfliegen. Ich wußte wirklich nicht, was meine wunderbaren Shuttles alles können und war schwer beeindruckt.
Immer wieder gern genommen die herzhafte Vermischung von Rakete, Raumfähre, Raumtransporter, Sonden, Kapseln – ist alles das gleiche. Und da dockt dann auch schon mal eine Sojusrakete an der ISS an. Ich habe dann versucht mir vorzustellen, wie das wohl aussehen mag, wenn so eine komplette mehrstufige Rakete an einem Dockingport der ISS hängt…
Das letzte Space Shuttle landete nachts unter großer Medienanteilnahme und kaum war es ausgerollt überschlugen sich die Meldungen, dass „aus noch ungeklärter Ursache“ Flammen aus dem Heck des Shuttles schießen würden. Hätte man in den 30 Jahren zuvor öfter mal über die Landungen dieser Raumschiffe berichtet wäre einem aufgefallen, dass das heiße Gase sind, die sofort verschwinden, sobald die APU’s offline genommen werden… it’s magic.

(Foto: © NASA/NASA TV)

Als die Endeavour wegen Schwierigkeiten bei der Betankung mehrere Startverschiebungen produzierte sprach mal kurzerhand von einem „Leck“, teilweise sogar von einem „Loch“ im Tank. Mal im Ernst, die betreffende Tanksektion wird mit flüssigem Wasserstoff gefüllt – wenn da irgendwo ein Loch ist lautet meine Empfehlung: „Lauf!“.
Glanzleistung der ARD… die „Discovery“ ist zu alt für einen Flug zum Mars… so ein Mist, ich habe doch fest damit gerechnet das eines Tages ein Space Shuttle auf dem Mars landet.

Die Bildzeitung ist ein immerwährender Quell der Freude was wissenschaftliche Berichterstattung anbelangt. Die Standartbesatzung der ISS zählt 6 Crewmitglieder, war ein Shuttle mit 7 Besatzungsmitgliedern zu Gast konnten auch schon mal 13 Menschen dort oben herumschweben. Bei der Bildzeitung hatte man aber nun bei der NASA den Satz gelesen: „This nighttime panorama of much of Europe was photographed by one of the Expedition 30 crew members aboard the International Space Station flying approximately 240 miles above the Tyrrhenian Sea on Jan. 25, 2012.“. Er besagt, das nächtliche Panoramabild sei von einem Mitglied der Expedition 30 an Bord der ISS aufgenommen worden. Die Bildzeitung verkündete daraufhin: „Diese atemberaubende Aufnahme machte ein 30-köpfiges internationales Team 240 Kilometer über der Erde.“. Was nummerieren die auch ihre Expeditionen so verwirrend? Eine Frechheit. Und so wurde es eben ein bißchen voll auf der Raumstation… die zudem noch auf 240 Kilometer absackte… was ein klein wenig bedenklich wäre. Aber Meilen, Kilometer… muss man das wirklich umrechnen???

Vor kurzem nun landete der Marsrover „Curiosity“ – und die Medien waren einmal mehr gezwungen ungewohnterweise über Raumfahrt zu berichten. Bereits im Vorfeld führte dies zu Verwirrung und Überforderung. Ganz weit vorne der Nachrichtensender FOX. In seinem Marsbericht bejubelt er die Ankunft des Marsrovers „Opportunity“ am Endeavourkrater, nennt ihn aber „Phoenix“ (eine übrigens stationäre Marssonde) und zeigt obendrauf eine Landeanimation von „Curiosity“. Was wir alles auf den Mars schicken ist aber auch heillos verwirrend!

NTV berichtete „Curiosity“ solle ein Gebiet 1640km vom seinem Landeort entfernt untersuchen. Aha…und wie lange soll der dahin unterwegs sein? „Opportunity“ hat in 8 Jahren 34,4km auf dem Mars zurückgelegt – und darüber sind alle Fans ziemlich glücklich.

Die Krönung der Marsberichterstattung aber kam, was für eine Überraschung, von der „Bild“-Zeitung. Unter der Betitelung „planetastisch“ hob sie die bisherigen „Marsleistungen“ der NASA hervor und schrieb: „Die US-Raumfahrtbehörde außerdem einen Meilensteine erreicht! Sie war am 4. Juli 3000 Tage auf dem Mars – am 4. Juli 1997 brachte der sogenannte Pathfinder die ersten Mars-Rover auf den roten Planeten.“ (Ja, da fehlt ein „hat“, aber das ist gar nicht der Punkt!). Seit wann sind 15 Jahre 3000 Tage? Wahrscheinlich ist „Opportunity“ gemeint, der sich am 2.Juli 2012 tapfer durch seinen 3000sten Arbeitstag roverte. Und was heißt überhaupt „die ersten Marsrover“??? Meines Wissens war der kleine „Sojourner“ ein Einzelkind!

Doch damit nicht genug der Lobeshymne, „Bild“ schwärmt weiter, die NASA habe „jetzt erstmals atemberaubend echt aussehende Bilder vom Mars veröffentlicht „. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und äußere den wagemutigen Verdacht, dass das damit zu tun haben könnte, dass das auf den Bildern tatsächlich der Mars ist.

 

 

Die wenigsten Theater produzieren Kultur aus dem Status der Übersubventionierung heraus und können sich, gnadenlos überfinanziert, Etatkürzung gelassen gefallen lassen. Die Verringerung des geringen bringt eigentlich so gut wie jedes Theater in eine lebensbedrohliche Situation und stellt den Betrieb vor existentielle Fragen. Trotzdem hält sich Protest oftmals in Grenzen. Ein völlig unsinniger Widerspruch in einem Land, das gerade erst den „Wutbürger“ für sich entdeckt hat.

Gewiß, es gibt schriftliche Solidaritätsbekundungen, Petitionen, Unterschriftensammlungen … alle in bester Absicht, aber ausgefahrene Schienen, die kaum mehr als das kollegiale kollektive Gefühl hinterlassen ja irgendetwas getan zu haben – jedoch seltenst zu entscheidenden Veränderungen des geplanten unerträglichen führen. Ich habe mich oft gefragt woran das liegt, dass Theaterleute so wenig wehrhaft sind wenn es um die Demontage des eigenen Arbeitsplatzes und weiteren kulturellen Kahlschlag geht. Sicher, einige stehen an vorderster Front, aktiv, kreativ, machen sich bemerkbar und agieren gegen die Gefahr. Aber sie richten wenig aus, ohne dass sich hinter ihnen einen Masse versammelt, die ihnen den Rücken stärkt. Manchmal hält eine Leitung betroffen die Füße still um die Regierenden nicht vollens zu verprellen, manchmal fehlt die Geschlossenheit der Betroffenen und seltenst gehen die Zuschauer auf die Barrikaden.

Auch ein Phämomen, dass ich nicht verstehe. Man mische 10% Ethanol ins Benzin und hat binnen einer Woche einen Flächenbrand aus Diskussion und Protest… aber eine Stadt, deren Theater geschlossen oder demontiert werden soll, schweigt. Dabei sind die gesellschaftlichen Konsequenzen eines Theaterverlustes absehbar… wenn sie greifen, spürbar und erfahrbar werden kann man bedauern – ein Theater zurückholen hingegen kann man nicht. Man muss protestieren, als Einwohner einer betroffenen Stadt, bevor man sich nur noch arrangieren kann… mit dem Verlust.

Dessau sollte protestieren. Dessaus Umland sollte es. Das Anhaltische Theater tut es… auf vielfältige Weise und neuerdings open air in Magdeburg. Das Theater hat kurzerhand seinen Probenbetrieb umfangreich auf die grüne Wiese vor das zuständige Ministerium verlegt. Ballett, Schauspiel, Musiktheater und sogar die Anhaltische Philharmonie proben bis Mittwoch unter freiem Himmel und generieren in der Landeshauptstadt Aufmerksamkeit gegen die geplante Kürzung der Fördermittel. Und wer weiß, was es braucht damit Musiker/innen ihre Instrumente unvorhersehbaren open air Bedingungen aussetzen, der kann ermessen, wie sehr da ein Theater kollektiv und zu recht wütend ist.

Gut so. Richtig so. Weiter so. Mehr davon.

 

EDIT 4.09.2012: Wenn man jetzt die Theaterwebsite anklickt, dann öffnet sich automatisch ein MDR-Bericht über das Protestcamp.