Ich habe ein neues Notebook… nein, eigentlich kein Notebook, eine Workstation… und zugeben, das Ding ist vollkommen überdimensioniert, wenn man bedenkt, das Schauspieler rein theoretisch ihren Job ganz gut ohne Computerbeteiligung erfüllen können. Aber eben nur rein theoretisch. Denn es kann durchaus Sinn machen auch seine elektronische Performance zu verbessern.
In der Regel übermotiviert und unterfinanziert kann ein wenig Wissen um die Benutzung binärer Schriftwerke Schauspielern vieles erleichtern und Finanzen einsparen… mehr, als man so auf den ersten Blick denkt.
Heute möchte ich ein paar Programme vorstellen, die ich bei einigen Aufgaben als sehr hilfreich kennengelernt habe und gerne benutze.

GIMP
Wir alle verschicken Fotos. Niemand muss darauf wie ein Model aussehen, aber es soll auch keiner merken, dass man ausgerechnet an dem Tag einen völlig deplatzierten Rückfall in pubertäre Hautproblematiken sein eigen nennen durfte. GIMP ist eine Freewareentwicklung, die meiner Meinung nach dem Speicherplatzfressenden und kostspieligen Adobe-“Photoshop“ an Leistungsfähigkeit in nichts nachsteht. Es beseitigt nicht nur Pickel, es ist ein voll einsatzfähiges Bildmanipulationsprogramm, das notfalls sogar die Haarfarbe ändert, das Müllauto im Hintergrund des Lieblingsbildes verschwinden lässt, Farben, Licht und Kontrast abmischt, freistellt, Ebenen übereinanderlegt, zuschneidet, druckfertige Vorlagen abliefert und vieles mehr. Mit dem integrierbaren UFRaw hat man außerdem eine ziemlich plausible Alternative für Adobes „Lightroom“ an der Hand. Wie viele Freeware-Programme wird GIMP von Programmierern weltweit beständig verbessert und ergänzt. Die Ergebnisse lassen sich als Plug-in in das bestehende Programm einfügen und offerieren auch Fotolaien leicht benutzbare Möglichkeiten ihre Bilder in jeder nur gewünschten Weise aufzupolieren. You never get a second chance to make a first impression.

Audacity
Nichts kommt an die Qualität eines Tonstudios heran, wenn man eine Sprecher-CD erstellen möchte – allerdings hat das seinen Preis. Wer kostengünstig arbeiten oder nur mal auf die schnelle ein Sprachbeispiel für irgendeinen gewünschten Dialekt verschicken möchte, der findet in Audacity ein leicht verständliches und leistungsfähiges Aufnahmeprogramm, das zudem mehrspurig Tonschnitt und eine Fülle von Filtern und Effekten anbietet. Freeware ist es auch noch.

Avidemux
Showreels schneiden, mit Musik oder Ton unterlegen, verschiedene Formate angleichen und zusammenfügen – Avidemux ist kleiner aber gewitzter Video-Editor mit gut durchschaubarer Oberfläche und einer Menge Einstellungsmöglichkeiten im Hintergrund. Zusätzlich kann man das Ergebnis komprimieren und so eine emailfähige Showreelvariante herstellen. Freeware? Ja, Freeware.

PDF24 Creator
Eine Bewerbung via Mail kann aus einigen Fotos und Textdateien bestehen – sollte sie aber nicht. Deutlich eleganter ist es alles notwendige Überzeugungsmaterial in einer PDF zu vereinen. Der PDF24 Creator öffnet PDF-Dokumente, kann sie aber auch erstellen, notfalls sogar verschlüsseln und mit einem Vorschaufenster versehen. Mit integrierten Tools lassen sich Einzeldokumente zusammenfügen. Freeware ist er natürlich auch.

Blender
Ein wenig Nerd sollte schon in einem stecken, wenn man sich an dieses Freeware-Animationsprogramm wagt… es ist komplex und man muss sich eine ganze Weile damit beschäftigen. Dann allerdings kann man damit auch so richtig Eindruck schinden. Vollkommen egal ob man Bühnenprojektionen programmieren, Cartoons erschaffen oder gleich ganze Fantasiewelten mit Realfilm koppeln will… die Möglichkeiten sind beeindruckend. Entdecke den George Lucas in Dir… Industrial Light and Magic für zuhause – oder eben die Bühne.

Ludwig
Egal ob man sein Showreel mit Musik unterfüttern möchte oder atmosphärische Bühnenklänge braucht… man ist schnell mit der GEMA konfrontiert und schliddert in Copyrightverletzungen. Vielleicht hat man sogar eine innere Idee wie das, was man will, klingen soll, nur leider nicht die handwerklichen Fähigkeiten oder Möglichkeiten es auf Instrumenten einzuspielen.
Ich weiß, für Komponisten, die ihr Handwerk gelernt haben und ihre Begabung beherrschen, ist Ludwig eine binäre Pest, fraglos. Für Laien wie mich ist es ein Kompositionsspielplatz, der mir erlaubt selbst Musik zu schreiben, zu orchestrieren, zu modifizieren, auszudrucken und als Datei zu speichern.
Ludwig ist als abgespeckte Freeware-Version zum Download erhältlich. Der Kaufpreis ist jedoch mit knapp 50,-EUR moderat… ich hab’s mir zum Geburtstag gewünscht.

Noch einige Anmerkungen: ich nutze als Downloadquelle für Freeware-Programme gerne CHIP und hatte damit noch niemals Probleme. Die Programme sind dort gut beschrieben, oftmals mit hilfreichen Fotostrecken und Links versehen. Ich rate von jeder Downloadquelle ab die Registrierung oder Daten verlangt, das ist bei Freeware nicht üblich. Bei der Installation Lizenzvereinbarungen ruhig lesen, so kann man sicher sein die Rechte an einer tatsächlichen freien Version überlassen zu bekommen. Während der Installation darauf achten keine unerwünschten Toolbars oder Suchmaschinen mitzuinstallieren (einfach vorgegebenes Häkchen entfernen).
Als verblüffend hilfreich beim Kennenlernen von Programmen hat sich YouTube erwiesen. Für fast jede Aufgabe finden sich dort Beispiele und Tutorials, die einem beibringen können Software clever und lösungsorientiert zu nutzen. Manchmal werden ganze Programme vorgestellt und ihre Möglichkeiten erklärt.
Und zuletzt… ja, ich bin Windows-User… war ich, bin ich, bleibe ich… ich habe null und keine Ahnung vom Universum des angebissenen Apfels. Wer aus dortigen Softwaresphären hilfreiche Empfehlungen aussprechen kann  oder generell die Liste um eigene Erfahrungswerte ergänzen möchte, der sei sehr herzlich eingeladen das zu tun.

Am 17.April, 20h feiert „Das Käthchen von Heilbronn“ in der Lokremise Premiere. Passend dazu gibt es eine Premiere auf diesem Blog, denn ich habe eine Eintrittskarte zu verschenken.

Ich erwartete zwei charmante Gäste zur Premiere und kaufte zu der Freikarte, die die beteiligten Darsteller bekommen können, eine normale Karte hinzu um vollkommen sicher zu stellen, dass die beiden auch wirklich in den Genuß des spektakulären Kleist’schen Ritterspieles kommen.
Leider ist nun ein Gast verhindert… aber verfallen soll die Karte nicht.

Käthchen_sw
Wenn Ihnen der Sinn nach Schwertern, Burggrafen und Rittern, nach Engeln, Intrigen und Liebenden steht, verbunden durch die wundervolle Sprache von Kleist – dann schreiben Sie mir bis zum Premierenmittwoch 17h einen Kommentar. Ich werde mich sehr freuen dem ersten, der nach der Karte fragt, selbige an der Abendkasse zu hinterlegen und wünsche außerordentlich viel Spaß!

Seine Familie bescheinigte ihm ein „nichtsnütziges Glied der menschlichen Gesellschaft“ zu sein. Goethe fand, er sei von einer „unheilbaren Krankheit“ befallen. Er selbst nannte die Welt „eine gebrechliche Einrichtung“ und stellte fest ihm sei „auf Erden nicht zu helfen“. Er beendete sein Leben selbst… durch eine Pistolenkugel, am Ufer des Wannsees in Berlin. Als er starb war seine Leserschaft überschaubar klein.
Niemand mag wohl ernsthaft behaupten Heinrich von Kleist habe sein Leben in glücklicher oder auch nur gesunder Seelenverfassung zugebracht. Er war ein Reisender, ein Rasender, ein Suchender, der in der Schweiz Bauer werden wollte, in Koblenz Tischler, der studierte und nach Wissen fahndete, in Dresden eine Zeitung herausbrachte, manchmal seine Werke verbrannte und der französischen Armee beitreten wollte um Napoleon eine Kugel in den Kopf zu jagen.
Die Gewalt dessen, was seine Seele umtrieb, der Überschwang seines Wollens mag mitbegründen, warum man sich in seine Sprache regelrecht verlieben kann, warum seine Bühnenfiguren in einer Vielschichtigkeit angelegt sind, die bis heute an Spannung nichts verloren hat, warum die Bilder seiner Worte ihre Farbigkeit zeitlos behalten.

Kleist Käthchen Schriftzug LOK
Das Theater St.Gallen zeigt „Das Käthchen von Heilbronn“ ab dem 17.April in der Lokremise.
Wer sich einen Vorgeschmack auf die Premiere gönnen möchte ist eingeladen am morgigen Samstag die öffentliche Probe und/oder kommenden Sonntag die Matinee zu besuchen.

Nun, du allmächtger Himmel, meine Seele,
Sie ist doch wert nicht, daß sie also heiße!
Das Maß, womit sie, auf dem Markt der Welt,
Die Dinge mißt, ist falsch; scheusel’ge Bosheit
Hab ich für milde Herrlichkeit erstanden!
Wohin flücht ich, Elender, vor mir selbst?
Was ist zu tun, mein Herz? Was ist zu lassen?