Stockholm… vor so einiger Zeit…
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…eine achtzehnjährige Frau auf dem Weg zum Königlich Dramatischen Theater, aufgeregter als vielleicht jemals in ihrem Leben zuvor. Vor einigen Wochen hatte sie dort einen großen braunen Briefumschlag abgeben – ihre Bewerbung für die Aufnahmeprüfung. Ihre beiden Eltern waren früh verstorben, sie wuchs in der Familie ihres Onkels auf, der redlich versuchte ihr eine Zukunft zu ermöglichen… jedoch keine als Schauspielerin. Es war mühevolle, sture, enthusiastische Überredungskunst gewesen, die ihr die Erlaubnis einbrachte eine einzige Aufnahmeprüfung machen zu dürfen – fiel sie durch würde sie einen seriösen Beruf lernen, sie hatte es versprochen.
Eine einzige Chance. Der entscheidende Tag. Sie war Nummer 16 auf der Bewerberliste und hatte noch viel Zeit. Gegenüber vom Theater, in einem Park, Auge in Auge mit dem Denkmal von John Ericsson, geht sie nochmal ihren Text durch, den Auftritt, geht auf und ab. Dann kehrt sie ins Theater zurück, wird aufgerufen, läuft hinter den Kulissen los, springt auf die Bühne, lachend, laut lachend, sagt den ersten Satz… ein Blick in den Zuschauerraum auf die Jury… man scheint ihr nicht einmal zuzuhören, man unterhält sich mit Kollegen, einige haben sich zu anderen Prüfern in der Reihe hinter ihnen umgewendet.
Die junge Frau ist wie vor den Kopf geschlagen, vergißt den nächsten Satz, stockt, hört jemanden sagen: „Genug, genug. Das war’s. Vielen Dank, Fräulein. Die Nächste bitte.“. Sie läuft aus dem Theater. So verzweifelt und schnell, dass der Pförtner zunächst keine Gelegenheit hat ihr einen kleinen weißen Umschlag mit dem nächsten Vorsprechtermin und dem gewünschten Probetext zu geben.
Erst viel später wird sie von ihrem Mentor erfahren, was er zu seinen Kollegen sagte, als sie auf die Bühne sprang und er sich umdrehte… da hat sie ihre Ausbildung am Königlich Dramatischen Theater bereits begonnen, steht bereits mit den älteren Kollegen auf der Bühne, wird bald ihren ersten Film drehen. Er hatte gesagt: „Die schafft es!“.
Der Name der jungen Frau war Ingrid Bergman …

Vor etwas weniger Zeit. Als ich „Casablanca“ zum ersten Mal sehe bin ich fasziniert. Dann aber kommt die Szene in der Ingrid Bergman von Rick die Visa fordert, mit vorgehaltener Pistole. Er gibt sie trotzdem nicht heraus, fordert sie auf zu schießen… wenn sie kann. Sie kann es nicht. Und in wenigen Sekunden toben eine Handvoll widersprüchlichster Gefühle über ihr Gesicht… bis sie die Pistole sinken läßt. Ich bin zwölf oder dreizehn Jahre alt – und völlig hingerissen. Und ich will wissen wie das geht. Wie kann ein Mensch, der eine Geschichte spielt, so viel auf einmal empfinden? Und es anderen mitteilen. Es weitergeben. Das will ich wissen. Es ist der Moment in dem ich beschließe: das will ich können, genau das will ich tun.

30 Jahre später… besuche ich den Traum der Frau, die geholfen hat mich zu meinem zu inspirieren… und ich konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen.

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