Ich bin mit Disneyfilmen aufgewachsen. Ich kenne sie, ich liebe sie, ich summe und singe ihre Soundtracks vor mich hin, ich schaue die neuen und die alten immer wieder. Mittlerweile erwachsen geworden bin ich mir bewusst, dass meine Weltsicht mit der konservativen Haltung des Disneykonzerns eigentlich nicht harmoniert – es ist egal, ich komme an den Filmen nicht vorbei. In schönster Inkonsequenz trenne ich die Geschäftsphilosophie vom Produkt ab… weil ich es liebe das Produkt zu konsumieren.
Und da in St.Gallen gerade kaum Schnee liegt hielten es meine Mutter und ich für eine hervorragende Idee im Kino „Die Eiskönigin – völlig unverfroren“ anzuschauen… eine höchst exklusive Idee, mit uns waren es fünf Zuschauer.
Die erzählerische Perfektion von Disney ist atemberaubend und fraglos. An Kitsch grenzende Sentimentalität von unbeschreiblicher Pompösität, die mich andernorts befremden würde… einem Disneyfilm sehe ich sie nach. Weil die Figuren allesamt liebevollst ausgearbeitet sind. Es wird mit Chören unterlegt in Musicalmanier gesungen was das Zeug hält… und ich sehe es verzückt nach. Das Timing der Komik ist akrobatisch, die Charaktere frönen einer Impulsdeutlichkeit, die guten Zeichentrickfilmen zu eigen ist und mich Realschauspieler auf’s innerste zufriedenstellt… weil wir das NIE dürfen. Ich erfreue mich an zum stehlen süßen Babyrentieren und einem grandiosen Schneemann mit Sehnsucht nach Sommer. Ich freue mich an Rasanz wie Detail und die Absehbarkeit der Geschichte ist mir dramaturgisch gleichgültig. Ich vergesse meinen Wahlspruch: Absicht erkannt, Publikum verstimmt. Ich gehe aus dem Kino und frage mich wieso das jetzt schon wieder funktioniert hat. Ich bin eingehüllt worden wie in Zuckerwatte, warm, knusprig und süß – und ich hab’s mit mir machen lassen, vergnügt und amüsiert.
The magic kingdom… wider besseren Wissens immer wieder.
Ein Animationsfilm, der kindgerecht mit Minimalfieslingeinsatz eine raffinierte Bonbonwelt ausbreitet und die Kinoinsassen schwungvoll darin verpackt. Gewiss, Disneyzuschauer meiner Generation beklagen die Animationsperfektion. Vorbei die Zeiten kunstvoll handgemalter Folien, die Anteil hatten an der Magie des filmischen Ausdrucks. Und dennoch – immer noch ein Disneyfilm, zum wegschnabulieren wie eine Pralinenschachtel.

Übrigens… wer nun meint, ich fände hiervon keine Überleitung zu den traditionell überirdischen Wünschen für das nächste Jahr – der irrt.
Denn Pinocchio lässt grüßen…

When you wish upon a star
Makes no difference who you are
Anything your heart desires
Will come to you

Ich wünsche allen für 2014 Gesundheit, Neugier, Mut, Kraft, Ideen, Spaß und Lachen.

Ready to launch 2014… have a splendid year!!!

 

Letzten Freitag war die LOKLust-Heimat. Weihnachtsnah platziert wollten wir den Anlass, zu dem eine wahre Reisebewegung „nach Hause“ einsetzt, nicht unkommentiert lassen – also schrieb ich einen Text, den ich hiermit und aus aktuell passendem Anlass recyceln möchte.

Weihnachten. Das Fest der Familie. Das Fest zu dem man nach Hause kommen möchte. Wie Zugvögel kehren wir heim zu denen, die wir lieben und die uns lieben. – So weit die Theorie.
In der Praxis droht Familienstreit, weil man sich, leichtsinnig und einander fremd, um einen Christbaum versammelt hat. Plätzchenterror, Reisehektik, Gästebettenlager.
Kindertränen sind geflossen weil der Lego Star Wars Mellinnium Falke gekauft worden ist, aber der Lego Star Wars Tie-Abfangjäger gebraucht worden wäre und jetzt steht das Imperium schutzlos ohne Raumjäger da.
Goldhamster, Meerschweinchen und süße kleine Hundewelpen fragen sich an wen sie nun geraten sind.
Die Feuerwehr verzeichnet eine Zunahme an Zimmerbränden um 35% – Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen … Gott, laß das Licht der Gnad uns schaun…
Gnadenlos hat man sich das Kalorienvolumen von mehreren Tagen an einem Abend einverleibt und fühlt nun eine gewisse Beengung, die mit dem einen oder anderen Schnäpschen behoben werden soll… was sich später rächen wird, wenn man versucht diplomatische Dankesworte zu finden für das Sockengeschenk von Tante Roswitha. Das gelingt dann nicht. Empörung ist die Folge. „Ich schenke Dir jetzt seit 15 Jahren Socken – und auf einmal gefallen sie dir nicht?“.
Dabei ist man zuhause. Man hat sich so lange darauf gefreut. Man hatte so viele gute Absichten… man wollte Nestwärme und Besinnlichkeit… aber die besinnlichen Tage haben schon manchen um die Besinnung gebracht. Die Stolpersteine sind vielfältig.
Lassen Sie uns einige davon beleuchten.

 

A: Der Baum steht schief.
B: Der Baum steht nicht schief.
A: Von meiner Seite aus steht der Baum schief.
B: Dann guck‘ ihn dir halt nur von vorne an.
A: Du könntest den Stamm zurechtsägen, dann steht er vielleicht überall gerade.
B: Gut.
A: Willst du jetzt mit dem Sägemesser an den Weihnachtsbaum?
B: Ja!!!
A: Und nachher schmeckt der Braten nach Tanne oder wie?
B: Siehste… zwei Verbesserungen auf einmal.

ODER

A: Zündest du bitte schon mal den Adventskranz an?
B: Wie du willst… seine Kerzen auch?

ODER

A: Bist du schon fertig mit der Weihnachtsdekoration?
B: Ja.
A: Bist du ganz sicher schon fertig mit der Weihnachtsdekoration?
B: Ja.
A: Du hast als einziges auf der Veranda die 40 Watt Glühbirne gegen eine 60 Watt Glühbirne getauscht.
B: Du hast doch gesagt du wolltest es schlicht.

ODER

A: (am Telefon) Schatz, ich war etwas besorgt, weil du bei dem Schneegestöber noch draußen bist.
B: (auch am Telefon) Ach, dann geh‘ ich halt nochmal in irgendein Geschäft.
A: Ja, deswegen war ich ja besorgt!

ODER

A: Eine Gummisaugpumpe???
B: Ja, freust du dich?
A: Eine Gummisaugpumpe???
B: Du hast letzten Sommer gesagt: was in diesem Haushalt fehlt ist eine vernünftige Gummisaugpumpe um die Abflüsse mal richtig sauber zu kriegen. Das hab‘ ich mir gemerkt.
A: Eine Gummisaugpumpe zu Weihnachten?
B: Was hast du denn erwartet? Einen Edelstein für deinen Bauchnabel?
A: Ja, wieso denn nicht?
B: Also da kenn‘ deine Größe nicht…

ODER

A: (am Telefon, nicht nüchtern) Ich fahr‘ Auto und auf meiner linken Seite ist ein Abhang. Auf meiner rechten Seite fährt ein riesiges Feuerwehrauto und hält die gleiche Geschwindigkeit wie ich. Vor mir galoppiert ein Schwein, das größer ist als mein Auto und ich komm nicht vorbei. Mich verfolgt ein Hubschrauber auf Bodenhöhe. Was soll ich machen?
B: (auch am Telefon) Steig sofort vom Kinderkarussell, komm vom Weihnachtsmarkt zurück und trink‘ bloß keinen Glühwein mehr.

In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden, Kollegen und den Lesern dieses Blogs das wunderbare Gegenteil dieses Textes und ein schönes Weihnachtsfest, umgeben von einer warmen, lächelnd machenden Zeit.

Weihnachten Blog 2013

 Merry Christmas… und ein paar Sterne aus St.Gallen…

Was ist Heimat?
Was heißt es sie zu haben? Was heißt es sie nicht zu haben? Hat man sie überhaupt – oder hat die Heimat einen.
Sind Orte Heimat… Länder… Menschen…?
Wo sind wir zuhause und warum?
Es gibt den Heimatschutz… muss man Heimat schützen… und wer darf eigentlich in die Heimat? Und ist Heimat noch Heimat wenn keiner hinein darf?
Markus Söder ist Finanzminister, Digitalminister und Heimatminister. Braucht Heimat Geld und einen Computer? Braucht man Heimat… oder braucht die Heimat einen… gebraucht sie einen… verbraucht sie einen?
Ist Heimat ernst? Darf man über Heimat lachen? Muss man über Heimat lachen? Sollte man sogar?
Ich habe in vier Ländern und 10 Städten gelebt… wo bin ich eigentlich zuhause?
Und warum dort und nicht woanders. Kann man mehrere Heimaten haben… viele Heimaten. Kann man irgendwo am beheimatesten sein? Heimat hat kein Verb. Tut Heimat nichts?
Und wenn es zu Heimat so viele Fragen gibt, gibt es dann auch so viele Antworten?

Ja. Es sind unfasslich viele.

Einige davon sind komisch, andere musikalisch, einige dramatisch, auch poetische gibt es, überraschende, verwirrende und eine… eine erklärt alles.
Zu erleben sind sie am 20.12.2013, 22h beim Nachtzug | LOK Lustspiele_Heimat in der Lokremise.

Fühlen Sie zuhause in den LOKLustspielen
Heimat BLOG(© Foto: Theater St.Gallen)

 

Wertschätzung ist eine oft unterschätzte Gage. Ich kenne eine Kollegin, die im Rahmen einer Studie über Theatermanagementstrukturen eine Mitarbeiterbefragung durchführte und sehr bewegt war, als  in den Werkstätten jemand zu ihr sagte, er würde auf einen Teil seines Gehaltes verzichten, wenn bloß einmal der Intendant bei ihnen vorbeikäme um ihnen zu sagen, dass sie einen guten Job machen und sich dafür bedankt.
Wertschätzung ist ein Motor den auch die Idealistentruppe eines Theaters gebrauchen kann. Theater ist ein Ort mit einer hohen Wahrscheinlichkeit dafür, dass seine Mitarbeiter ein persönliches und gewolltes Arbeitsverhältnis eingehen und sich mit ihrer Arbeit identifizieren. Im Grunde kann sich ein Theater darauf verlassen, dass die Menschen die dort arbeiten das aus Neigung tun. Umso schöner, wenn es sich nicht darauf verlässt und diese Neigung wertschätzt.
Das Theater St.Gallen hat recht schöne Rituale was das angeht… besonders weil sie nicht nur die Künstler betreffen, sondern wirklich alle Mitarbeiter, jeden, dessen Arbeit es möglich macht, dass abends Geschichten auf der Bühne stehen. Das beginnt damit, dass die Reden der Spielzeitbegrüßung mit Blumen, einem kleinen Snack und Umtrunk auf der Bühne ausklingen.
Einmal im Jahr lädt das Theater in den großen Saal der Lokremise zu einem wirklich unglaublich leckeren Festessen, bei dem man jeden vom Theater treffen kann, von der Statisterie, über das Orchester, die Technik, die Gewerke, alle Sparten und die Verwaltung.

Kläuse
Heute überraschte mich eine weitere Geste. Heute ist Nikolaus. Heute wurden Theaterkläuse angeliefert. Im Aufenthaltsraum der Probebühne tummelten sich die kleinen Pfeife rauchenden bezuckerten Männchen in der Lieferkiste einer Bäckerei… und jeder durfte eines adoptieren, mit der niederen Absicht der genußvollen Verspeisung.

In diesem Sinne… einen schönen Nikolaus!!!

Kläuse2