Meine erste Ehe war nicht glücklich… oh durchaus nicht. Fluchbelastet. Von Anfang an. Kinderlos muss sie bleiben. Denn Fluch und Orakel sagen, dass das Kind den Vater töten würde. Beherrschen kann mein Mann sich dennoch nicht, konnte er nie… so kam er zu dem Fluch und dazugelernt hat er nicht viel.
Ein Kind wird geboren. Nun doch in Sorge um sein Leben lässt mein Mann den Sohn ins Gebirge werfen. Ob ich das wollte? Keine Mutter will das. Aber was hätte ich tun sollen? Königsangst und Götterwille.
Und danach? Wurde es besser?
Oh nein. Die Sphinx verbreitet Schrecken und mein Mann …nicht, dass er dem gewachsen wäre… oder es wagt sich ihren Rätseln zu stellen.
Auf der Reise nach Rat vom Orakel in Delphi erschlagen ihn Straßenräuber… so wurde mir das gesagt. Ich war weder in großer Trauer, noch wollte ich es genauer wissen. Es gab andere Probleme zu lösen. Die Sphinx.

Und dann kam dieser Mann.

Er löst das Rätsel. Er beseitigt das Problem. Er bekommt seine Belohnung.
Ein Teil der Belohnung bin ich.
War mir das recht? Sehr. Er ist jung, klug, gebildet, kraftvoll und… vertraut.
Schön ist unsere Ehe. Fraglos. Und erfüllt. Vier Kinder.
Ein schönes Leben, glücklich.

Jetzt wütet die Pest in der Stadt. Unablässiges Sterben und Elend macht sich breit – wir wissen nicht warum. Wir wissen nicht, was die Götter erzürnt haben könnte unser Glück so zu strafen.

Mein Mann heißt Ödipus.

Ödipus Stadt
Das Theater St.Gallen zeigt als schweizer Erstaufführung…

Ödipus Stadt2Inszenierung Katja Langenbach
Bühne Hella Prokoph
Kostüme Petra Winterer
Musik Roderik Vanderstraeten

Ödipus Stadt3(Fotos: Tine Edel für das Theater St.Gallen)