Er wurde beschuldigt und in Haft genommen. Was genau ihm vorgeworfen wird ist nicht bekannt, Beweise wurden niemals vorgelegt. Die Anschuldigung allein reicht für Haft, Isolation, jahrelange Folter. Das Gericht, das über seine Schuld befindet, hat Sonderstatus. Einen Anwalt darf er sich nicht nehmen.

Er ist nicht John Proctor, es ist nicht das Jahr 1692 und er lebt nicht in Salem.

Der Mann heißt Abu Zubaydah, es ist das Jahr 2015 und er lebt in Guantanamo Bay.

„Hexenjagd“ wurde 1953 in New York uraufgeführt. Arthur Miller schrieb das Stück zu Zeiten der Mc Carthy-Ära als eine Parabel über Massenwahn, über Denunziation und politischen Machtmissbrauch. Darüber, was geschieht wenn Rechtsprechung sich in Verfolgung verwandelt weil Menschen genug Angst haben um Vernunft und Moral zu opfern.

Hexenjagd2In Salem werden „unsichtbare Verbrechen“ angeklagt. Verbrechen, deren besondere Natur eine besondere Beweisführung rechtfertigt. Eine Beweisführung, die jeden verdächtigen kann, jeden schuldig sprechen, die sich durch erfolterte Geständnisse selbst legitimiert und die ungeständigen Angeklagten verurteilt, weil sie weder Einsicht noch Besserung erkennen lassen.

„Eine Untersuchung von Pentagondokumenten ergab, dass 55 % der nach Guantanamo verbrachten Gefangene keiner feindseligen Handlung gegen die USA beschuldigt werden. 86 % wurden von der Nordallianz oder pakistanischen Behörden gefangengenommen und an die US-Streitkräfte übergeben, als diese hohe Kopfgelder für die Gefangennahme von vermutlichen Terroristen zahlten.“ (Wikipedia)

„Wir machen nur das, was notwendig ist.“ (Alberto Gonzales, US-Justizminister 2005-2007, auf der G8-Justiz- und Innenministerkonferenz über das Gefangenenlager Guantanamo)

Die Hexenprozesse von Salem sind 323 Jahre her. Wir jagen heute keine Hexen mehr. Aber wir jagen noch.

 

„Hexenjagd“ von Arthur Miller, Premiere am 28.03.2015, 19.30h

 

Inszenierung Krzysztof Minkowski

Bühne und Kostüme Konrad Schaller

Dramaturgie Nina Stazol