Kinder lernen irgendwann die Planeten unseres Sonnensystems kennen. Früher waren es neun, heute bleiben acht. Pluto wurde 2006 der Planetenstatus aberkannt. Seitdem fristet er sein Dasein verräumt in die neugeschaffene Kategorie der „Zwergplaneten“ und trägt die Kleinplanetennummer 134340. Kleinplanetennummer. Wie diffamierend.

Denn Pluto nimmt einen großen Platz ein in den Herzen astronomiebegeisterter Menschen. Besonders Kinder erwählen ihn überproportional häufig zu ihrem Lieblingsplaneten… immer noch.

Nach dem Gott der römischen Unterwelt benannt trägt er immerhin auch den Namen eines gelben tapsigen Zeichentrickhundes. Doch allein daran wird die Vorliebe nicht liegen.

Der gefrorene Exzentriker ist klein und somit der ideale Identifikationsplanet für kleine Menschen. Er zieht eine schräge Bahn weit draußen. Das weckt Beschützerinstinkte. Der Blog der Deutschen Gesellschaft für Luft und Raumfahrt (DLR) veröffentlichte gestern die Anfrage des sechsjährigen Merlin der wissen wollte warum Pluto kein Planet mehr sein dürfe. Er sei zwar klein, aber das sei er, Merlin, ja auch und trotzdem sei er ein Mensch… ohne „Zwerg“ davor.

Auch Museen und Wissenschaftler bekommen „Korrekturschreiben“ von Kindern, die „ihren“ Planeten im Museumsmodel des Sonnensystems vermisst haben.

Um die Jahrtausendwende entschied die NASA keine Sonde zum Pluto zu schicken. Der altersübergreifende Protest der „Pluto-Fans“ war enorm – und erfolgreich.

2006 startete „New Horizons“ mit der Primärmission Pluto und seine Monde besser kennenzulernen. Gestern, über 9 Jahre später, erreichte sie mit 12.000km den nahesten Abstand ihres rasanten und nicht ungefährlichen Plutovorbeifluges. 35 mal schneller als eine Gewehrkugel brettert die Konzertflügelgroße Sonde an ihrem Forschungsobjekt vorbei. Bei diesem Tempo werden selbst Staubpartikel zu gefährlichen Projektilen und einem Missionsrisiko. Dass man die Sonde nicht verlangsamt hat trotzdem nichts mit dem Mountainbikerspruch zu tun „Wer bremst ist feige.“. Pluto hat schlicht nicht genug Gravitation um „New Horizons“ einzufangen und genug Treibstoff für ein eigenständiges Bremsmannöver hat man aus Gewichtsgründen nicht mitnehmen können.

Sieben Instrumente sind an Bord die kartografieren, die Atmosphäre, Staubpartikel und eine eventuell vorhandene Magnetosphäre untersuchen sollen. Die wissenschaftlichen Daten werden die nächsten Monate hindurch die Erde erreichen. Zwischen 4,5-5 Stunden dauert die Reise der Funksignale, die Datenübertragungsrate entspricht etwa der eines langsamen Telefonmodems.

Sehnsüchtig erwartet werden sie alle, besonders aber die Fotos der maximalen Annäherung. Trotz Abstand und Rasanz sollen Strukturen bis 35 Meter aufgelöst werden können. Die meisten Bilder werden für September erwartet, einige aber gibt es schon.

Pluto

Als ich Kind war wurde Pluto oft als hellblaues Eiskügelchen modelliert. Fehlanzeige. Der Herrscher der Unterwelt sieht aus wie ein Pfirsich. Ein gutlauniger Pfirsich, auf dessen Oberfläche man mit wenig Fantasie und sehr unwissenschaftlich einen herzförmigen Fleck ausmachen kann. Und nicht anders hat die NASA den Fleck auch benannt …“heart“.

Pluto ist auch satte 70km größer und hat eine geringere Dichte als gedacht. Das könnte auf einen höheren Eisanteil hindeuten. Seine Oberfläche wirkt, im Gegensatz zu seinem verkraterten Mond Charon, deutlich „jünger“ – ein Indiz für tektonische Aktivität der Oberfläche.

Die Daten der nächsten Monate werden spannend. Sie könnten auch helfen die Frage zu klären ob Pluto und sein größter Mond Charon durch Kollision entstanden sind, in einem ähnlichen Ereignis, das uns unseren Mond beschert hat.

Viele Antworten warten darauf die Erde zu erreichen. Wie bei jeder guten astronomischen Mission werden sie aber auch neue Fragen aufwerfen.

Clyde Tombaugh, der Pluto 1930 entdeckte, hat weder die Abstufung zum Zwergplaneten noch den Start von „New Horizons“ erlebt. Er starb 1997. Trotzdem ist er „seinem“ Planeten näher gekommen als jeder andere Mensch. Denn „New Horizons“ hat auch eine ganz und gar unwissenschaftliche Mission. Sie hat die Asche des Plutoentdeckers zu seinem Planeten getragen. Und nimmt sie nun mit in den Kuipergürtel. Dort hoffen Wissenschaftler auf die Entdeckung weiterer Objekte von der Größe Plutos.

Nicht ausgeschlossen, dass die Ergebnisse von „New Horizons“ die nie völlig verstummte Diskussion um Plutos Planetenstatus neu befeuern. In Illinois, dem Heimatstaat von Clyde Tombaugh, wäre das überflüssig. Der Staat hat sich im Alleingang entschieden. Dort hat man beschlossen Pluto ist ein Planet, basta.

I totally agree. I still believe in nine!