Refugees welcome on Stage in Regensburg

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„Was ist Chincken?“ Vor der Kühltheke im „Netto“. Ein junger Mann aus einem anderen Land fragt meine Freundin in Regensburg um Hilfe. Fleischiger Aufschnitt für‘s Brot soll‘s sein. Er ist wahrscheinlich Moslem und Schweinefleisch darf er nicht essen. So steht er rätselnd vor der deutschbayerischen Fleischauslage. Sie übersetzt und es beginnt eine gemeinsame Suche nach Geflügelwurst. Eine ältere Dame hat die Szene beobachtet und ist nicht glücklich. „Wissen Sie,“ sagt sie meiner Freundin bedauernd „ich würde ja so gerne weiterhelfen – aber ich spreche einfach kein Englisch.“. Die Regensburger erstaunen mich gerade. Der britische Politologe Anthony Glees nannte Deutschland in der Flüchtlingsfrage einen „Hippie-Staat“. Regensburg ist von einem „Hippie-Dasein“ weit, weit entfernt.  Sieben Jahre habe ich dort gelebt, in der mittelalterlichen Stadt an der Donau. Zu Volksfesten und Feiertagen tragen viele Tracht. Man spricht ein breites rollendes Bayerisch. In die Ostermesse nehmen Gläubige Lebensmittel mit und lassen sie segnen. Wertbeständigkeit, […]

„Ich habe nichts wider dieses Volk, aber ich fühle mich nicht wohl, wenn ich einen von ihnen sehe.“ („Andorra“/M.Frisch)

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Vor einigen Wochen hatte „Andorra“ in St.Gallen Premiere. Ein Stück von erschreckender Anwendbarkeit auf die aktuelle gesellschaftliche und politische Lage, die gerne als Flüchtlings“krise“ beschrieben wird. Und eine Inszenierung, die sich dessen nachdrücklich bewusst ist. Sehenswertes Theater vor dem Hintergrund der immer drängender werdenden Herausforderung Menschen vor Gewalt und Tod zu schützen. Ich bin das Kind eines Flüchtlings. Meine Mutter ist vor der näher kommenden Ostfront bei Königsberg geflohen als sie eigentlich ein Grundschulkind hätte sein müssen, das sich mit Bruchrechnung plagt. Silvester ist für sie bis heute ein Tag dunkler Erinnerung. Die Böller und startetenden Feuerwerksraketen klingen nach einschlagenden Bomben. Sie ist 79. Sie hat vieles nicht vergessen. Die Kinder mit aufgedunsenen Bäuchen, die an jedem Bahnhof zur Wassertonne stürzten um gegen ihren Hunger zu trinken. Die Frau, die im Gedränge der Vertriebenen von einem ihrer Kinder getrennt wurde und nicht aufhörte verzweifelt seinen Namen zu schreien. Sie hat […]