Zu Silvester bekommen raumfahrtaffine Menschen wie ich oft die Frage gestellt… kann man Feuerwerk aus dem Weltraum sehen?

Die Antwort wird manchen überraschen… yes, you can.

Die ISS umkreist unseren Planeten mit einer Flughöhe von rund 400km und wenn die Wolkendecke und klare Sicht es erlauben, dann sieht man Feuerwerk als kleine aufblinkende Lichter.

Heute Nacht wird unser Planet das neue Jahr feiern und blinken was das Zeug hält. Sechs Besatzungsmitglieder der Internationalen Raumstation haben Logenplätze. Das ist ein faires Privileg, denn sie kennen auch andere Anblicke. Man kann auch Krieg aus dem Weltraum sehen. Besser als Feuerwerk und das ganz Jahr über.

Es gibt schlechtere Beispiele der Beschreibung beider Pole menschlicher Begabung als die Tatsache, dass wir eine Raumstation haben, die es uns ermöglicht aus dem Weltall zu verfolgen wie unsere Waffen Länder in Schutt und Asche legen.

Menschen sind eine zweischneidige und seltsame Spezies, der man zurufen möchte:

You are the result of 3,8 billion years of evolutionary success – act like it!

Und deshalb wünsche ich allen für 2016 Gesundheit, Neugier, Mut, Kraft, Ideen und Lachen.

Ready to launch 2016… have a splendid year!!!

Unsere Öffentlichkeitsabteilung bat uns um Audio- und Videobeiträge für den Online-Adventskalender auf der Theaterhomepage. Vorgaben gab es keine. Und wenn man mich einfach machen lässt – dann kommt überproportional häufig etwas mit Raumfahrt dabei heraus. So auch dieses Mal… und völlig zu recht.

Wenigen dürfte es entgangen sein… das Weihnachtsfest wurde von einem ausnehmend hell strahlenden Mond begleitet. Heute ist Vollmond… seit 1977 hat es das zu Weihnachten nicht mehr gegeben und erst 2034 wird es wieder so weit sein. Grund genug an ein ganz besonderes Weihnachtserlebnis der Besatzung von Apollo 8 aus dem Jahr 1968 zu erinnern:

( >>>Einfach auf das Bild klicken…)

EarthriseEin wundervolles Weihnachtsfest… Merry Christmas… God Jul!

Ich habe mich enorm bemüht die großen Spoiler außen vor zu lassen. Dennoch gibt es Erwähnungen, die als kleine verstanden werden könnten. Stringente Star Wars Fans müssen hier gewarnt werden erst ins Kino zu gehen… und dann wieder auf diesen Blog…

Es gibt zwei kineastische Geschmäcker meiner Kindheit auf die ich bis heute nicht verzichten will. Das eine sind Disneyfilme, das andere ist Star Wars… naja, jetzt isses ja irgendwie seltsam eins.

Jetzt erwachte die Macht ein weiteres Mal …und soviel sei vermeldet… sie ist verdammt aufgeweckt.

Dienstag, kurz vor Mitternacht bin ich am Kino, 0.07h beginnen zwei Sondervorstellungen. Es sind mit die ersten Star Wars Vorstellungen landesweit. Ich trage mein Yoda-T-Shirt… was sein muss, muss sein.

Aber selbst mit diesem Minimaloutfit scheine ich zunächst overdressed. Nur wenige sind anlassbezogen ausgestattet. Come on, people… wir haben 10 Jahre auf die Fortsetzung gewartet, Zeit genug zu shoppen.

Bin ich froh als die ersten Gruppen mit Laserschwertern auftauchen.

Force

Ich habe die englische Fassung gewählt – und ich empfehle sie jedem, der mit der Sprache zurechtkommt. Das ist einerseits Harrison Fords extrem wohlklingender dunkel rauniger Stimme geschuldet… andererseits glitzert dieser Film mit extrem guten Dialogen, humorvoll, anspielungsreich, gut gesetzt, simpel auf dem Punkt. Kein Vergleich zu den Kalauern, die sich Episode 1-3 mitunter geleistet haben… Lichtjahre besser.

„I know how to run without you holding my hand!“ made my day!

Als die obligatorische Schrift einer Galaxy far, far away aufleuchtet, gefolgt von dem ebenso obligatorischen nach hinten entschwindenden orangegelben Eröffnungstext brandet Applaus auf… und es wird kurz ein bißchen heller im Kino… weil alle Laserschwerter aufleuchten und geschwenkt werden.

So soll‘s sein!

Dann das nächste obligatorische… der Schwenk auf ein Raumschiff. J. J. Abrams Variante ist clever und Schönheit pur… und lässt bereits erahnen, dass da jemand einen eigenen und doch respektvoll im Star Wars Universum verhafteten Weg eingeschlagen hat.

Ein Eindruck, der sich durch und durch bestätigt. Abrams bezieht sich vehement auf die Episoden 4-6, das Produktionsdesign ist absolut stimmig.

Es wimmelt im Film vor liebevollsten Details… das Laserschwert, das mit Jedikräften aus dem Schnee befördert wird, das Vater-Sohn Duell auf der Planke, es gibt wieder eine Bar und eine Band und darin eine süße Anspielung auf die an Jabba the Hutt gekettete Leia, Reys erste Vision der Macht erinnert an Luke Skywalkers Vision von Darth Vader auf Dagobah… um nur ganz wenige zu nennen.

Von Star Wars Filmen erwarte ich das technische Maximum ihrer Zeit. Die überarbeiteten Episoden 4-6, Episode 1-3 (insbesondere Episode 2) haben allerdings gelehrt, dass man damit auch umzugehen verstehen muss. Der computeranimierte C3PO gruselt mich immer noch. Vom animierten Yoda ganz zu schweigen.

Episode 7 ist ein Technikmaximum. Und wenn man mal von einer Entgleisungsattacke absieht, die doch stark an die Pflanze aus dem „Little Shop of Horrors“ erinnert – dann kann man sagen, dass Abrams dieses Maximum unfasslich gelungen ausschöpft. Ich bin kein Fan von 3D, ich liebe meine Star Wars Filme klassisch und flach. Aber in diesem Fall ist 3D eine absolute Empfehlung, der Film verdient diese Technologie.

Die Darsteller…

Ich bin etwas unschlüssig die dunkle Seite der Macht betreffend. Kylo Ren besticht als Maskenträger. Wenn er sie abnimmt erinnert er zwar an einen jugendlichen Verwanten (ich will nix verraten), verliert aber an Kontur.

Der oberste Anführer Snoke wird von DEM Motion Capture Schauspieler schlechthin verkörpert, Andy Serkis. Spätestens seit „Planet der Affen – Prevolution“ wünsche ich ihm einen Oscar… allerdings erweist sich auch hier die Notwendigkeit den vernichteten Imperator zu überbieten als schwierige Obligation… man wird ohne Zweifel mehr von ihm zu sehen kriegen und dann besser entscheiden können.

Die übrigen Darsteller sind großartig gecastet, durch die Bank recht unbekannte frische Gesichter und ergänzen die alten, vertrauten Charaktere auf stimmige und persönlich gezeichnete Weise.

Episode 7 ist anzumerken, dass der Film sich den „alten“ Episoden mehr verpflichtet fühlt… nicht nur, weil er ihnen inhaltlich folgt. Die Rückbesinnung auf deren Qualitäten ist vielfältig spürbar und konsequent umgesetzt.

Nur ein kleines Beispiel, aber eins, dass mich Episode 1-3 wirklich geärgert hat: die Laserschwertkämpfe. Die drei Episoden strotzen nur so von herumgewirbelten Laserschwertern, eine Kampftechnik irgendwo zwischen Samurai und musketierartigem Gehabe. Episode 7 macht damit Schluss und führt die eleganten Jediwaffen wieder wie ein Ritterschwert… thanks so much dafür.

Zum Schluss des Filmes gilt was schon immer gegolten hat: wenn Du einen (dieses Mal beachtlich dimensionierten) Todesstern vernichten willst – dann flieg‘ mit einem xwing ‚rein und get the job done. Und ganz sicher sind meine Lieblingsraumschiffe der Rebellion niemals ansehnlicher dieser Aufgabe nachgekommen… wirklich, allein sämtliche Raumschiffe des Films schreien förmlich nach 3D.

Das zuletzt obligatorische Tableau der versammelten Heldenschar verlegt Abrams vor… denn das wirkliche Ende des Films ist einer Begegnung vorbehalten.

„The force awakens“ ist ein Abschied… und mögen wird den wirklich niemand. Es ist aber auch ein Neubeginn und ein vielversprechender Auftakt.

May the force be with you… because the force is finaly awake again…

Die Schweiz soll ein neues Nachrichtendienstgesetz bekommen. Es erlaubt pauschal die Überwachung aller grenzüberschreitenden Kommunikation und Daten. Dabei durchforstet Software wie beispielweise das NSA-Produkt XKeyscore systematisch sämtliche Datenströme nach sogenannenten „Selektoren“. Das sind Wortreihen, die auf einen bestimmten kritischen oder kriminellen Inhalt hinweisen sollen.
Auch Deutschland hat XKeyscore bereits getestet und nicht wenige wünschen sich einen flächendeckenden Einsatz.
Trotz dieser drohenden Pauschalüberwachung haben es jene schwer, die die Bevölkerungen dagegen mobilisieren wollen. „Ich hab‘ doch nichts zu verbergen.“ ist oft die lakonische Antwort – und sie gilt nicht.
Edward Snowden hat gesagt: „Zu sagen mich interessiert die Überwachung nicht, denn ich habe nichts zu verbergen, ist als würde man sagen, mich interessiert die Meinungsfreiheit nicht, denn ich habe keine Meinung oder die Religionsfreiheit interessiert mich nicht, denn ich habe keine Religion.“
Man kann von ihm halten was man will, aber in diesem Punkt hat er recht.
Seltsamerweise besinnen sich Menschen vehement auf ihre Privatsphäre sobald man ihnen anhand eines fiktiven Nacktbildes erklärt worauf staatliche Organisationen legal Zugriff nehmen können. Die Website „Can They See my Dick“ verzeichnete so viele Anfragen, dass sie zeitweise zusammenbrach.

Der Schweizer Hernani Marques unternahm für seine Masterarbeit einen Selbstversuch. Er unterzog sein ganz normales Surfverhalten einer Filterung durch Selektoren… – es wurde… grundlos… als verdächtig eingestuft und er selbst wäre in den Fokus gerückt worden ein sogenannter Gefährder zu sein.

Ich nahm seinen Versuch zum Anlass mein eigenes Verhalten im Internet genauer zu betrachten.
Beschränken wir es schlicht auf ein paar berufliche Recherchen:

Beckett’s Dramaticules… „Rockaby“… ich spiele eine freiwillig aus dem Leben scheidende alte Frau:
Die Googlereise dazu – Sterbehilfe, Freitod alter Menschen, Suizidtourismus, ich stoße auf einen Medikamentencocktail, frage mich, wie der schmerzlos sein kann wenn in den USA diese Hinrichtungsmethode für entsetzliche Qualen sorgt, google die Methode und lande bei Giftmorden, die nur um Haaresbreite entdeckt wurden… mein Browserverlauf ist bereits ein Fest für jeden Kriminalisten.

„Frühling der Barbaren“, Pippa, Anstaltsinsassin, mein Regisseur Tim Kramer bittet darum, dass wir uns einen Grund zusammenstellen, warum unsere Figur Patient ist, ganz geheim und nur für uns:
Ich google – Asperger Syndrom, Authismus, soziale Isolation, Hospitalismus, entdecke Wolfskinder, schaue mir Videos eines Mädchens namens „Genie“ an, studiere ihre Körpersprache, google nach weiteren Kindern, die isoliert eingesperrt wurden… und lande mitten unter Berichten über pädophile Verbrecher in Belgien.
Mein Browserverlauf ist längst eine Party von geheimdienstlichen Selektoren, da bin ich ziemlich sicher.

„Hexenjagd“… ich spiele u.a. einen Mann, den Gerichtsdiener Cheever. Fanatisch, obrigkeitshörig, sadistisch. Schon in der ersten Probe sind wir schnell im dritten Reich. Weil ich das nicht klischeebesetzt handhaben möchte arbeite ich mich durch die Biografien von Gauleitern und KZ-Aufsehern, suche dann aber in heutigen aktuellen und dumpferen braunen Sümpfen nach den Überzeugungen und Geisteshaltungen derer, die sich hirnlos an eine menschenverachtende Ideologie geklammert, besser fühlen wollen als andere. Ich finde erschreckende Massen davon … mein Browserverlauf ist randvoll mit Suchergebnissen, die wahrscheinlich vom Staatsschutz überwacht werden… oder es zumindest werden sollten.

„Anna Karenina“… beinhaltet zwei unglückliche Ehen, als Dascha führe ich eine davon. Mich interessiert wie es zu Tolstoi’s Zeiten um die Möglichkeit der Scheidung bestellt ist. Neben emotionalen Gründen könnten diese Umstände mit beeinflussen, warum Dascha in ihrer Ehe ausharrt. Ich wühle mich googlerisch durchs Scheidungsrecht und versuche zu seinen historischen Wurzeln durchzudringen.
Mein Browserverlauf bleibt wahrscheinlich im überwachungstechnisch unbedenklichen Rahmen, weist mich aber als schwerst ehemüde aus… dabei bin ich nicht mal verheiratet.

„Ödipus Stadt“ – Iokaste, Mutter und Ehefrau des Titelhelden. Ihr ahnt bereits worauf ich hinaus will…oder? Denn natürlich habe ich nicht nur die griechischen Familienverhältnisse ergoogelt sondern wollte auch näheres über den „Iokaste-Komplex“ wissen. Ihr macht Euch keinen Begriff was für Seiten und Foren man über diese inhaltliche Linie erstöbern kann. Ich sage das, obwohl ich nicht die Nerven hatte die erkennbar pornografischen Suchergebnisse anzuklicken. Ich bin kein method actor und meine Recherchen haben Grenzen. Trotzdem, als was mein Browserverlauf mich in diesem Fall ausweist, das will ich mir lieber gar nicht erst ausmalen.

Fassen wir das Bild zusammen… ich bin eine ehemüde rechtsradikale Mutter mit pädophilen und/oder inzestuösen Tendenzen, die nach Giftmischungen googelt. Ein seltsam stimmiges Bild… wenn man davon absieht, dass es nichts mit mir zu tun hat.

Und das ist das Problem.

Wer immer mehr Daten nach immer mehr Selektoren durchforstet produziert immer mehr Verdächtige.
Eine Menge, die nicht nur unbescholtene Bürger in Verdacht bringt – sondern auch erstmal verarbeitet sein will. Mit Kapazitäten, die dann an sinnvollerer Stelle fehlen.

Neun Monate vor dem jüngsten Anschlag in Paris gab einer der Attentäter ein Interview in dem er seine Tat praktisch ankündigte, öffentlich und zugänglich.
Diese Nadel im Heuhaufen wurde nicht gefunden. Jetzt sollen Gesetze verabschiedet werden, die nicht nur tief in die Privatsphäre eingreifen, sondern noch mehr Heu produzieren.
Eine Logik der Geheimdienste, die Christian Stöcker im „Spiegel“ treffend beschrieb mit „Wir haben versagt, gebt uns mehr Macht!“.

cameraPS… ich wüsste wahnsinnig gern, ob dieser Beitrag Selektoren enthält… dann allerdings wüsste ich mehr als die G-10-Kommission des deutschen Bundestages, die eigentlich die Zulässigkeit geheimdienstlicher Überwachung überwachen soll. Was sie nicht kann, weil sie gerade erst vor das Bundesverfassungsgericht zieht um Einsicht in die Selektorenliste zu erklagen, die bereits in Benutzung war.