Wenn es ein Leben nach dem Tod gibt und darin einen Gott… dann plant er ein Hörspiel… und ich mag es nicht.

Nur wenige Tage nach David Bowie ist eine weitere wunderbare, großartige Stimme für immer verstummt. Eine magnetische Stimme, eine Stimme, die das Telefonbuch von London hätte vorlesen können und man hätte danach das von Birmingham angereicht um ihr weiter zuzuhören.

Alan Rickman hätte diese Stimme nicht gebraucht um zu fesseln. Wenige konnten mit so wenig, wortlos, so viel erzählen. Vor der Kamera und auf der Bühne.

Wandelbar… unverwechselbar…

Über seine Rollen sagte er einmal: „I am the character you are not supposed to like.“

Was für ein Irrtum!

Heute ist die Bühne und das Kino um Alan Rickman ärmer geworden.

Chris Hadfield singt …naja… okay. Und er spielt ganz leidlich Gitarre. 2013 nahm er eine Version von “Space Oddity” auf.

Sie wurde auf YouTube bisher weit über 23 Millionen mal angesehen und David Bowie nannte sie die vielleicht ergreifendste Version, die jemals von seinem Song gemacht wurde.

Chris Hadfield muss auch nicht singen können oder brillant Gitarre spielen, er ist kanadischer Astronaut… und als der Song aufgenommen wurde war er Kommandant der Internationalen Raumstation ISS.

Einer Raumstation, auf der die Arbeitsstunde eines Astronauten 30.000 Euro kostet… aber für das besondere ist das manchmal eben egal… und soll es auch sein.

Hadfield schrieb zu dem ersten Musikvideo aus dem Weltraum: „Mit Verbeugung vor dem Genie von David Bowie, hier ist Space Oddity, aufgenommen auf der Station. Ein letzter kurzer Blick auf die Welt.“.

David Bowie starb gestern, am 10. Januar 2016, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag und der Veröffentlichung des Albums „Blackstar“.

In seinem Song „Within you“ gibt es die Textzeile „I move the stars for no one…“

Well… who knows… maybe now you do… but I will miss your voice.

Friedrich Hofreiter fabrizierte Millionen von Glühbirnen, eine Ehe und Dutzende Affären.

Ersteres machte ihn wohlhabend, zweiteres schenkte ihm einen Sohn… das dritte füllt ihn immer weniger aus. Dem erfolgsverwöhnten Jäger gehen die Herausforderungen aus während die Midlifecrisis vehement an seine Tür klopft. Seine, strikt auf das eigene Wohlbefinden ausgerichtete, Weltordnung verliert zusätzlich signifikant an Komfort, als er erfährt, dass seine Frau eine Affäre mit einem berühmten Pianisten ausgeschlagen hat, woraufhin dieser seinem Leben ein Ende setzte.

Ihren Vorsprung an Treue aus Liebe zu ihm interpretiert er zu einem Fluchtgrund um – denn dass ihre Treue einen Mann in den Tod getrieben hat ist ihm unheimlich und, seiner Meinung nach, doch mit einer gewissen unschuldigen Schuld behaftet. Er windet sich, weicht ihr aus, nutzt schließlich die erste Gelegenheit in die österreichischen Berge zu flüchten und in die Arme einer Zwanzigjährigen mit der er, wörtlich und übertragen, neue Gipfelbesteigungen unternimmt.

Seine Frau lässt sich währenddessen schließlich doch auf eine Affäre ein. Die Balance sollte nun für Friedrich wieder hergestellt sein – aber „die Seele ist ein weites Land“ in der die Logik widersprüchlichen Gefühlen unterlegen ist.

Schnitzlers „Das weite Land“ ist ein Stück über Menschen und ihre beziehungslosen Beziehungen, über die Verwechslung von Rausch und Liebe, über Projektion und Verleugnung, über Leere im Wohlstand und persönliche tragikkomische Strategien sie mit Bedeutung zu füllen.

Es wurde 1911 am Wiener Burgtheater uraufgeführt und ist 105 Jahre später aktueller denn je.

Denn für die Wege im weiten Land gibt es immer noch keine Wanderkarte.

 

Premiere am 8.01.2016 | 19.30h | Grosses Haus

 

Das Weite Land; Januar 2016, Theater St.Gallen; Regie Tim Kramer

(Foto: Tine Edel für das Theater St.Gallen)