Ich zerbreche ungekochte Spaghetti, ich verteile esslöffelweise Bodylotion zwischen meinen Händen, ich spreche in Tassen, ich wühle in Pampelmusen, ich schiebe Litschis kreuz und quer durch meinen Mund, ich zerbrösele Fäuste voller Conflakes, ich verdresche Wirsingkohl und schlage mit Lauch zu, ich zerquetsche Ananasringe und schiebe Kehrbleche über den Boden, ich spiele mit Obsttüten Schlagzeug und setze mit Schreibstiften Injektionen, ich schlage meine Zähne in Möhren, Maiskolben und Paprika… ich belle, zwitschere, murmle, spaziere, klimpere, piekse, knartsche, nuschle, haue, knicke, brülle, wiehere, summe, zünde, matsche, giggle, klackere, stupse, jingle… und, ja, ich arbeite.

„Nekropolis – die Stadt gehört uns!“ ist mein erstes LiveHörSpiel.

Ich besitze 176 Folgen der „Drei ???“ – mich muss man wirklich nicht davon überzeugen, dass Hörspiele ein Vergnügen sind.

Normalerweise entstehen sie über einen gewissen Zeitraum hinweg in Tonstudios aus enorm vielen Einzelaufnahmen, werden dann mehrlagig mit Geräuschen versorgt, mit Musik versetzt und erreichen schließlich die bildhafte Fantasie ihrer Zuhörerschaft.

Letzteres wird bei uns unbedingt auch der Fall sein – aber es gibt zusätzlich eine Menge zu sehen… denn wir produzieren nichts vor.

Jede Musik, jeder Klangteppich, jede Atmosphäre, jeder Soundeffekt ist genauso live wie der Text und entsteht vor den Augen und Ohren der Zuschauer – alles wird in dem Augenblick erzeugt, in dem es gebraucht wird.

Nichts ist Konserve, alles ist Moment.

Es begann, rückblickend betrachtet, recht gesittet. Wir schoben unsere Tische zusammen, erbastelten uns die ersten Seiten des Stückes, experimentierten mit der zur Verfügung stehenden Technik und bedienten uns am bereitgestellten Requisitentisch mit Klangutensilien.

Mein Tisch war noch ziemlich übersichtlich leer und ich fing an meine Soundobjekte ordnungsliebend zu beschriften.

Mit fortschreitender Probenzeit begannen wir nach Klängen in allen denkbaren und undenkbaren Objektkombination zu fahnden. Die Requisite brachte einen zweite Fuhre Spielzeug, die erfreut angenommen und beherzt auf ihre Tonfärbung hin getestet wurde.

Inzwischen sind wir auch darüber hinaus und veranstalteten einen Ensembleausflug in den nächstgelegenen Supermarkt, wo wir uns mit dem kritischen Blick von Produkttestern durch die einzelnen Abteilungen gearbeitet haben …um dann bepackt zur Bühne zurückzukehren und vollkommen loszulegen.

Das mit dem beschriften habe ich drangegeben. Mein Textbuch ist auf bestimmten Seiten eine apart abstrakte Gemäldekreation aus Ananassaft, Kondensmilch und Cornflakeskrümeln und ich habe seit langem nicht mehr so viel Rohkost zu mir genommen. Aus gutem Grund – Wirsing ist ein klangtechnisch vollkommen unterschätztes Gemüse.

Ja, eindeutig… Hörspiele sind toll und ein Vergnügen wie ein leckerer Schokoladenpudding. Aber LiveHörSpiele sind wie ein Schokoladenpudding mit Sahne obendrauf.
Hm… Schokoladenpudding mit Sahne… wie klingt der eigentlich und was kann man wohl damit machen???

„Nekropolis – die Stadt gehört uns!“ – „Bite Club“

Premiere am 27.04.2017 um 20h in der LOKremise.

Mein Name ist Dr.Wittek… Wilma Wittek. Ich arbeite für das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in St.Gallen.

Sie kennen mich wahrscheinlich nicht.

Aber Sie werden mich kennen lernen – weil Sie mich brauchen werden. Alle werden mich brauchen. Ich bin die einzige Front, die letzte Front gegen etwas ungeheuerliches.

Ich bin da auf etwas gestoßen… etwas… unmenschliches… nein, ich spreche nicht von fehlender Humanität… nein… etwas nicht menschliches… aber in einem Menschen unmenschlich… verstehen Sie, was ich meine?

Ich glaube, es hat in St.Gallen begonnen. Vor etwa einem Jahr. In einer Bäckerei. Dann hat es lange geruht.

Seit dem 1.April gibt es Berichte über „Vorkommnisse“ aus Konstanz. Und nein, das ist kein Scherz.

Das Theater dort ist der Infektionsherd.

Aber jetzt ist es wieder in St.Gallen. Es ist zurückgekehrt.

Und ich habe es entdeckt. Ja, ich.

Es begann, als die Hunde begannen. Zu beißen.

Das machen die sonst nicht. In St.Gallen beißt niemand jemanden. Nie.

Aber jetzt beißen sie.

Und wissen Sie, was ich entdeckt habe? Die Beißer wurden gebissen.

Und wissen Sie noch etwas? Nichts daran entspricht unseren Vorschriften, nichts daran ist normal.

Ich kann Ihnen nicht allzu viel sagen, meine Untersuchungen dauern noch an.

Keine Panik! Bleiben Sie ruhig. Ende April werden Ihnen Ergebnisse präsentiert werden. Sie werden alles erfahren, was Sie wissen müssen. Und noch viel mehr.

Bleiben Sie wachsam. Denn ich glaube nicht, dass es in St.Gallen endet.

Ich muss jetzt zurück ins Labor… da warten Proben auf mich… viele Proben…