„Star Wars“ begleitet mich seit 38 Jahren, ich kenne die Saga wie meine Westentasche und im Grunde liebe ich alle ihrer derzeit sieben Teile – wenngleich die ersten drei Teile nicht ganz so heiß und innig wie den Rest.

Ablegerunternehmungen davon haben mich nie interessiert.

Dann kam „Rogue One“.

Eine „Star Wars Story“, ein „Star Wars Standalone Movie“, „Star Wars 3,5“ gewissermaßen… mit einem irritierend verheißungsvollen Trailer. Ich beschloss mein ideologisch strikt der Saga verschriebenes Herz weit zu öffnen und zu tun, was ich bei neuen Star Wars Filmen nun mal zu tun pflege… in der Mitternachtspremiere Platz zu nehmen.

ACHTUNG! AB HIER HERRSCHT SPOILER-ALARM!!!

Das Produktionsdesign ist untadelig. Man kann diskutieren ob Orson Krennic wirklich eine düster schwarzglänzende Sturmtruppeneinheit benötigt und warum andere Machtinhaber des Imperiums danach ohne diese Garde auskamen… aber sie sind ansehnlich. Größere design flaws waren für mich beim ersten ansehen nicht aufzuspüren – Kostüm, Szenerie und Technik sind im neuen stimmig, oft vertraut und absolut korrekt vor den vierten Teil verortet.

Mit der hemmungslosen Überanimierung der ersten drei Teile scheint endgültig und glücklicherweise Schluss zu sein. Wie bereits bei Teil sieben stört die Animation nirgendwo, präsentiert sich aber state of the art dort, wo sie hingehört. Der Todesstern wurde ganz sicher noch niemals so detailreich eingefangen, die Raumschiffe sind ein optischer Genuss. Wer, wie ich, erklärter Xwing-Fan ist oder Vergnügen hat an Sternzerstörern der Imperium-Klasse, die sich ineinander bohren, wird vollumfänglich auf seine Kosten kommen und die Weltraumschlacht in vollen Zügen genießen.

In „Rogue One“ aber leistet die Technik weit mehr als Spezialeffekte … sie muss Menschen wiedererschaffen. Im vierten Teil untersteht der Todesstern dem Kommando von Gouverneur Tarkin, in karg messerscharfer Weise verkörpert vom wunderbaren Peter Cushing, der 1994 leider verstarb. Trotzdem habe ich ihn heute in einer Filmpremiere gesehen. Zugegeben, Cushings notorisch spartanische Mimik hilft, aber was CGI in diesem Fall ermöglicht hat ist schlichtweg unglaublich, es ist brillant.

Allerdings… am Ende des Films verjüngt es eine vertraut bekannte Darstellerin… und, es muss gesagt werden, DAS ist vollends misslungen.

Die „Star Wars“ Filme sind Sternenmärchen. Sie sind nicht berühmt wegen ihrer unvorhersehbaren Drehbücher voller verblüffender Wendungen. Das ist bei „Rogue One“ nicht anders, zumal es dieses Mal darum geht die Pläne des Todessterns zu beschaffen… von denen wir bereits aus dem vierten Teil wissen, dass sie die Rebellion erreicht haben und dazu führen, dass Luke Skywalker die imperiale Superwaffe in die Luft jagt.

So überrascht an der Geschichte weniger die Handlung, als vielmehr der enorme Verschleiß an Hauptfiguren. Das ist man aus der Star Wars Galaxie nicht gewöhnt. Als Standalone Movie ohne Fortsetzung macht „Rogue One“ schonungslos und fast schon in Game of Thrones-Manier Tabula rasa.

Dabei hat man die ersten zwanzig Minuten des Films damit verbracht eine Menge neuer Spielorte und – figuren kennen zu lernen und würde sich zumindest die Gedankenmöglichkeit wünschen, dass sie nach dem Abenteuer ein langes und erfülltes Leben in der galaxy far, far away vor sich haben. Dem ist nicht so. Wie überhaupt die Betonung des Films deutlich auf „Wars“ liegt. Manche Szenen erinnern an Aleppo, manche an die Landung in der Normandie. Die FSK Freigabe ab 12 mag wegen der Abwesenheit von Blutlachen berechtigt sein, die enorm hohe Verlustrate unter den Protagonisten legt trotzdem eine elterliche Einzelfallentscheidung nahe.

Die kurzlebigen neuen Figuren sind weitestgehend stimmig und gut besetzt. Der von mir geschätzte Mads Mikkelsen hingegen irritiert mich mit Sentimentalität, Forest Whitaker wirkt ungewohnt flach, manche Dialoge hätte ich rigoros entschwafelpsychologisiert, und K2‘s umprogrammierte Flapsigkeit tänzelt oft auf der Grenze. Aber er darf das „miese Gefühl“ veräußern, eine Ehre und Tradition, die auch der Ableger sich nicht nehmen lässt.

Überhaupt gibt es vertrautes und vertraute Gesichter, mehr als ich erwartet hatte und immer wieder gut sortiert eingestreut. Hardcore-Fans werden außerdem mit kleinen Schmunzlern versorgt. Wenn etwa Jyn ausgerechnet jene zwei Schurken anrempelt, die im vierten Teil Luke Skywalker in der Mos Eisley Cantina anpöbeln. Oder wenn in einer Bar ein Hologramm der Tänzerin zu sehen ist, die Jabba der Hutte im sechsten Teil dem Rancor vorwirft. Was aber das Schneemonster von Hoth in einer Straßenschlacht zu suchen hat kann ich nicht erklären.

Der Umgang mit der Macht ist höchst gewöhnungsbedürftig.

Zwar ist es absolut richtig, dass die Jedi nach Ausführung der Order 66 nahezu ausgerottet sind und das Wissen um die Macht deswegen ins Hintertreffen geraten sein dürfte. Figuren die unablässig vor sich hinmurmeln „Die Macht ist mit mir, und ich bin mit der Macht“ wecken in mir allerdings das Bedürfnis zum Laserschwert zu greifen und dem ein Ende zu bereiten.

Das Ende. Es schließt sich absolut nahtlos und vollkommen stimmig gelungen an den vierten Teil an.

Der letzte Satz des Filmes besteht folgerichtig auch aus dem Wort: „Hoffnung!“.

Also ich bin jetzt mal päpstlicher als der Papst und stelle fest – „Eine neue Hoffnung!“ hätte es schon heißen dürfen. Da ich die synchronisierte Fassung gesehen habe weiß ich aber nicht, ob das Original sich den Verweis gegönnt hat.

SPOILERALARM ENDE!!!

Absolut sehenswert und eine hochgelungene Verkürzung der Wartezeit auf den achten Teil für jeden Star Wars-Fan. 134 Minuten in einer vertrauten Galaxie, die am Ende doch nicht so weit, weit entfernt ist

4 Kommentare

  1. Mein Sohn war gestern Nacht auch in der Mitternachtspremiere und fand den Film super. Mir wurde anempfohlen, ihn jedenfalls anzuschauen und unbedingt im Original … sobald ich wieder Luft habe, werde ich in Paris mal nach einem Kino schauen, das ihn zeigt.

    • Dein Sohn hat eben Star Wars Geschmack.
      Ich war spät dran mit dem Eintrittskartenkauf und hatte das Glück, dass im Kino frisch ein zusätzlicher Saal aufgemacht worden war. Der große Saal und die OmU-Vorstellung waren brechend voll… der frisch dazugenommene Saal zeigte die synchronisierte Fassung… bot aber den Luxus, dass wir zu elft ein riesiges Kino für uns hatten. Dafür lohnte es sich auf Englisch zu verzichten.
      Wie Star Wars auf französisch klingt… das stelle ich mir irgendwie niedlich vor. Französisch hat ja viel Melodie. 🙂

    • Letzteres weiß ich leider auch nicht. Normalerweise schaue ich Filme eher nicht in der Synchro, weder in französischer noch in deutscher, zumal es im Ausland auch üblicher ist, die Filme im Original zu sehen. Rogue One werde ich mir wohl nächste Woche in einem französischen Kino, aber in englischer Sprache zu Gemüte führen 😉

    • Ich hab’s via Youtube kontrolliert und sie sagt ein einziges langgezogenes „Hope!“.
      Warum auch immer… das „new“ fehlt.
      So sehr ich die Synchronlandschaft schätze, denn sie beschäftigt ja eine ganze Menge deutscher Schauspieler… und die machen in größten Teilen einen absolut fantastischen Job!… man kann echt Sprachen lernen und vertiefen mit den Originalen.
      Ich verdanke einiges von meinem Englisch der Tatsache, dass man in meiner Jugend in NRW niederländische TV-Kanäle ‚reinbekam… und die untertitelten die mir bekannten Serien nur. Auch niederländische Untertitel helfen einem als Deutsche durchaus weiter und ich lernte viele neue Vokabeln.
      Manchmal sehe ich mir heute noch norwegische Kindersendungen via Internet an… mein Norwegisch ist nicht so gut… also sind es die Sendungen für die ganz Kleinen… 😉

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