Two and a half english storys from Heidelberg

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First:

1613 heiratet der junge Kurfürst Friedrich V. die englische Prinzessin Elizabeth Stuart, Tochter des Königs Jakob I. Um ihr einen standesgemäßen Wohnsitz in Heidelberg zu bieten lässt er den “Englischen Bau” auf dem Nordwall zwischen der bestehenden Schlossanlage und dem “Dicken Turm” errichten.

Von dort hat man einen fantastischen Blick über Heidelberg und das Neckartal bis zur Rheinebene.

Erhalten sind nur noch die Fensterfronten, die zweigeschossig emporragen und ohne Dach zusammen mit dem “Dicken Turm” den Raum bilden, in dem “Der Froschkönig” bei den Schlossfestspielen residiert.

Wir spielen dort …und befinden uns damit in einer erstaunlichen und überaus weit zurückreichenden Tradition.

Denn der Kurfürst erbaute seiner Gemahlin nicht nur einen englischen Wohnpalast. 1619 ließ er den oberen Teil des “Dicken Turms” zu einem Theater ausbauen, das dem Globe-Theatre Shakespeares nachempfunden war und schuf so – neben dem Kassler “Ottoneum” – den ersten selbstständigen Theaterbau auf deutschem Boden.

Doch damit nicht genug. Das Ensemble des “Globe-Theatre” in London, durch einen vernichtenden Brand heimaltlos geworden, gastierte drei Monate in Heidelberg im “Dicken Turm”.

Ob Shakespeare ebenfalls nach Heidelberg reiste ist, wie vieles rund um seine mysteriöse Person, nicht geklärt. Aber allein die Vorstellung, dass ich meinen Arbeitsweg mit Menschen teile, die Uraufführungen jener Shakespearestücke gespielt haben die ich heute “Klassiker” nenne – allein diese wunderbare Vorstellung gefällt mir außerordentlich gut.

Second:

Selbstverständlich betrachte ich den “Froschkönig” als höchste royale Instanz in Heidelberg.

Allerdings… das muss selbst ich zugeben… war das heute vielleicht ein wenig anders. Prinz William und Kate waren zu Besuch in Heidelberg.

Bereits morgens vor der Vorstellung konnte man vom Schloss aus britische Flaggen in der abgesperrten Innenstadt erspähen.

Und auch die Einsatzbesprechung der Polizei sah aus dieser Perspektive irgendwie amüsant gesprächskreisig aus.

Nach dem Besuch eines medizinischen Forschungszentrums und dem Empfang auf dem Marktplatz ging es für die beiden Botschafter wider der Brexitentfremdung an den Neckar zu einem Ruderwettstreit zwischen freundschaftlich gemischten Teams aus Heidelberg und seiner Partnerstadt Cambridge – mit den Royals am Steuer.

Da ich Menschenmengen nur geheuer finde, wenn sie vor mir sitzen, entschied ich mich für’s Flussufer.

“You go left and I go right…” könnte Prinz William da gerade vorschlagen, denn so geschah es… and I was left.

Suchbild – finde die Duchesse of Cambridge…

Okay… here she is…

Wenn man gerade gut im Training ist, weil man fast jeden Tag mit dem Fahrrad den Schlossberg hochfährt, dann könnte man auf die gewagte, aber interessante Idee kommen auf dem Rad mit dem Ruderrennen Schritt zu halten – und es zu fotografieren…

…und man ist dann pünktlich im Ziel zum anlegen der Ruderboote auf der gegenüberliegenden Neckarseite…

Und als Belohnung kann man von dort aus auf abgesperrten, wunderbar leeren Straßen zurück in die Altstadt fahren. Hätten immer noch jubelnde Zuschauer hinter der Absperrung gestanden wäre es ein fast “Tour de France”- artiges Gefühl gewesen.

Bonus:

Wenn die Zuschauer eingelassen werden stehen wir bereits auf der Bühne. Wir müssen nicht bewegungslos sein, aber wir tun es in der Regel recht ruhig.

Heute hatte uns ein Junge schon beim hereinkommen gemustert, sich auf seinen Platz gesetzt, uns weiter gemustert… und dann fiel ihm etwas auf, dem er mit viel Erstaunen in der Stimme laut Ausdruck verleihen musste:

“Die Leute sind ja echt!”.

Ja. Keine Leinwand, kein Bildschirm dazwischen… die Schauspieler sind wirklich da. Im “Englischen Bau” schon seit rund 400 Jahren. Und immer noch.

2 Gedanken zu „Two and a half english storys from Heidelberg

  1. Eine schöne zusammengestellte Geschichte. Wenn Du die Fotos selbst gemacht hast, ist Dir das wirklich gut gelungen. Du warst begeistert über den königlichen Besuch, oder?

  2. Ich hatte hier in Heidelberg immer meine kleine Nikon Coolpix im Rucksack. Und die zücke ich immer und überall schneller als Lucky Luke seinen Colt. 🙂
    Beim königlichen Besuch habe ich dann zum ersten Mal meine Spiegelreflexkamera vermisst. Aber die Kleene hat sich auch ganz gut geschlagen.
    Begeistert… hm… es hat Spaß gemacht. Ich bin eigentlich nicht so ein Gala-Leser-Royal-Beobachter – aber die ganze Stadt war irgendwie flirrend aufgeregt und im Ausnahmezustand. Und das weckt dann so Jagdinstinkte in einem… krieg‘ ich sie, krieg‘ ich sie nicht??? Kann ich mit Ruderbooten Schritt halten und gleichzeitig fotografieren??? 🙂
    Und ich meine, wie unwahrscheinlich ist sowas… ich bin in Heidelberg und die beiden suchen sich ausgerechnet diese Zeit aus und diese Stadt?
    Es hat tatsächlich verblüffend viel Spaß gemacht mal rasende Fotoreporterin zu spielen… und ich wollt’s auch einfach für den Blog haben. Über Shakespeare im „Dicken Turm“ wollte ich eh‘ schreiben – und das waren natürlich Sahneklecksbilder dafür.

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