Gimp your pictures – and give them a RawTherapee

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Schauspieler brauchen Portraitfotos… da führt kein Weg dran vorbei. Da sie zu unserer Profession gehören sollten sie auch professionell aussehen. Im Zeitalter der Digitalfotografie gehört dazu Bildbearbeitung.

Die beiden Flagschiffe in diesem Bereich heißen “Photoshop” und “Lightroom” und werden vom Softwaregiganten Adobe bereitgestellt.

Beide Programme zusammen kosten als Creative Cloud Fotografie-Paket 141,94 Euro im Jahres-Abo. Gute Software darf ihren Preis haben – aber an Adobe ärgert mich einiges.

Beide Programme stellen gehobene Hardwareanforderungen, setzen teilweise eine Internetverbindung voraus und erfordern eine Registrierung… ich mag das nicht.

Für mich kommen sie auch gar nicht in Frage, da Adobe sich auf breiter Linie beharrlich weigert zur Kenntnis zu nehmen, dass es Linux gibt.
Zwar ermöglicht Linux die Installation unter WINE indem es eine Windowsumgebung vortäuscht – aber ernsthaft… kein Mensch, der einfach nur optimale Fotos möchte, braucht noch Adobe.

Ich möchte Euch zwei Alternativen vorstellen. Beide Programme sind schlank, ressourcenschonend und laufen selbst auf älterer Hardware zügig und arbeitshungrig. Beide bieten einen beeindruckenden Funktionsumfang, der sich hinter Adobe nicht zu verstecken braucht, werden kontinuierlich weiterentwickelt, erfordern keine Registrierung und kein Abo… denn ihr gemeinsamer Kostenpunkt beläuft sich auf 00,00 Euro.

Alle beiden Programme sind plattformübergreifend für Windows, Mac und Linux verfügbar… sie lassen sich als Portable-Versionen sogar auf einem USB-Stick installieren – Bildbearbeitung grenzenlos… dear adobe, that’s how to do it.

Vorab… beide Programme sind wirklich mächtig und können viel. Ihren gesamten Funktionsumfang hier aufzulisten ist unmöglich. Es gibt für beide digitale Handbücher. Vorallem aber gibt es eine gigantische Menge YouTube-Tutorials. Ich empfehle Euch zu überlegen, was Ihr mit Eurem Foto machen wollt. Und wasimmer es ist… irgendjemand hat garantiert schon ein Tutorial dazu gemacht. So bringe ich mir Programme bei und Ihr werdet sehen, sobald man sich ersteinmal ein bißchen in einer Software zurechtgeräkelt hat, fängt man an eigenständig mit ihr herumzuprobieren und merkt gar nicht, dass man währenddessen weiterlernt. Es kann sehr viel Spaß machen und ist dann eher wie ein Videospiel mit dem eigenen Bild als Hauptdarsteller.

GIMP – ist vorallem ein wirkungsvoller Bildmanipulator und bietet eine breite Palette von Werkzeugen, jongliert mit Ebenen, ergänzt, baut um, verschiebt, mischt ab, malt, schneidet aus, stellt frei, kreiiert Cartoons und Animationen… es ist Euer Spielzeug für Pixel. Von der Basisbearbeitung bis hin zur ausgefeilten kreativen Tüftellei sind die Möglichkeiten nahezu endlos. Wer als Beginner beispielsweise nur ein paar Hautunreinheiten beseitigen will kann zum Werkzeug “Heilen” greifen und hat das mit wenigen Klicks erledigt. Davon gelangweilte Cracks können zur Frequenztrennung schreiten und haben auch ihren Spaß.

Als Eindruck habe ich ein Video ausgesucht, das tatsächlich mit Pickel entfernen beginnt – aber ganz woanders aufhört und die Unmöglichkeit den Funktionsumfang von Gimp in einem Blogbeitrag zusammenzufassen charmant verdeutlicht.

Obwohl Gimp bereits breit gefächerte Möglichkeiten und sogar vorgefertigte integrierbare scripts anbietet um Fotos “zu entwickeln” – an RAWTHERAPEE kommt es so wenig heran wie Photoshop an Lightroom.

Wie der Name bereits sagt, das Programm ist ein Spezialist für die Bearbeitung von Raw-Dateien.
Raw-Dateien verhalten sich zu den gängigen Jpg-Dateien wie ein Salatbuffet zum Salatteller. Sie enthalten alle Bildinformationen aus Licht, Kontrast und Farbe, während das Jpg-Format eine annehmbare Durchschnittsauswahl vorbearbeitet serviert und die restlichen Daten wegschmeißt.

Raw-Fotos offerieren also bedeutend mehr Möglichkeiten der eigenständigen Feinabstimmung und sind die zu bevorzugende Wahl – allerdings… RawTherapee kommt mit beidem klar und kann selbst Jpg-Fotos bedeutend verbessern.

Zu Demonstrationszwecken habe ich Jpg verwendet, weil dieses Format von jeder Kamera beherrscht wird. (Zum Vergrößern auf das Bild klicken.)

RawTherapee bietet einen Splitscreen an, der jede Veränderung des Fotos gut verdeutlicht und den direkten Vorher/Nachher-Vergleich erlaubt. Wie Gimp legt es zusätzlich eine Historie an (links, rot unterlegt), die jeden Arbeitsschritt dokumentiert und jederzeit ermöglicht auf jeden beliebigen vorherigen Schritt zurückzugehen.

Im Screenshot zeigt die Historie, dass ich nur einen einzigen Klick gemacht habe – nämlich den auf die automatische Belichtungskorrektur (rechts oben im Menü). Das ist kein Hexenwerk – aber, wie man sehen kann, bereits eine deutliche Verbesserung.

Wer selber entwickeln möchte kann nach Herzenslust mit Farben, Licht, Schatten, Schwarzpegel, Filtern und fein abgestuftem Kontrast herumspielen. Ich wollte das Bild etwas wärmer und es sah schließlich so aus.

Fazit: auch Digitalbilder brauchen die feine Abstimmung, die früher in den Händen eines guten Fotolabors lag und man muss kein Grafiker sein um aus seinem Portraitbild den Pickel zu entfernen, den man vor einer Fotosession nie gebrauchen kann, aber immer bekommt.

Noch ein Sicherheitstipp zum Schluß. Wenn ich ein Bild bearbeite, dann niemals das Original – immer eine Kopie davon. So stellt man unbedingt sicher, dass man wirklich jeden denkbaren Blödsinn damit unternehmen kann, aber die Originaldatei verfügbar bleibt.

Gerade wenn man ein Programm neu lernt sollte man das zur goldenen Regel erheben. Glaubt mir einfach, ich weiß es aus eigener Erfahrung. Ich habe mir schon ein paar Originale ungewollt überschrieben und bis heute ist mir rätselhaft, wie ich das genau geschafft habe. Safety and copy first.

Ich wünsche Euch viel Spaß beim herumkommandieren der Pixel und boosten Eurer Bilder. Und wenn Ihr mal kein Portrait bearbeiten wollt, sondern eins zeichnen… kein Problem – Ihr habt ja Gimp.

6 Gedanken zu „Gimp your pictures – and give them a RawTherapee

  1. Ich kenne beide Programme und deine Ausführungen dazu kann ich nur bestätigen. Wenn man denn Portraitfotos beruflich braucht, wäre auch eine professionelle Bearbeitung durchaus möglich. Aber mit Übung und Geschick kriegt der User sicher auch gute Ergebnisse hin, vorausgesetzt der Blick dafür ist vorhanden. Nicht jeder sieht entscheidende Feinheiten. Der wichtigste TIP von Dir wäre aber die Bearbeitung von einer Kopie des Fotos. Ganz schnell ist so ein Foto zerstört. Also äusserst wichtig, dass Original zu erhalten!
    Es gibt aber auch Portraits von Schauspielerinnen die müssen nicht unbedingt bearbeitet werden und sind zeitlos schön.

    LG Brain

  2. Danke Dir für die Rückmeldung und Bestätigung – besonders der „goldenen Regel“ …ich kann sie nicht überbetonen und schön, dass Du das genauso siehst.
    Den Blick für Feinheiten muss man tatsächlich ein bißchen „entwickeln“ zusammen mit der „Fotoentwicklung“. Deswegen mag ich bei RawTherapee den Splitscreen so sehr. Wenn man mit dem Programm herumspielt sieht man auf diese Weise sehr gut und schnell was eine Funktion tut und wie intensiv man sie nutzen sollte.
    Retuschierung von Fotos ist tatsächlich seit 1855 möglich, man sollte das nicht glauben… 🙂
    Deswegen weiß ich gar nicht, ob Schauspielerportrait jemals nicht bearbeitet waren.
    Wahrscheinlich geht es, wenn alles optimal vorbereitet wird… Make-up-Artist, Lichtdesign, gutes Fotoequipment.
    Meine Fotosessions haben nur letzteres. Ich benutze privat kein Make-up, weshalb ich nie Übung damit entwickelt habe und froh bin über die Fachkräfte der Theatermaske wenn ich auf eine Bühne gehe. Ich müsste eine Maskenbildnerin buchen. Für eine Fotosession suche ich mir immer interessante Locations, meistens draußen. Das bedeutet Abhängigkeit von den natürlichen Lichtverhältnissen. Direkte Sonne ist verheerend für Gesichter, also nimmt man eher gut erleuchteten Schatten. Es ist ein Würfelspiel mit den Tageszuständen.
    Mir ist wichtig, dass der Ausdruck stimmt, der Fotomoment interessant ist.
    Licht- und Farbintensität kann man einfacher kompensieren als ein müdes, beliebiges oder verkrampftes Gesicht… 🙂
    Und deshalb schätze ich die Nachbearbeitung. Bei Raw-Bildern ist sie sogar unerlässlich. Wahrscheinlich weißt Du das ja, wenn sie von der Speicherkarte kommen sehen sie erstmal grau, flach und dunkel aus – was normal ist, weil sie roh und mit den neutralen vollständigen Daten geliefert werden. Sie bekommen all das, was ein Foto technisch ausmacht erst durch die „digitale Laborarbeit“. Und mir macht das total Spaß. Das ist als ob man störende Folien vom Bild abzieht und plötzlich hat es Licht und Tiefe und Farbnuancen.

    Ich hab‘ übrigens tatsächlich mal Bilder gemacht, von denen ich nicht wüsste, was Fotonachbearbeitung da noch soll. Das war in Norwegen. Weiches goldfarbenes Licht, hinter Wolken und durch manche brach es, glitzerte auf dem Meer, tauchte die Landschaft in angeberische Farbspiele… da muss man nichts mehr machen. Da sollte man auch nichts mehr machen.
    Einige habe ich hier in den Blog gestellt:
    http://rhode.theaterblogs.de/?p=1234

    Hm… vielleicht sollte ich für eine Fotosession nach Norwegen fahren. Aber ich kann grad nicht. 😉

  3. Die Stunde der Wahrheit kommt immer dann, wenn ich das Foto mit dem menschlichen Original vergleiche, was unter Umständen vor mir sitzt oder auch nur entgegenkommt.
    Und sind wir ehrlich…… manche Fotos sind so bearbeitet, dass diese mit dem tatsächlichen Erscheinungsbild nicht viel gemein haben. Ein bisschen Natur sollte bleiben…..
    Deine Begeisterung für Norwegen ist mir durch deine Berichte gut bekannt. Gute Laune sorgt für schöne Bilder.

    LG Brain

  4. Dein letzter Satz ist ein gutes Motto für eine Fotosession…

    Was die Überbildbearbeitung angeht… da werde ich richtig stinkig… aus zwei Gründen…
    Es gibt viele Menschen, die versuchen mit solchen Bildern Schritt zu halten, dabei sieht kein Mensch so aus… nicht mal der auf dem Foto.
    Und zweitens… gute Bildbearbeitung sieht man nicht und da liegt für mich die Grenze. Ich finde, da beleidigt man auch die Intelligenz des Betrachters. Geht mir oft bei Zeitschriftencovern so. Wenn bildhübsche Filmstars plötzlich aussehen wie zwölf, weil alles in ihrem Gesicht weichgezeichnet wurde. Ich denke dann immer… entweder Fotosession mit Zeitmaschine oder wildgewordener Grafiker. Letzteres ist physikalisch wahrscheinlicher. 🙂

  5. Tja….. da hast Du Recht.
    Fast alle so genannten Filmstars wird man morgens um 7 Uhr beim Brötchen holen eher nicht erkennen, wenn der Betrachter diese nur aus Funk – Fernsehen und Presse kennt. Da geht es einem Normalbürger irgendwie besser. Beim Filmstar kommt morgens erst 2 Stunden lang der Friseur und Visagist ins Haus – dann werden die Kinder zur Schule gefahren! Und , wer ein Fotoshooting schon beobachtet hat, weiss das Stars umsorgt, angezogen, abgetupft und sogar in Position gestellt werden. Erst dann wird auf den Auslöser gedrückt, auf den PC gesendet und die Diskussion über die Fotos beginnt.
    Deshalb – ein bisschen Natur muss bleiben!

  6. Oh, in Position gestellt werde ich auch… 🙂 🙂 🙂

    Da hat es sich dann aber schon mit den Gemeinsamkeiten. 😉

    Versteh‘ mich nicht falsch… die Hollywood-Maschinerie ist keine Erfindung der Neuzeit, ich glaube nicht einmal, dass die Jagt nach dem perfekten Schönheitsideal heute brutaler abläuft als früher, sagen wir 1950. Sie hat sich verändert, aber im System steckt das gleiche Prinzip.
    Ich finde es einfach nur gefährlich wenn Menschen dieses aufwendig erzeugte Ideal versuchen nachzuahmen, ohne sich bewusst zu machen, dass es mit Illusionen durchtränkt ist… von denen ein Teil Bildbearbeitung ist.
    Ich glaube auch, dass Portraits von Theaterschauspielern natürlich besser funktionieren und nah beim Menschen bleiben sollten. Dazu gehören nicht unbedingt die Augenringe, die man mitgebracht hat, weil man früh aufgestanden ist oder gerade Stress hatte, denn die hat man nicht immer. Aber dazu gehören Mimikfalten, unbedingt. Dazu gehören keine Pickel, weil die nie eine Gesichtsverbesserung darstellen, aber warum sollte man das Foto nicht so entwickeln, dass man sieht – jep, die blauen Augen hat sie wirklich.
    Ich möchte, dass meine Portraits so aussehen, wie ich… wenn ich beispielsweise gerade zwei Wochen in Norwegen war. Einfach gut beieinander.

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