Je nach Rolle kann Bühnenarbeit ein Abonement für blaue Flecken, aufgeschürfte Knie, Blessuren verschiedensten Ausmaßes sein und für das Vorkommen verschiedener Schübe von ausgewachsenem Muskelkater verantwortlich zeichnen. Und während die meisten Menschen sich solche körperlichen Zustände bei Sportveranstaltungen abholen führen die Erklärungen von Schauspielern in solchen Fällen eher zur Verblüffung der Gegenseite.

„Bist du gestürzt?“ (Blick auf die Schürfwunde an der Kniescheibe)

„Nein, ich bin ein paar Stunden mit nackten Knien auf einem Bühnentuch herumgerobbt!“

„Aha…?!?“ (kurze Pause, das Gegenüber denkt…)
„Und das macht dir Spaß, ja?“

Und die Antwort lautet tatsächlich: „JA!“ Das hat nichts mit Masochismus zu tun oder Pflasterfetischismus. Es gehört einfach manchmal dazu während man rausfindet was eine Szene, was eine Rolle sein kann. Genauso wie schwitzen, Staub, diese lustigen Wollmäuse, die sich in den Ecken von Bühnenportalen zusammensammeln und Schrauben, die man auf einer Bühne immer findet und die auf geheimnisvolle Weise auch immer wieder auf den Bretter herumliegen, egal wieviele von ihnen man auch aufsammelt.

Im Vergleich dazu ist die Arbeit als Sprecherin dekadenter, bequemer Luxus. Man hat den Kaffee in Reichweite, den Text vor sich, verläßt das Studio unverschwitzt und sauber – und wird geradezu unanständig gut bezahlt dafür dass sich einem Theatermenschen der Eindruck aufdrängen muss man hätte überhaupt nicht gearbeitet.
Man mag es bereits erahnen… natürlich arbeite ich als Sprecherin, natürlich finde ich es materiell komfortabel, natürlich ist das auch eine gestalterische Aufgabe …aber ein Tonstudio wird für mich immer ein Arbeitsplatz sein. Und die Bühne betreten ist Zuhause.
In diesem Sinne habe ich ein Tonbeispiel herausgesucht, das mehr mit mir zu tun hat als kommerzielles sprechen. Es handelt sich um einen Kinospot, eine kleine in sich geschlossene Geschichte, die Teil einer Kampagne war, die eine Freundin von mir gestaltet hat zum Thema „Organspende“. Außerdem ist er ein schönes Beispiel dafür, was für Diskussionen und Stimmenwirrwarr man mit nur einer einzigen Sprecherin anzetteln kann.

RecycleYourself

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