Wir leben in einer Zeit, in der ein nordkoreanischer Diktator und ein amerikanisches Diplomatiegenie einander mit Nuklearschlägen bedrohen um einen Krieg zu vermeiden. Clever.

Diese brisante Kindergartenlogik beweist: die Apokalypse gehört in die Hände von Fachleuten… vorzugsweise Schauspielern.

Dort ist sie nicht nur unbedenklich für die menschliche Spezies. Sie ist dann vor allem auch unerwartet unterhaltsam.

„Nekropolis – Bite Club“ hatte die ersten beiden Vorstellungen.

Die zweite Folge der städteübergreifenden viralen LiveHörSpiel-Reihe der Theater Konstanz, St.Gallen und Aachen steuert vollkommen unverhohlen den Menschheitsuntergang an und kommt dabei ganz ohne frustrationsschürende Gesellschaftsendzeitabrechnung aus.

Das ist nicht zuletzt der Lebendigkeit des skalpellfein beobachteten Textes von Anita Augustin geschuldet, der seine Figuren ernst nimmt, sorgsam im Grenzbereich von Sehnsucht, Wirklichkeit und Wahnsinn balanciert und dabei mühelose Sprachbrücken baut zwischen Nachdenklichkeit, Witz und Aberwitz.

Regisseur Eike Hannemann zettelt damit ein vergnügliches „end of the humans as you know them“ an (nach Belieben zu singen auf eine bekannte Melodie von R.E.M). Ein infektiöses Spiel aus Szene, Klang und ungezählten Requisiten. Ansteckungsgefahr beabsichtigt.

Denn die Menschen in „Nekropolis“ sind keine Fremden, keine Formen, keine Formalien. Wir kennen sie. Wir erkennen sie irgendwie wieder. Wir leben mit ihnen. Wir sind sie.

Das macht sie so unterhaltsam… und seltsam unausweichlich. So wie wir selbst – ergänzt um die Frage „Was wäre wenn…sich plötzlich etwas ganz grundlegend mit uns ändert?“. Denn was ist schon Untergang und was Befreiung?

„Let’s call it Grauzone.“

„Nekropolis – Bite Club“ – ein letztes Mal am 11.05.2017 / 20h / in der LOKremise / St.Gallen

Das Bild entstand nach der zweiten Vorstellung in der Garderobe und liefert drei unübersehbare Beweise:

  • Man kann auf der Bühne unfasslich viel Spaß am Menschheitsuntergang haben.
  • Man kann auch bei einem „Hörspiel“ ziemlich dreckig werden – denn vor der Vorstellung war das Kostüm sauber… und die Darstellerin auch.
  • Ein blaues Auge kann auch gut aussehen.