Kann da bitte jemand ein Theaterstück draus machen?

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– Donald Trump soll sich in der vergangenen Woche darüber beschwert haben, dass George H.W.Bush’s Staatsbegräbnis zu viel Raum einnimmt und ihm Aufmerksamkeit entzieht.

– Donald Trump arbeitet an Plänen Einwanderer ausweisen zu können sobald sie soziale Programme in Anspruch nehmen… unabhängig davon wie lange sie bereits legal in den USA leben.

– Donald Trump arbeitet an Plänen das biologische Geschlecht zur einzig gültigen Geschlechterdefinition zu erheben… wodurch z.B. Transsexualität in den USA per Gesetz “ausgerottet” wäre.

– Donald Trump erwägt alle Telefone im Land anzapfen und die Daten in einem Computer des FBI zu sammeln.

– Donald Trump soll gegenüber dem Personal des Weißen Hauses geäußert haben, dass ihn die Staatsverschuldung nicht interessiert, da sie erst kritische Folgen haben könne, wenn er nicht mehr im Amt sei.

– Donald Trump arbeitet an Plänen für eine „Super-Union“, die er notfalls mit Gewalt erzwingen will.

Das sind sechs Aussagen über Donald Trump.

Zwei davon sind fiktiv.

Und mein Punkt ist, dass Sie möglicherweise gerade Schwierigkeiten haben sicher zu identifizieren, welche zwei es sind.

Deswegen ist das 1965 veröffentlichte Buch “Night of Camp David” (dt.Titel “Der Präsident”) von Fletcher Knebel nicht nur mein weihnachtlicher Lese- und Geschenktipp für alle “not so much Trumper”.

Dieses Buch gehört eigentlich theatralisiert und als Kammerspiel aufgeführt.

And here’s why…

Der junge Senator Jim McVeigh wird vom amtierenden Präsidenten Hollenbach als Vizepräsident für seine zweite Amtszeit erwogen. Aus diesem Grund lädt ihn der liberal demokratische und allseits geschätzte Präsident immer wieder ein, ihn nach Camp David zu begleiten.

(Ich weiß, noch halten sich die Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit in Grenzen. Donald Trump ist weder liberal noch demokratisch, mit Umfragewerten von rund 38% auch nicht allseits geschätzt, verbringt seine Zeit in Mar-a-Lago und hat nicht die Angewohnheit sich mit politischen Talenten zu umgeben.
Bleiben Sie trotzdem bei mir.)

Es ist eine dieser Nächte in Camp David, in der der Präsident Jim McVeigh, und nur Jim McVeigh, in seine parallele Gedankenwelt einlädt.

Seine Pläne für Verbrechensbekämpfung sehen eine automatische Überwachung und Datenspeicherung für jeden US-Bürger vor. Denn ehrenwerte Bürger hätten ja nichts zu befürchten und allen anderen könne man damit das Handwerk legen.

(Im Verlauf des Buches beurteilt Supreme Court Justice Grady Cavanaugh diese Idee als brandgefährlich.
Tatsächlich wurde ein Kavanaugh am 6. Oktober 2018 zum Richter auf Lebenszeit im Supreme Court ernannt – dieses Buch ist sogar namentlich spooky.)

Im weiteren Verlauf der Unterhaltung schildert der Präsident seinen “Aspen Plan” – den Zusammenschluss der USA mit Canada und Skandinavien.

Und Skandinavien soll dabei sein weil:

“Scandinavia .. will bring us the character and the discipline we so sadly lack. I know these people, Jim. I’m of German extraction, but many generations ago my people were Swedes who emigrated to Germany.”

What the heck?

(Natürlich ist Präsident Trump deutscher Abstammung. Allerdings verleugnete er das früher gerne und behauptete seine Vorfahren stammten aus Schweden.
Zu den nordischen Ländern, deren Bevölkerung er sich scheinbar vorwiegend blond und blauäugig vorstellt, zeigt er noch heute eine wiederkehrende Neigung und beklagte:
„Why do we want these people from all these shithole countries here? We should have more people from places like Norway.“)

Mit den Alliierten in Europa will Präsident Hollenbach brechen und prognostiziert, dass sie der neuen Union bald ohnehin beitreten wollen würden. Und falls nicht, müsse man sie eben überzeugen.

Als McVeigh ihn fragt, ob er das militärisch meint, antwortet Hollenbach:

“Only if necessary, and I doubt it ever would be. There are other kinds of pressure, trade duties and barriers, financial measures, economic sanctions if you will.”

(Die Parallelen zu Donald Trumps globalem Handelsverständnis sind ebenso bemerkenswert wie offensichtlich.)

Präsident Hollenbach erklärt McVeigh gegenüber die Überzeugung, dass sich die amerikanischen Medien gemeinsam mit seinen politischen Gegnern gegen ihn verschworen haben und versucht den CIA Director Carter Urey abzusetzen.

(Die “witchhunt”, “angry demmocrats” und der gefeuerte Ex-FBI-Chef James Comey lassen grüßen.)

Im späteren Verlauf schreibt Hollenbach verstörend beleidigende Briefe an Vertraute in seiner Umgebung (jüngst nannte Präsident Trump seinen Ex-Außenminister “dumm wie Brot” und “faul”… via Twitter, 1965 eben noch nicht erfunden) und will nach Russland reisen um mit dem dortigen Präsidenten, zu dem er sich engere Beziehungen wünscht (…wirklich???), die drohende Entwicklung einer nuklearen Bombe durch China zu diskutieren (bitte nach Belieben durch Nordkorea ersetzen).

McVeigh ist klar, dass er handeln muss. Aber was kann er tun, was darf er tun? Der Mann ist gewählt.

Er redet mit dem Verteidigungsminister, seiner Partei, dem Arzt des Präsidenten, dem Kongress. Und was tun, wenn sich die einzigen Beweise für die wahre Geistesnatur des amtierenden Präsidenten im Besitz von dessen Affäre Rita befinden?

(Diese Parallele führe ich hier nicht aus, weil viel zu offensichtlich… bei Bedarf bitte “Donald Trump”+spanky googeln.)

Was tut ein Staat, eine Demokratie, was tun deren Institutionen, wenn der gewählte Anführer des Landes nicht bei Trost ist? Und wie beweist man, dass er nicht bei Trost ist?

Die amerikanische Verfassung kennt den 25. Zusatz, das Amtsenthebungsverfahren für den Präsidenten. Es ist unfasslich kompliziert, unzureichend definiert und setzt auf unrealistisch hohe Mehrheiten, die kaum erreicht werden können, wenn eine Partei des Zweiparteiensystems der USA sich stur stellt.

Was also…?

In einer Buchbesprechung der New York Times nannte David Dempsey “Night of Camp David” 1965 “…ein wenig zu plausibel, um angenehm zu sein.”

Mr. Dempsey… was glauben Sie, wie sich dieses Buch 2018 anfühlt?

Bei Amazon ist die englische Version “back on popular demand”…

Woran das wohl liegen mag?

Credits Fotos:
Erstes Bild – Attributions: Max Goldberg [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons / Source: https://www.flickr.com/photos/max-goldberg/24123224679/
Zweites Bild – Author: Gage Skidmore Source: https://www.flickr.com/people/22007612@N05 via Wikimedia Commons

Ein dolles Ding – das Hang

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Der 31.Juli ist der “Tag der ungewöhnlichen Musikinstrumente”.

Morgen, am 1.August, ist die Schweizer Bundesfeier, die Fête nationale suisse, Festa nazionale svizzera, Fiasta naziunala svizra (das war Rätoromanisch) – der Nationalfeiertag der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Die Schweiz wird rot/weiß geflaggt, es gibt Feiern und eigentlich eine Menge Feuerwerk und weithin sichtbare Höhenfeuer.
Eigentlich… denn dieses Jahr haben die meisten Kantone wegen Hitze, Dürre und der bestehenden Waldbrandgefahr ein Verbot dieser Traditionen ausgesprochen.

Ich verbinde jetzt mal beide Tage und stelle Euch mein Lieblingsinstrument vor… mein absolutes Lieblingsinstrument. Made in switzerland. Das Hang.

Das Wort ist Berndeutsch und bedeutet “Hand”.
Denn so wird das Instrument gespielt… mit den Händen… mit fliegenden Händen…

Das Instrument wurde von 2001-2013 von der “PANArt Hangbau AG” gebaut, besteht aus tiefgezogenem, gasnitrierten Stahl und bekommt seine Klangfarben in einem einzigartigen, nach den beiden Erfindern benannten, „Rohner-Schärersche Stimmprozess“.

Obwohl es mittlerweile weltweit eine kleine Auswahl namhafter Hersteller gibt, sind das die Alleinstellungsmerkmale des Hang… andere Instrumente, selbst wenn sie auf den ersten Blick gleich oder ähnlich aussehen, heißen Handpan.

Hang und Handpan sind fraglos Rhythmusinstrumente – aber keine Schlaginstrumente. Anders als bei Steeldrums oder Steelpans sollen keine Schlägel verwendet werden. Sie beeinträchtigen einerseits die sensible Stimmung des Instrumentes – andererseits verringern sie die Klangvielfalt, die von Händen erzeugt werden kann.

Denn diese Instrumente werden mit der ganzen Hand gespielt, den Fingern, dem Finger, Teilen der Handfläche, den Knöcheln, der Handwurzel.
Sie werden nicht “getrommelt”, sie werden berührt, dosiert getippt, angeschlagen, gedrückt, gestrichen – die Klangvielfalt der Hände auf diesem Instrument ist schlicht vollkommen unbegrenzt und dem individuellen Gespür überlassen.

Die beiden Erfinder, Felix Rohner und Sabina Schärer, beschreiben ihre Zielsetzung für die Verwendung so:

“Unsre Arbeit ist nicht auf musikalische Normen ausgerichtet, welche Studium, Übung und Leistung fordern. Hangspiel kann zu einer Form der Freiheit führen, die sich jedem Druck und jeder Nötigung widersetzt.“

Das Instrument ist aber auch ein Melodieinstrument – auf dem selbst bekannte Melodien gespielt werden können. Weitaus häufiger aber sind Eigenkompositionen und freie Improvisation.

Es ist beides gleichzeitig. Rhythmus und Melodie.

Das Instrument ist magisch. Es gibt dem Begriff “Handwerk” eine völlig neue Bedeutung, sowohl durch seine Herstellung, als auch durch die Spielweise.
Es klingt immer, als würde es sich vervielfachen, während man es spielt – denn es ist verblüffend zu glauben, das alles, was man hört, tatsächlich nur von zwei Händen und diesem einem Instrument erzeugt wird.

Obwohl es sehr harmonisch mit nahezu allen Instrumenten kombiniert werden kann…

…ist es mir immer am liebsten, wenn es alleine klingt. Die Weichheit, Vielfalt, die Rundung und Dynamik des Klangs von Melodie und Rhythmus verdienen die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Das Instrument hat inzwischen gelegentlich Eingang in Konzerthäuser und -reihen gefunden, man begegnet ihm aber am ehesten an öffentlichen Plätzen. Das war bei mir nicht anders, vor etwa 10 Jahren in der Regensburger Fußgängerzone. Und es war love on first sound. Eine ganz unmittelbare Verzauberung und Berührung… vom ersten Augenblick an und bis heute.
Seitdem habe ich mir viele Hang und Handpan-Kompositionen angehört.
Der Musiker von damals, Sam Maher, ist aber tatsächlich immer noch mein Lieblingskünstler. Und das ist mein Lieblingsvideo von ihm.
Zum Tag der ungewöhnlichen Musikinstrumente – Enjoy!

Anmerkungen:

Nach einiger Überlegung habe ich die eingebundenen Videos ausschließlich nach musikalischen Gesichtspunkten ausgewählt. Es finden sich deshalb Handpans anderer Hersteller unter den Videos.

Der Titel des Beitrags ist ein Wortspiel – die kleine Kuppel in der Mitte des Instrumentes heißt “Ding” und wird zumeist eine Quinte oder Quarte unterhalb des tiefsten Tons des Klangkreises gestimmt.

Vergessen Sie Netflix! – Heute astronomisches binge-watching!

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Wer heute Abend nicht in den Nachthimmel schaut, der muss sich bloß bis ins 22. Jahrhundert gedulden, bevor er wieder etwas vergleichbares zu sehen bekommt.

Und da das hier ein Theaterblog ist, behandeln wir Astronomie doch einfach einmal als das, was Astronomie ist – die spektakulärste Aufführung, die es im Freilicht so gibt. Vollgestopft mit überdimensional dramatischen Effekten und einer unglaublich beeindruckenden visuellen Sprache.

Beginn der Vorstellung: gegen 20 Uhr 58 (MESZ)

1. Akt: (Auftritt – Mond und Sonne)

Wenn der Mond über dem Horizont erscheint befindet er sich bereits weit im Kernschatten unseres eigenen Planeten und wird als gleißende schmale Sichel sichtbar.
Grund dafür ist die Reihenfolge der astronomischen Objekte von der Sonne aus betrachtet, die sich kurz so darstellen lässt:

Sonne ———> Mond ———> Erde  =  Sonnenfinsternis

Sonne ———> Erde ———> Mond  =  Mondfinsternis

Mond ———> Sonne ———> Erde  =  ähm, Houston, we have a problem!

21 Uhr 30 – Beginn der Totalität, in der das Sonnenlicht den Mond nur noch indirekt beleuchten kann, weil er vollständig im Schatten unseres Planeten liegt.

Dabei passiert das Sonnenlicht die tieferen Schichten unserer Atmosphäre, bevor es in den Kernschatten abgelenkt wird und den Mond trifft.
Langwelliges Licht, also vor allem der orange bis rötliche Anteil, schafft das besonders gut und färbt so unseren Trabanten in sein bräunlich – rötliches – mystisches Kostüm.
23 Uhr 13 endet die Totalität und der nach rechts wandernde Kernschatten gibt langsam den weiß strahlenden Mond wieder frei.

2. Akt: (Auftritt Mars)

Alle zwei Jahre wird der rote Planeten mit Sonden der neugierigen Menschheit beschickt, denn dann steht er in Opposition zur Erde. Das passiert, wenn die Erde den Mars auf ihrer eigenen engeren Umlaufbahn überholt. Heute Nacht sind alle drei Darsteller mit dem Theater Erde auf einer Linie… wir haben also:

Sonne —> Erde —> Mond —> Mars

Dabei kommt der, nach heutigem Wissensstand, einzige Planet, der ausschließlich von Robotern bewohnt wird, dem Heimatplaneten seiner Bewohner am nächsten… und dieses Jahr so nah wie seit 2003 nicht mehr.

Damals landeten dort die NASA-Rover “Spirit” und “Opportunity” – gegenwärtig befindet sich “InSight” im Anflug.
Niedliche 7 Monate wird die Sonde brauchen um ihr Ziel Ende November zu erreichen. Das sind satte 3 Monate weniger als in anderen Oppositionsjahren.

Der abgedunkelte Mond rückt den nahen, und deswegen bedeutend größer sichtbaren, roten Planeten in dieser Nacht besonders strahlend ins Rampenlicht.

Wenn man sich vom Mond aus eine gerade Linie nach unten denkt und diese nur wenige Grad nach rechts verschiebt – dann findet man unseren rötlich leuchtenden Nachbarplaneten heute ganz mühelos.

3. Akt: (Auftritt – Internationale Raumstation ISS)

Auch die Raumfahrt lässt es sich nicht nehmen dem heutigen Spektakel einen Gastauftritt beizusteuern.

                                 –> ISS –>
Sonne –> Erde                          Mond –> Mars

In St.Gallen erscheint die Fußballfeldgroße Station um 22 Uhr 34 am Nachthimmel und und rast dann als leuchtender Punkt mit 28.000 Stundenkilometern 4 Minuten lang von Nordwest nach Ostnordost.

Gegen 00 Uhr 19 wird der Mond dann den Kernschatten vollständig verlassen haben, 71 Minuten später auch den Halbschatten, der ihn noch eine Weile mit einem rötlichen Schleier überzogen hat.

Theaterkassen:
Im Großraum Zürich haben die Urania-Sternwarte sowie die Sternwarten in Bülach, Rümlang und Winterthur am Abend der Mondfinsternis geöffnet.
Es darf als sicher angenommen werden, dass sie nicht die einzigen sind.
Von wo immer aus Sie also das hier lesen – wenden Sie sich vertrauensvoll an die Sternwarte in Ihrer Nähe!

Wer mehr etwas für freie Platzwahl übrig hat sollte folgendes beachten:

– Wählen Sie einen Ort mit möglichst geringer Lichtverschmutzung, abseits von direkt oder indirekt einfallenden Lichtquellen.

– Bevorzugen Sie Orte mit freier Sicht nach Südost und Südsüdost. Die ISS kommt zwar woanders her, aber sie wird hoch genug fliegen, die sehen Sie ohnehin.

– Packen Sie eine Decke ein! In der Luxusvariante auch eine Liege oder einen Klappstuhl mit verstellbarer Lehne. Diese Aufführung findet mehrere Stunden lang über Ihnen statt – man genießt sie am komfortabelsten liegend, Ihr Nacken wird es Ihnen danken.

Pause: keine.

Einlass: jederzeit, auch nach Vorstellungsbeginn.

Ich wünsche außerordentlich viel Vergnügen!

Weiterführende Links:

Was ist was und wo ist es am Himmel zu finden – Stellarium …eine quelloffene, plattformübergreifende, freie Planetarium-Software in 3D.

Spot the station – wann die Internationale Raumstation wo wie lange zu sehen ist.

Das Theater mit der Demokratie

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Gegen die CSU wird demonstriert. In München. Mindestens 20.000 Menschen haben sich zu diesem Zweck trotz Regen versammelt. Der Veranstalter sprach von bis zu 50.000.

Zu der angemeldeten Demonstration aufgerufen haben Flüchtlingsorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche Einrichtungen, Parteigruppierungen, Kulturschaffende und viele mehr.

130 Organisationen umfasst die Unterstützerliste der Demonstration #ausgehetzt – Gemeinsam gegen die Politik der Angst!”.

Für die CSU sicher keine angenehme oder gewünschte Unternehmung – aber eine Partei, mit einem Grundverständnis für das Einmaleins der Demokratie, muss das aushalten.

Denkt man so. Ist aber nicht so.

Besonders die kulturschaffenden Unterstützer sind ins Visier der Münchner CSU gerückt.

Volkstheater-Intendant Christian Stückl und Kammerspiele-Intendant Matthias Lilienthal hatten die Demonstration unterstützt und zur Teilnahme aufgerufen.

Das ist ein für Theaterschaffende keineswegs abwegiges Verhalten – wird doch auf deutschen Bühnen seit 1787 der Satz gesagt “„Sire, geben Sie Gedankenfreiheit.“.

Zwei Intendanten subventionierter Kulturbetriebe, die, nicht rechtswidrige, Überzeugungen öffentlich geäußert und andere eingeladen haben sich dem anzuschließen, wenn sie sie teilen. Ein furchtbar normaler Vorgang von Meinungsfreiheit innerhalb einer Demokratie.

Denkt man so. Ist aber nicht so.

Nicht für die CSU.

Die beiden Theater seien Eigenbetriebe der Stadt, sie verletzten somit die Neutralitätspflicht für städtische Einrichtungen. Die Münchner Stadtrats-CSU stellte einen Antrag an SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter – er solle Lilienthal und anderen Mitarbeitern des Theaters die Teilnahme untersagen.

Als Mensch mit Vorliebe für und Verständnis von Demokratie denkt man jetzt vielleicht: “Meinen die das ernst?”

Eine angestammte deutsche Partei, der Verfassung verpflichtet mit allen Schönheiten, die sich darin so befinden?

Ja, die meinen das absolut ernst.

Und um dies zu unterstreichen blieb der Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) nun der Vertragsverlängerung des Volkstheater-Intendanten Christian Stückl fern – und begründete dies schriftlich mit der Haltung Stückls.

Also “Wes Brot ich fress, des Lied ich sing” als neue demokratische Grundregel?

Frage: darf man Politiker zu Staatskundeunterricht verpflichten, wenn sie allzu deutlich beweisen, dass ihnen die Prinzipien von Demokratie und Grundgesetz fremd sind?

Jede(r) Deutsche darf zu jeder Zeit aus jedem Anlass als Privatperson friedlich an jeder angemeldeten verfassungskonformen Demonstration teilnehmen.

Und niemandem darf von irgendwem eine solche Teilnahme untersagt werden. Das gilt selbst für Beamte.

So einfach.

Das ist nicht mal schwer zu verstehen. Das ist nur manchmal schwer auszuhalten. Zugegeben, mir gefallen auch nicht alle Demonstrationsgründe, ich bin kein Pegida-Fan.

Aber das Recht auf Meinungsäußerung im Rahmen unserer Verfassung, das Recht Regierende auf Stadt-, Bundesland- und Staatsebene kritisieren zu dürfen ist kostbar genug um auszuhalten, dass auch Andersmeinende es wahrnehmen.

Es gehört zur Demokratie. Es gilt immer noch…

Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich würde mein Leben dafür einsetzen, daß Sie sie äußern dürfen.

Voltaire (1694-1778)

Parteiübergreifend wird ein Rechtsruck beklagt. Gut. Schön.

Woher soll ein widerstandsfähiges Demokratieverständnis kommen, wenn nicht einmal Politikschaffende es an den Tag legen?

Wenn verfassungskonformes politisches Bewusstsein und Aktivität angegangen wird, sobald die selber favorisierte Spur verlassen wird?

Mündige Bürger(innen) einer Demokratie nutzen ihren Mund auch dazu Dinge zu sagen, die man vielleicht nicht hören will. Und das muss man aushalten. Damit muss man umgehen ohne es verbieten lassen zu wollen.

Und wenn man das nicht kann, dann verdient man eine Quittung.

Liebe Bayern, am 14.Oktober dürft Ihr wählen… dafür muss man nicht mal ‘raus in den Regen. Und Wahlen sind der beste Weg Politikschaffenden beizubringen was Demokratie bedeutet.

Bis dahin kann die Partei mit dem “C” vor dem “S” ja mal überdenken, warum sie in ihrem Kulturärger übersieht, dass auch kirchliche Einrichtungen diese Demonstration unterstützt haben.

Weiterführender Link:
Nach der Veröffentlichung dieses Beitrags erschienene, höchst lesenswerte Kolumne von Georg Diez… >>>

Wir müssen reden – das Heidelberger Theater diskutiert

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In den 60iger Jahren unterzog William Randolph Lovelace II eine Auswahl von Kandidatinnen den gleichen Tests, die auch von den männlichen Astronauten der NASA bestanden werden mussten.
Alle Kandidatinnen waren ausgebildete, erfahrene Pilotinnen, alle hatten akademische Abschlüsse.
Dreizehn Frauen, die “Mercury 13” bestanden alle Tests, einige mit besseren Ergebnissen als ihre männlichen Konkurrenten.

Keine wurde von der NASA in ihr Raumfahrtprogramm aufgenommen.

In einer Senatsanhörung wurde festgestellt, dass sie den NASA-Ansprüchen nicht genügen könnten. John Glenn, den die NASA ohne den eigentlich erforderlichen Collegeabschluss aufgenommen hatte, bemerkte dazu:
„The fact that women are not in this field is a fact of our social order.“

Is it?

2017 rekrutierte die NASA zuletzt neue Mitglieder für ihr Astronautenchor. Zwölf handverlesene Neulinge wurden ausgesucht – sechs Männer und sechs Frauen.
Die NASA hat diese Wahl nicht getroffen, weil sie urplötzlich Geschlechtergleichstellung für sich entdeckte. Sie hat sie aus Eigennutz getroffen …weil inzwischen jahrzehntelange Erfahrung und ihre eigenen Studien besagen, dass gemischte Missionsteams am erfolgreichsten sind.

Es hat sich also was getan.
Aber was ist zu tun übrig?
Und warum tun wir uns damit so schwer?

Warum explodiert die Kommentarseite von SPIEGEL Online, wenn eine Rentnerin von ihrer Bank erwartet “Kundin” genannt zu werden, statt “Kunde”. Warum echauffieren sich dort Leser… die selbst wahrscheinlich verwundert wären “Leserin” genannt zu werden?

Warum sprechen Männer und sogar Journalisten im Zusammenhang mit der MeToo-Bewegung von einer “Hexenjagd” und vergessen dabei vollkommen, dass dieser Begriff eben nicht die Ungerechtigkeit der Verfolgung von Männern durch Frauen beschreibt – sondern umgekehrt?

Warum sind es oftmals gerade starke Frauen, die finden, klar, strafbares Verhalten müsse geahndet werden, aber gegen den Alltagssexismus könne man sich doch wehren …statt zu fragen, wieso Frauen sich überhaupt wehren können müssen?

Island hat ungleiche Löhne für gleiche Arbeit seit Anfang dieses Jahres schlicht und einfach mal gesetzlich verboten.
Deutschland hat eine Kanzlerin, aber eine Lohnungleicheit von satten 21%. Wieso?

Männer und Frauen sind nicht gleich.

Aber bedingen biologische Unterschiede ernsthaft unterschiedliche Rechte?

Menschenrechte haben kein Geschlecht… wieso tun wir uns dann so schwer mit der politischen und gesellschaftlichen Umsetzung der logischen Konsequenz daraus?

Warum spricht man immer noch vom starken Geschlecht und meint Männer? Und vom schönen Geschlecht und meint Frauen?

Sind Männer nicht schön?
Sind Frauen nicht stark?
Was ist eigentlich stark?

Und wer legt das fest?

Albert Einstein hat gesagt: „Jeder ist ein Genie! Aber wenn Du einen Fisch danach beurteilst, ob er auf einen Baum klettern kann, wird er sein ganzes Leben glauben, dass er dumm ist.“

Vielleicht müssen wir einfach allen ihre Stärken erlauben – und allen ihre Schwächen?
Schön sein müssen ist Stress. Stark sein müssen auch.
Warum tun wir uns diese Klischees an?
Was unterscheidet uns tatsächlich? Was verbindet uns?

Und vor allem… was könnten wir erreichen, wenn wir all das geschickter kombinieren als immer noch bestehende Geschlechterstereotype uns lassen?

Das Theater Heidelberg redet darüber… beim Sonntagsfrühstück.

In seiner Diskussionsreihe “5 vor 12” stellen Ensemblemitglieder politische und gesellschaftliche Texte vor – die anschließend in kleiner Tischrunde und persönlichem Rahmen diskutiert und verfrühstückt werden.

Diesen Sonntag nehmen wir uns die Frage vor: “Genderhysterie oder überfällige Gerechtigkeit?”. Ich lese einen der Texte – über Hormone und was sie in unseren Körpern anstellen – oder eben auch nicht und wir denken bloß, dass sie es tun.

Kommen Sie vorbei – lassen Sie uns reden.

Treffpunkt: Sonntag, 3.Juni 2018 / 11.55h am Bühneneingang

Eintritt frei. Stattdessen wird um einen kulinarischen Beitrag für’s Buffet gebeten. Die Getränke gehen auf’s Haus.

Seit einer Woche gibt’s mich in HD

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Das ist kein technisches Merkmal, das ist das polizeiliche Kennzeichen von Heidelberg.

Dessen Theater richtet jedes Jahr die Schlossfestspiele aus. Eine bunte Mischung aus Schauspielproduktionen, Musical und Konzerten an verschiedenen Schlossspielorten hoch über der legendenbedichteten Studentenstadt. Ein darstellerisches Outdoor-Abenteuer-Camp mit malerischem Ambiente, Maskenzelt, Seilbahnfahrten und einer fantastisches Aussicht.

Meine Erfahrungen aus dem letzten Jahr besagen, dass das verschiedene Dinge bedeutet:

Erstens – ich werde Spaß haben. Denn ich mag das Ensemble und habe mich sehr auf alle gefreut.

Zweitens – ich werde im Juni bereits so gebräunt sein, wie ich es sonst im August nicht bin.

Drittens – ich werde im Juli ein ungewöhnliches Fitnesslevel erreichen… welches daraus resultiert, dass ich dann bereits seit über vier Wochen fluchend und schwitzend den Schlossberg auf dem Fahrrad bezwinge.

Einiges ist aber auch neu.

Ich habe seltsame Kollegen hinzubekommen. Sie sind pelzig und geradezu verboten niedlich. Deswegen nimmt man sie sehr gerne auf den Arm.

Allerdings …sie pfeifen viel. Das ist am Theater eigentlich nicht erlaubt. Da sie noch sehr klein sind, wissen sie das vermutlich nicht. Aber die meiste Zeit kuscheln sie eh im Körbchen.

Andere Darsteller meckern – in einer Tour…

… ich muss aber sehr betonen, dass das nur die Darsteller mit Hufen tun. Die mit Füßen machen das nicht.

Vor zwei Tagen hatte ich auf dem Weg zur Probebühne eine eher exotische Tierbegegnung.

Ich bin ziemlich sicher, dass dieses Exemplar eigentlich nicht die Felder neben der Heidelberger Bahnstadt bewohnen sollte und hätte sie gerne eingefangen um sie in geeignete Hände zu übergeben.

Mit Schlangen ist es bei mir allerdings wie mit Pilzen… ich hab’ keine Ahnung welche giftig sind und sollte aufpassen was ich mitnehme.

Und weit und breit war kein Stock zu sehen um sie halbwegs fachgerecht distanzvoll einzusammeln.

Es blieb auch keine Zeit jemanden hinzuzuziehen, denn die Schlange fand mich wohl ebenso skuril, wie ich sie und schlängelte sich zurück ins Feld.

In einigen Wochen ziehen wir auf’s Schloss, da KANN es keine Schlangen geben. Ich habe zwei Beine, eine komfortable Schrittlänge und finde es anstrengend dort hochzumarschieren.

Keine Schlange, die bei Trost ist, kann auf die Idee kommen da hochrobben zu wollen.

Und die Seilbahn werden sie ihr nicht erlauben.

Cannes doch nicht wahr sein

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Lars von Trier ist zurück… er kann wieder nach Cannes. Wie schön.

2011 wegen Verständnisbekundungen für Adolf Hitler und abstrus verwirrter Selbstdeklaration als “Nazi” zur „persona non grata“ erklärt und von der Croisette verbannt, darf er nunmehr dieses Jahr seine Serienmördergeschichte “The House that Jack Built” ausser Konkurrenz präsentieren.

Genießen wir doch noch einmal die wahrscheinlich krudeste Pressekonferenz, die das Festival je zu verzeichnen hatte.

Und genießen wir dabei besonders die Körpersprache und Mimik von Kirsten Dunst, die neben dem zusammenhanglos faselnden dänischen Regisseur – wie wahrscheinlich alle ihre Kolleginnen und Kollegen – gerne in jedem Graben versunken wäre… hätte sich gnädig einer aufgetan.

Also darf er wieder nach Cannes, darf sich wieder erläutern, seine Fingerknöchel wieder mit “FUCK” bemalen und sich überlegen, ob er sein T-Shirt mit dem Aufdruck der Goldenen Palme und dem Schriftzug „persona non grata“, mit dem er über die Berlinale stolzierte, für das Festival nochmal hervorkramt.

Serienmörder also, nun gut. Der Film ist hochkarätig besetzt, wie üblich. Wahrscheinlich werden seine Bilder zudem tadellos durchoptimiert sein. Auch üblich. Lars von Trier Filme pflegen die stilistisch entführende Bildkomposition von Diorwerbespots schließlich über Spielfilmlänge durchzuhalten.

Selbstverständlich gesellschaftskritisch gehaltvoller.

Wird es wieder durchmechanisierten, emotionslos zersplitterten Sex geben? Werden sich wieder erklägliche Mengen Blut fotogen über nackte weibliche Haut ergießen? Wird die Gefühllosigkeit unserer Gesellschaft sich wieder in Traumsequenzen zur fotografischen Schönheit erheben? Und die Vereinsamung dekonstruierter Charaktere begründen welche Qualen sie auf der Suche nach irgendwas über sich und andere bringen? Wird ein Fegefeuer wieder Lösung sein?

Falls es noch nicht aufgefallen ist… ich bin kein Fan.

Das liegt nicht an seiner Bildsprache. Das liegt ausdrücklich nicht an der Leistung seiner Darsteller. Und das liegt ganz sicher nicht daran, dass ich zartbesaitet bin.

Zum Vergleich… ich bete die Arbeit von David Lynch an. Er ist mein Gott der Bilder. Ich verehre seine visuelle Sprache. Aber sie ist stets das Transportmittel einer sich verwandelnden Geschichte. Sie umschließt Brutalität und Güte, Schock und Humor, sie kann zart und kalt sein, sie bildet Figuren in unvorhersehbaren Facetten ab und führt sie durch Entwicklungen in denen Tragik und Schonungslosigkeit dadurch enstehen, dass sie eine Wahl hätten – und sie nicht nutzen.
Ich lache und schmunzle in David Lynch Filmen… oft und viel. Bis er dafür sorgt, dass jedes Lächeln erfriert.

Seine Menschen bleiben gefährlich unberechenbar und man traut ihnen alles zu… im guten wie schlechten.

Lars von Trier Filme sind wie eine optisch aufgelöste Psychotherapie, die absehbar schieflaufen wird. Es gibt keine Hoffnung, höchstens Flucht vor dem unabwendbaren. Und die zu klärende Frage im Film ist eigentlich nur: “Wie und wie sehr geht’s schief?”. Denn die Welt ist ein qualvolles Jammertal, das vorgeführt, aufgeführt wird.

Absehbarer zelebrierter Schmerz, kunstvoll eingepackt.

Geplante Schockeffekte, die man nicht ewig steigern kann und bei denen ich mich vor allem vor den Spezialeffekten der Maske verneige – aber das tue ich bei “The Walking Dead” auch.

Was soll’s – holt die rostige Schere ‘raus, es muss doch noch was abzusäbeln geben… über das jene cineastische Feinschmecker anschließend kontrovers diskutieren können, die sonst bei der kleinsten Blutlache Zeter und Mordio schreien.

Er langweilt mich, kunstvoll und absichtsvoll provokant. Und Cannes kann nicht genug kriegen davon.

Dabei müsste man sich nur mal in seiner Verwandschaft umschauen.

Im September 2017 feierte Joachim Triers Film “Thelma” eine vom Mainstream-Kino zu Unrecht relativ unbeachtete Premiere.

Die norwegische Produktion ist unfassbar gut besetzt, besticht mit soghaften Bildern und entwickelt ganz langsam, sanft, fast liebevoll ein zwischenmenschliches Grauen in dem alle schuldig sind – und niemand. Die kalte, ruhige und nüchterne Beiläufigkeit, das nachdrückliche Spiel aller und die übergeordnete Schönheit der Bilder gestalten einen Kopf und Gedanken zwingenden Film – der in Cannes ohne weiteres verdient hätte gezeigt werden können.

Wenn man einen Trier will, dann hätte man auch diese Wahl treffen können.

Aber Cannes möchte Lars von Trier. Denn der Schmerz ist ein dunkler Wald und das Filmfestival vermisst seinen Förster.

Wenn Himmelspaläste abstürzen

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Regelmäßige Leser*innen meines Blogs wissen, dass ich einigen nerdigen Hobbys fröne. Als besonders intensiv zu benennen wäre Astronomie und Raumfahrt. Und normalerweise bin ich es, die sehr gerne jede sich bietende Gelegenheit nutzt um Menschen auf den Zauber der Sterne aufmerksam zu machen und alle technologischen Wege, die wir gefunden haben unser Universum besser zu verstehen und zu erkunden.

Augenblicklich ist das anders. Augenblicklich werde ich gefragt.

Das ist selten und liegt an einem Himmelspalast, der über die Osterfeiertage den Himmel entgültig verlassen wird.

Die erste chinesische Raumstation “Tiangong 1” (übersetzt “Himmelspalast 1”) wurde 2011 als erstes von drei geplanten Raumlaboren gestartet und diente der chinesischen Raumfahrtagentur CNSA vorallem als Erfahrungsgewinn. An ihr wurden Kopplungsmannöver mit den Shenzhou -Raumschiffen (übersetzt “Götterschiffe”) erprobt und Langzeitaufenthalte von Taikonauten (internationale Ableitung von „taikong ren“ (Raumfahrer), welche sich widerum ableitet von „Taikong“, was so viel wie großer Himmel/Leere bedeutet).

“Tiangong 2” wurde 2016 erfolgreich gestartet.

Sechs Monate zuvor war der Funkkontakt zum ersten Himmelspalast abgebrochen – und das ist jetzt das Problem.

Um eine Raumstation kontrolliert zu entsorgen muss man ihren Wiedereintritt in die Atmosphäre auswählen und sie dafür zu einem genau berechneten Zeitpunkt abbremsen. Der Geschwindigkeitsverlust senkt die Station in die Atmosphäre der Erde. Dabei entsteht ein gerütteltes Maß an Hitze, die wie eine Art luftige Müllverbrennung funktioniert, die Raumstation erst gründlich zerlegt und dann verglüht. Übrig bleiben Bauteile aus Materialien, die besonders hitzeresistent sind und Temperaturen um die 1800 Grad Celsius überstehen können.

Bei der russischen Raumstation “Mir” (russisch “Frieden” oder “Welt”) waren das rund 40 Tonnen, die in Pazifischen Ozean versanken.

Ohne Funkkontakt allerdings gibt es kein Bremsmannöver und die Schwerkraft wird zum Kontrollzentrum. Das bedeutet, man kann keine Wasserfläche auswählen und eine Vorwarnung herausgeben.

Unwissenschaftlich gesagt – “Das Ding kommt einfach ‘runter.”

Das klingt drastisch. Und gefährlich. Und ist wahrscheinlich der Grund, warum ich gerade öfter nach Raumfahrt gefragt werde als üblich.

Beleuchten wir also die Fakten.

“Tiangong 1” ist unbestreitbar eine Errungenschaft, aber die Raumstation ist auch ein Winzling. Ihre Größe entspricht in etwa einem amerikanischen Schulbus. Beim Start wurde ihr Gewicht mit gerade mal 8,4 Tonnen angegeben. Zum Vergleich – die “Mir” brachte es auf stolze 120 Tonnen Masse, die ISS wiegt satte 450 Tonnen.

Rund 1,5-3,5 Tonnen chinesischer Trümmerteile könnten die Erde erreichen, verstreut in einer Schleppe über einem Gebiet von 1000 bis 1200 km Länge.

Das klingt immer noch viel. Es klingt weniger, wenn man weiß, dass jedes Jahr ohnehin 70 bis 80 Tonnen Raumfahrtschrott vom Himmel fallen.

Und wer Raumfahrt jetzt erst recht unverantwortlich gefährlich findet, der muss bedenken, dass groben Schätzungen zufolge pro Jahr allein etwa 50.000 Tonnen Material von Meteoriten auf die Erde niedergehen. Ab etwa der Größe einer Kirsche überstehen sie die Atmosphäre und schlagen mit dynamischen 20 000 Kilometern pro Stunde ein – was einem Gewehrschuss aus dem All gleichkommt.

Auf einer Fläche von Schleswig-Holstein passiert das vermutlich einmal pro Tag. Trotzdem wurde niemals eine universelle Helmpflicht für Erdbewohner eingeführt. Und niemand sorgt sich wirklich vor die Haustür zu gehen.

Die Presse schreibt von “kühlschrankgroßen Teilen”, die den Erdboden erreichen könnten. Und jeder mit ein wenig Cartoonfantasie hat sofort das Bild des herabfallenden Amboss und einige Befürchtungen. Man möchte nicht mit glühend heissen kühlschrankgroßen Teilen beworfen werden, so viel ist sicher.

Und deswegen sollte man Journalisten für solche Formulierungen einen nicht allzu freundlichen Monolog halten.

Denn der Grund dafür, warum die Trümmermenge so vage angegeben wird ist schlicht der, dass niemand sagen kann was mit der Raumstation beim Wiedereintritt passiert… es ist eine vollkommen ungeprobte Premiere.

Niemand weiß wie hoch die Geschwindigkeit der Eigenrotation wird oder wann Tiangong in wie viele Teile zerbricht – und davon wird wesentlich mitbestimmt werden wie viel Raumstation die Erde wiedersieht.

Und ganz sicher kann niemand sagen welche Größe die kritischen, weil hitzeresistenteren, Bauteile nach ihrem Wiedereintritt haben.

Wen betrifft das mit dem getroffen werden überhaupt?

Die Absturzone erstreckt sich 43 Grad nördlich und 43 Grad südlich des Äquators und viel genauer wird es bis kurz vor dem Absturz auch nicht werden. Erst am Absturztag selbst wird eine Vorhersage des Zeitpunktes im Genauigkeitsbereich von einigen Stunden möglich werden.

Die Wahrscheinlichkeit ist in den Randregionen der Zone erhöht, da die Station sich gemäß ihres Bahnverlaufes länger über diesen Gebieten befindet.

Von welchen Wahrscheinlichkeiten sprechen wir?

In der anzunehmenden Absturzzone befinden sich Ballungszentren, wahr. Vor allem aber viel Wasser, Wüsten und dünn besiedelte Regionen. Die Wahrscheinlichkeit von einem Trümmerteil getroffen zu werden ist etwa so groß wie von einem Blitz getroffen zu werden – zweimal… innerhalb eines Jahres.

Unnötig zu sagen wie viel größer die Gefährdung durch jede bedenkenlos angetretene Autofahrt ist.

Wer “Tiangong 1” trotzdem ein wenig genauer im Auge behalten möchte, dem sei diese Website empfohlen. Sie trackt die Station in Echtzeit und liefert zudem die aktuellen Daten über Geschwindigkeit und Höhe der letzten Tage des Himmelspalastes an seinem ihm namentlich zugedachten Platz.

UPDATE:
Zu den Einflüssen auf die Sinkrate der Station gehört auch das Weltraumwetter. Gemeint sind Fluktuationen des Sonnenwindes, die Auswirkungen auf das Magnetfeld der Erde und die Dichte unserer Atmosphäre nehmen können. Vorhergesagt war eine erhöhte Sonnenaktivität und deshalb größere Atmosphärendichte. Das ist nicht eingetroffen. Deswegen wird die Station nun weniger stark abgebremst als erwartet und unseren Planeten länger umkreisen dürfen.
Damit verschiebt sich der Absturz grob von „tagsüber Sonntag“ auf „Sonntag Nacht bis Montag“.

Sonntag ist der 1. April. Das ist trotzdem kein Scherz. That’s science… und ein comichaftes timing.

 

Credits Bild: ESA – CC BY-SA IGO 3.0

And the OSCAR goes to… ???

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Die OSCAR-Nominierungen sind draußen. Leichte Verwunderung. Sind das wirklich die Nominierungen für den OSCAR, also… den Acadamy Award… Hollywood???

Nicht Toronto? Nicht Venedig?

Die Nominierungen für die Veranstaltung bei der letztes Jahr die Geschichte um einen weißen Jazzpianisten, der den Jazz revolutionieren will, mittelmäßig tanzend und singend bei sechs goldenen Jungs lalalandete… sieben… für kurze Zeit. Die Veranstaltung???

Die Nominierungen sind dieses Jahr… vielfältig.

Erstaunlich viele Liebesgeschichten. Ungewöhnliche Liebesgeschichten zwischen Männern, zwischen Mensch und Fischkreatur, Transgender.

Let’s take a look…

“The Shape of Water” – nominiert in 13 Kategorien… ein hinreißend zart-nüchtern schwelgender Horrorliebesfilm, fantastisch und großartig besetzt. Ansehen, unbedingt ansehen. Man kann sich in diesen Liebesfilm regelrecht verlieben. Mir ging es so.
Und… for heaven sake… gebt Octavia Spencer endlich ihren zweiten OSCAR – sie hatte ihn schon letztes Jahr für “Hidden Figures” verdient.

“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri “ – wütend, komisch, schuldig, unschuldig, fragwürdig, ungerecht, gerecht… zu recht bereits mit Preisen überschüttet und für sieben OSCARS nominiert. Einer davon wird fraglos an Frances McDormand gehen.

Christopher Plummer ist nominiert für “Alles Geld der Welt”. Eigentlich hatte Kevin Spacey seine Rolle und musste dafür fünf Stunden in der Maske älter geschminkt werden. Nach Missbrauchsvorwürfen wurde mit Plummer nachgedreht und er ist fantastisch. Liebe Industrie, lernt daraus… besetzt Menschen im tatsächlichen Rollenalter statt Jüngere in die Maske zu schicken, es lohnt sich.
Aber urteilt selbst… hier der Vergleich:

Zwingend in die Maske musste Gary Oldman… denn er sieht nicht aus wie Winston Churchill, aber er ist Winston Churchill. “Die dunkelste Stunde” ist sechsmal nominiert… darunter Gary Oldman und das Make-up-Team. Die beiden OSCARS sollten es minimal auch sein.

Meryl Streep bricht mit ihrer 21 zigsten OSCAR-Nominierung ihren eigenen Rekord… wer sollte es denn auch sonst tun? Die geschätzte, aber laut Trump “überschätzteste Schauspielerin” aller Zeiten als “Die Verlegerin”. Gefallen wird der Film Trump aber ohnehin nicht, egal ob mit oder ohne Streep… es geht um den Wagemut von Journalismus.

Würde sie gewinnen wäre es ihr vierter OSCAR und sie würde mit Katherine Hepburn gleichziehen. Sie wird nicht gewinnen – wegen Frances McDormand. Aber sie kann das verschmerzen. Es gibt nur zwei Frauen mit drei OSCARS… sie und Ingrid Bergman.

Zum ersten Mal ist mit Rachel Morrison für “Mudbound” eine Kamerafrau nominiert – zum ersten Mal seit 90 jahren.
Der bildgewaltige Film, der Weite einfängt und doch regelrecht im Bild an seinen Menschen klebt, hätte diese Auszeichnung verdient.

Greta Gerwig ist in der Kategorie “Beste Regie” nominiert – als fünfte Frau in 90 Jahren. Diese Bilanz ist beachtenswert.

Der erste Film unter weiblicher Regie wurde 1886 von Alice Guy-Blaché gedreht. Erst 1975 nominierte die Acadamy zum ersten Mal eine Regisseurin – Lina Wertmüller. 2010 erhielt Kathryn Bigelow als erste und bis hierhin einzige Frau einen OSCAR für die beste Regie. Selbst die Unterrepräsentation von Regisseurinnen in Hollywood bedenkend ist das eine erstaunliche Statistik.

Greta Gerwigs Film “Lady Bird” ist eine berührende, trotzige, komische, wunderbare Geschichte über das erwachsen werden und Elternsein und Liebe und viel Chaos, das einfach dafür sein muss. Der Film ist fünfmal nominiert, darunter nocheinmal Greta Gerwig für das Original Drehbuch, die großartige Laurie Metcalf und die verdammt begabte Saoirse Ronan – die leider nicht gewinnen wird… weil… sagte ich schon? …Frances McDormand.

“Call me by your name” – dreimal nominiert… eine tieftraurige und trotzdem seltsam unbeschwerte, nicht zu Ende gelebte Liebesgeschichte zwischen zwei Männern im Norditalien der 80iger Jahre. “Later!” sagen sich die beiden oft, manchmal im Ernst, manchmal aus Spaß. Aber nicht jede Liebe hat ein “Bis später!”. Manchmal hat sie eine Zeit und nur eine.

Ich weiß nicht, wie gut ich mit meinen OSCAR-Prognosen hier bin… aber eins kann ich praktisch garantieren: es wird, es MUSS eine mitreißende, grandiose, wütende, amerikanisch-pathetische, fantastische Musikperformance geben… denn “This is me” ist für “The Greatest Showman” als bester Filmsong nominiert.
Keala Joan Settle wird ihn singen und sie wird umwerfend sein. Sie wird das Publikum von den Sitzen fegen, es wird standing orvations geben und… da bin ich Frances McDormand-like sicher… einen OSCAR.
In diesem Video singt sie den Song das erste Mal für die Crew… schaut selbst, warum ich all das glaube…

 

In deutscher Sache… “Aus dem Nichts” hat es nicht unter die Nominierungen für den besten fremdsprachigen Film geschafft. Als der Film auf die Shortlist für den OSCAR gesetzt wurde war wieder zu hören, was gerade Deutsche oft über “ihre” Oscarkandidaten sagen:
“Ja, die Deutschen müssen halt Nazifilme drehen um Oscarchancen zu haben.”.
Dazu mal zwei Gedanken.
Erstens… nein, müssen wir nicht. Aber es ist ja auch nicht unbedingt gerade so, dass die deutsche Filmindustrie sich schräg-smarten, schrill und schreiend komischen Kulturkommödien verschreibt wie beispielsweise der schwedischen Nominierung “The Square” (übrigens eine absolute Empfehlung, ich habe mich köstlich amüsiert).

Zweitens… natürlich basieren Teile der Geschichte auf den von der neonazistischen Terrorvereinigung NSU begangenen Anschlägen. Aber es geht um mehr. Es geht auch um ein rassistisches Versagen der deutschen Ermittlungsbehörden. Und nicht zuletzt darum wie Hinterbliebene und Opfer von Anschlägen weiterleben, weiterexistieren können… müssen, während das öffentliche Interesse neuen Schlagzeilen weicht und das Leben für alle weitergeht… während ihres zertrümmert bleibt.

Der Film verdient seine Entstehung, die Aufmerksamkeit und seine Preise.

Ganz ohne deutsche Beteiligung finden die OSCARS trotzdem keineswegs statt. Etwas unter dem Radar fliegen immer die Nominierungen für die Kurzfilme. Und dieses Jahr findet sich dort der deutsch-kenianische Film “Watu Wote – All of us”… für den Katja Benrath und Tobias Rosen nominiert sind.

Ein kurzer Film… darüber, dass Menschen grauenvoll sind – und großartig.

Der Film ist ein Jahr nach Trumps Amtseinführung und dem Muslimban genau zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Botschaft nominiert.

Meine letzte Prognose lautet daher… es wird einen deutschen OSCAR geben. Nicht den, an den alle dachten – aber es wird ihn geben.

Oder… zwei??? Gleich zwei???
Vielleicht… denn bei „Bester animierter Kurzfilm“ findet sich „Revolting Rhymes“ und dafür nominiert sind Jakob Schuh und Jan Lachauer. Und sie erzählen uns Märchen. Die wir glaubten zu kennen… aber… nein, es war eigentlich alles ganz anders.
Vielleicht ein OSCAR… ich vergebe auf jeden Fall schon einmal das Prädikat hinreißend und bezaubernd…

Jakob: «Ja zur Kultur in der Ostschweiz, bitte!»

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Als ich 2012 zum vorsprechen nach St.Gallen fuhr betrat ich zum ersten Mal in meinem Leben schweizer Boden. Ich wusste, außerhalb der gängigen Klischees, sehr wenig über das Land und noch weniger über St.Gallen. Als ich engagiert wurde holte ich beides vehement nach. Ich bin gewöhnt neue Städte zu entdecken, aber dieses Mal war es ein ganzes Land und meine Neugier schier grenzenlos.

Land, Stadt, Theater… ich wollte alles wissen. Über letzteres hat mich vor allem eine Tatsache sehr berührt. Das Theater St.Gallen gilt als das älteste bespielte Berufstheater der Schweiz. Man sollte das in Zürich erwarten, in Bern, Basel, in Genf, Lausanne… nein, es ist St.Gallen.

Und das fand ich wunderbar. Immer.

Das erste Laientheater entstand in St.Gallen bereits im Mittelalter, um das Jahr 900 herum. Aber 1801 entstand das Theater St.Gallen offiziell – und blieb. Es wanderte und hatte verschiedene Standorte. 1968 bekam es seine derzeitige Heimat… eine Betonarchitektur, die, zugegeben, nicht jedermanns Geschmack trifft. Ich mochte sie immer. Besonders seit ich wusste, dass dieses Gebäude einen Kniff verfolgt… es vermeidet rechte Winkel und gibt einem an vielen Stellen das Gefühl in einem M.C.Escher-Bild herumzulaufen.

Aber es ist in die Jahre gekommen und bedarf baulicher Verbesserungen… besonders für die Gewerke. Das ist vollkommen fraglos.

Die anstehende Renovierung wird Zeit brauchen und Geld kosten.

Wenn Kultur Geld braucht, besonders wenn sie Extrageld braucht, dann finden sich immer Menschen, oft Politiker, die die Chance ergreifen sie in Frage zu stellen. Ganz grundsätzlich. Lohnt sich das eigentlich? Ist das Kunst oder kann das weg? Oder ist das Kunst und kann trotzdem weg?

Kalkulationen werden aufgestellt. Das ist einerseits vernünftig, andererseits gefährlich. Denn was ein Theater für seine Stadt ist kann schwer beziffert werden. Es ist mit seiner Stadt verwoben. Je länger es dort bereits verweilt, je mehr. Es wird von seiner Stadt geprägt und es prägt seine Stadt. Oft über ihre Grenzen hinaus. Ökonomisch nennt man das „Umwegrentabilität“. Ein verdruckstes Wort, das nichts anderes beschreibt, als dass Theater weit mehr für seine Region erwirtschaftet als bloß die Summe seiner Eintrittskarten. Aber es geht um mehr als Ökonomie.

Etwa 450 Vorstellungen finden jährlich statt… nicht alle im Theater. Manche in Schulen, manche in Migros-Fillialen, manche in Chur, Baden, Visp oder Fribourg.

Über 150.000 Zuschauer aus dem gesamten Bodenseeraum sehen Vorstellungen des Theaters. Nur das Opernhaus Zürich und das Theater Basel hatten in der Spielzeit 2015/16 mehr Gäste.

Vor einigen Jahren verquatschte ich mich nach einer Vorstellung in der Lokremise mit einem Zuschauer. Es war eine schöne angeregte Unterhaltung, bis er sich bedauernd entschuldigte, er müsse seinen Zug nach Zürich kriegen.

Ich fragte warum er Zug fährt, in Zürich hätten sie ein Theater, ich sei da sehr sehr sicher. Er grinste breit und sagte, er käme schon seit Jahren lieber nach St.Gallen. Ich habe ihn mit “Bis bald.” verabschiedet.

Was ist ein Theater für seine Stadt, seine Region? Und was davon passt in Zahlen?

Theater ist auch Orchestermusiker, die Unterricht geben, Theater ist Jugendclub, Theater ist Tanzunterricht, Theater ist Lesungen im Café oder in Buchhandlungen, Theater ist auch Probenbesuch von Schulklassen, Theaterpädagogen und Schauspieler, die in die Klasse kommen vor oder nach dem Theaterbesuch, Theater ist Publikumsdiskussion, Theater ist ein beleuchteter Container voll mit Kunst und oft ein lokales joint venture auf vielen Ebenen. Theater ist manchmal Stadtgespräch und kontrovers, Theater ist politisch, Theater ist, wenn am Bühnenausgang Menschen auf die Darsteller warten und wenn man an der Supermarktkasse von der Dame vor einem gefragt wird was man für die nächsten Monate an Stücken empfehlen würde.

Theater ist persönlich. Zwischen Streaming, TV und Kino ist Theater das vielfach totgesagte, quicklebendigste und persönlichste Medium das Geschichten erzählt… und immer 3D.

Theater lebt in seiner Stadt und belebt seine Stadt. Es ist ein weitverzweigter Austausch, im großen und kleinen.

Die Renovierung des Theaters St.Gallen wird etwa 50 Millionen Franken kosten. Lediglich 9,5 Millionen davon werden von der Regierung als “wertvermehrend” angesehen.

Für die verbleibenden 40,5 Millionen Franken schlage ich daher vor ein anderes Wort zu nehmen: “werterhaltend”. Denn das Theater in St.Gallen hat einen Wert, hat ihn gegenwärtig, hat ihn seit über 200 Jahren. Und seine Renovierung erhält diesen Wert, bewahrt ihn für das Jetzt und für die Zukunft.

Manchmal ist sparen nicht Gewinn. Manchmal ist sparen schlicht Verlust. Denn ein Wert wird oft nicht dadurch ausgedrückt, dass er in Zahlen passt. Sondern dadurch, dass er stattfindet, dass er wirkt und dass er Teil des Lebens von Menschen ist.

Weiterführende Links:
Die Situation

Ein treffend interessanter Kommentar

https://ja-kob.ch/

Studie zur „Umwegrentabilität“ von kulturellen Eigenbetrieben, in Auftrag gegeben von der Stadt Leipzig

Copyright der Backstagebilder: Tine Edel aus ihrer wunderbaren Fotoarbeit „Vor dem Auftritt“ für das Theater St.Gallen