Zwang erbittert die Schwärmer immer, aber bekehrt sie nie

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Die Bühne ist ein weißer Würfel, dessen  drei Bühnenwände über dem weißen Boden schweben und Freiheiten suggerieren, die im Inneren des Würfels nicht zu haben sind, die den Blick freigeben in nichts als Schwärze. Schwarze Leichenbahren mustern das weiß zu einem Schachbrett auf dem sich die Figuren des Staates hin und herschieben, ihren Wünschen hinterherkrabbeln wie die Ameisen, die geschäftig als Projektion die weißen Wände mit untertäniger Arbeit überziehen… ihrem Staat nicht entweichen können, so, wie die Figuren des Stückes dem Raum nicht entkommen, den Plänen anderer nicht entkommen, ihren eigenen Leidenschaften nicht entkommen.

Kabal und Liebe
Alle wollen mehr als ihnen gegeben ist, aus guten Gründen, aus schlechten Gründen, wagen aus Gier, Zwang oder Liebe, wollen das beste und ergeben ihr eigenes Unglück und das anderer. Die Form der Inszenierung ist klar wie ein Gesetz, bricht sich, so, wie ihre Figuren die Gesetze ihrer Gesellschaft brechen. Im Zwang des Raumes, im Zwang des Staates eskalieren Pläne und Gefühle wie ein Ping Pong Spiel, in dem Handgranaten den Ball ersetzt haben. Die Kabalen schichten sich übereinander bis die Liebe nur mehr ein Bestandteil der kritischen Masse ist, deren explosive Verdichtung Auslöschung als unausweichliche Konsequenz haben muss.

Kabale und Liebe – Premiere: heute, 19.30, Theater St.Gallen

 

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