Etwas Gescheiteres kann einer doch nicht treiben in dieser schönen Welt, als zu spielen. (Henrik Ibsen)

„How on earth can you settle down and enjoy life on 71º north – on a desolate windy island, with the North Pole as your closest neighbour?“

DSCN4460Als wir in Honningsvåg anlegen ist es in Deutschland bereits dunkel und zwei Stunden später. In Honningsvåg ist es taghell. Die Sonne scheint in einem hellen milden Orange auf die bunten Häuser, die sich rund um die Hafenbucht einen Hang hinauf ziehen. Sie wirken wie farbenfrohe Legosteine, die man auf einem gelbgrünen Teppich abgesetzt hat. Mitten durch die Tankstelle des Ortes führt der 71. Breitengrad. Von hier aus ist alles was man entdeckt das nördlichste Europas. Die nördlichste Tankstelle, die nördlichste Eisbar, der nördlichste Supermarkt, auf dem Weg zum Nordkapp der nördlichste Campingplatz. Bis zum Nordpol sind es nur noch 2100 Km, der Polarkreis liegt 514 Km hinter uns. In den Gärten vor den bunten Häusern wachsen ebenso bunte Blumen als wollten sie sagen „Mir doch egal!“.
Das Sonnenlicht fängt sich glitzernd auf dem Wasser im Hafen. Es ist 21.30 h und man beginnt den Song „I wear my sunglasses at night“ in einem vollkommen neuen Licht zu sehen. Auf diesem Breitengrad beginnt man einiges in einem neuen Licht zu sehen.

„How on earth can you settle down and enjoy life on 71º north -…“

DSCN4447Rund 45 Km sind es bis zum Nordkapp über das Francesco Negri 1664 sagte: „Hier bin ich nun am Nordkap, am äußersten Punkt Finnmarks, und ich kann ohne Weiteres sagen am äußersten Punkt der Welt, denn weiter nördlich gibt es keinen von Menschen bewohnten Ort mehr. Mein Wissensdurst ist nun gestillt. Hier, wo die Welt zu Ende ist, hört auch meine Sehnsucht auf, und ich kehre zufrieden nach Hause zurück.“
Er hat sich geirrt. Es gibt nördlichere bewohnte Orte. Und wir wissen heute auch: das Nordkapp ist nicht der nördlichste Punkt Europas. Aber das macht nichts, denn es ist ein magischer Ort der seit 1978 von einer metallenen Weltkugel gekrönt wird.

DSC_0057Und die Sehnsucht hört dort nicht auf. Sie fängt dort an. In diesem Lichtspieltheater der Mitternachtssonne.

DSCN4486„…– on a desolate windy island, with the North Pole as your closest neighbour?“

Der Wind fegt über das Nordkapplateau, zerrt an der Kleidung, rührt die Wolken um wie im Zeitraffer und schafft aus ihnen immer neue Leinwände für die Sonne. Es geht auf Mitternacht zu. Das Licht ist gelb und rot und nicht einmal dämmrig. Es ergießt sich verschwenderisch auf die Wolken, bricht durch sie, gleißt über das Meer und gestaltet sekündlich gute Gründe sprachlos zu sein.
Und selbst eine Schauspielerin ist geneigt zu fragen: „Braucht man hier Theater???“
Ich habe mich trotzdem über die Antwort gefreut. Denn sie lautet „Ja!“.
Honningsvåg hat das „North Cape Café Theatre“. Und dort hat man darstellerische Antworten gefunden auf die Frage:

„How on earth can you settle down and enjoy life on 71º north – on a desolate windy island, with the North Pole as your closest neighbour?“

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Und irgendwie… nein wirklich… ich würde es wirklich gerne wissen: „How?“

2 Gedanken zu „Etwas Gescheiteres kann einer doch nicht treiben in dieser schönen Welt, als zu spielen. (Henrik Ibsen)

  1. Hallo Silvia,

    ein eindrucksvoller Reisebericht. Man liest eindeutig, das du vor Begeisterung strahlst, eben eine wunderschöne Reise, wo du deine Stimmung sehr emotional beschreibst. Ist es wirklich ein Erlebnis? Und … die Bilder… nun, ich bin nicht unbedingt sentimental eingestellt, eher selten, aber der Sonnenuntergang hat schon eine romantische Stimmung.
    Ist es nicht überwältigend als Schauspielerin zu erfahren, dass dort hoch im Norden auch Theater gespielt wird? Hab mir auch den Link angesehen. Was ist denn mit dem Nordpol …… 2.100 KM….. ganz dicht dran … hast das nicht mehr geschafft? Denke aber, den Nordpol kann man sicher auslassen.

    In diesem Sinne ……..

    LG Brain

  2. Meinetwegen müsste man den Nordpol gar nicht auslassen… aber der bedarf wahrscheinlich einer deutlich ausgefeilteren Reiseplanung. 😉
    Ich bin durch zwei Länder gereist in denen die Sonne gerade nicht untergeht. Dafür traut sie sich im Winter kaum über den Horizont. Und ich bin, selbst in nach unseren Maßstäben kleinen Städten, auf Kunst und Kultur an jeder Ecke gestoßen. Vielleicht gerade weil es dort im Winter so dunkel ist, vielleicht auch nur, weil Menschen diese Nahrung eben brauchen. Und ja, ich hab‘ mich darüber gefreut.

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