1000 Kilometer Windgott

Der Jupiter hat einen roten Fleck. Einen immerfort tobenden Wirbelsturm gigantischen Ausmaßes in dem man die Erde viermal unterbringen könnte. Die Erde gönnt sich seit einigen Tagen etwas ähnliches. Einen weißen Fleck. Immerhin von der Größe Europas. Das ist eine Niedlichkeit im Vergleich mit dem Gasriesen – allerdings ist davon auszugehen, dass es auf dem Jupiter deutlich unbesiedelter zugeht und Küstenstädte und Wolkenkratzer Mangelware sind.

         (Foto courteously NASA)

Das Wort Hurrikan stammt vermutlich von den Maya und bedeutet „Gott des Windes“. Auch wenn Erich van Däniken gelegentlich etwas anderes nahelegt… die Maya kannten vermutlich keine Raumfahrt und diese Benennung ist erstaunlich treffend für ein Volk, das niemals die Gelegenheit hatte das ganze Ausmaß dieses Gottes in Augenschein zu nehmen.

Die Crew der ISS konnte es. Ihr Arbeitsplatz versorgt sie regelmäßig mit atemberaubenden Anblicken unseres Planeten – sie sprachlos zu machen brauchte „Irene“.

„Irene“ ist nicht der stärkste oder gefährlichste Wirbelsturm, den es je gab, obwohl ihre Größe beträchtlich ist… „Irene“ ist vorallem ein Ausreißer. Der Sturm treibt sich herum, wo er nichts zu suchen hat. Per Definition ist ein Hurrikan ein tropischer Wirbelsturm, er sollte nicht an die Pforten New Yorks klopfen können ohne sich zumindest zu einem außertropischen Tiefdruckgebiet abzuschwächen. „Irene“ hat New York erreicht und immer noch Kategorie eins auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala. Das klingt harmloser, als es sich mit Windgeschwindigkeiten bis zu über 150km/h darstellt. In New Yorks Häuserschluchten ein noch nie dagewesenes Vorkommen mit völlig ungewissen Folgen. Ebenso unklar was eineinhalb Meter Flutwelle mit Regen der wassernahen Metropole antun können.

Wieso ist dieses Experiment eigentlich möglich?

„Irene“ bezieht ihre Kraft aus der Wärme des sie tragenden Atlantiks. Wenn ein Hurrikan es bis vor die Tore von New York schafft darf vermutet werden, dass für den Sturm komfortable Wassertemperaturen unkomfortable Schlüsse für die Menschheit nahelegen. Wieso ist der Atlantik so warm? Nun scheiden sich die Geister. Denn an der Frage, ob wir allmählich den Kredit bezahlen müssen, den wir unserem Planeten schonungslos und ignorant abringen, scheiden sich die Geister immer.

Wahr ist, dass es eine Atlantische Multikaden Oszillation gibt, die zyklisch alle 50-70 Jahre von warm zu kalt wechselt und noch bis 2020 in einer warmen Phase ist. Wahr ist aber auch, dass sich im letzten Jahrhundert ein durchschnittlicher Temperaturanstieg von 0,74 Grad weltweit verzeichnen lässt, man nennt das globale Erwärmung und nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand ist dafür „sehr wahrscheinlich“ die Einwirkung des Menschen ursächlich. Zwischen diesen beiden Polen kann man mit Ursachenbenennung wunderbar Ping-Pong spielen – und dabei vergessen, dass das Aufeinandertreffen beider Tatsachen auf keinen Fall besonders günstig ist um extreme Wetterphänomene zu vermeiden.

New York hat seine U-Bahn geschlossen. Dieser Vorgang ist einmalig in der Stadtgeschichte und brauchte 72 Stunden um abgeschlossen zu sein. Mehr als 250.000 Einwohner der Acht-Millionen-Metrolpole wurden verpflichtend evakuiert, auch das ist noch niemals geschehen. Wenn man der Berichterstattung auf CNN Glauben schenken kann, dann trifft man in den Straßen New Yorks Einsatzkräfte, Reporter und Touristen. Die New Yorker, nervenstark, stresserprobt und deswegen manchmal zur Selbstüberschätzung neigend, kooperieren konzentriert und folgen den Anweisung ihres Bürgermeisters. Spätestens das belegt, wie ernst dieses Experiment „Hurricane meets Metropolis“ ist.

 

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