…es alles…

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Eine Frau… alt… wahrscheinlich. Allein… ganz sicher. Suchend… nach anderen. Wie sie… ein wenig wie sie. Die aus dem Fenster schauen… wie sie. Suchend nach Augen, anderen Augen… die ihre Augen treffend könnten… ihre Augen, die aus dem Fenster schauen… in andere Fenster hinein… andere geschlossene Fenster.

Zeit, dass sie endet. Findet sie. Den Weg, den sucht sie… genauso wie sie nach den anderen sucht… finden wird sie etwas anderes… eine Antwort.

Rockyby Blog blendedSamuels Becketts „Rockaby“ ist eines der „Dramaticules“, ein kleines, winzig kleines Theaterstück in sich selbst. Eines der Kleinststücke, die heute in der LOKremise Premiere feiern. Eine bunte Pralinenschachtel Beckett wird gereicht, mit ganz unterschiedlichen Geschmäckern für Kopf, Augen und Ohren. Da sind die drei Freundinnen, die lange lange nach ihrer Schulzeit auf einer Bank wieder zusammenfinden, nah und doch so sehr verändert. Da ist der Theaterregisseur einer kommenden großen Premiere, der sich erklärungsunwütig müht eine Katastrophe zu inszenieren. Da ist eine Mutter und eine Tochter, die durch das gleiche getrennt und gebunden sind, reden sollten und es nicht können. Da sind zwei Männer, einer blind, einer im Rollstuhl, die zusammen sehend und beweglich sein könnten … aber werden sie es können? Oder sind sie schon zu weit allein?

Becketts Blick auf Menschen ist mikroskopisch. Er dringt unter ihre Oberfläche. Er vergrößert sie zu eigenen Universen, die tragisch und doch unendlich komisch aufeinander treffen.

Becketts Figuren sind Platzhalter für viele… und doch persönlich. Sie sind fremd… und doch seltsam vertraut. Sie sind wie die Nachbarn in der gleichen Straße mit denen man noch niemals ein Wort gewechselt hat… und doch kennt man sie seit Jahren… irgendwie… doch.

Premiere 7.11.2014 | 20 Uhr | Lokremise | Grünbergstrasse 7, St.Gallen | www.lokremise.ch

 

2 Gedanken zu „…es alles…

  1. Liebe Silvia Rhode,

    ich bin da gewesen.. in der Premierenvorstellung. Und bin unglaublich berührt. Klingt immer noch nach.
    Rockaby… so eindringlich… (wie kann man einen solchen Text lernen?¿!!)
    Die „Pralinen“ habe ich sehr genossen. Jede einzelne.. und doch wirken sie zusammen wie ein Ganzes. Genau wie das Zusammenspiel.. die Ergänzungen.. die Gegensätze.. Ich finde es großartig, wie ihr gemeinsam diese kleinen Perlen zum Leben erweckt habt! Ganz großes Theater. Und ich freue mich, Deinen Blog hier gefunden zu haben… der Text, den Du über Beckett und diese Aufführung schreibst ist wunderbar! Danke dafür und für den genussvollen Abend an die ganze Truppe. SO macht Theater Freude.. leider gibt es viel zu wenig so intensive Inszenierungen mehr. Reduktion und Tiefe und das Publikum berühren ist eine wirkliche Kunst!

    Freue mich auf mehr und sende herzliche Grüße aus Hamburg!

    Ursula

  2. Die Arbeit an dieser Inszenierung war wirklich schön und ging sehr tief. Aber eine solche Rückmeldung zu bekommen ist sehr besonders. Ganz herzlichen und großen Dank dafür… und ich gebe diese schönen Worte gerne an meine Kolleginnen/Kollegen weiter.
    Und der Text… ja, der Text… es sind sieben Seiten, sinngemäß aufgeteilt, vierfarbig markiert… und zum Schluß habe ich kleine Symbole dazugemalt und Gedankensubtexte daneben geschrieben. Einfach damit ich die Gedankenschleifen voneinander unterscheiden kann. So ging es dann. Eigentlich finde ich Text lernen immer das wenigste… dieses Mal musste ich ein neues Wort erfinden: „Becketteritis“! Becketteritis ist, wenn Worte anfangen einem unkontrolliert durch’s Gehirn zu springen und dort herumschwimmen. 🙂
    Ganz herzliche Grüße nach Hamburg…

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