„Das weite Land“

Friedrich Hofreiter fabrizierte Millionen von Glühbirnen, eine Ehe und Dutzende Affären.

Ersteres machte ihn wohlhabend, zweiteres schenkte ihm einen Sohn… das dritte füllt ihn immer weniger aus. Dem erfolgsverwöhnten Jäger gehen die Herausforderungen aus während die Midlifecrisis vehement an seine Tür klopft. Seine, strikt auf das eigene Wohlbefinden ausgerichtete, Weltordnung verliert zusätzlich signifikant an Komfort, als er erfährt, dass seine Frau eine Affäre mit einem berühmten Pianisten ausgeschlagen hat, woraufhin dieser seinem Leben ein Ende setzte.

Ihren Vorsprung an Treue aus Liebe zu ihm interpretiert er zu einem Fluchtgrund um – denn dass ihre Treue einen Mann in den Tod getrieben hat ist ihm unheimlich und, seiner Meinung nach, doch mit einer gewissen unschuldigen Schuld behaftet. Er windet sich, weicht ihr aus, nutzt schließlich die erste Gelegenheit in die österreichischen Berge zu flüchten und in die Arme einer Zwanzigjährigen mit der er, wörtlich und übertragen, neue Gipfelbesteigungen unternimmt.

Seine Frau lässt sich währenddessen schließlich doch auf eine Affäre ein. Die Balance sollte nun für Friedrich wieder hergestellt sein – aber „die Seele ist ein weites Land“ in der die Logik widersprüchlichen Gefühlen unterlegen ist.

Schnitzlers „Das weite Land“ ist ein Stück über Menschen und ihre beziehungslosen Beziehungen, über die Verwechslung von Rausch und Liebe, über Projektion und Verleugnung, über Leere im Wohlstand und persönliche tragikkomische Strategien sie mit Bedeutung zu füllen.

Es wurde 1911 am Wiener Burgtheater uraufgeführt und ist 105 Jahre später aktueller denn je.

Denn für die Wege im weiten Land gibt es immer noch keine Wanderkarte.

 

Premiere am 8.01.2016 | 19.30h | Grosses Haus

 

Das Weite Land; Januar 2016, Theater St.Gallen; Regie Tim Kramer

(Foto: Tine Edel für das Theater St.Gallen)

6 Gedanken zu „„Das weite Land“

  1. Bist Du etwa die Frau, wegen der sich der bedauernswerte Pianist das Leben nahm???
    Leider kann ich nicht mehr rechtzeitig toi toi toi wünschen, bin aber ganz bei Euch, während Ihr gerade die Schweizer Premierenbühne in Retro-Kostümen bespielt (love the Tennis outfits!!!)

    Übrigens wurde das Stück im selben Jahr wie der Alte Elbtunnel zur Ur-Umsetzung gebracht 🙂

  2. Himmel nein, ich treibe keine Pianisten in den Selbstmord… Frau Wahl treibt eher ihre Umgebung in den Wahnsinn…
    Sie ist eine neugierige, in gewisser oder mannigfaltiger Weise schwierige, anteilig komische, aber auch irgendwie vereinzelte und tragische Person der Wiener Oberschicht… die eigentlich keine Probleme hat, sich aber gerne welche macht… wahlweise auch anderen… mindestens aber über deren Probleme Bescheid wissen möchte.
    Und Du ahnst es schon… ich spiele sie wirklich gerne… 🙂

  3. Daran habe ich keinen Zweifel.
    Eine Rolle, in der man so viel unterbringen kann, darf mit Fug und Recht als erfreuliche Besetzungsentscheidung empfunden werden – auch wenn keine Pianisten dabei drauf gehen 🙂

  4. Und wie! Zur Premiere habe ich mich bei Tim Kramer ganz ausdrücklich dafür bedankt, dass „er mir die Wahl gelassen hat“…
    Mit dem Namen dieser Figur gehen eine Menge Wortspiele, aber das meinte ich wirklich ernst.
    Nicht ganz so ernst gemeint war „Jeder sollte eine Wahl haben!“.
    Wo kämen wir denn da hin??? 😉

  5. Nö… ich lasse den Zuschauern jeden Abend ganz persönlich die Wahl, ob sie an der Wahl Spaß haben… ich stelle mich ja sowieso bei jeder Vorstellung zur Wahl…

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