„Prometheus“ und die schwarze Sonne

In meinem Leben gibt es zwei große Begeisterungen – das Theater und den Weltraum.

Am Theater bin ich mit meiner exessiven Astronomie- und Raumfahrtversessenheit ein Exot. Unter Astronomen und Ingenieuren bin ich es als Schauspielerin aber auch.

Die beiden Welten begegnen sich nicht allzu oft.

Aber was wäre wenn?

Heute erlebt Amerika eine totale Sonnenfinsternis. Der Mondschatten wird mit rund 2500 km/h von der West- bis zur Ostküste rasen. Millionen Menschen haben sich auf den Weg in die Totalitätszone gemacht um die schwarze Sonne zu erleben. Die Minuten bläulich stiller Nacht mitten am Tag, in denen der Mond unseren Stern vollständig verdeckt und die Korona unserer Sonne wie ein gleißender Ring aus Licht am Himmel sichtbar wird.

Ein magischer Moment.

Ein magischer Moment – den man auf die Sekunde genau vorausberechnen kann.

Casper ist eine kleine Stadt in Wyoming und liegt in der Totalitätszone. Dort gibt es das “Stage III Community Theatre” in dem Laiendarsteller jedes Jahr bis zu sechs verschiedene Stücke auf die Bühne bringen. Und dort entstand eine Idee… für die das Ensemble den ganzen Sommer über geprobt hat.

Heute findet dort die Premiere von “Prometheus” statt, die Geschichte des Titanen, der den Göttern das Feuer aus dem Himmel stahl um es den Menschen zu geben.

Und nicht weniger wird auf der Bühne geschehen… mit unserer Sonne als einzigartiger Hauptdarstellerin. Das Stück wird mit dem Himmelsspektakel so synchronisiert ablaufen, dass sein Inhalt sich mit unserem Stern verbindet und macht damit dessen Verdunkelung zum größten denkbaren Spezialeffekt, den man auf eine Bühne holen kann.

Ich war hingerissen, als ich das vorgestern las. Da war sie! Die perfekte Synthese meiner Begeisterungen, verschmolzen zu einer atemberaubenden Einheit. Grandios! Genial!

Die Schauspielerin in mir platzte fast vor Neid auf all jene, die heute dort auf der Bühne stehen dürfen. Dann schaltete sich die Astronomin in mir ein – und die innere Diskussion darüber begann, wie ideal es für mich tatsächlich wäre.

Denn ich würde mich vorbereiten müssen… Maske, Kostüm, einsprechen, warm machen, die Vorstellung beginnen – alles ohne den “First Contact”, den “Bite” beobachten zu können, wenn der Mond seinen Weg vor die Sonne beginnt. Ich würde ihn überhaupt nicht verfolgen können, denn auf der Bühne kann man schlecht einfach mal seine Sonnenfinsternis-Schutzbrille aufsetzen und in dem Anblick der schwärzer werdenden Sonne schwelgen.

Das Publikum hat es da einfacher. Im 10-Dollar-Eintrittspreis ist eine Schutzbrille enthalten. Die können schauen, wann sie wollen. Bestimmt ein witziger Anblick von der Bühne aus – alle Zuschauer mit so einer Brille auf der Nase. Da findet man heraus wie sich eine Kinoleinwand bei einer 3D-Vorstellung fühlt.

Der Moment der Finsternis wird von dissonanten chorischen Gesängen begleitet werden. Das kann dramaturgisch durchaus Sinn ergeben… astronomisch betrachtet ist es geradezu eine Sünde. Denn wer jemals im Kernschatten des Mondes in der Natur gestanden hat, der weiß – es wird still, unfassbar still. Sogar die Vögel verstummen. Es ist ebenso wirklich wie surreal.

Und dann singen? Die Astronomin in mir würde der Schauspielerin an den Kragen wollen dafür.

Nein, ganz so einfach lassen sich zwei so große Begeisterungen dann wohl doch nicht miteinander verbinden. Aber die Idee bleibt toll und ist, wenn man Bill Conte, Autor und Regisseur des Stückes, glaubt ein “first time” in der Geschichte des Theaters.

Für alle, über die der Schatten unseres Mondes heute nicht hinwegstreift:

HIER geht’s zum Countdown auf der Eclipse-Seite der NASA.

Und HIER geht’s zum Livestream.

Den Darstellerinnen und Darstellern von “Prometheus” und allen, die heute die schwarze Sonne bewundern dürfen – ich wünsche Euch “clear skies”!!!

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