8er

BEFORE:
Seit Tagen schleiche ich vorsichtig behutsam durch’s Internet und bin auf der Hut. In Amerika und England hatte der achte Teil der Star Wars-Saga „Die letzten Jedi“ bereits Premiere… Spoiler könnten überall lauern und mich anfallen. Und ich will nichts wissen, wenn ich acht Minuten nach Mitternacht, die vertraute blaue Schrift lese „A long time ago in a galaxy far, far away….“, gefolgt vom Star Wars-Schriftzug, gefolgt vom Fließtext, gefolgt von einem Planeten, gefolgt von einem Raumschiff… so viel ist sicher, denn das ist Tradition.

Die Star Wars-Saga ist ein überaus geliebtes Relikt meiner Kindheit, aber auch eine fortlaufende Geschichte, die seit fast 40 Jahren erzählt wird. Ihre Heldinnen und Helden sind mit mir gealtert und nun in der Gesellschaft neuer Figuren und Kreaturen, die den Staffelstab, pardon… das Laserschwert aufnehmen und weitertragen.

Wie sich das mit der Schauspielerin verträgt, die über Kleist in Verzückung gerät und Beckett anbetet? Gar nicht… und großartig.

AFTER: (ab hier selbstverständlich SPOILER-Alert!)
Halten wir fest – ich könnte glücklicher sein. Gleich nach dem verpflichtenden Beginn serviert der Film eine exquisite Raumschlacht, für die allein es sich lohnt die 3D-Brille auf der Nase zu haben. Es beginnt verheißungsvoll und geht vielversprechend weiter… denn dass Luke Skywalker sich nicht darum reißen würde Rey auszubilden war abzusehen und bildet einen ebenso erwarteten wie amüsanten Erzählstrang. Reys Affinität zur und Furchtlosigkeit gegenüber der dunklen Seite der Macht erhält mächtig Schub und man fragt sich immer drängender nach ihrer Abstammung. Geklärt wird sie nicht, allerdings offeriert der Film eine Rätselsequenz, die meiner persönlichen These Nahrung liefert, dass Rey, wie Anakin, durch die Midi-Chlorianer selbst gezeugt wurde.

Die Rebellen sind währenddessen in Bedrängnis, ein hanebüchener Plan wird entwickelt und angegangen. Der nun folgende Erzählstrang ist einer meiner Hauptkritikpunkte. Rose Tico und Finn arbeiten sich durch eine entsetzlich platte und ästhetisch fragwürdig umgesetzte Parabel aus dem Star Wars Äquivalent geschundener Rennpferde, superreicher dekadenter Waffenhändler und Oliver Twist like unterdrückten armen Kindern – nur um schließlich beim erkennbar zwielichtigen Benicio del Toro zu landen …der eigentlich schon an eine andere Galaxie vergeben ist.

Speaking of it… seitdem die Guardians dieser Galaxie köstlich, flott und amüsant Furore machen, haben genreverwandte Filme die Tendenz ihren Stil abzukupfern. Das ist mir schon beim neuen „Thor“ und „Valerian“ unangenehm aufgefallen und ist anteilig auch dem achten Teil der Star Wars Saga anzumerken. Problem dabei – was bei den Guardians organisch verabreicht wird tändelt in anderen Werken an der Grenze zu nerviger Flapsigkeit.

Rey und Kylo kommunizieren inzwischen und versuchen sich gegenseitig auf ihre Seite der Macht zu ziehen, bis Rey beschließt sich in einer Rettungskapsel auf Snokes gigantischem Kommandoschiff abliefern zu lassen, um Kylo dort von dem Konflikt zu befreien, den sie in ihm spürt.

Sowas ist im sechsten Teil schon mal gut gegangen – der Film gewinnt wieder an Fahrt… zumal auch Finn und Rose sich mittlerweile in Gefangenschaft auf demselben Schiff befinden.

Snoke gewinnt im achten Teil deutlich an Konturen. Ich bin erklärter Andy Serkis Fan und sowohl Spiel als auch Stimme sind ein deutlich ausgefeilterer Genuss als seine projizierte Anwesenheit im siebten Teil. Leider ist es ein kurzer… denn in bester Sithtradition überlebt er seinen Schüler nicht. Ungeklärt noch immer: wer war der Kerl eigentlich und was war seine Geschichte bevor er in Darth-Maul-Manier halbiert wurde???

Kylo Ren hat sich leider zu einem weiteren Hauptkritikpunkt von mir gemausert. Bereits zuvor nicht mit Selbstkontrolle gesegnet mutiert er zu einem tobenden Klischeeteenager, der brüllend und zähnefletschend derartig an Bösewichtstatus einbüßt, dass man ihm über seine wilden Locken streicheln und Baldrian empfehlen möchte.
Und man erinnert sich wehmütig an seinen Großvater, der in jedem schweren Atemzug mehr Bedrohung verkörperter als das trotzige Kind, das nun die First Order an sich gerissen hat.

Der bildgewaltige Showdown vor einem verlassenen Stützpunkt der Rebellion ist der Saga würdig und überführt einen weiteren Held in ein Jenseits… aus dem er zurückkommen kann, wie wir wissen. Und wie Yoda-Fans sich erfreut erinnern dürfen. Mit Yoda bin ich unfassbar eigen und ich erkenne und schätze den Versuch ihn sehr nah an die Perfektion seiner ursprünglichen Puppenspielerfigur heranzubringen… im Gegensatz zu den ersten drei Teilen. Es gelingt trotzdem nicht wirklich. Frank Ozs Genie kann niemend ersetzen.

Zuletzt ist es an der Rebellion sich neu zu formieren und dem Funken zu vertrauen, den sie für das Feuer der Zukunft sein werden.
Das obligatorische Gruppenbild fehlt, die versprengten und dezimierten Rebellen geben es ab… an eine übersentimentale Sequenz, die Steven Spielberg in ET-Kitschlaune geschrieben haben könnte.

Fazit – der achte Teil geht neue Wege. Manche sind sehr vielversprechend. BB8 entwickelt sich zu einem biepsenden Sonnenscheinhelfer mit Kultcharakter, die Porgs sind gut platziert und kein Jar Jar Binks Nervdesaster, Reys Geschichte bleibt spannend, die neuen Protagonisten funktionieren tadellos.
Die Casinosequenz ist zu offensichtlich belehrend und Leias Ausflug in den ungeschützten Weltraum a la Star Lord hätte nicht sein müssen. Die Macht war immer mit ihr, aber da wird sie zum erfrierenden Super-Jedi auf Kommando, der vorher nie angelegt wurde.
Was mich am meisten stört ist aber, dass der achte Teil mir ständig irgendwas erklären will. Der Konflikt wird nicht nur gespielt, er wird zudem beschrieben – wortreich, psychoanalytisch. Ich bräuchte das nicht. Seien wir ehrlich… Star Wars Figuren sind deutlich gezeichnet, sie sind Archetypen eines großartigen Märchens zwischen Sternen und Planeten. Nichts gegen die Idee sie mehrlagiger anlegen zu wollen, aber dann bitte mit dem Risiko von Rätseln und nicht mit begleitenden Wortkaskaden, die zudem nicht frei von gewissen Wiederholungen sind.

Der neunte Teil wird wieder in den Händen von J. J. Abrams liegen… und ich bin sehr angetan von dieser Wahl. Sein Gespür hat er bewiesen als die Macht erneut erwachte.
Und einiges aufzulösen er hat. Fraglos das ist.

Dieser Text wäre unvollständig ohne diesen Abschluß.
Als Luke auf Leia trifft sagt er „No one is ever really gone.“ und meint Han Solo.
Er sagt es aber auch zu Carrie Frances Fisher, von der er nicht wusste, dass sie am 27. Dezember 2016 die Galaxy far, far away für immer verlassen würde… um vielleicht eine noch entferntere zu finden. Der Satz ist trotzdem wahr.
Im Abspann wird sie verabschiedet als „our Princess“. Sie als Mensch war viel mehr als das… aber auch das ist wahr.

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