And the OSCAR goes to… ???

Die OSCAR-Nominierungen sind draußen. Leichte Verwunderung. Sind das wirklich die Nominierungen für den OSCAR, also… den Acadamy Award… Hollywood???

Nicht Toronto? Nicht Venedig?

Die Nominierungen für die Veranstaltung bei der letztes Jahr die Geschichte um einen weißen Jazzpianisten, der den Jazz revolutionieren will, mittelmäßig tanzend und singend bei sechs goldenen Jungs lalalandete… sieben… für kurze Zeit. Die Veranstaltung???

Die Nominierungen sind dieses Jahr… vielfältig.

Erstaunlich viele Liebesgeschichten. Ungewöhnliche Liebesgeschichten zwischen Männern, zwischen Mensch und Fischkreatur, Transgender.

Let’s take a look…

“The Shape of Water” – nominiert in 13 Kategorien… ein hinreißend zart-nüchtern schwelgender Horrorliebesfilm, fantastisch und großartig besetzt. Ansehen, unbedingt ansehen. Man kann sich in diesen Liebesfilm regelrecht verlieben. Mir ging es so.
Und… for heaven sake… gebt Octavia Spencer endlich ihren zweiten OSCAR – sie hatte ihn schon letztes Jahr für “Hidden Figures” verdient.

“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri “ – wütend, komisch, schuldig, unschuldig, fragwürdig, ungerecht, gerecht… zu recht bereits mit Preisen überschüttet und für sieben OSCARS nominiert. Einer davon wird fraglos an Frances McDormand gehen.

Christopher Plummer ist nominiert für “Alles Geld der Welt”. Eigentlich hatte Kevin Spacey seine Rolle und musste dafür fünf Stunden in der Maske älter geschminkt werden. Nach Missbrauchsvorwürfen wurde mit Plummer nachgedreht und er ist fantastisch. Liebe Industrie, lernt daraus… besetzt Menschen im tatsächlichen Rollenalter statt Jüngere in die Maske zu schicken, es lohnt sich.
Aber urteilt selbst… hier der Vergleich:

Zwingend in die Maske musste Gary Oldman… denn er sieht nicht aus wie Winston Churchill, aber er ist Winston Churchill. “Die dunkelste Stunde” ist sechsmal nominiert… darunter Gary Oldman und das Make-up-Team. Die beiden OSCARS sollten es minimal auch sein.

Meryl Streep bricht mit ihrer 21 zigsten OSCAR-Nominierung ihren eigenen Rekord… wer sollte es denn auch sonst tun? Die geschätzte, aber laut Trump “überschätzteste Schauspielerin” aller Zeiten als “Die Verlegerin”. Gefallen wird der Film Trump aber ohnehin nicht, egal ob mit oder ohne Streep… es geht um den Wagemut von Journalismus.

Würde sie gewinnen wäre es ihr vierter OSCAR und sie würde mit Katherine Hepburn gleichziehen. Sie wird nicht gewinnen – wegen Frances McDormand. Aber sie kann das verschmerzen. Es gibt nur zwei Frauen mit drei OSCARS… sie und Ingrid Bergman.

Zum ersten Mal ist mit Rachel Morrison für “Mudbound” eine Kamerafrau nominiert – zum ersten Mal seit 90 jahren.
Der bildgewaltige Film, der Weite einfängt und doch regelrecht im Bild an seinen Menschen klebt, hätte diese Auszeichnung verdient.

Greta Gerwig ist in der Kategorie “Beste Regie” nominiert – als fünfte Frau in 90 Jahren. Diese Bilanz ist beachtenswert.

Der erste Film unter weiblicher Regie wurde 1886 von Alice Guy-Blaché gedreht. Erst 1975 nominierte die Acadamy zum ersten Mal eine Regisseurin – Lina Wertmüller. 2010 erhielt Kathryn Bigelow als erste und bis hierhin einzige Frau einen OSCAR für die beste Regie. Selbst die Unterrepräsentation von Regisseurinnen in Hollywood bedenkend ist das eine erstaunliche Statistik.

Greta Gerwigs Film “Lady Bird” ist eine berührende, trotzige, komische, wunderbare Geschichte über das erwachsen werden und Elternsein und Liebe und viel Chaos, das einfach dafür sein muss. Der Film ist fünfmal nominiert, darunter nocheinmal Greta Gerwig für das Original Drehbuch, die großartige Laurie Metcalf und die verdammt begabte Saoirse Ronan – die leider nicht gewinnen wird… weil… sagte ich schon? …Frances McDormand.

“Call me by your name” – dreimal nominiert… eine tieftraurige und trotzdem seltsam unbeschwerte, nicht zu Ende gelebte Liebesgeschichte zwischen zwei Männern im Norditalien der 80iger Jahre. “Later!” sagen sich die beiden oft, manchmal im Ernst, manchmal aus Spaß. Aber nicht jede Liebe hat ein “Bis später!”. Manchmal hat sie eine Zeit und nur eine.

Ich weiß nicht, wie gut ich mit meinen OSCAR-Prognosen hier bin… aber eins kann ich praktisch garantieren: es wird, es MUSS eine mitreißende, grandiose, wütende, amerikanisch-pathetische, fantastische Musikperformance geben… denn “This is me” ist für “The Greatest Showman” als bester Filmsong nominiert.
Keala Joan Settle wird ihn singen und sie wird umwerfend sein. Sie wird das Publikum von den Sitzen fegen, es wird standing orvations geben und… da bin ich Frances McDormand-like sicher… einen OSCAR.
In diesem Video singt sie den Song das erste Mal für die Crew… schaut selbst, warum ich all das glaube…

 

In deutscher Sache… “Aus dem Nichts” hat es nicht unter die Nominierungen für den besten fremdsprachigen Film geschafft. Als der Film auf die Shortlist für den OSCAR gesetzt wurde war wieder zu hören, was gerade Deutsche oft über “ihre” Oscarkandidaten sagen:
“Ja, die Deutschen müssen halt Nazifilme drehen um Oscarchancen zu haben.”.
Dazu mal zwei Gedanken.
Erstens… nein, müssen wir nicht. Aber es ist ja auch nicht unbedingt gerade so, dass die deutsche Filmindustrie sich schräg-smarten, schrill und schreiend komischen Kulturkommödien verschreibt wie beispielsweise der schwedischen Nominierung “The Square” (übrigens eine absolute Empfehlung, ich habe mich köstlich amüsiert).

Zweitens… natürlich basieren Teile der Geschichte auf den von der neonazistischen Terrorvereinigung NSU begangenen Anschlägen. Aber es geht um mehr. Es geht auch um ein rassistisches Versagen der deutschen Ermittlungsbehörden. Und nicht zuletzt darum wie Hinterbliebene und Opfer von Anschlägen weiterleben, weiterexistieren können… müssen, während das öffentliche Interesse neuen Schlagzeilen weicht und das Leben für alle weitergeht… während ihres zertrümmert bleibt.

Der Film verdient seine Entstehung, die Aufmerksamkeit und seine Preise.

Ganz ohne deutsche Beteiligung finden die OSCARS trotzdem keineswegs statt. Etwas unter dem Radar fliegen immer die Nominierungen für die Kurzfilme. Und dieses Jahr findet sich dort der deutsch-kenianische Film “Watu Wote – All of us”… für den Katja Benrath und Tobias Rosen nominiert sind.

Ein kurzer Film… darüber, dass Menschen grauenvoll sind – und großartig.

Der Film ist ein Jahr nach Trumps Amtseinführung und dem Muslimban genau zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Botschaft nominiert.

Meine letzte Prognose lautet daher… es wird einen deutschen OSCAR geben. Nicht den, an den alle dachten – aber es wird ihn geben.

Oder… zwei??? Gleich zwei???
Vielleicht… denn bei „Bester animierter Kurzfilm“ findet sich „Revolting Rhymes“ und dafür nominiert sind Jakob Schuh und Jan Lachauer. Und sie erzählen uns Märchen. Die wir glaubten zu kennen… aber… nein, es war eigentlich alles ganz anders.
Vielleicht ein OSCAR… ich vergebe auf jeden Fall schon einmal das Prädikat hinreißend und bezaubernd…

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