Ein dolles Ding – das Hang

Der 31.Juli ist der “Tag der ungewöhnlichen Musikinstrumente”.

Morgen, am 1.August, ist die Schweizer Bundesfeier, die Fête nationale suisse, Festa nazionale svizzera, Fiasta naziunala svizra (das war Rätoromanisch) – der Nationalfeiertag der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Die Schweiz wird rot/weiß geflaggt, es gibt Feiern und eigentlich eine Menge Feuerwerk und weithin sichtbare Höhenfeuer.
Eigentlich… denn dieses Jahr haben die meisten Kantone wegen Hitze, Dürre und der bestehenden Waldbrandgefahr ein Verbot dieser Traditionen ausgesprochen.

Ich verbinde jetzt mal beide Tage und stelle Euch mein Lieblingsinstrument vor… mein absolutes Lieblingsinstrument. Made in switzerland. Das Hang.

Das Wort ist Berndeutsch und bedeutet “Hand”.
Denn so wird das Instrument gespielt… mit den Händen… mit fliegenden Händen…

Das Instrument wurde von 2001-2013 von der “PANArt Hangbau AG” gebaut, besteht aus tiefgezogenem, gasnitrierten Stahl und bekommt seine Klangfarben in einem einzigartigen, nach den beiden Erfindern benannten, „Rohner-Schärersche Stimmprozess“.

Obwohl es mittlerweile weltweit eine kleine Auswahl namhafter Hersteller gibt, sind das die Alleinstellungsmerkmale des Hang… andere Instrumente, selbst wenn sie auf den ersten Blick gleich oder ähnlich aussehen, heißen Handpan.

Hang und Handpan sind fraglos Rhythmusinstrumente – aber keine Schlaginstrumente. Anders als bei Steeldrums oder Steelpans sollen keine Schlägel verwendet werden. Sie beeinträchtigen einerseits die sensible Stimmung des Instrumentes – andererseits verringern sie die Klangvielfalt, die von Händen erzeugt werden kann.

Denn diese Instrumente werden mit der ganzen Hand gespielt, den Fingern, dem Finger, Teilen der Handfläche, den Knöcheln, der Handwurzel.
Sie werden nicht “getrommelt”, sie werden berührt, dosiert getippt, angeschlagen, gedrückt, gestrichen – die Klangvielfalt der Hände auf diesem Instrument ist schlicht vollkommen unbegrenzt und dem individuellen Gespür überlassen.

Die beiden Erfinder, Felix Rohner und Sabina Schärer, beschreiben ihre Zielsetzung für die Verwendung so:

“Unsre Arbeit ist nicht auf musikalische Normen ausgerichtet, welche Studium, Übung und Leistung fordern. Hangspiel kann zu einer Form der Freiheit führen, die sich jedem Druck und jeder Nötigung widersetzt.“

Das Instrument ist aber auch ein Melodieinstrument – auf dem selbst bekannte Melodien gespielt werden können. Weitaus häufiger aber sind Eigenkompositionen und freie Improvisation.

Es ist beides gleichzeitig. Rhythmus und Melodie.

Das Instrument ist magisch. Es gibt dem Begriff “Handwerk” eine völlig neue Bedeutung, sowohl durch seine Herstellung, als auch durch die Spielweise.
Es klingt immer, als würde es sich vervielfachen, während man es spielt – denn es ist verblüffend zu glauben, das alles, was man hört, tatsächlich nur von zwei Händen und diesem einem Instrument erzeugt wird.

Obwohl es sehr harmonisch mit nahezu allen Instrumenten kombiniert werden kann…

…ist es mir immer am liebsten, wenn es alleine klingt. Die Weichheit, Vielfalt, die Rundung und Dynamik des Klangs von Melodie und Rhythmus verdienen die ungeteilte Aufmerksamkeit.

Das Instrument hat inzwischen gelegentlich Eingang in Konzerthäuser und -reihen gefunden, man begegnet ihm aber am ehesten an öffentlichen Plätzen. Das war bei mir nicht anders, vor etwa 10 Jahren in der Regensburger Fußgängerzone. Und es war love on first sound. Eine ganz unmittelbare Verzauberung und Berührung… vom ersten Augenblick an und bis heute.
Seitdem habe ich mir viele Hang und Handpan-Kompositionen angehört.
Der Musiker von damals, Sam Maher, ist aber tatsächlich immer noch mein Lieblingskünstler. Und das ist mein Lieblingsvideo von ihm.
Zum Tag der ungewöhnlichen Musikinstrumente – Enjoy!

Anmerkungen:

Nach einiger Überlegung habe ich die eingebundenen Videos ausschließlich nach musikalischen Gesichtspunkten ausgewählt. Es finden sich deshalb Handpans anderer Hersteller unter den Videos.

Der Titel des Beitrags ist ein Wortspiel – die kleine Kuppel in der Mitte des Instrumentes heißt “Ding” und wird zumeist eine Quinte oder Quarte unterhalb des tiefsten Tons des Klangkreises gestimmt.

4 Gedanken zu „Ein dolles Ding – das Hang

  1. A first or second generation Hang ranks from 7.500 up to over 10.000€. Good Handpans start from about 3.000€ up to almost the same price.
    The instrument is very rare and must be handcrafted. Usually an instrument is build on order only, following how many tones you want and which temperament.
    Cheaper instruments are available at about 1.500€ – but their sound is less soft and far more metallic.
    Definitely not an instrument you buy, because you just wanna try whether it could be fun.
    Of course, I have been tempted.
    But I never really got my hands on one to find out whether I got the feel and the talent for rhythm required.
    But this instrument simply melts my heart and calms my brain.
    Must be vibes… 🙂

  2. Warum dreht der Musiker im ersten Video das Instrument um? Ist das beidseitig bespielbar? Jedenfalls ein tolles Instrument, hab ich noch nie gesehen.

  3. Das Hang besteht aus zwei Halbschalen, die miteinander verklebt werden. „Oben“ befinden sich Ding und Klangkreis, „unten“ befindet sich ein Resonanzloch, Gu genannt.
    Nun gibt es aber für das Hang keine „Gebrauchsanleitung“. Ding und Klangfelder sind gestimmt, das bedeutet nicht, dass man nicht noch unzählige andere Stellen am Instrument durch streichen, klopfen, wischen, drücken, tippen entdecken kann, die auch Klänge erzeugen, die man spannend findet und verwenden kann.
    Dieser Musiker hat den Grundrhythmus seiner Komposition also auf der Unterseite seines Instrumentes entdeckt und als Tonspur ‚druntergelegt.
    Durch die Drehung im Video wollte er das wohl optisch noch einmal unterstreichen.
    Ich glaube für das Hang gelten nur zwei Regeln: Nicht mit irgendwas schlagen und von Wasser fernhalten.
    Das zweite Video im Schnee ist sehr atmosphärisch, aber ich denk‘ da bloß immer „Oh weiha, das Instrument, das Instrument!“ 🙂

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