Kann da bitte jemand ein Theaterstück draus machen?

– Donald Trump soll sich in der vergangenen Woche darüber beschwert haben, dass George H.W.Bush’s Staatsbegräbnis zu viel Raum einnimmt und ihm Aufmerksamkeit entzieht.

– Donald Trump arbeitet an Plänen Einwanderer ausweisen zu können sobald sie soziale Programme in Anspruch nehmen… unabhängig davon wie lange sie bereits legal in den USA leben.

– Donald Trump arbeitet an Plänen das biologische Geschlecht zur einzig gültigen Geschlechterdefinition zu erheben… wodurch z.B. Transsexualität in den USA per Gesetz “ausgerottet” wäre.

– Donald Trump erwägt alle Telefone im Land anzapfen und die Daten in einem Computer des FBI zu sammeln.

– Donald Trump soll gegenüber dem Personal des Weißen Hauses geäußert haben, dass ihn die Staatsverschuldung nicht interessiert, da sie erst kritische Folgen haben könne, wenn er nicht mehr im Amt sei.

– Donald Trump arbeitet an Plänen für eine „Super-Union“, die er notfalls mit Gewalt erzwingen will.

Das sind sechs Aussagen über Donald Trump.

Zwei davon sind fiktiv – und stammen aus einem Buch, das 1965 veröffentlicht wurde.

Und mein Punkt ist, dass Sie möglicherweise gerade Schwierigkeiten haben sicher zu identifizieren, welche zwei es sind.

Deswegen ist “Night of Camp David” (dt.Titel “Der Präsident”) von Fletcher Knebel nicht nur mein weihnachtlicher Lese- und Geschenktipp für alle “not so much Trumper”.

Dieses Buch gehört eigentlich theatralisiert und als Kammerspiel aufgeführt.

And here’s why…

Der junge Senator Jim McVeigh wird vom amtierenden Präsidenten Hollenbach als Vizepräsident für seine zweite Amtszeit erwogen. Aus diesem Grund lädt ihn der liberal demokratische und allseits geschätzte Präsident immer wieder ein, ihn nach Camp David zu begleiten.

(Ich weiß, noch halten sich die Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit in Grenzen. Donald Trump ist weder liberal noch demokratisch, mit Umfragewerten von rund 38% auch nicht allseits geschätzt, verbringt seine Zeit in Mar-a-Lago und hat nicht die Angewohnheit sich mit politischen Talenten zu umgeben.
Bleiben Sie trotzdem bei mir.)

Es ist eine dieser Nächte in Camp David, in der der Präsident Jim McVeigh, und nur Jim McVeigh, in seine parallele Gedankenwelt einlädt.

Seine Pläne für Verbrechensbekämpfung sehen eine automatische Überwachung und Datenspeicherung für jeden US-Bürger vor. Denn ehrenwerte Bürger hätten ja nichts zu befürchten und allen anderen könne man damit das Handwerk legen.

(Im Verlauf des Buches beurteilt Supreme Court Justice Grady Cavanaugh diese Idee als brandgefährlich.
Tatsächlich wurde ein Kavanaugh am 6. Oktober 2018 zum Richter auf Lebenszeit im Supreme Court ernannt – dieses Buch ist sogar namentlich spooky.)

Im weiteren Verlauf der Unterhaltung schildert der Präsident seinen “Aspen Plan” – den Zusammenschluss der USA mit Canada und Skandinavien.

Und Skandinavien soll dabei sein weil:

“Scandinavia .. will bring us the character and the discipline we so sadly lack. I know these people, Jim. I’m of German extraction, but many generations ago my people were Swedes who emigrated to Germany.”

What the heck?

(Natürlich ist Präsident Trump deutscher Abstammung. Allerdings verleugnete er das früher gerne und behauptete seine Vorfahren stammten aus Schweden.
Zu den nordischen Ländern, deren Bevölkerung er sich scheinbar vorwiegend blond und blauäugig vorstellt, zeigt er noch heute eine wiederkehrende Neigung und beklagte:
„Why do we want these people from all these shithole countries here? We should have more people from places like Norway.“)

Mit den Alliierten in Europa will Präsident Hollenbach brechen und prognostiziert, dass sie der neuen Union bald ohnehin beitreten wollen würden. Und falls nicht, müsse man sie eben überzeugen.

Als McVeigh ihn fragt, ob er das militärisch meint, antwortet Hollenbach:

“Only if necessary, and I doubt it ever would be. There are other kinds of pressure, trade duties and barriers, financial measures, economic sanctions if you will.”

(Die Parallelen zu Donald Trumps globalem Handelsverständnis sind ebenso bemerkenswert wie offensichtlich.)

Präsident Hollenbach erklärt McVeigh gegenüber die Überzeugung, dass sich die amerikanischen Medien gemeinsam mit seinen politischen Gegnern gegen ihn verschworen haben und versucht den CIA Director Carter Urey abzusetzen.

(Die “witchhunt”, “angry demmocrats” und der gefeuerte Ex-FBI-Chef James Comey lassen grüßen.)

Im späteren Verlauf schreibt Hollenbach verstörend beleidigende Briefe an Vertraute in seiner Umgebung (jüngst nannte Präsident Trump seinen Ex-Außenminister “dumm wie Brot” und “faul”… via Twitter, 1965 eben noch nicht erfunden) und will nach Russland reisen um mit dem dortigen Präsidenten, zu dem er sich engere Beziehungen wünscht (…wirklich???), die drohende Entwicklung einer nuklearen Bombe durch China zu diskutieren (bitte nach Belieben durch Nordkorea ersetzen).

McVeigh ist klar, dass er handeln muss. Aber was kann er tun, was darf er tun? Der Mann ist gewählt.

Er redet mit dem Verteidigungsminister, seiner Partei, dem Arzt des Präsidenten, dem Kongress. Und was tun, wenn sich die einzigen Beweise für die wahre Geistesnatur des amtierenden Präsidenten im Besitz von dessen Affäre Rita befinden?

(Diese Parallele führe ich hier nicht aus, weil viel zu offensichtlich… bei Bedarf bitte “Donald Trump”+spanky googeln.)

Was tut ein Staat, eine Demokratie, was tun deren Institutionen, wenn der gewählte Anführer des Landes nicht bei Trost ist? Und wie beweist man, dass er nicht bei Trost ist?

Die amerikanische Verfassung kennt den 25. Zusatz, das Amtsenthebungsverfahren für den Präsidenten. Es ist unfasslich kompliziert, unzureichend definiert und setzt auf unrealistisch hohe Mehrheiten, die kaum erreicht werden können, wenn eine Partei des Zweiparteiensystems der USA sich stur stellt.

Was also…?

In einer Buchbesprechung der New York Times nannte David Dempsey “Night of Camp David” 1965 “…ein wenig zu plausibel, um angenehm zu sein.”

Mr. Dempsey… was glauben Sie, wie sich dieses Buch 2018 anfühlt?

Bei Amazon ist die englische Version “back on popular demand”…

Woran das wohl liegen mag?

Credits Fotos:
Erstes Bild – Attributions: Max Goldberg [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons / Source: https://www.flickr.com/photos/max-goldberg/24123224679/
Zweites Bild – Author: Gage Skidmore Source: https://www.flickr.com/people/22007612@N05 via Wikimedia Commons

5 Gedanken zu „Kann da bitte jemand ein Theaterstück draus machen?

  1. Wait … wait … wait … WAIT! Donald Trump is actually REAL???

    I thought Trump was a soap opera storyline pitch from CNN to HBO.

    He’s my real president????????? Holy Sh……………

  2. YES! And I remember you muffled mumbling stuff like „Knebel had a time machine. He must have had a time machine. “
    Glad you liked the book so much. But you mumbling was scary too.

  3. Sorry for being scary. It was surreal, still is.
    Did you watch yesterdays meltdown in the White House? When he lost it because of his border wall?
    I couldn’t help but think about the books ending. That’s it. For real.
    On stage actors would be accused of being a cliché. But this is real.

  4. Hallo…
    Im Gegensatz zu sonst fasse ich mich kurz. Trump ist gewählter Präsident der USA. Egal was er macht, seine Pläne und Entscheidungen gefallen mir auch nicht immer, wird alles in den Dreck gezogen. Gezählt wird zum Schluss. Gucke ich auf den Dow Index, geht es Amerika besser als je zu vor. Nordkorea ist sogar bereit Gespräche zu führen. Truppenabzüge und Einstellung von Militäraktionen kommen dazu. Also….?
    Die Kernfrage…. ist er schlechter als andere Präsidenten zuvor, die meist nur mit Angriffskriegen glänzten und einem der Friedensnobelpreis verliehen wurde, nach ganz kurzer Amtszeit?

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