„Eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle.“

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Am 9. September 2001 war ich in Dessau engagiert. Wir hatten gerade Endprobenwoche "Die Feuerzangenbowle", sie sollte am 14. September Premiere haben… sollte, die Premiere wurde dann verschoben.
Wir hatten einen Durchlauf und ich wartete oben bei den Garderoben auf meinen nächsten Auftritt, als die Nachricht kam, dass ein Flugzeug in das World Trade Center gestürzt war.
Unfall, ein schrecklicher katastrophaler Unfall… so unser erster Gedanke. Dann kamen die anderen Flugzeuge. Die Probe wurde unterbrochen.
Ich ging mit einigen Kollegen und meinem Lieblingsdramaturgen in die Dramaturgie, dort lief der Fernseher und ich sah zum ersten Mal die Bilder zu den Nachrichten.
Surreale Bilder. Bilder, wie man sie gewohnt ist aus Kinofilmen, die sich dramatische Spezialeffekte leisten können. Bilder, wie man sie nicht fassen kann, wenn sie das Wissen in sich tragen, dass sie die Wirklichkeit abbilden.
Was ich aber genauso unauslöschlich erinnere sind die Bilder von feiernden Menschen. Jubelnden Menschen. Menschen, die die amerikanische Fahne auf den Straßen verbrannten, Männer die Freudenschüsse in die Luft feuerten, tanzende Frauen, Kinder, die die Hände triumphierend Richtung Himmel streckten, lachend. Ein Fest angesichts der zu Feuerbällen gewordenen Flugzeuge. Ein Fest des Hasses. Diese Bilder waren nicht minder surreal.

Heute habe ich sie wieder gesehen.
Es wurden keine amerikanischen Fahnen verbrannt, sie wurden geschwenkt. Es gab keine Schüsse, aber kollektives high five. Jubelnde Menschenmassen auf den Straßen, Chöre skandieren "USA, USA!", die Menschen tanzen, springen, tragen sich gegenseitig auf den Schultern, lachen und feiern ekstatisch.
Ein saudi-arabischer Terrorist wurde in Pakistan nach 10 Jahren von den Amerikanern hingerichtet – und die feiernden Menschen auf den Straßen sprechen von Gerechtigkeit, Gott und Glück.
Der überwiegende Anteil der Medien, Politiker aus aller Welt, inklusive unserer beglückwünschen die Amerikaner zu dieser Leistung. Eine Verhandlung hat nicht stattgefunden, ein Gerichtsurteil wird es niemals geben – aber das Urteil wurde vollstreckt.
Und mir fällt schon wieder nur ein einziges Wort ein… surreal.

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