Zwei Monate Fukushima – die Katastrophe ohne Publikum

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Am 11.März 2011 wurde Japan von einem Erdbeben der Stärke 9.0 erschüttert. Durch das Beben und den darauffolgenden Tsunami kamen Schätzungen zufolge bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Die Folgen der Naturkatastrophe ließen vier Reaktoren den Kernkraftwerkes Fukushima Daichii havarieren.
Heute ist das zwei Monate her und längst aus den Medien verschwunden.
Eine meine Lieblingsschauspielerinnen, Ingrid Bergmann, hat einmal gesagt: "Glück bedeutet eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis.". Im Grunde hat sie recht. Manchmal steht aber auch ein schlechtes Gedächnis einer guten Gesundheit entgegen.
So wie Tschernobyl aus den Schlagzeilen und dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwand und durch andere aktuelle Katastrophen ersetzt wurde, gerät auch Fukushima zur Randnotiz einer katastrophengewöhnten Welt, die sich für eine kurze Zeit medial-gesellschaftlich entsetzt und dann mit neuem Brot und Spiele gefüttert werden will.

Ich möchte den heutigen Tag zum Anlass nehmen einmal nachzusehen, welche aktuellen Nachrichten aus der strahlenden Kraftwerksruine es nicht mehr in die Schlagzeilen und das öffentliche Bewußtsein geschafft haben.

Für die Reaktorblöcke 1-3 gilt nach wie vor, dass die Brennstäbe im Druckbehälter ganz oder teilweise freiliegen. Damit einher geht fehlende Kühlung, die Gefahr der Bildung von explosivem Wasserstoff und die Selbstzerstörung der Brennstäbe durch unzureichende Abführung der Nachzerfallswärme.

Messungen radioaktiver Spaltprodukte im Abwasser von Reaktor 2 und im Kühlwasser des Abklingbeckens von Reaktor 4 legen den Schluss nahe, dass es zu unkontrollierten Kettenreaktionen auch noch 10-15 Tage nach der automatischen Abschaltung gekommen sein muss.

Eine solche Rekritikalität kann auch für Block 1 nicht ausgeschlossen werden.

Reaktorblock 3 hat sich letzte Woche binnen Tagen auf 240 Grad Celsius aufgeheizt. Das Reaktordruckgefäß ist in technisch einwandfreiem Zustand für Temperaturen bis 280 Grad ausgelegt. TEPCO will einen Zusammenhang zwischen dem Temperaturanstieg und den geschmolzenen Brennstäben nicht bestätigen.

Block 1 wurde vor sechs Tagen erstmals nach der Katastrophe wieder geöffnet und betreten. Dabei wurden 500 Millionen Becquerel freigesetzt. Die gemessenen Strahlungswerte im Reaktor erreichen 700 Millisievert. Zum Vergleich: die, bereits heraufgesetzte, Jahreshöchstdosis eines japanischen AKW-Arbeiters beträgt 250 Millisievert.

Während bereits seit Tagen Videos über Brände in den Reaktorblöcken kursieren ließ TEPCO verlauten, es handle sich dabei um Dampf aus den Abklingbecken von Block 3 und 4, welcher durch ein Schattenspiel schwarz erscheine und nicht besorgniserregend sei.

Auswertungen aktueller Fotos ergab, dass der Reaktorblock 4 sich aus der Senkrechten heraus "neigt", was für eine geschwächte strukturelle Stabilität des durch Brände beschädigten Gebäudes spricht in dessen Abklingbecken sich über 250 Tonnen Uran unter freiem Himmel gelagert befinden. TEPCO versucht nun eine Abstützung des Abklingbeckens und der Gebäudestruktur zu installieren.

Am Boden von Reaktor 3 wurde heute einströmendes Wasser entdeckt. Das Leck konnte inzwischen verschlossen werden. Seine Ursache und Auswirkung ist derzeit noch unklar.

Tepco plant den Sicherheitsbehälter von Block 1 mit 7.500 Tonnen Frischwasser zu fluten und so einen "Wassersarkophag" rund um den Reaktordruckbehälter zu schaffen. Mit Block 2 und 3 soll ähnlich verfahren werden. Laut eines Gutachtens des Londoner Ingenieurbüros Large Associates kann es dabei zum Bruch des Erdbebenstrapazierten Sicherheitsbehälters kommen, insbesondere da TEPCO keinerlei Erkenntnisse über mögliche Risse und Lecks der Behälter vorlegen kann. Auch jedes weitere Nachbeben könne einen auf diese Weise zusätzlich hochbelasteten Behälter brechen lassen. Sollte dieser Fall eintreten liegen offenbar keine Notfallpläne zur Bergung des Druckbehälters vor.

Keine dieser Nachrichten war in der letzten Woche eine Schlagzeile wert. Sie zu finden um sie zusammenzustellen erforderte Zeit. Sie zu lesen erfordert gute Englischkenntnisse oder, bei Bedarf, den wagemutigen Einsatz der Googleübersetzung… denn die wenigsten schafften den Sprung auf deutsche Nachrichtenportale.

Das "Theater" in Fukushima geht weiter, aber viel Publikum hat den Saal verlassen.

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Stars weltweit haben für Japan gespendet. Geld ist gut und kann helfen, aber es fühlt sich nicht an. Der japanische Schauspieler Ken Watanabe bewegt seit Wochen die Creme de la Creme seiner internationalen Kolleginnen und Kollegen dazu mehr nach Japan zu schicken als ihre Konten hergeben. Unter dem Motto "Stars Unite for Japan" senden sie Botschaften in das erschütterte Land.

Stars Unite for Japan Part One

Stars Unite for Japan Part Two

 

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