space trash

Ich bin bekennender Fan von zwei subventionierten Kulturgütern… Theater und Raumfahrt. Dabei findet die mediale Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Theater stets auf einer höchst subjektiven Ebene statt. Von wenigen unumstößlichen Fakten abgesehen ist die Auffassung einer Inszenierung individuell, die Meinung dazu persönlich, die journalistische Aufarbeitung Ansicht eines Theaterkritikers.
In der Raumfahrt ist das anders. Da gibt es ein Gerüst aus Fakten. Da die Berichterstattung über Raumfahrt nicht unbedingt zum Breitensport der Medien gehört geraten sie ins raten, wenn Meilensteine der Raumfahrtgeschichte einen Report unumgänglich machen – was sie nicht daran hindert trotzdem vehement zu berichten. Das führt dazu, das kontinuierliche Fans der Raumfahrt sich schon mal schockiert am Marmeladenbrötchen verschlucken, während sie die morgendlichen Nachrichtensendungen schauen oder die Frühstückszeitung öffnen… manchmal auch vor lachen.

Inzwischen durchaus abgehärtet zucke ich nur noch kurz zusammen wenn es anläßlich der Apollo 11 Mission heißt die Astronauten hätten den Planeten erforscht. Leute, das Ding heißt „Mond“ weil es einer ist. Auch schön, wenn ein Nachrichtenportal den exzentrischen Zwerg Pluto mit dem Gasriesen Jupiter verwechselt während es über Planeten (Bild 8) berichtet und ich mir denke „Wow, bist du aber gewachsen – und überhaupt, seit wann bist du wieder ein Planet???“.
Bei Bildmaterial ist man nicht zimperlich. Da will man den Wiedereintritt eines Sojusraumschiffes bebildern und verwendet auch schon mal hemmungslos die Animation der beim kontrollierten Absturz verglühenden russischen Raumstation MIR… naja, Hauptsache irgendwas verglüht in der Atmosphäre, man weiß ja, was gemeint ist. Ein Raumfahrerforumsmitglied berichtete im Radio gehört zu haben, das Space Shuttle werde auf seiner letzten Mission mit annähernd Lichtgeschwindigkeit in die Erdatmosphäre einfliegen. Ich wußte wirklich nicht, was meine wunderbaren Shuttles alles können und war schwer beeindruckt.
Immer wieder gern genommen die herzhafte Vermischung von Rakete, Raumfähre, Raumtransporter, Sonden, Kapseln – ist alles das gleiche. Und da dockt dann auch schon mal eine Sojusrakete an der ISS an. Ich habe dann versucht mir vorzustellen, wie das wohl aussehen mag, wenn so eine komplette mehrstufige Rakete an einem Dockingport der ISS hängt…
Das letzte Space Shuttle landete nachts unter großer Medienanteilnahme und kaum war es ausgerollt überschlugen sich die Meldungen, dass „aus noch ungeklärter Ursache“ Flammen aus dem Heck des Shuttles schießen würden. Hätte man in den 30 Jahren zuvor öfter mal über die Landungen dieser Raumschiffe berichtet wäre einem aufgefallen, dass das heiße Gase sind, die sofort verschwinden, sobald die APU’s offline genommen werden… it’s magic.

(Foto: © NASA/NASA TV)

Als die Endeavour wegen Schwierigkeiten bei der Betankung mehrere Startverschiebungen produzierte sprach mal kurzerhand von einem „Leck“, teilweise sogar von einem „Loch“ im Tank. Mal im Ernst, die betreffende Tanksektion wird mit flüssigem Wasserstoff gefüllt – wenn da irgendwo ein Loch ist lautet meine Empfehlung: „Lauf!“.
Glanzleistung der ARD… die „Discovery“ ist zu alt für einen Flug zum Mars… so ein Mist, ich habe doch fest damit gerechnet das eines Tages ein Space Shuttle auf dem Mars landet.

Die Bildzeitung ist ein immerwährender Quell der Freude was wissenschaftliche Berichterstattung anbelangt. Die Standartbesatzung der ISS zählt 6 Crewmitglieder, war ein Shuttle mit 7 Besatzungsmitgliedern zu Gast konnten auch schon mal 13 Menschen dort oben herumschweben. Bei der Bildzeitung hatte man aber nun bei der NASA den Satz gelesen: „This nighttime panorama of much of Europe was photographed by one of the Expedition 30 crew members aboard the International Space Station flying approximately 240 miles above the Tyrrhenian Sea on Jan. 25, 2012.“. Er besagt, das nächtliche Panoramabild sei von einem Mitglied der Expedition 30 an Bord der ISS aufgenommen worden. Die Bildzeitung verkündete daraufhin: „Diese atemberaubende Aufnahme machte ein 30-köpfiges internationales Team 240 Kilometer über der Erde.“. Was nummerieren die auch ihre Expeditionen so verwirrend? Eine Frechheit. Und so wurde es eben ein bißchen voll auf der Raumstation… die zudem noch auf 240 Kilometer absackte… was ein klein wenig bedenklich wäre. Aber Meilen, Kilometer… muss man das wirklich umrechnen???

Vor kurzem nun landete der Marsrover „Curiosity“ – und die Medien waren einmal mehr gezwungen ungewohnterweise über Raumfahrt zu berichten. Bereits im Vorfeld führte dies zu Verwirrung und Überforderung. Ganz weit vorne der Nachrichtensender FOX. In seinem Marsbericht bejubelt er die Ankunft des Marsrovers „Opportunity“ am Endeavourkrater, nennt ihn aber „Phoenix“ (eine übrigens stationäre Marssonde) und zeigt obendrauf eine Landeanimation von „Curiosity“. Was wir alles auf den Mars schicken ist aber auch heillos verwirrend!

NTV berichtete „Curiosity“ solle ein Gebiet 1640km vom seinem Landeort entfernt untersuchen. Aha…und wie lange soll der dahin unterwegs sein? „Opportunity“ hat in 8 Jahren 34,4km auf dem Mars zurückgelegt – und darüber sind alle Fans ziemlich glücklich.

Die Krönung der Marsberichterstattung aber kam, was für eine Überraschung, von der „Bild“-Zeitung. Unter der Betitelung „planetastisch“ hob sie die bisherigen „Marsleistungen“ der NASA hervor und schrieb: „Die US-Raumfahrtbehörde außerdem einen Meilensteine erreicht! Sie war am 4. Juli 3000 Tage auf dem Mars – am 4. Juli 1997 brachte der sogenannte Pathfinder die ersten Mars-Rover auf den roten Planeten.“ (Ja, da fehlt ein „hat“, aber das ist gar nicht der Punkt!). Seit wann sind 15 Jahre 3000 Tage? Wahrscheinlich ist „Opportunity“ gemeint, der sich am 2.Juli 2012 tapfer durch seinen 3000sten Arbeitstag roverte. Und was heißt überhaupt „die ersten Marsrover“??? Meines Wissens war der kleine „Sojourner“ ein Einzelkind!

Doch damit nicht genug der Lobeshymne, „Bild“ schwärmt weiter, die NASA habe „jetzt erstmals atemberaubend echt aussehende Bilder vom Mars veröffentlicht „. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und äußere den wagemutigen Verdacht, dass das damit zu tun haben könnte, dass das auf den Bildern tatsächlich der Mars ist.

 

 

3 Gedanken zu „space trash

  1. Liebe „Astronautin“ Silvia,

    der Bericht liest sich fachmännisch, wo im Hintergrund ein sehr großes Interesse und ganz sicher festes, fundiertes „Rucksackwissen“ der Autorin über das Thema Raumfahrt schwebt.Die Zeilen lesen sich teilweise lustig und manchmal etwas sarkastisch, wenn man ganz deutlich auf die Fehler/Unkenntniss der angeblichen Fachautoren und Reporter hinweisen muss. Ein Loch im Wasserstofftank …. der gute Tipp …. lauf! Die Flucht wird in der Realität nicht erfolgreich verlaufen und dann steht man plötzlich in gezackten Unterhosen da. Nun, der Normalbürger bemerkt dies natürlich nicht bei der Berichterstattung, obwohl das Andocken einer Sojusrakete an die Raumstation und der Landeanflug des Space-Shuttles auf die Erde mit Lichtgeschwindigkeit, äußerst zweifelhaft erscheinen. Captain Kirk lässt grüßen! Ich meine, es war die 4 – fache Schallgeschwindigkeit nach Eintritt in die Atmosphäre und kurz vor der Landung? Aber unheimlich interessant ist dieser Themenkomplex schon. Was hat sich alles getan in den Jahren? Die Mondladung …. habe ich als kleiner Junge „live“ miterlebt, mit schwarz / weiß Bildern und Schneegestöber auf dem Fernsehschirm und trotzdem war man begeistert. Und … der Sprung von der kleinen Apollokapsel zum Space-Shuttle? War das nicht eine gigantische Entwicklung? Heute die Marslandungen, zwar von Robotern durchgeführt, aber selbst das ist eine technische Meisterleistung der „Astronauten am Boden“, die das Ding fast blind sicher in der Marslandschaft umherfahren und lange vordenken müssen. Die Farbfotos der Marslandschaft sind natürlich echt und von hervorragender Qualität. Ich denke aber, dass in den nächsten zig Jahren kein Mensch den Mars erreichen und wieder lebend zur Erde zurückkehren wird. Trotzdem fliegen und Raumfahrt ist auch mein Thema ….. und das Space-Shuttle habe ich zwar nicht geflogen, aber 40 Flugstunden Boeing 737, nicht vor dem PC …. nein, Verkehrsfliegerschule Bremen unter Testbedingungen, ein ganz winziger Hauch von Abenteuer und a…. teuer! Aber … die Autorin schwebte auch einmal, in einem Raumfahrzeug. Da bin ich neugierig geworden. Wie ist das entstanden, ja … vermutlich auf der Erde, oder nicht?

    Astronomische und interstellare Grüße
    – Brain –

  2. Hallo Brain,
    das Shuttle donnert tatsächlich nicht unsportlich in die Atmosphäre… nach dem Deorbit Burn ( den ich auch gerne den höchstgelegensten U-Turn nenne) mit dem es seinen einzigen Landeversuch unwiderruflich einläutet trifft es immerhin noch mit 25900km/h auf die ersten Auswirkungen der Lufthülle unseres blauen Planeten. Das ist mehr als zwanzigfache Schallgeschwindigkeit. Und als Pilot am Steuer einer 737 wirst Du ermessen können, was es bedeutet, dass seine Geschwindigkeit beim aufsetzen immer noch niedliche 350km/h beträgt – sportlich eben.
    Bremen – wunderbarer Ort für Dinge, die abheben sollen. Geschichtsträchtig und immer noch sehr Luft- und Raumfahrtlastig… ein guter Ort für Flugstunden, teuer oder nicht. Das Vergnügen an der Sehnsucht den Boden unter den Füßen zu verlieren hat zwar einen Preis… aber unbezahlbar ist es auch in anderer Hinsicht.
    Ja, ich bin nicht mit einem Laserschwert durch die ISS geschwebt… sagen wir noch nicht. Bildbearbeitung ist ein schönes Instrument… 1live hatte da mal einen Fotowettbewerb ausgeschrieben, bei dem man einen Besuch beim KSC gewinnen konnte, inklusive ZeroG-Flug – dafür ist das Bild entstanden.
    Wenn ich realistisch denke, dann stimme ich Dir zu was den Marsflug anbelangt. Und laut den meisten amerikanischen Präsidenten sind wir ohnehin immer rund 20-25 Jahre von einer bemannten Marsmission entfernt. Das ist eine scheinbar feststehende, sich mit verschiebende Zeitspanne. Glauben allerdings möchte ich, dass es in den nächsten 20 Jahren versucht wird. Ob dem so ist wird davon abhängen ob man Gelder für die interplanetare Raumfahrt bereitstellen möchte oder lieber eher nicht. Die Tendenz der Raumfahrt insgesamt lautet „eher nicht“… deswegen stehen ja jetzt auch Space Shuttle in Museen, die das Ende ihrer Einsatzfähigkeit durchaus noch nicht erreicht hatten.

  3. Hallo, schwebende Silvia,
    es ist egal, Bildbearbeitung hin oder her. Das Foto hat was und sieht täuschend echt aus. Du könntest auch eine Astronautin sein, die in diesem NASA- Anzug und geringelten Socken in einem Raumfahrzeug um die Erde rast. Über deine Aufgabe im Weltall bin ich mir noch nicht sicher. Das Laser-Schwert lassen wir mal weg. Mit das Wichtigste an diesem Bild ist dein begeisterndes Lachen, was den Schwebezustand echt erscheinen lässt. Machte Spaß, so zu schweben?
    Konzentrieren wir uns erst einmal auf das Marsprojekt. Diese Mission wird interessant werden und noch lange andauern. Die Sonde, Voyager 1, seit 1977 unterwegs, funkt immer noch, ist ganz weit weg und befindet sich bereits in der Heliosheat – Region, darf auch nicht vergessen werden. Das ist vermutlich die Gegend, wo bald der Bretterzaun des Universums auftaucht.
    Soweit so gut, aber was machen wir denn, wenn uns einer aus dieser hypergalaktischen Entfernung auf der Erde besucht? Ich hoffe, die können mit der goldenen Platte der Voyager etwas anfangen.

    Liebe Grüße
    Brain

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