Cool things to find…

Der Mars – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2012. Dies sind die Abenteuer des Marsrovers Curiosity der ganz allein und auf unbestimmte Zeit verlängert unterwegs ist um eine neue Welt zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Millionen Kilometer von der Erde entfernt dringt Curiosity in Gegenden vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Es hätte so schön sein können. Beflügelt der Mars doch die Fantasie der Menschen seit sie ihre Teleskope auf ihn richten. Straßen, Kanäle und Wasserläufe, untrügliche Zeichen einer Zivilisation wurden auf ihm erspäht, Hollywood entdeckte ihn als potenten Lieferanten eroberungswütiger Aliens, die Wissenschaft bejubelte 1996 Relikte von Marsbakterien in einem vom roten Planeten stammenden Meteoriten… alles umsonst. Der Mars hat keine Zivilisation, wir müssen ohne grüne Männchen auskommen und inzwischen musste man auch bei den Marsbakterien kräftig zurückrudern.
Die umtreibende Frage bleibt: gab es je Leben auf dem Mars? Gibt es gar Leben auf dem Mars?
Saisonal ansteigende Methanwerte nährten neue Hoffnung. Das flüchtige Gas musste doch irgendwie produziert werden, von irgendwem. Auf der Erde übernehmen 90% der Produktion Lebewesen. Und auf dem Mars? Die Planetologen wurden zum Spielverderber. Sie machten Schlammvulkane auf dem Mars aus die selbst dann noch Methan abgeben können, wenn sie nicht mehr aktiv sind. Das nimmt die Marsmikroben nicht aus dem Rennen… aber die angebotene Alternativerklärung ist zu gut um sich auf Kleinstlebewesen zu freuen.
Seit Anfang August hat die Menschheit nun einen sechsrädrigen Biologen auf dem Mars. Der VW-Polo-große Marsrover soll sich vor Ort der essentiellen Menschheitsfrage annehmen, ob das Leben in unserem Sonnensystem eine auf die Erde beschränkte Singularität darstellt oder auch schon andere Anläufe genommen hat, beispielsweise auf unserem roten Nachbarplaneten.
Das mobile Mars Sience Labratory, wie Curiosity (von seinen Fans liebevoll “Cury” genannt) offiziell heißt, wird von JPL betrieben, wie zuvor bereits seine ausnehmend erfolgreichen kleineren Geschwister, die Mars Exploration Rover Spirit und Opportunity. Leitender Chefwissenschaftler der Mission ist der Geologe John Grotzinger. Nach sorgfältigen Systemchecks und einer ersten Umgebungserkundung hatte der Marsrover begonnen Bodenproben zu nehmen an einer Stelle, die einmal ein Flußbett gewesen sein könnte. Zum ersten Mal brachte er dabei sein komplexestes Instrument zum Einsatz: SAM – kurz und knapp für „Sample Analysis at Mars“. Einfach beschrieben wird die genommene Probe erhitzt und die Masse der dabei entstehenden Gasteilchen gemessen.
Die Resultate dieses Unterfangens nannte nun niemand geringeres als Grotzinger „earthshaking“ und eintragungswürdig in die Geschichtsbücher. Das mag ihm in einem Begeisterungsschub herausgerutscht sein, er mag es mißverständlich formuliert haben, es mag seine persönliche Meinung mehr gewesen sein als eine offizielle Ankündigung – dem Internet und den Medien war das egal. Sie explodierten nahezu und überschlugen sich in Spekulationen darüber, was der Rover da auf dem Mars wohl entdeckt haben könnte.
War das der Moment der Momente? Vergangenes, gegenwärtiges Leben auf dem Mars?

Zum nächsten planmäßigen Rover-Update versammelten sich 150 Journalisten, ein Massenauflauf in der öffentlichkeitsfernen Randnische Raumfahrt.
Und tatsächlich, der Rover hat u.a. Kohlenstoffverbindungen gefunden. Kohlenstoff ist toll, aus ihm werden die Bausteine des Lebens gemacht – zumindest dann, wenn er keine geologische Ursache hat, von Meteoriten eingeschleppt wurde oder als Verunreinigung des Messinstrumentes ein Mitbrinsel von der Erde ist. Das war immer ein Grundproblem. Obwohl alle interplanetaren Sonden so keimfrei wie möglich losgeschickt werden sind sie es natürlich niemals vollständig. Und wenn wir Leben auf dem Mars finden und es ist nicht grün und guckt uns an, dann müssen wir als erstes beweisen, dass wir es nicht dorthingeflogen haben.
Alle diese Fragen sind nach wie vor offen. Der Rover wird weitere Proben nehmen, Spezialisten werden versuchen seine Funde einzuordnen. Die Pressekonferenz aber war ein Desaster und überdeckt, dass da ein ziemlich cooler Rover auf einem anderen Planeten nach einer 570 Millionen Kilometer Reise einen fantastischen Job macht. Und eines Tages vielleicht auch die Frage klären kann ob wir jemals so allein und einzig waren wie wir uns auf unserem blauen Planeten manchmal fühlen.

10 Gedanken zu „Cool things to find…

  1. Hallo Silvia ….
    Das waren noch Zeiten, als die Wissenschaftler nur auf Teleskope zurückgreifen konnten und durch kleine Linsen den Mars beobachten mussten. Natürlich gab es da Spekulation über die vermeintlichen Kanäle, vielleicht alte Straßen und sogar noch das berühmte Marsgesicht trug dazu bei. Heute fährt nun ein fantastisch ausgerüstetes „Auto“ auf dem Planeten umher, gesteuert aus Millionen Kilometer Entfernung. Das ist eine Höchstleistung und ein technisches Wunder. Der Roboter wird alles aufzeigen mit seiner Superausrüstung. Begeistert bin ich immer wieder von den vielen Fotos. Ich glaube nicht, dass es dort heute nachweisbares Leben gibt. Der Mars ist heute öde, leer, rot und sehr staubig. Selbst für von Menschen erbaute Kolonien wird es da schwierig zu leben. Ob es Leben einmal gab, wird abzuwarten sein. Das kann man nicht so einfach bestreiten, ohne hinter die Fassade gesehen zu haben.
    In unserem Sonnensystem werden wir seit geraumer Zeit allein sein, zumindest nach einer Zeitrechnung die für uns mehr als unvorstellbar ist. Wie lange es dauert, dass auf dem Mars Menschen landen weiß ich nicht. Entscheidend ist vielleicht die Frage, ob es noch erforderlich ist, oder man auf sichere Roboter zurückgreift. Ein Roboterunfall auf dem Mars fordert keine Verluste an Menschen. Würdest du die Reise dorthin antreten, wie ein Tourist, alles ansehen, wenn es technisch machbar wäre??

    Liebe Grüße
    Brain

  2. Ich würde sie unter gewissen Voraussetzungen antreten. Menschen zum Mars zu schicken ist derzeit unmöglich und selbst in naher Zukunft ein anspruchsvolles kostenintensives Unterfangen. Aber Menschen zum Mars zu bringen ist noch der einfachere Teil… sie zurückkehren zu lassen ist die Herausforderung.
    Der Mond ist unser Trabant, immer ungefähr gleich nah dran. Interplanetare Raumfahrt heißt von einem sich bewegenden Objekt zu einem anderen zu gelangen… das legt einen längeren Marsaufenthalt nahe um einen treibstoffsparenden Rückflug zu ermöglichen. Der Mond hat nur ein Sechstel Schwerkraft und keine Atmosphäre. Beim Mars muss man Hitzeschildgeschützt landen und gegen ein Drittel Schwerkraft wieder starten. Und ob Menschen physisch in der Lage sind so lange in Mikrogravitation, bzw. verminderter Schwerkraft zu überleben ist ungeklärt.
    Deswegen wird gerne mal überlegt ob der Mars nicht auch mit einem One-Way-Ticket zu erreichen wäre und die Astronauten dann dort, früher oder später, ihr Leben beenden.
    http://www.welt.de/wissenschaft/weltraum/article108581453/One-Way-Mission-den-Mars-sehen-und-sterben.html
    Ich stehe dieser Missionsplanung aus vielen Gründen kritisch gegenüber und würde sie nicht eingehen. Ich hätte gerne zumindest die Chance auf eine Rückkehr. Dann aber… ich meine, wer könnte einer solchen Reise widerstehen?

  3. Gut …… damit bin ich auch einverstanden, eine solche Reise mit der Option der Rückkehr. Die andere Variante „One Way“ sehe ich auch sehr kritisch, aber sicher würde es Menschen geben, die sich dafür
    zur Verfügung stellen und das werden auch noch sicher hochqualifizierte Astronauten sein. Nein …. lieber nicht, der Roboter ist mir lieber!

    Brain

  4. Wenn ich diese Bilder vom Mars sehe, bin gefesselt und erschreckt. Und dann werde ich so dankbar über die Vielfalt und Schönheit der unzähligen Würmerchen und Blättlein und Menschengesichter, die ich mir hiersehen darf. Einfach so. Weil sie da sind und angeschaut und angefasst werden können. Ich kriege dann eine heftige Sehsucht nach dem, was ganz nah ist.
    Das erste Mal wurde mir diese Regung bewusst, als ich das Ende des Films SOLARIS von Tarkowski sah. Als auf der Erde im Spätherbst gelbe Blumen zu sehen waren. Ich war noch sehr jung und dieses Gefühl schoss mir Tränen in die Augen. Und anderen auch. Beim Herausgehen sah ich in viele weiche Gesichter mit Glitzeraugen.

  5. Ja, der originale Film, nicht die Neuverfilmung… der mit der Kamerafahrt zum Schluß, dem Zoom vom Haus weg, während die Musik einem den Rücken herunterläuft und man einen Kloß im Hals hat.
    Ich kann Deine Sehnsucht verstehen. Gut sogar. Wir staunen viel zu selten über unseren Planeten, nehmen uns die Zeit und die Gedanken ihn wirklich wahrzunehmen… so wie er ist, Zufall und Wunder zugleich. Ist Wasser nicht irre? Oder der Klang von Bäumen wenn die Luft an ihnen vorbeistreicht?
    Aber trotz allem, mir geht es oft umgekehrt. Manchmal täglich rufe ich die Bilddaten des Mars Rovers Opportunity auf. Diese …
    http://qt.exploratorium.edu/mars/opportunity/forward_hazcam/2012-12-14/
    … hat er gestern auf dem Mars gemacht. Er ist gerade dabei eine kleine Felserhebung genauer zu untersuchen. Gestern. Und es ist gerade mal zwei Uhr nachts am nächsten Tag und ich kann diese Bilder sehen. Hier auf dem blauen Planeten. Manchmal schickt er Bilder von den Monden des Mars, die er nachts beobachtet, von weiten Ebenen, die vertraut und fremd zugleich sind, von Sonnenuntergängen die blau sind, denn der Himmel ist tagsüber rot und färbt sich erst im Sonnenuntergang bläulich lila, von Bergketten die Kraterränder sind, von der deutlich kleineren Sonne… und oft weniger als einen Tag später kann ich mit meinen Augen auf dem Mars spazierengehen. Und dann… dann bekomme ich auch ein Gefühl von Sehnsucht. Nicht nach dem nahen… sondern nach dem anderen, fernen.

  6. Wie schön Du das sagst!
    Als würdest Du spüren, wie sehr alles zusammengehört. Das eine und das andere. Schon dadurch, dass Du es mit Deinen Menschenaugen aufnehmen darfst.

    Und: Ich hatte mich verschrieben. Nicht Spätherbst war es bei Tarkowski. Es waren Spätsommmerbilder mit viel irdischem Gelb.

  7. Fantastische Bilder und die Reifen des Roboters haben noch volles Profil und sind scheinbar
    blitzsauber. Damit kann das Gerät noch einige Zeit fahren ……………………..
    Es gibt noch andere Sehnsüchte zu diesem Thema : Sehnsucht nach dem Unglaublichen,
    oder auch nach dem Unmöglichen…………………..

  8. Bei den Mars Exploration Rovern fand man heraus, dass die Rillen eine gute Hilfestellung sind Entfernungen abzuschätzen, wenn die Landschaft dafür nichts hergibt. Also bekam auch Curiosity wieder ein deutliches Profil verpaßt – allerdings mit einer kleinen Besonderheit: er hinterläßt die Buchstaben JPL via Morsecode im Marssand … Jet Propulsion Labratory… seine Betreiber… 😉

  9. Morsecode im Marssand, Abstandsmesser an den Reifen ….. du bist ja sehr gut informiert, das beeindruckt mich immer wieder! Wollen wir hoffen das den Code irgendjemand, irgendwann liest, knackt ….. oder lieber nicht? Eine goldene Platte ist auch noch unterwegs, ganz weit weg, die nur noch entschlüsselt werden muss, von wem auch immer.

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