Kick it…

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Es ist so weit. Heute beginnt das Sommermärchen reloaded, der Anlauf für den Hattrick, der Anstoss zur Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Punkt.
Punkt? Nein, nicht Punkt. Der Fußballweltmeisterschaft der Frauen. Das scheint man dazu sagen zu müssen, denn es scheint eine imsense Rolle zu spielen. Warum ist das eigentlich so ein Akt, ein Segen, ein Drama, eine Besonderheit, ein Aufreger, je nachdem, wen man fragt.
Kolummnisten der Süddeutschen Zeitung beschwören Kindheitserinnerungen, wie sie als kleiner Junge auf den Schultern ihres Papas Fußballspielen beigewohnt haben und begründen damit ihr Desinteresse am Frauenfußball. Ja, das ist natürlich ein Argument… weibliche Kicker können Erinnerungen wirklich beschädigen.
Die Fahrer der Formel 1 waren zum Teil verblüfft, dass diese WM stattfindet. Das kann schon mal passieren, wenn man an Frauen als Grid Girls gewöhnt ist. Macht auch nüscht, ich weiß auch nie welches Rennen wo auf der Welt ansteht und welcher Fahrer wieviele Punkte wann eingesammelt hat.
Immerhin, Panini hat zum ersten Mal ein Klebeheft für die Fußballerinnen 'rausgebracht. Die Auflage ist kleiner, man produziert aber bereits nach, denn es verkauft sich gut. Bei den persönlichen Angaben zu den Spielerinnen fehlt das Gewicht. Man fand, das gehöre bei Frauen nicht veröffentlicht. Wieso eigentlich? Von vielen Supermodels und Schauspielerinnen bekommt man es nachgeschmissen. Ein bißchen weniger diätetische Gewichtsangaben wären doch eine beruhigende Orientierungshilfe für Teenager, die mit zweiflerischem Blick auf der Waage stehen.
Die Berichterstattung hat sich gemausert seit den Tagen der Kaffeeserviceverschenkung an die Europameisterinnen aus Deutschland. Fragen nach der speziell weiblichen Perspektive, Formulierungen a la "…wie würden Sie als Frau…" und dergleichen Journalistenplattheiten scheinen zur Randerscheinung zu verkommen und Erkundigungen nach Spielstrategie und Aufstellung Platz zu machen.
Fußgängerzonenbefragungen erbringen hingegen immer noch vehemente männliche Abwehrreaktionen. Wieso ist das eigentlich so? Ausdrücklich: kein Mann sollte gezwungen werden Frauenfußball zu gucken, wenn er nicht mag. Für Frauen gilt das gleiche für den Herrenfußball. Jeder hat das Recht auf freie Interessenwahl. Aber wieso scheint manchen Männern allein die Existenz von Fußballerinnen Angstzustände zu bereiten? Wieso behandeln manche Vertreter der Männlichkeit eine Frauenfußball-WM, als käme dieses Event einer seelisch-mentalen Kastration ihrer Existenz gleich?
Wieso ist die Geschlechterfrage ausgerechnet im Fußball so schwer zu überwinden?
1978 starteten 15 Teilnehmer zum ersten Ironman-Triathlon auf Hawaii… Männer unter sich und im Titel steckt's ja schon drin: IronMAN. Bereits 1979 startete die erste Teilnehmerin. Es gab keine aufwendigen Sonderregellungen, über eine Streckenverkürzung wurde nicht debattiert und eine Abspaltung zum IronWOMAN wurde nicht praktiziert. Es lief mehr nach dem Motto: "Wenn du dich genauso quälen willst, dann mach' doch!". Derzeitige Streckenrekordhalterin auf hawaiianischem Pflaster ist Chrissie Wellington, nur 22 Männer waren jemals schneller als sie.
Fühlen sich die restlichen Teilnehmer deswegen entmannt? Wohl kaum, hey, sie sind Ironman-Finisher, da ist jeder ein Held… oder eine Heldin.
Heute kann jeder Triathlonveranstalter entscheiden, ob er Frauen und Männer in zwei Wettkämpfen starten lässt oder alles in ein Event packt. Oftmals eine logistische Entscheidung. Bei Weltcup oder World Series Events gebietet die schiere Masse der Gemeldeten eine Partionierung auf zwei Tage und dann starten die Geschlechter getrennt. Oft werden nur die verschiedenen Distanzen getrennt, aber alle starten gemeinsam.
Ist dabei Thema dass Frauen bei kürzeren Strecken etwa 90% der Leistung ihrer männlichen Kollegen erreichen? Eigentlich nicht. It's fun!!!
Ist dabei Thema dass Astrid Benöhr auf der fünffachen Ironman-Distanz über zwei Stunden und auf der zehnfachen Ironman-Distanz fast fünf Stunden schneller war als jemals ein Mann? Eigentlich nicht. It's fun!!!
Und darum geht's doch. Wir haben eine Fußball-WM im Land. Wir haben Gäste aus verschiedensten Ländern, wir haben Spiele, Spaß und Spannung. Man kann Fußball mögen oder nicht und danach entscheiden ob man sich mit Fanartikeln behängt, in den Nationalfarben bemalt und die Vuvuzela wieder auspackt.
Heute beginnt eine Fußball-WM. Leute, it's fun!!!

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