„Ein großer Aufwand, schmählich! ist vertan.“

Mitnichten, Mephisto, mitnichten… es sieht nicht danach aus!

Ein sehr komplexes Schaustück schiebt sich gerade zusammen… und wahrlich, ein großer Aufwand ist’s gewesen. Die Kirche, so unbestreitbar schön und fraglos rahmengebend sie ist, sie war eine Herausforderung. Jedes gesprochene Wort hallt durch den Raum. Was für einen Gottesdienst enormen Sinn macht trifft sich höchst fatal mit der darstellerischen Angewohnheit dem ersten Wort in schneller Abfolge weitere folgen zu lassen. Die Akustik zu achten und trotzdem frei zu spielen brauchte eine eigene schauspielerische Balance und regieliche Sonderfeinjustierung vor Ort.
Die Logistik des Hintergrundes ist bemerkenswert und allen helfenden Händen von Kirche und Theater auf das herzlichste zu danken. Unzählige Kostüme und Requisiten werden zwischen Kirche und Theater hin und her transportiert, bereitgelegt und an den unterschiedlichen Spielorten der Kirche deponiert. Allein herauszufinden wer wann wo abgehen muss um die nächste Szene sinnvoll zu erreichen ohne teleportieren zu müssen war eine strategische Planung beachtenswerter Güteklasse.
Gefühlte 4 Milliarden cues für Licht, Ton und Musik müssen gegeben werden um Video, Toneinspielung, Live-Orgel, Chor und Darsteller im richtigen Augenblick zusammenzuführen.
Ein Kompliment gebührt unzweifelhaft dem Tablater Konzertchor, der sich weit über den Gesang hinaus sehr enthusiastisch auf dieses Projekt eingelassen und viel Freizeit in den Proben mit uns zugebracht hat. Nicht zu vergessen auch unsere doppelte Regieassistenz, die in den vergangenen Tagen koordinierenden Höchstleistungssport betrieben hat.

„Solch‘ ein Gewimmel möcht‘ ich sehn,
Auf freiem Grund mit freiem Volke stehn.

Im Vorgefühl von solchem hohen Glück
Geniess‘ ich jetzt den…“ – nein, nein, Mephisto, so einfach mach‘ ich es Dir dann doch nicht…!

Kirche Gretchen

faust_requiem

Regie: Stephan Müller
Komposition: Wolfgang Mitterer
Choreinstudierung: Ambros Ott
Video: Michel Weber

Besetzung: >>>>>>>

Premiere am:                 1. Juni 2013 / 19.30h (St.Laurenzen)
Weitere Vorstellungen:  7. Juni 2013 / 19.30h  und  9. Juni 2013 / 19.30h (St.Laurenzen)

3 Gedanken zu „„Ein großer Aufwand, schmählich! ist vertan.“

  1. Schön zu lesen, wie sehr DRIN Du bist. Deine Sätze klingen anders. Sie werden von Wörtern gefärbt, die Du sonst nicht benutzt.
    Der Vorgang erinnert mich an meine Studienzeit. Wenn ich alle zwei Stunden von einer Vorlesung in die andere rannte, fiel ich jeweils mit der Sprache der Dozenten in die Welt des Dichters, über den sie gerade referierten.
    Selbst die Gesten unterschieden sich, wenn einer über Hölderlin oder ein anderer über Schiller oder die nächste über Sowjetliteratur sprach.

  2. Himmel (und in diesem speziellen Faust’schen Fall auch Hölle gleich mit) bist Du eine aufmerksame Leserin. Eine Kollegin aus Rostock hat nämlich gestern auch bereits festgestellt, dass Goethe offensichtlich was in meinem Sprachzentrum lostritt. Aber sie hatte bedeutend mehr geschriebene Worte als dieser Blogbericht zur Verfügung um sich dieses Urteil zu bilden. Sehr beeindruckend. 🙂
    Nun, dann ist das wohl tatsächlich so. Und ich gebe es ja zu – obwohl ich zwischenmenschlich sicher so meine Probleme mit Goethe gehabt hätte… seine Sprache schmeckt wie eine Kiste Pralinen essen.
    Vielleicht ist aber auch Helmut Straßburger nicht unverantwortlich dafür, dass ich da so eine Vorliebe habe. Mit ihm habe ich 1997 „Faust II“ entdeckt … und mit ihm an dieser Sprache arbeiten, die Chöre in wortwörtliche Bewegung zu bekommen, Figuren nur anhand ihrer Worte herauszuschälen, das war eine sehr prägende Erfahrung für mich damals. So sehr, dass ich manche Texte heute kaum neu lernen musste… ich hatte sie immer noch im Ohr.

  3. Hallo Silvia ,,,,,

    ich glaube auch, dass du voll in diesem Stück aufgehst und das Schauspiel, gerade in dieser Kirche, als große Herausforderung ansiehst. Vielleicht etwas aufgeregter, also mehr Lampenfieber, als sonst? Beeindruckt von der gesamten Logistik? Mich würde schon interessieren, wie sich deine schöne Stimme bei dieser Akustik mit etwas Nachhall anhört.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Premiere!!!!

    LG Brain

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