Echo zum „Offenen Brief“ an Martin Rütter“

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Mein offener Brief an Martin Rütter hatte ein bemerkenswertes Echo. Ich erhielt ungewöhnlich viele Kommentare und Rückmeldungen für die ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken möchte.

Heute war einer dabei, der mir eine Ergänzung zu diesem Brief notwendig erscheinen lässt. Er lautet:

"Nett formuliert, aber schlecht recherchiert. Herr Rütter hat bereits am 26.02.2009 Stellung zu dem Missverständnis genommen. Nachzulesen in seinem Gästebuch, unter dem entsprechenden Datum:http://www.ruetters-dogs.de/Infos/Gaestebuch?year=2009

Ich freue mich auf den nächsten “offen Brief”.

Beste Grüße, Peppi"

Ich halte Kritikfähigkeit für ein oberstes Prinzip der Güteklasse bei Schauspielern. Wir alle wissen wie leidig und nutzlos man Probenzeit zubringen kann, wenn sie abwesend ist. Ich ging also dem Link nach und fand in Martin Rütters Gästebuch folgende Anfrage:

"Herr Rütter, ich hätte gerne mehr über das Zitat "Nur Depravierte halten sich Listenhunde" von Ihnen erfahren. Es haben sich ja nun schon diverse Leute mit Listenhunden nach einem Training bei Ihnen erkundigt und wurden abgewiesen, weil Sie und Ihr Team "mit solchen Hunden nicht arbeiten" und "diese Tiere sowieso lieber alle euthanisiert werden sollten". Ich finde das eine unglaublich rassisitische Haltung. Sie tun doch so, als seien Sie Hundefreund? Wie passt das denn zusammen? Oder sind Sie nur ein Hundefreund, wenn es sich um einen Nicht-Listenhund handelt und die Kamera läuft? Es sieht ganz so aus…"

Als direkte Antwort darauf schrieb Martin Rütter folgendes:

"STELLUNGNAHME MARTIN RÜTTER:

Liebe Frau Weber, vielen Dank für ihre Mail. Sie sind zu Recht entsetzt. Es haben mir Gott sei Dank auch schon andere Hundefreunde geschrieben. Selbstverständlich habe ich den Satz nicht gesagt. Zum einen haben Mitarbeiter von mir Mischlinge so genannter Listenhunde, zum anderen arbeite ich selbstverständlich mit allen Menschen gerne, die motiviert sind. Für mich spielt es überhaupt keine Rolle welche Hunderasse ein Mensch hat.

Der Journalist hat es auch nicht bös gemeint, sondern einfach ein paar Sätze miteinander vermengt. Das Gespräch ging über 45min und wir haben in der Zeit auch über Listenhunde gesprochen. Da das leidige Thema aber jetzt seit Jahren in allen Formen und Farben durch die Medien geleiert wurde, gab es wirklich nicht viel dazu zu sagen. Und so kamen wir sehr schnell auf ein Thema, dass mir sehr am Herzen liegt: Nämlich Deprivationserscheinungen von Hunden, die unter schlechten Bedingungen gehalten bzw aufgezogen wurden. Und auch wenn es nur ein kleiner Buchstabe ist, so ist das Thema DeprIvation, doch ein anderes als DeprAvation. Ich hoffe ich konnte sie beruhigen, dass mein Herz tatsächlich nicht nur vor der Kamera an Hunden hängt.
Herzliche Grüße und weiterhin viel Spaß mir ihren Hunden. Martin Rütter"

Zum besseren Verständnis und direkten Vergleich nochmal das von mir im ersten Beitrag erwähnte Rütter-Zitat:

"Über die Gefährlichkeit von Kampfhunden und deren Besitzer will er dabei erst gar nicht reden. "Man muss danach fragen, was das für Menschen sind, die sich solche Hunde halten", so sagt er dann aber doch. "Es sind meist Depravierte, die wohl ihre eigenen Gründe haben."

Dass er über das Thema "Kampfhunde" nicht reden mag ist in beiden Aussagen deckungsgleich. Der Rest soll Mißverständnis sein.

Nun muss niemand eine Schauspielerin überzeugen, dass Journalisten gelegentlich Inhalte verwirbeln, Mißverständnisse vorkommen und Flüchtigkeitsfehler passieren können. Ehrlich gesagt bin ich immer schon froh, wenn mein Vorname nicht mit "y" geschrieben wird und mein Nachname nicht plötzlich eine Verwandtschaft zu Armin Rohde suggeriert weil das "h" verrutscht ist.

Wieviel Mißverständnis aber liegt wirklich zwischen seinem Zitat und seiner Erklärung? Nun, zunächst einmal muss der Journalist im vergangenen Thema verblieben sein, während Rütter schon beim nächsten war. Setzen wir mal diese inhaltliche Abwesenheit voraus. Dann muss er Deprivation mit Depravation verwechselt haben. Nehmen wir diesen Hörfehler an. Anschließend muss ihm zusätzlich entgangen sein, dass Rütter thematisch über Hunde sprach, statt über Hundehalter. Denn sonst wäre der Hörfehler zweifellos aufgefallen – Deprivationserscheinungen bei Hundehaltern fallen üblicherweise in das Fachgebiet der Psychologie und sind nicht Teil eines Interviews mit einem Hundeprofi.

Abschließend muss der vollkommen abwesende und mehreren Mißverständnissen erlegene Journalist die Frechheit besessen haben aus all dem einen Satz zu erbasteln, welchen er Martin Rütter als wörtliches Zitat in den Mund legte.

Ob das eine plausible Möglichkeit ist, eine Wahrscheinlichkeit… das zu beurteilen möchte ich an dieser Stelle jedem selbst überlassen.

Stattdessen möchte ich auf die aktuelle Ausgabe einer Hundezeitschrift verweisen, die folgenden Leserbrief abdruckte und kommentierte:

"WUFF Das Hundemagazin" (Aktuelle Ausgabe 05/11)

Darin äußert sich sein Team grundsätzlich anders zu der Äußerung, die auf einem Mißverständnis beruhen soll. Entweder bestehen da Abstimmungsschwierigkeiten oder mit der logischen Übereinkunft seines Gästbuchseintrags und der Teamäußerung wird es schwierig.

Die Redaktion zumindest wurde auf Nachfrage auf den vorliegenden Schriftwechsel als aktuellen Stand die Äußerung betreffend verwiesen. Dieser Stand schließt die Bennung von 16 wesensunterschiedlichen Rassen als "Kampfhunde" ein und die weitere Verwendung des Begriffes "Kampfhund", trotz bestehendem Bewusstsein über die Negativbesetzung.

Das ist nicht nur wissenschaftlich inkorrekt, es ist vorallem vorurteilsfördernd. Dem habe ich in dem offenen Brief erwidert. Auch nach den angeregten und weiterführenden Recherchen kann ich nichts erkennen, was die Notwendigkeit dieser Erwiderung überflüssig machen würde.

Zwei Monate Fukushima – die Katastrophe ohne Publikum

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Am 11.März 2011 wurde Japan von einem Erdbeben der Stärke 9.0 erschüttert. Durch das Beben und den darauffolgenden Tsunami kamen Schätzungen zufolge bis zu 25.000 Menschen ums Leben. Die Folgen der Naturkatastrophe ließen vier Reaktoren den Kernkraftwerkes Fukushima Daichii havarieren.
Heute ist das zwei Monate her und längst aus den Medien verschwunden.
Eine meine Lieblingsschauspielerinnen, Ingrid Bergmann, hat einmal gesagt: "Glück bedeutet eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis.". Im Grunde hat sie recht. Manchmal steht aber auch ein schlechtes Gedächnis einer guten Gesundheit entgegen.
So wie Tschernobyl aus den Schlagzeilen und dem Bewußtsein der Öffentlichkeit verschwand und durch andere aktuelle Katastrophen ersetzt wurde, gerät auch Fukushima zur Randnotiz einer katastrophengewöhnten Welt, die sich für eine kurze Zeit medial-gesellschaftlich entsetzt und dann mit neuem Brot und Spiele gefüttert werden will.

Ich möchte den heutigen Tag zum Anlass nehmen einmal nachzusehen, welche aktuellen Nachrichten aus der strahlenden Kraftwerksruine es nicht mehr in die Schlagzeilen und das öffentliche Bewußtsein geschafft haben.

Für die Reaktorblöcke 1-3 gilt nach wie vor, dass die Brennstäbe im Druckbehälter ganz oder teilweise freiliegen. Damit einher geht fehlende Kühlung, die Gefahr der Bildung von explosivem Wasserstoff und die Selbstzerstörung der Brennstäbe durch unzureichende Abführung der Nachzerfallswärme.

Messungen radioaktiver Spaltprodukte im Abwasser von Reaktor 2 und im Kühlwasser des Abklingbeckens von Reaktor 4 legen den Schluss nahe, dass es zu unkontrollierten Kettenreaktionen auch noch 10-15 Tage nach der automatischen Abschaltung gekommen sein muss.

Eine solche Rekritikalität kann auch für Block 1 nicht ausgeschlossen werden.

Reaktorblock 3 hat sich letzte Woche binnen Tagen auf 240 Grad Celsius aufgeheizt. Das Reaktordruckgefäß ist in technisch einwandfreiem Zustand für Temperaturen bis 280 Grad ausgelegt. TEPCO will einen Zusammenhang zwischen dem Temperaturanstieg und den geschmolzenen Brennstäben nicht bestätigen.

Block 1 wurde vor sechs Tagen erstmals nach der Katastrophe wieder geöffnet und betreten. Dabei wurden 500 Millionen Becquerel freigesetzt. Die gemessenen Strahlungswerte im Reaktor erreichen 700 Millisievert. Zum Vergleich: die, bereits heraufgesetzte, Jahreshöchstdosis eines japanischen AKW-Arbeiters beträgt 250 Millisievert.

Während bereits seit Tagen Videos über Brände in den Reaktorblöcken kursieren ließ TEPCO verlauten, es handle sich dabei um Dampf aus den Abklingbecken von Block 3 und 4, welcher durch ein Schattenspiel schwarz erscheine und nicht besorgniserregend sei.

Auswertungen aktueller Fotos ergab, dass der Reaktorblock 4 sich aus der Senkrechten heraus "neigt", was für eine geschwächte strukturelle Stabilität des durch Brände beschädigten Gebäudes spricht in dessen Abklingbecken sich über 250 Tonnen Uran unter freiem Himmel gelagert befinden. TEPCO versucht nun eine Abstützung des Abklingbeckens und der Gebäudestruktur zu installieren.

Am Boden von Reaktor 3 wurde heute einströmendes Wasser entdeckt. Das Leck konnte inzwischen verschlossen werden. Seine Ursache und Auswirkung ist derzeit noch unklar.

Tepco plant den Sicherheitsbehälter von Block 1 mit 7.500 Tonnen Frischwasser zu fluten und so einen "Wassersarkophag" rund um den Reaktordruckbehälter zu schaffen. Mit Block 2 und 3 soll ähnlich verfahren werden. Laut eines Gutachtens des Londoner Ingenieurbüros Large Associates kann es dabei zum Bruch des Erdbebenstrapazierten Sicherheitsbehälters kommen, insbesondere da TEPCO keinerlei Erkenntnisse über mögliche Risse und Lecks der Behälter vorlegen kann. Auch jedes weitere Nachbeben könne einen auf diese Weise zusätzlich hochbelasteten Behälter brechen lassen. Sollte dieser Fall eintreten liegen offenbar keine Notfallpläne zur Bergung des Druckbehälters vor.

Keine dieser Nachrichten war in der letzten Woche eine Schlagzeile wert. Sie zu finden um sie zusammenzustellen erforderte Zeit. Sie zu lesen erfordert gute Englischkenntnisse oder, bei Bedarf, den wagemutigen Einsatz der Googleübersetzung… denn die wenigsten schafften den Sprung auf deutsche Nachrichtenportale.

Das "Theater" in Fukushima geht weiter, aber viel Publikum hat den Saal verlassen.

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Stars weltweit haben für Japan gespendet. Geld ist gut und kann helfen, aber es fühlt sich nicht an. Der japanische Schauspieler Ken Watanabe bewegt seit Wochen die Creme de la Creme seiner internationalen Kolleginnen und Kollegen dazu mehr nach Japan zu schicken als ihre Konten hergeben. Unter dem Motto "Stars Unite for Japan" senden sie Botschaften in das erschütterte Land.

Stars Unite for Japan Part One

Stars Unite for Japan Part Two

 

Think Big für’s Volkstheater Rostock

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Mir wurde gerade warm um's Herz. Mehr durch Zufall klickte ich mich auf einen YouTube-Beitrag von Fabian Nehring. Er studiert offensichtlich an der Universität Rostock und geht gerne ins Theater – was ja in Rostock seit der Schließung der Hauptspielstätte Ende Februar mit gewissen Schwierigkeiten verbunden ist.

Also überlegte er, was zu tun sei, kombinierte eine Idee mit einer derzeit laufenden o2-Aktion, erstellte einen kompakten Film über sein Anliegen und reichte seine Idee ein.

Link: Fabians Idee…

Lieber Fabian… (bitte um Erlaubnis Dich im Überschwang der Freude über diese Entdeckung zu dutzen!)… sollte ich jemals an einem Theater engagiert sein, dass sich gegen ähnliche Schwierigkeiten durchsetzen muss, wie das in Rostock derzeit der Fall ist, dann wünsche ich mir sehr, dass in meiner Stadt Theaterfans leben, die wie Du kreative Ideen haben, sich hinter selbige klemmen und sie in Taten verwandeln.

Jeder Schauspielerin/jedem Schauspieler, jedem Theatermacher muss bei solchen Aktion aus den Reihen des Publikums das Herz aufgehen. Ich kann Dir nur die Daumen drücken, dass Deine Idee eine Verwirklichung findet… denn ich finde sie kreativ, persönlich und sehr engagiert.

Offener Brief an einen VIP-Hundeprofi

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Sehr geehrter Herr Rütter,

bisher war ich immer recht angetan von Ihrer Arbeit. Das betrifft die gewaltfreie Konsequenz der Erziehung ebenso, wie Ihre Einschätzungen des jeweiligen Problems und die Verhaltensumbildungen, welche sie den Hundehaltern nahelegen. Und ebenso wie Sie bin ich der tiefverwurzelten Meinung, dass die Ursache der meisten Probleme auf zwei Beinen herumläuft und keine Pfoten hat.
Nun lese ich eine Aussage, die Sie bereits 2008 getätigt haben:
Über die Gefährlichkeit von Kampfhunden und deren Besitzer will er dabei erst gar nicht reden. „Man muss danach fragen, was das für Menschen sind, die sich solche Hunde halten“, so sagt er dann aber doch. „Es sind meist Depravierte, die wohl ihre eigenen Gründe haben.“
Das mit dem „depraviert“ musste ich nachschlagen, es bedeutet: verdorben, verkommen, verunstaltet.
Aha, ich bin also „depraviert“… wahrscheinlich sogar „hyperdepraviert“, denn ich bin nicht nur bekennender Fan der „Listenhunde“ (so die korrekte Bezeichnung der von Ihnen gemeinten Hunde – die ich übrigens vorzugsweise und gut begründbar „Kampfschmuser“ nenne), sondern auch Mitglied eines Tierschutzvereins, der sich die Aufnahme und Vermittlung dieser Hunde in die Statuten geschrieben hat.
Aber rollen wir das Feld von vorne auf. „Kampfhunde“… was ist das eigentlich für eine Rasse? Ich muss doch keinem Hundeprofi, der bereits von einem Chihuahua berammelt wurde was das Zeug hält, erklären, dass dies ein dehnbarer Begriff ist, bei dem sowohl böswillige, als auch unwissende Hundehalter dafür sorgen können, dass er zutrifft.
Mit „Kampfhunden“ meinen Sie also „Listenhunde“… Wikipedia führt unter diesem Begriff 16 Rassen, welche Sie also subsummierend in einen Topf schmeißen… auch das sollte sich ein Hundeprofi nicht unbedingt erlauben. Oder wollen Sie ernsthaft behaupten, dass ein Anatolischer Hirtenhund, die „Pinscherweiterentwicklung“ Dobermann, die „Scott und Huutch“ Bordeauxdogge und der quirlige Staffordshire Terrier deckungsgleich sind in ihren Eigenschaften?
Depravierte können lesen… ich möchte aber darauf verzichten Sie mit Gutachten und Studien von veterinärmedizinischen Fakultäten von Kiel bis Wien zu bewerfen, die allesamt die Lehrmeinung vertreten, dass „Eine valide wissenschaftliche Studie, in der zweifellos nachgewiesen wurde, dass bei den Rassen Pit Bull Terrier, American Staffordshire Terrier und Bullterrier die genetische Veranlagung des krankhaft übersteigerten Aggressionsverhaltens grundsätzlich vorhanden ist, existiert meines Wissens nicht. (Prof.Dr.Irene Stur)“.
Das ist aktueller Stand der Wissenschaft… und kontrapunktiert Ihre wissenschaftlich unhaltbare Verallgemeinerung von Rassen und Haltern.
Seit 1993 konnten in den Niederlanden „pitbullartige“ Hunde beschlagnahmt, abgeurteilt und getötet werden… ohne jegliches Fehlverhalten, aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit und der RAD-Verordnung. 2009 bescheinigte eine Kommission 109 Seiten lang, dass diese Verordnung die Beißstatistik in keinem Jahr verändert hat und schaffte sie ab. Tausende von Hunden haben bis zu dieser Erkenntnis nicht überlebt – aufgrund haltloser Vorurteile, wie Sie sie ebenfalls propagieren.
Lieber Herr Rütter, ich arbeite nun seit sechs Jahren mit Listenhunden, ich habe mich während eines Hundepraktikums mit dem, laut Bildzeitung, „gefährlichsten Hund Deutschlands“ namens „Sugar“ um ein Gummihühnchen gebalgt… ich müsste tot sein.
Tatsächlich bin ich in dieser Zeit mal fies verletzt worden. Ich habe in eine sich abrollende Flexleine gegriffen, als der Stafford am anderen Ende gerade einem von mir geworfenen Ball hinterher spurtete… Mann, hat das weh getan! Aber Dummheit muss bestraft werden und ich hab’s seitdem auch nie wieder getan…
Ob Listenhunde kämpfen? Ja! Eindeutig ja! Gegen Vorurteile, überhöhte Hundesteuer, um Liebe und Zuneigung, manchmal gegen Übergewicht.
Ob es ein Klientel gibt, dass diese Hunde zur Kompensation eigener physischer und psychischer Defizite mißbraucht und in deren Händen ich diese Hunde nicht gerne sehe? Auch ja! Aber in deren Händen will ich überhaupt keinen Hund sehen, weil das Ergebnis dieses Hintergrundes rasseunabhängig immer ein gefährlicher Hund wäre.
Was Ihre oberflächliche und beleidigende Äußerung hingegen völlig ignoriert ist der weitaus größere Anteil von Hundehaltern, die Listenhunde als Familienhunde halten, als Rudelmitglied. Die das stressfeste, gelassene, menschenzugewandte, kinderliebe, verspielte und intelligente Wesen dieser Rassen schätzen, die alle Auflagen bewältigen, die sich zu hunderten auf Sommerfesten treffen, mit Kind, Hund und Kegel… was Ihrer Theorie nach in einem gigantischen Hundekampf ausarten müsste… und die, so wie ich, irgendwann mal einen verwirrt verängstigten Staff trösten müssen, weil ein neurotischer Westi sich in seiner Lefze verbissen hatte.
In meiner Tierheimarbeit habe ich „Kampf“-Hunde getroffen, die allen Grund hatten Vorurteile gegen Menschen zu entwickeln. Sie wurden zum verhungern an Heizungen gekettet, geprügelt, geblendet, mißhandelt auf so viele unterschiedlichen perfiden Weisen, wie sie nur ein Menschengehirn erdenken kann. Die meisten von ihnen habe ich in neue, liebevolle Hände fortziehen sehen. Sie alle hatten die Größe sich neu einzulassen, Menschen nicht zu verallgemeinern, ihre bestialischen Erfahrungen nicht in ein Vorurteil zu verwandeln.
Wieso kann ein Hundeprofi weniger als jene Hunde, die er diffamiert?

„Eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle.“

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Am 9. September 2001 war ich in Dessau engagiert. Wir hatten gerade Endprobenwoche "Die Feuerzangenbowle", sie sollte am 14. September Premiere haben… sollte, die Premiere wurde dann verschoben.
Wir hatten einen Durchlauf und ich wartete oben bei den Garderoben auf meinen nächsten Auftritt, als die Nachricht kam, dass ein Flugzeug in das World Trade Center gestürzt war.
Unfall, ein schrecklicher katastrophaler Unfall… so unser erster Gedanke. Dann kamen die anderen Flugzeuge. Die Probe wurde unterbrochen.
Ich ging mit einigen Kollegen und meinem Lieblingsdramaturgen in die Dramaturgie, dort lief der Fernseher und ich sah zum ersten Mal die Bilder zu den Nachrichten.
Surreale Bilder. Bilder, wie man sie gewohnt ist aus Kinofilmen, die sich dramatische Spezialeffekte leisten können. Bilder, wie man sie nicht fassen kann, wenn sie das Wissen in sich tragen, dass sie die Wirklichkeit abbilden.
Was ich aber genauso unauslöschlich erinnere sind die Bilder von feiernden Menschen. Jubelnden Menschen. Menschen, die die amerikanische Fahne auf den Straßen verbrannten, Männer die Freudenschüsse in die Luft feuerten, tanzende Frauen, Kinder, die die Hände triumphierend Richtung Himmel streckten, lachend. Ein Fest angesichts der zu Feuerbällen gewordenen Flugzeuge. Ein Fest des Hasses. Diese Bilder waren nicht minder surreal.

Heute habe ich sie wieder gesehen.
Es wurden keine amerikanischen Fahnen verbrannt, sie wurden geschwenkt. Es gab keine Schüsse, aber kollektives high five. Jubelnde Menschenmassen auf den Straßen, Chöre skandieren "USA, USA!", die Menschen tanzen, springen, tragen sich gegenseitig auf den Schultern, lachen und feiern ekstatisch.
Ein saudi-arabischer Terrorist wurde in Pakistan nach 10 Jahren von den Amerikanern hingerichtet – und die feiernden Menschen auf den Straßen sprechen von Gerechtigkeit, Gott und Glück.
Der überwiegende Anteil der Medien, Politiker aus aller Welt, inklusive unserer beglückwünschen die Amerikaner zu dieser Leistung. Eine Verhandlung hat nicht stattgefunden, ein Gerichtsurteil wird es niemals geben – aber das Urteil wurde vollstreckt.
Und mir fällt schon wieder nur ein einziges Wort ein… surreal.

Die Mauerschau des Osterhasen

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Teichoskopie… das klingt nach einer HNO-Untersuchung. Tatsächlich aber bin ich Fan dieser Erfindung. Erlaubt sie es doch alles denkbare und undenkbare mitten auf die Bühne zu holen und das ganz ohne Animation, Special Effects und gigantischer Überstrapazierung des Bühnen- und Kostümetats.
Wird diese Mauerschau dann auch noch von einer Kollegin/ einem Kollegen dargeboten, die/der des plastischen Sprechens mächtig ist… dann schmelze ich in größter Wonne dahin und meine eigene Vorstellung fängt an Schlachten, Ungeheuer, wahnwitziges Getümmel und was dergleichen möglich ist mitten in die Bühnenhandlung zu zaubern.
Was aber wenn diese Mauerschau vom Osterhasen abgehalten würde?
Was, wenn sie den Anlaß des heutigen Feiertages beschreiben würde?
Aus seiner Sicht?
Ich habe mich entschlossen, dieser Frage mal nachzugehen… eine gewisse Subjektivität und Bibeluntreue mag in der Perspektive des Mauerschauenden begründet sein:

„Kaum seh‘ ich die Sonne sich erheben über den Platz, das Grab in Lichte tauchend, da seh‘ ich auch schon Menschenweibchen ihres Weges kommen… zu schauen nach dem viel zu früh Geschiedenen.
Und wahrlich spürt die Erde sich erzittern, dass die Tunnel aller Hasen wohl dem Untergang geweiht, ein mächtig Beben, das die weichsten Pfoten noch erschüttert. Und, die blitzend weiße Lichtgestalt, die dort vom Himmel niedersinkt, fast mag man glauben, dass sie übergroße Ohren hätt‘, doch nein, sind Flügel und es scheint ein Engel wohl zu sein, der einem Federstreiche gleich den Stein als wär‘ es ein Möhre von des Grabes Eingang schnell zur Seite rollt.
Die Wächter dieses Grabes fallen nieder, totengleich vor Angst… Angsthasen angesichts des mächtig Bild.
Der Engel aber spricht die Menschenweibchen an und sagt sie sollen bleiben und nicht der Hasenfüße gleich die Flucht ergreifen. Er wisse, wen sie zu schauen kamen, doch jener sei nicht länger in dem Grab, denn er sei auferstanden. Hingehen sollen sie, die Botschaft rasch verkünden, sie wispern in die Löffel aller Wesen, dass dieser Tag von nun an werde ein Tag zu feiern …mit Schokoladeneiern rund und süß, mit bunter Zuckerware und farbenfrohen Eiernestern.
Und dies wird der Osterhasen Gabe sein, nachdem sie Fuchs, Kuckuck, Hahn und Storch als Überbringer wohl verdrängen. Und siehe da… unsterblich wird auch er, der Osterhase.“

 

Offene Worte aus Saarbrücken

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Die Schließung des großen Hauses, der Hauptspielstätte des Volkstheaters Rostock, von einem Tag auf den anderen und die daraus resultierende Situation war hier im Blog bereits mehrfach Thema. Nun hat sich das Saarbrücker Theater in einem offenen Brief treffend zu Wort gemeldet:

 

 

Offener Brief

Saarbrücken, den 14.04.2011

Sehr geehrter Herr Methling,
sehr geehrter Herr Leonard,
sehr geehrte Frau Dr. Melzer,
liebe Kollegen des Volkstheater Rostock,

mit Schrecken haben wir vernommen, dass das Große Haus des Volkstheater Rostock am 22.02.2011 mit sofortiger Wirkung und auf unbestimmte Zeit, geschlossen wurde. Die Begründung, dass nicht ausreichende Brandschutzvorkehrungen das Publikum und die Mitarbeiter des Volkstheater gefährden, erklärt diese Vorgehensweise. Dennoch fragen wir uns, wie das Haus weiterhin die Umsetzung des Spielplans gewährleisten kann, damit die Bürger/Innen der Stadt Rostock in den gewohnten Genuss von Kunst und Kultur kommen können.

Das Schließen von Spielstätten auf Grund von Sanierungsarbeiten, ist kein unüblicher Vorgang. Derzeit wird beispielsweise das Stuttgarter Schauspielhaus einer Sanierung unterzogen. Der Spielbetrieb wird gewährleistet, indem übergangsweise eine alte Industriehalle genutzt werden kann. Ein anderes aktuelles Beispiel ist das Theater Heidelberg, das für einen Zeitraum von drei Jahren u.a. in einer alten Feuerwache seine Arbeit fortsetzt. Diese Häuser hatten ausreichend Zeit, sich auf diese Ausnahmesituation vorzubereiten.

Jeder von uns kann sich jedoch ausmalen, dass die Entscheidung, das Große Haus in Rostock von einen auf den anderen Tag zu schließen, einen vernünftigen "Alternativ"-Spielbetrieb nur ausschließen kann. Wir entnehmen dem aktuellen Spielplan des Volkstheater, dass ein Großteil der Produktionen ausgelagert werden konnte. Dennoch müssen viele Vorstellungen ausfallen und wir befürchten, dass auf Grund der Vielzahl von Ausweichspielstätten die Besucherzahlen sinken; zur Zeit spielt das Volkstheater an neun unterschiedlichen Orten.

Als Schauspielensemble können wir es nicht nachvollziehen, dass in einer großen Stadt wie Rostock das Theater so offenkundig einem Verlust von Ansehen und Aufmerksamkeit preisgegeben wird. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass Rostock sich auf diese Weise, über kurz oder lang, um eine Attraktion ärmer macht.

Wir wundern uns, dass diese Entscheidung auf der Ebene von Stadtpolitik und Theaterleitung durchgesetzt werden konnte, obwohl vorhersehbar ist, was ein Ausfall der größten Spielstätte für das Theater bedeutet.

Wir stellen uns die Frage, ob denn gar keine Alternative zu diesem Vorgehen diskutiert wurde?

Wie wir den Medien entnehmen können, liegt das Gutachten, welches die Mängel beschreibt, schon eine ganze Weile vor. Hätte man dieses Zeitfenster nicht nutzen können, um das Theater auf diese schwierige Situation vorzubereiten?

Darüber hinaus wundert uns, dass die Leitung des Volkstheater die Situation scheinbar anders bewertet. Denn nur so lässt sich erklären, warum auf die Probleme des Hauses öffentlich, vor allem überregional, bisher in einem nur unzureichenden Maße hingewiesen und kaum Stellung bezogen wurde.

Am Beispiel der Wuppertaler Bühnen und des Schauspielhauses in Hamburg wird deutlich, dass das Beschränken von Theaterarbeit eine große Solidarität unter Theaterschaffenden und -schauenden auslöst.

Warum, lieber Peter Leonard, meinen Sie als Intendant eines Theaters in dem nur noch sehr beschränkt Theaterarbeit möglich ist, dass ein Hilferuf nicht notwendig ist? Das verstehen wir nicht!

Da Kultur auf den Kürzungslisten der Finanzpolitik an erster Stelle steht, ist es um so wichtiger, die Öffentlichkeit auf die Situation in Rostock, aufmerksam zu machen.

Wir, das Schauspielensemble des Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, möchten mit diesem offenen Brief unsere Solidarität mit den Mitarbeitern des Volkstheater Rostock bekunden. Wir machen damit kenntlich, dass auch uns die Schließung des Großen Hauses in Rostock angeht. Es betrifft nicht nur Kunst- und Kulturschaffende, deren Arbeitsplätze durch Theaterschließungen in Gefahr sind, es betrifft vor allem die Menschen der jeweiligen Stadt und der Region. Sie sind die Leidtragenden dieser Beschneidungen kultureller Arbeit.

Wir hoffen, dass auch andere Theater in Deutschland auf die Situation in Rostock aufmerksam werden und rufen dazu auf, sich unserer Solidaritätsbekundung anzuschließen und sich zu den Vorgängen in Rostock zu verhalten.

Das Schauspielensemble des Saarländischen Staatstheater Saarbrücken

Space for Space

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Am 12.April 1961 startete Juri Alexejewitsch Gagarin mit Wostok 1 und einem gutlaunigen „Pojechali!“ (Auf geht’s) zum ersten bemannten Raumflug der Geschichte. Er umrundete unseren Planeten in 108 Minuten und landete dynamisch im Wolga-Gebiet. Dabei läutete er nicht nur das Zeitalter der bemannten Raumfahrt ein… fast wäre er auch ihr erstes Opfer geworden. Eine fehlerhafte Abtrennung der Landekapsel vom Rest des Raumschiffs versetzte beide, nunmehr unplanmäßig durch Kabel verbundene, Komponenten in eine unkontrollierte Rotationsbewegung. Erst die Reibungshitze des Wiedereintritts durchtrennte die Kabel und ermöglichte den glücklichen Ausgang der Mission. Gagarin wurde in den Rang eines Majors befördert, Nationalheld …und durfte nie wieder in den Weltraum fliegen. Zu gefährlich.

Das ist heute 50 Jahre her und die Nachrichten sind voll davon.

Am 12.April 1981, auf den Tag genau 20 Jahre nach dem ersten bemannten Flug in den Weltraum, stand das Space Transportation System mit dem Space Shuttle Columbia auf seiner Startplattform bereit für seinen Erstflug. An Bord John Young und Robert Crippen, Testpiloten der besonderen Art… denn obwohl in einzelnen Komponenten getestet konnte niemand vorhersagen ob das System als Ganzes funktionieren würde.
Die Columbia enttäuschte die in sie gesetzten Erwartungen nicht. Sie landete zwei Tage später erfolgreich und begründete das Zeitalter der wiederverwendbaren Raumschiffe.

Das ist heute 30 Jahre her und die Nachrichten erwähnen es nicht.

Und deswegen ist der 12.April 2011 ein gutes Datum für ein Outing. Ich bin Schauspielerin und Raumfahrtfan.
Ich bin Mitglied im Raumconforum, ich besitze original Trainingszeug der ESA, ich bin stolzer Sponsor von Copenhagen Suborbitals, ich kann ohne Bildunterschrift unterscheiden, ob ein Bild vom Mars Rover „Spirit“ gemacht wurde oder seinem Zwillingsbruder „Opportunity“… was wohl bedeutet, dass ich deutlich zuviel Zeit auf dem Mars verbringe und ich erscheine stilecht in diversen Shuttleshirts zum Regensburger Raumconstammtisch, wo ich mit anderen Weltraumverrückten hemmungslos das ATV mit dem HTV vergleichen kann, die problematische BX-Schaum-Haftung nach der Reparatur der Stringer im Bereich der Intertanksektion am ET diskutiere und gemeinsam mit ihnen die Augen verdrehe sobald jemand GUCP sagt.
Am Theater bin ich damit ein Exot und ziemlich allein. Falls es hier eine Kollegin oder einen Kollegen gibt, die/der das mit der GUCP verstanden hat… oh bitte bitte melden, sofort melden!!!
Unter Weltraumfans bin ich aber auch Exot… Schauspieler oder andere „Künstler“ sind in diesem technisch orientierten Genre rar.
Vorallem aber darf ich mich immer gleich für zwei subventionsgestützte Leidenschaften rechtfertigen, die das gleiche Imageproblem ihr eigen nennen: sie gelten als teuer und nicht wenige finden sie überflüssig.

Lassen Sie mich dazu beispielhaft zwei Dialoge kreieren und beginnen wir mit dem Raumfahrtklassiker:
„Sollten wir nicht erstmal die Probleme auf unserem eigenen Planeten lösen, bevor wir ins All fliegen?“
Dieser Satz wird meist in einem sanft mahnenden Tonfall geäußert mit Anklängen von Mitleid, dass man das Offensichtliche überhaupt anführen muss.
Ich halte dagegen, dass wir Magnetfeld, Wetter und Polkappen der Erde nur aus dem Weltraum wirklich im Blick haben und dass die NASA jedes Jahr zwischen 40 und 50 sogenannte Spinoffs veröffentlicht, also technologische Errungenschaften, die dank NASA verbessernd auf unserem Planeten eingesetzt werden.
Übliche Erwiderung: „Also MIR hat die Raumfahrt noch nie geholfen!“
Ich frage, ob man das Internet, das Handy, die Computernmaus, die Pamperswindel, die Wettervorhersage, Programmvielfalt im Fernsehen, Liveübertragungen, Navigationssysteme, Funktionskleidung, Rauchmelder, Taschenrechner, Akkubohrer, verspiegelte Sonnenbrillen, Klettverschlüsse, den Strichcode auf allen Produkten des Supermarktes, Brennstoffzellen oder einen Babyanzug gegen den plötzlichen Kindstod für sinnvolle Erfindungen hält?
„Äh, ja… schon…“
Made by NASA, ermöglicht durch Raumfahrt, Teil unseres Alltags.
Große erstaunte Augen.
„Ich wusste nur das mit der Teflonpfanne!“
Ok… Leute, ein für allemal… die Teflonpfanne ist KEINE Erfindung der Raumfahrt!!! Auch wenn alle das denken!!! Wahrscheinlich ist es ein Hörfehler… denn Kevler ist tatsächlich ein NASA Spinoff.

Führen wir nun den imaginären Theaterdialog. Er beginnt gemäßigter.
„Theater ist ja schon wichtig, aber für das Geld könnte man so viele Kindergartenplätze finanzieren.“
Ja könnte man, bestimmt. Und wer kommt dann zu den Knirpsen in die Kindergärten und spielt für sie vor Ort in Klassenzimmern, Turnhallen und Ruheräumen? Wo sehen sie ihr Weihnachtsmärchen? Wollen Sie „Peter und der Wolf“ als CD vorspielen oder sollen die Zwerge vom Klang eines Orchesters umgehauen werden, dessen Instrumente sie später genauer begutachten dürfen? Wissen Sie, wievielen verschähmten Lehrkörpern das Theater mit dem Klassiker „Was heisst hier Liebe?“ schon das Leben erleichtert hat? Apropos Klassiker! Wenn die Kinder dann älter werden – soll ihnen die germanistische Lehrkraft „Faust“ mit verteilten Rollen vorlesen oder sollen sie im Zuschauerraum herausfinden wie lebendig so ’ne komisch alte Sprache sein kann?
Man muss Kindern nicht nur eine Betreuung geben, sondern auch Begeisterung!
Dagegen ist dann meist schwer was zu sagen, man schwenkt von den Kindern weg und wird allgemeiner:
„Also ich geh‘ ja eher ins Kino oder sehe zuhause fern.“
Ja, das mache ich auch… aber ich möchte die Wahl haben. Übrigens, was meinen Sie denn woher der Pool von deutschen Darstellern kommt aus dem der „Tatort“ bis in die kleinste Nebenrolle fundiert besetzt werden kann? Lebt die Schauspiellandschaft durch das Fernsehen, das rare deutsche Kino? Oder ist das Fundament dafür doch eher die Bühne? Und sind es nicht auch Bühnenmenschen, die Ihnen ihre Arbeit schon vor der Premiere als Matinee und nach manchen Vorstellungen zur Diskussion vorstellen? Und sind Live-Geschichten nicht doch
ganz anders? Besonders? Ein Kinocenter wird schon mal auf der grünen Wiese gebaut. Wo das Theater ist, ist immer auch das Zentrum einer Stadt. Kultur, lokal, hautnah, das ist Theater. Was ist das wert?

Und plötzlich wird das mit dem zahlen und den Zahlen schwieriger.

Ganz ehrlich, die Hochkulturen vergangener Zeiten hätten uns belächelt. Die Maya, die Inka, die Ägypter, die Griechen besaßen detailierte astronomische Kenntnisse, hohe handwerkliche Fähigkeiten und schätzten ihre Kunst. Sie nannten das insgesamt Kultur. Sie wären vielleicht irritiert gewesen mit Zahlen zu berechnen was doch offensichtlich für eine hochentwickelte Gesellschaft nötig ist.

Wenn Kino Theater wird…

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Am Theater interessieren mich Menschen. In all ihren Geschichten, Gefühlen, Entwicklungen, Verwebungen, ihren inneren und äußeren Mahlwerken und Zahnrädern.
Im Kino bin ich Mainstream… da darf es krachen, da dürfen Mäuse Meisterköche sein, da dürfen Laserschwerter geschwungen werden, da dürfen Aliens sabbernd Mrs. Weaver auf die Pelle rücken – alles, was zu Popcorn paßt.
Zwischen den beiden Seiten der darstellerischen Medaille gibt es eine Schnittmenge. Sie ist klein, sie ist erlesen, sie haut mich um. Es sind großartige, zeitlose, dichte, wundervolle Filme voller Sogwirkung und Strudel. Es sind Filme, die wie Theater funktionieren… nur dass man den Darstellern mit dem Objektiv ganz nah sein darf.
Ein Mann, der für diese Filme eine wundervolle Handschrift sein eigen nennen konnte, starb heute 86jährig in New York.
Sidney Lumet ließ seine Filmschauspieler proben wie für ein Bühnenstück. Er bestellte sie zwei Wochen vor Drehbeginn und ließ sie das Drehbuch chronologisch proben. Besessen von seinen Charakteren, verliebt in New York schuf er Filme, die ihre Menschen in den Mittelpunkt ihrer Geschichten stellen.
Viele seiner Darsteller wurden mit dem Oscar ausgezeichnet aufgrund der Leistungen, die sie unter seiner Regie entfalten durften. Er selbst musste bis 2005 auf seinen warten und bekam ihn für sein Lebenswerk. 2007 sagte er, angesprochen auf die lange Wartezeit für den Mann in Gold: "Ich wollte einen, verdammt noch mal, und ich fand, dass ich auch einen verdiene.".
Das ist fraglos.
Ein weiterer großer Filmemacher ist gegangen. Seine Werke faszinieren weiter.
Danke für viele begeisternde Stunden.